Was hat man im Laufe der Jahre nicht schon alles geflogen: einfache Segler, kleine und mittlere Elektrosegler, das eine oder andere Zweimeter-Kunstflugmodell, einige Hartschaummodelle etc. etc. Dieses Mal aber sollte es endlich etwas Großes werden. Etwas richtig Großes.

Nein, keine „Extra“, keine „Raven“, auch kein „3D–Monster“ – sondern ein möglichst großer Allrounder sollte es sein. Aber auch keine „Piper“ und keine „Husky“ – das hat ja „jeder“. Und unbedingt auch für den F-Schlepp zu gebrauchen, dabei natürlich möglichst gutmütig und einfach zu fliegen. Immerhin sollte das mein erster Ausflug in die Welt des Großmodellbaus werden und andere „Großmodeller“ als Ratgeber gibt es in unserem Verein nicht. Und es kam bei der Modellauswahl auch ein wenig Übermut ins Spiel: ein wenig herumturnen sollte natürlich auch noch möglich sein. Also eine ganz einfache Planung: ein Groß- Trainer- Schlepp- Kunstflug- Supergutmütig- Großmodell.

Dank Internet konnte ich tagelang in alle möglichen und unmöglichen Richtungen schauen. Irgendwann bin ich auf den Seiten von Fliegerland in Leimen bei dem Anblick von etwas sehr Großem und sehr Rotem stutzig geworden: eine „Super Decathlon“! Der Anblick des Originals hatte mir schon Jahre zuvor in einer Aerokurier–Ausgabe sehr gefallen: Ein abgestrebter Hochdecker, eigentlich recht gemütlich anzuschauen mit seinem simplen Rechteckflügel und dem bauchigen Rumpf. Trotzdem recht schnittig und nicht zuletzt auch im Original ein Allrounder, der zwischen Schlepp, Reiseflug und Kunstflug so ziemlich alle Disziplinen beherrscht. Modelle der „Super Decathlon“ gibt es ja in vielen Größen von 80 cm bis etwa 3 m Spannweite – ich wollte aber das berühmte „Eckchen mehr“! Und nun leuchtete mir vom Monitor sogar ein vier Meter spannendes Modell entgegen. Die Beschreibung auf den Fliegerland–Webseiten schwärmte ebenso wie dessen Inhaber per E-Mail von den fantastischen Allround- und Langsamflugeigenschaften. Kurz gesagt: die Gedanken rotierten und die Augen fingen an zu glänzen.

Nach einigen Fragen und der prima Beratung von Reiner Pfister per E-Mail und Telefon habe ich mich auf den Weg ins süddeutsche Leimen gemacht und mich alsbald darüber wundern dürfen, dass ein einziger ARC-Bausatz einen Passat Kombi mehr oder weniger vollständig ausfüllen konnte. Und dann lag die Rohbau-„Decathlon“ tatsächlich im heimischen Wohnzimmer. Die nähere Betrachtung der Einzelteile ließ mein ohnehin schon vorhandenes Schmunzeln in ein breites Grinsen ausarten. Denn der Begriff „ARC“ war hier wirklich Programm: Ein fast 2,8 m langer GFK-Sandwichrumpf mit angedeuteten Fenstern in erstklassiger Qualität teilte sich mein Wohnzimmer mit absolut vollständig rohbaufertigen Flügeln und Leitwerken in Styropor/Balsa-Bauweise, natürlich großzügig mit GFK unterlegt. Auch waren alle Ruderklappen bereits gebaut, verkastet und mit Kavan–Großmodellscharnieren versehen. Die Servokästen in den Flügeln waren ebenfalls schon eingebaut. Dazu noch ein riesiges 50-mm-Steckungsrohr und ein sehr schöner, weißer GFK-Strebensatz – Herz, was willst du mehr?


