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Weltmeisterlich

Benedikt Feigl ist der erste deutsche F3J-Weltmeister


Benedikt Feigl ist der erste deutsche F3J-Weltmeister.

Der sympathische junge Bayer wurde in Adapazari (Türkei) als erster Deutscher Einzelweltmeister in der Klasse F3J (vgl. AUFWIND 5/2008). Dieter Rybold sprach mit ihm über sein Hobby, seinen Weltmeistertitel und seine Pläne.

Dieter Rybold: Wie fühlst du dich als Weltmeister?
Benedikt Feigl: Es ist schön, Weltmeister geworden zu sein in dem Hobby, das ich schon mein ganzes Leben lang ausübe. Natürlich werde ich jetzt mehr beobachtet, ansonsten ist aber alles beim Alten geblieben.

Dieter Rybold: Kam der Titel für dich überraschend?
Benedikt Feigl: Es gibt auf der Welt mindestens 20 bis 25 Piloten, die alle Weltmeister werden können. Tagesform und Glücksfaktor müssen zusammenkommen. Ich habe mich aber zu diesem Kreis dazu- gezählt. Ich wusste schon, dass ich das Fliegen ein wenig beherrsche.

Dieter Rybold: Wie hast du dich auf die Weltmeisterschaft vorbereitet?
Benedikt Feigl: Ich habe mich auf die WM wie auf jeden anderen Wettbewerb vorbereitet. Der Unterschied der WM zu den normalen Wettbewerben liegt halt darin, dass sie über einen längeren Zeitraum geht. Ich bin jedes Wochenende auf dem Modellflugplatz. Da Schule und Prüfungsvorbereitungen in diesem Jahr ihr Recht forderten, war auch keine zusätzliche Trainingszeit vorhanden.

Dieter Rybold: Was hat dich dazu bewogen, kurz vor der WM das Modell zu wechseln?
Benedikt Feigl: Nachdem unser Modellsponsor NAN, dessen Modelle in Deutschland von Cumulus-Modellbau vertrieben werden, mir kurz vor der WM sein brandneues Modell „Xplorer“ (vgl. AUFWIND 6/2008) zur Verfügung gestellt hatte und ich sofort begeistert vom Handling war, habe ich mich kurzfristig entschlossen, es auszurüsten und auf der WM einzusetzen. So mussten noch zwei Modelle zur WM fertiggestellt werden, die ich erst in der Türkei ein- geflogen habe. Das war aber eine Gefühlsentscheidung und hatte nichts damit zu tun, dass ich mit „Xperience“ und „Shadow“ nicht mehr zufrieden wäre. Beides sind nach wie vor tolle Modelle.

Dieter Rybold: Welches waren deine größten Erfolge neben dem Weltmeistertitel?
Benedikt Feigl: Das waren 2006 der Einzel-Vize-WM-Titel bei den Junioren sowie die Siege mit der Juniorenmannschaft bei EM und WM 2003 bis 2006.

Dieter Rybold: Wie sieht dein Trainingsplan aus, um konstant erfolgreich zu bleiben?
Benedikt Feigl: Ich bin nicht der Typ, der systematisch trainiert. Ich gehe zum Fliegen, um Spaß zu haben.

Dieter Rybold: Was genau ist für dich die Faszination am F3J-Fliegen?
Benedikt Feigl: Das F3J-Fliegen spiegelt am besten das Grundprinzip des Fliegens wieder, sich ohne Motor durch die Kraft der Natur nach oben zu schrauben. Darüber hinaus genieße ich die geselligen gemeinsamen Abende auf den Wettbewerben, bei denen die Teilnehmer gemütlich beisammen sitzen und der sportliche Konkurrenzkampf dabei in den Hintergrund tritt.

Dieter Rybold: Was ist für einen F3J-Piloten das schönste Erlebnis?
Benedikt Feigl: Am schönsten ist es, wenn mein Coach mir während des Fluges nach sechs Minuten sagt, dass alle Konkurrenten schon vorzeitig gelandet sind, ich aber die vollen zehn Minuten fliege und mir so der Aufmerksamkeit aller Teilnehmer und Zuschauer gewiss sein kann.

Dieter Rybold: Wie hoch ist der Einfluss der „modernsten“ Modellkonstruktion? Soll heißen: Könnte ein Super-Pilot auch mit unterlegenem Material so gut sein wie ein weniger erfahrener Pilot mit Profi-Material?
Benedikt Feigl: Der unerfahrene Pilot ist dem erfahrenen auf alle Fälle unterlegen. Ich schätze das prozentuale Verhältnis von Pilot zu Modell auf etwa 80 zu 20 ein.