Der Anschluss der Streben ist praktisch, leicht zu lösen und vor allem robust


Die Position der Einbauten im Rumpf anzuzeichnen war angenehm einfach

Aber halt, was ist das für ein Hauptfahrwerk? Da hat sich Fliegerland etwas Besonderes einfallen lassen: Insgesamt 18 Schichten, abwechselnd Kohlefaser und Sperrholz, letztendlich überzogen von einem CFK/Kevlar-Schlauch. Ein ungewöhnlicher Materialmix, jedoch sehr stabil, immer noch gut flexibel und nur halb so schwer wie ein zum Vergleich herangezogenes GFK-Hauptfahrwerk gleicher Größe. Bei dem Vorführmodell von Fliegerland war das Hauptfahrwerk weiß lackiert. An meinem Fahrwerk aber sollte kein Lack diesen Anblick verdecken. Kohle/Kevlar sieht halt einfach super aus.

Die Bauunterlagen waren zum damaligen Zeitpunkt noch recht spärlich. Immerhin lagen ein gut gezeichneter Plan für die Rumpfspanten und einige handgeschriebene Erläuterungen bei. Keine Angaben jedoch zu Schwerpunkt und Ruderausschlägen. Auf den ersten Blick etwas mager, jedoch ausreichend, da die „Super Decathlon“ bautechnisch recht konventionell zu beherrschen ist. Natürlich kamen mir während der gut sechsmonatigen Bauphase viele Fragen in den Sinn, auch weil ein solch großes Motormodell für mich völliges Neuland war. Fliegerland-Inhaber Reiner Pfister konnte ich damit jedoch nie wirklich aus der Ruhe bringen. Sowohl per Telefon als auch per E-Mail hat er alle meine Fragen schnell und einleuchtend beantwortet und mich manches Mal wieder „auf den rechten Baupfad“ geführt – vielen Dank noch einmal dafür!

Ich verfüge über keinen Bastelkeller und baue meine Flugzeuge normalerweise im Wohnzimmer. Spätestens jedoch, als dort der riesige Rumpf zum Anzeichnen der Einbauten auf Montageböcken stand, wurde mir ansatzweise klar, auf was ich mich da eingelassen hatte. Okay, die meisten Möbel verschwanden kurzerhand einige Monate im Schlafzimmer und im kleinen Lagerkeller. Das Singleleben hat also auch gewisse Vorteile.

Doch was bedeutet die trockene Aussage „Vier Meter Spannweite“ sonst noch? Ein Beispiel: die Position der Einbauten im Rumpf anzuzeichnen war angenehm einfach – immerhin konnte „ich Zwei-Zentner-Mensch“ dabei mit dem halben Oberkörper in den Rumpf kriechen und hatte immer noch genug Platz zum skizzieren. Und mein nicht gerade zarter 6-kg-„Kampfkater“ befand den „Decathlon“–Rumpf sofort seiner würdig und schlief über Wochen darin.

Durch die weitgehende Vorfertigung und die hohe Qualität der Bausatzteile schritt die Fertigstellung alles in allem recht zügig voran. Nacharbeiten waren nur im Bereich der Flächenstreben und deren Aufnahmen nötig. In der Serie sind die wenigen Problemstellen mittlerweile abgestellt. Von den Herstellerempfehlungen zu Bau und Bestückung bin ich eigentlich nur in einem wesentlichen Punkt abgewichen: Im Original weist die „Super Decathlon“ nur Querruder auf. An der Fliegerland-„Decathlon“ sind mit Rücksicht auf Schleppbetrieb und kleinere Modellflugplätze bereits Landeklappen vorgesehen. Jedes Ruder sollte mit je einem Hitec-Servo „HS-5955TG“ bestückt werden. Ich habe aber die Ruderklappen ein weiteres Mal halbiert und die so entstandenen vier Klappen pro Seite mit je einem Hitec-Servo „HS-5945MG“ bestückt, um im Falle eines Servoschadens Redundanz auf allen Ruderfunktionen zu erreichen. Zwingend notwendig ist diese Modifikation natürlich nicht, zumal damit gut und gerne 500 zusätzliche Gramm Gewicht in das Modell kommen. Hier kam wohl das Sicherheitsdenken meines Berufes (Medizintechniker…) zum Vorschein.



Da hat man was in der Hand – der 30x10”-Zoll-Propeller.


Der 116-ccm-MVVS-Boxermotor passt perfekt unter die Haube – „Wie dafür gemacht!

Die Höhenleitwerkshälften erhielten ebenfalls je ein Hitec-„HS-5945“, ebenso wie das Seitenruder. Zugegeben, aus dem Großmodellkunstflug ist man mittlerweile den Anblick ganzer Servobänke auf der Seitenruderfunktion gewohnt und ein einzelnes 13 kp–Servo erscheint zunächst etwas „zart“ an dieser Stelle. Allerdings ist die „Super Decathlon“ kein reinrassiger Kunstflug- und 3D–Bolide mit den damit verbundenen, extremen Kräften und Ruderausschlägen auf dem Leitwerk. Daher reicht eine recht konventionelle Bestückung mit einem kräftigen Einzelservo vollkommen aus.

Die Empfangsanlage habe ich mit einem „DDS 10“-Diversitysystem nebst Doppelstromversorgung von ACT komplettiert, das aus zwei 5-Zellen-Packs NiMh 1950 FAUP versorgt wird. Anders als bei konventionellen Empfängern konnte ich auf externe Boxen zur Stromverteilung verzichten, denn die „DDS 10“-Empfänger haben bereits die komplette Hochstromversorgung für alle Servos. Nicht zuletzt spart man so neben mindestens 300,- Euro auch ca. 300 g.

Die Ruderfunktionen wurden „über Kreuz“ auf die Empfänger verteilt, also zum Beispiel Querruder rechts innen an Empfänger 1, Querruder rechts außen an Empfänger 2 und so fort. Auch hier wieder Sicherheit durch Redundanz!

Direkt von seiner Präsentation auf der Nürnberger Messe fand dann auch der brandneue 116-ccm-MVVS–Boxermotor mit Original-Schalldämpferanlage seinen Weg zu mir und damit in die „Super Decathlon“. Der Herstellerwerbung nach sollte dieser Benzinmotor durch eine neue, innovative „Innengestaltung“ und durch vergaserseitige Tricks und Kniffe in der „150er–Liga“ mitspielen dürfen. Anfangs war ich angesichts dieser recht vollmundigen Aussagen des Herstellers zu Kraft und Laufruhe des eher kleinvolumigen 116-ccm-Motors noch etwas skeptisch. Immerhin scheinen 150 ccm heutzutage ja schon geradezu ein Minimum für Dreimetermodelle sein zu müssen. Die ersten Probeläufe des Motors an einer 30x10“-Menz-Holzluftschraube beseitigten jedoch alle Skepsis und bestätigten die Aussage von MVVS voll und ganz: sehr gutes Anspringverhalten, angenehm laufruhig und in jedem Drehzahlbereich spontan und mit Nachdruck bei der Sache.

Durch die ungewöhnliche Form des Vergasers und dessen Position musste leider der angeformte GFK–Motordom des Rumpfes weichen und wurde durch eine Konstruktion aus Aluminiumstangen und Dämpfungselementen ersetzt. Wenn jedoch, wie von Fliegerland vorgeschlagen, beispielsweise ein „ZDZ 160“ für den Vortrieb zuständig sein soll, passt alles ohne Modifikationen an den vorgesehenen Platz. Aber ich hatte mir ja in den Kopf gesetzt, dass an meiner „Decathlon“ alles ein wenig besonders werden solle. Also war die Eigeninitiative angesagt.

Etwas Luxus muss natürlich auch sein, also werden Choke und Zündungssteuerung nunmehr auch ferngesteuert betätigt. Für Letzteres kam ein elektronischer Zündschalter von SM–Modellbau zum Einsatz. Das halte ich für ein sehr wichtiges Stück Betriebssicherheit, denn ich kann nun vom Sender aus in jeder Situation die Zündung ein- und ausschalten. Im „DDS 10“–System ist es auf Failsafe programmiert, also nahezu unmöglich, dass die „Decathlon“ durch einen unkontrolliert laufenden Motor Unheil anrichten kann.


Der Innenausbau des 2,8 m langen Rumpfes ist Modellbau vom Feinsten


Bereit zum ersten Flug. Ich habe auf ein sehr gut sichtbares Design in der Kombination Weiß/Carbon/Leuchtrot zurückgegriffen.