Dieter Rybold: Betreibst du auch noch andere Sportarten?
Benedikt Feigl: Es bleibt leider keine Zeit für etwas anderes. Ich habe es mit manntragendem Segelflug versucht, das Ganze aber wieder aufgegeben, nachdem nicht mehr genügend Zeit für meinen Freundeskreis blieb.

Dieter Rybold: Du bist schon in vielen Ländern F3J geflogen. Wo hat es dir am besten gefallen?
Benedikt Feigl: Die Frage kann ich so gar nicht beantworten. Das hängt immer von den Leuten und der Stimmung ab, die man auf den Plätzen antrifft, nicht von den Örtlichkeiten.
Dieter Rybold: Wo warst du noch nicht und würdest gerne einmal dort fliegen?
Benedikt Feigl: Brasilien ist ein Traum von mir.


AUFWIND-Autor Dieter Rybold (links) traf Benedikt Feigl auf dem F3J-Qualifikations-Wettbewerb in Kaltenkirchen.


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Benedikt Feigl gewann die WM mit dem „Xplorer“ von NAN (vgl. AUFWIND 6/2008).



Steckbrief

Name: Benedikt Feigl

Geburtsdatum: 30. Oktober 1988 Starnberg

Wohnort: Höhenrain

Beruf: Industriemechaniker
angehender Student Feinwerktechnik

Heimatverein: LSV Weilheim Peißenberg

Modellflug seit: 1993/1994

Erstes Modellflugzeug: „Riser 100“

Aktuelles F3J-Modell: „Xplorer“

Fernsteuerung: Graupner „MC-24“

Sportliche Erfolge:

1. Platz Mannschaft Jugend F3J EM 2003
5. Platz Einzel Jugend F3J EM 2003
Deutscher Jugendmeister F3J 2003

1. Platz Mannschaft Jugend F3J WM 2004
5. Platz Einzel Jugend F3J WM 2004
Deutscher Jugendmeister F3J 2004

1. Platz Mannschaft Jugend F3J EM 2005
5. Platz Einzel Jugend F3J EM 2005

1. Platz Mannschaft Jugend F3J WM 2006
2. Platz Einzel Jugend F3J WM 2006
Deutscher Jugendmeister F3J 2006

2. Platz Contest-Eurotour F3J 2007

1. Platz Mannschaft F3J WM 2008
1. Platz Einzel F3J WM 2008
Deutscher Juniorenmeister F3J 2008


Dieter Rybold: Welchen Anteil an deinem Erfolg haben dein Vater und dein Bruder Sebastian, immerhin amtierender deutscher und Europameister?
Benedikt Feigl: Durch meinen Vater stand ich schon seit frühester Kindheit auf dem Modellflugplatz. Ich habe frühzeitig viel von ihm gelernt, was man sich in späteren Jahren, wenn überhaupt, nur mit viel größerem Aufwand aneignen kann. Er hat mir alles an Grundkenntnissen beigebracht, was man für den Modellflug benötigt. Außerdem wurde ich immer von ihm unterstützt, sowohl finanziell als auch bautechnisch. Sebastian ist für mich als Coach in den sechs Vorrundendurchgängen und gerade im Fly-Off dieser WM wieder sehr wichtig gewesen. Denn ein Pilot ist nur so gut wie sein Coach, der schließlich während der Flüge die Gegner beobachten muss. Sebastian und ich sind ein eingespieltes Team, das sich in Sachen Fliegerei blind versteht. Daher war ich während der Europameisterschaft auch sein Coach. Ansonsten liegt mir persönlich das Coachen anderer Piloten nicht so sehr.

Dieter Rybold: Wie sieht deine Planung für das nächste Jahr aus?
Benedikt Feigl: Den Qualifikationsstress für die nächste WM werde ich nicht mitmachen, da ich als amtierender Weltmeister ja automatisch qualifiziert bin. Ich plane, im nächsten Jahr die Wettbewerbe zu besuchen, an denen ich bisher noch nicht teilgenommen habe, wie etwa in Belgien und England. Ich bin seit fast zehn Jahren 25 bis 30 Wochenenden im Jahr in Sachen Modellflug unterwegs und will es deshalb im nächsten Jahr etwas ruhiger angehen lassen.

Dieter Rybold
Bilder: Stephan Rybold, Peter Feigl

 



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