Bislang ahnte ich nicht, dass ein einziger ARC-Bausatz einen Passat Kombi mehr oder weniger vollständig ausfüllen konnte


Die wahre Modellgröße wird erst so richtig deutlich, wenn man die entsprechenden Transportmöglichkeiten abwägt.


Die Ruderflächen sind trotz „Abmagerungskur“ steif, dank durchgängiger GFK-Verstärkung unter der Beplankung

Um trotz Luxus und Sicherheitsextras im notwendigen Gewichtslimit zu bleiben, habe ich an anderer Stelle kräftig einsparen müssen: Ultraleichter 130-mm-CFK–Spinner von Graupner, spezielle 150-mm-Lufträder aus dem Industriebedarf, 13 m Oracover-Light Bügelfolie und nicht zuletzt viele große Bohrungen in allen Ruderflächen und Randbögen und der Verzicht auf das mitgelieferte GFK-Armaturenbrett verhalfen der „Super Decathlon“ zu einem Abfluggewicht von genau 24,81 kg – Punktlandung! Ohne meine „Sonderwünsche“ wäre ich zumindest rechnerisch wohl nur bei ca. 23,6 kg gelandet. Speziell die Ruderflächen vertragen eine solche „Abmagerungskur“ sehr gut. Sie sind durchgängig mit GFK unter der Beplankung versehen und absolut steif. Durch den enormen Flächeninhalt des großen Rechteckflügels liegt die Flächenbelastung trotzdem nur bei knapp 90 g/qdm, also in einem absolut unkritischen Bereich. Fliegerland hat die Flügel in der Zwischenzeit bei gleicher Stabilität um ein gutes Kilogramm erleichtert. Es sollte also nun jedem Käufer der „Super Decathlon“ leicht fallen, trotz Sondereinbauten das Gewichtslimit einzuhalten.

Da ich „meine ganz eigene“ Decathlon nicht irgendeinem Vorbild annähern wollte, habe ich auf ein sehr gut sichtbares Design in der Kombination Weiß/Carbon/Leuchtrot zurückgegriffen – schlicht, aber ansprechend und auch in großer Höhe sehr gut sichtbar!

Nach einem guten halben Jahr näherte sich die Fertigstellung ihrem Ende und es kam wie es kommen musste: Wie um alles in der Welt sollte ich nun den Schwerpunkt auswiegen? Zusammen mit meinem ebenfalls vom Modellflugvirus infizierten Nachbarn wurde ein langer Spanngurt von meiner Terrasse aus um den Balkon im ersten Stock und schließlich um die Hülse des Steckungsrohrs gewickelt. Dort genau sollte der Schwerpunkt ja auch hin. Einmal kurz und kräftig angezogen und schon schwebte die neue „Super Decathlon“ zum ersten Mal – 10 cm über der Terrasse am Gurt! Und schon polterte etwas, nämlich die Steine von der Seele: Der Schwerpunkt passte auf Anhieb und musste auch in der Folge nicht mehr verändert werden.

Der Mai kam, das Wetter wurde wärmer – bald sollte sie fliegen! Doch so recht wohl war mir trotz aller Theorie nicht. Mein erstes Großmodell und niemand greifbar, der ähnliches fliegt. Hatte ich doch letztlich viel Zeit, Geld und „Herzblut“ investiert. Kurzum: meinem Bauch ging es bei dem Gedanken an den Erstflug nicht wirklich gut. Aber ich hatte es ja nicht anders gewollt! Normalerweise nimmt man mindestens zwei Modelle in einem Auto mit zum Modellflugplatz. Zum Erstflugtermin der „Super Decathlon“ war es dann umgekehrt: Das neue Modell wurde gleich auf zwei Autos verteilt, weil in meinem Fahrzeug leider eine knappe Handbreit Innenlänge fehlte. Mittlerweile weiß ich, dass die Motorwelle des MVVS-Boxermotors herausgeschraubt werden kann – nun passt das Modell komplett in meinen Ford C-MAX!

Man stelle sich nun folgende Situation bildlich vor: ein wunderschöner Abend mit allerbestem Flugwetter, kaum Wind und glücklicherweise nur wenige Zuschauer. Der neue Motor schnurrte im Standgas munter vor sich hin und alle Ruderfunktionen waren mindestens zwanzigmal überprüft worden. Also hier noch ein Rollversuch und dort noch einmal geschaut und geprüft - welche Ausrede fällt mir als nächstes ein, um nicht starten zu müssen? Gute Freunde waren ja dabei und redeten mir sehr einfühlsam und beruhigend zu („Wackel’ nicht mit dem Geflügel – flieg!“ – Danke, Thomas...).

Gasknüppel recht zaghaft auf Halbgas, die „Super Decathlon“ rollte los. Dann den Gasknüppel noch zwei Zacken vor – wieso fliegt die denn schon? Es ist nicht übertrieben und auf dem Video vom Erstflug heute noch schön zu sehen: die Startstrecke lag unter 15 m! Einmal oben angekommen, tat dieser Brocken von Flugmodell dann ganz unschuldig, als hätte er nie etwas anderes gemacht als zu fliegen. Grad so, als wollte mir mein erstes richtiges Großmodell ganz souverän zuschmunzeln: „Siehste! Wozu die ganze Sorge? Geht doch!“

Sämtliche Trimmhebel konnte ich getrost ignorieren, alles passte auf Anhieb. Nun einige Runden des Eingewöhnens um den Platz und meine Kniegelenke näherten sich langsam wieder ihrer normalen Tragfähigkeit. Der Geschwindigkeitsbereich war moderat. Wirklich schnell wurde die „Super Decathlon“ nicht. Hierfür sind neben der großen Stirnfläche sicher auch Streben und Leitwerksverspannung verantwortlich. Am anderen Ende der Temposkala wurde es dann allerdings richtig interessant: Vor den ersten Landeanflügen wollte ich mich sicherheitshalber in ausreichender Höhe an den Abrisspunkt der „Super Decathlon“ herantasten: Also weniger Gas, sie fliegt noch. Noch weniger Gas, sie fliegt immer noch!? Nun gut, dann also den Knüppel bis auf die zweitletzte Raste zurück, welcher Abrisspunkt könnte da normalerweise widerstehen? Die „Super Decathlon“ ließ sich unglaublich langsam machen und zeigt keinerlei Tendenz zum Abkippen. Selbst als die riesigen Landeklappen rechtwinklig herabgesenkt wurden, sackte sie ohne Schleppgas einfach nur gerade durch und blieb dabei noch steuerbar auf den Querrudern. Nach zwei Anflügen war demzufolge die erste Landung nicht allzu angsteinflößend. Ich konnte das Modell im gleichen Stil landen wie einen etwas groß geratenen „Telemaster“: Gasknüppel auf Standgas und einfach kommen lassen. Kurz über dem Boden schwebte es ganz gemächlich aus und rollte nur wenige Meter bis zum Stillstand.

Es mag übertrieben klingen, aber man muss es tatsächlich gesehen haben, wie langsam ein Motormodell dieser enormen Größe voll steuerbar fliegen kann. Dabei muss man allerdings recht vorsichtig mit den riesigen Landeklappen umgehen. Komplett ausgefahren bleibt „die Fuhre“ in kürzester Zeit fast in der Luft stehen. Diese Stellung sollte man nur beim Ausrollen und bei steilen Abstiegen wählen. Mit maximal halb gesetzten Klappen und Viertelgas hingegen kann man die Decathlon im gemütlichen „Radwandertempo“ an den Aufsetzpunkt heranbringen, ohne dass das Steuergefühl auch nur ansatzweise schwammig erscheint.

Für den späteren Schleppbetrieb bedeutet das natürlich, dass die Bandbreite der hinten angehängten Segler enorm ist! Der Geschwindigkeitsbereich der „Decathlon“ erlaubt sowohl den wirklich langsamen Oldtimer gemütlich in die Luft zu ziehen, als auch die schnellen und großen „Fox“- und „Swift“-Kunstflugboliden ohne durchhängende Leine zügig in ihr Element zu „sporten“.

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen mit der Super Decathlon ist es mittlerweile, die Umstehenden ein wenig zu verblüffen: In der Flightline neben „Piper“, „Husky“ und „Beaver“ aufgereiht, erscheint die „Super Decathlon“ mit ihrer eleganten Form und dem kleinen „Hängebauch“ eigentlich recht gemütlich. Aber gewiss nicht umsonst hat ihr der Hersteller ein vollsymmetrisches Profil spendiert!

Wilde 3D–Aktion samt gerissenen und gestoßenen Figuren nun einmal außen vor gelassen, gehört das gesamte Spektrum des klassischen Kunstflugs mit zum Repertoire dieses 4-m–Modells. Kurzum alles, was das Original kann, macht auch das Modell aus der Fliegerland-Produktion klaglos mit. Am meisten erstaunt hat mich dabei die ausgeprägte Neutralität. Meine ersten Rückenflugversuche endeten regelmäßig in gedrückten Aufschwüngen, bis ich endlich begriffen hatte, dass dieser abgestrebte Hochdecker Unterstützung per Tiefenruder weder mag noch braucht. Also mit einer halben Rolle oder einem halben Loop auf den Rücken legen und alle Knüppel loslassen – die „Super Decathlon“ zieht einfach weiter geradeaus ihre Bahn.

Bei diesen „Turneinlagen“ wurde schnell deutlich, dass der 116-ccm-Boxer nach der Einlaufphase die Decathlon auch senkrecht aufwärts zu ziehen vermag. Das Schub-/Gewichtsverhältnis liegt ziemlich genau bei 1:1. Es geht sicher nicht so „brutal zur Sache“ wie mit einem 160er, aber stetig und mit Nachdruck geht es weit und weiter aufwärts bis die piloteneigene Sicht, beziehungsweise Angstgrenze erreicht ist.


Bis zu diesem beeindruckenden Rohbau verging dank dem hohen Vorfertigungsgrad nicht viel Zeit.

Der angeformte GFK–Motordom des Rumpfes musste weichen und wurde durch diese Konstruktion aus Aluminiumstangen und Dämpfungselementen ersetzt



Nun stelle man sich vor, die „Super Decathlon“ soll noch einmal das gleiche Gewicht segelnd hinterher schleppen. Das Gesamtgewicht des Schleppzuges läge dann unwesentlich unter 50 kg bei einem sehr gesunden Schub-/Gewichtsverhältnis von 1:2 – sehr beruhigende Aussichten. Auf dem TUN-Testflugmeeting (vgl. Bericht auf Seite 14 in dieser Ausgabe) zogen Reiner Pfister und andere Piloten die beeindruckenden Register dieses großen Schleppers.

Wer hat den Satz „Groß fliegt gut“ geprägt? Stimmt! Fliegerlands große „Super Decathlon“ definiert, was im 25-kg-Limit wirklich machbar ist. Man erhält für einen angemessenen Preis einen hochwertigen und sehr weit vorgefertigten Bausatz, der in relativ kurzer Zeit fertig gestellt ist und keine böse Überraschungen birgt. Und die fliegerische Bandbreite ist enorm und überfordert niemanden, der agile Querrudermodelle mittlerer Größe sicher beherrscht. Durch den fantastischen Geschwindigkeitsbereich passt sich die „Super Decathlon“ jedem Segler im F-Schlepp sehr gut an und benötigt extrem wenig Bahnlänge für Start und Landung.

Was wollte ich doch gleich haben: ein Groß- Trainer- Schlepp- Kunstflug- Supergutmütig- Großmodell. Hab` ich jetzt! Würde ich noch einmal monatelang „auf dem Baubrett“ leben wollen? Für solch ein Modell? Aber sicher! Wenn hinterher nur nicht immer eine gute Woche Putzarbeit im Wohnzimmer anfallen würde...
Frank Steinmetz


Einmal oben angekommen, tat die „Bellanca Decathlon“ von Beginn an so unschuldig, als hätte sie nie etwas anderes gemacht als zu fliegen


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