|
Mit diesem Modell
hat das italienische Unternehmen eine verstärkte Version des bereits
bekann-ten "Blade 1.5" (vgl. AUFWIND 5/2003) vorgestellt.
Ausgelegt ist es auf wilden Hangflug und Dynamic Soaring (DS)
beides Disziplinen, die der Konstruktion eines Modells einiges abverlangen.
Für den Vertrieb in Deutschland und Österreich hat Xmodels
nun auch mit der Firma Hepf einen kompetenten Vertriebspartner gefunden.
Das Modell ist in Voll-CFK aufgebaut. Der Rumpf (140 g) ist sehr
fest mit bereits eingeklebtem Rumpfboot und einer Ballaströhre,
die je nach Material des Ballastes rund 400 g aufnehmen kann. Das Rumpfboot
besitzt schon die benötigten Ausschnitte für den RC-Einbau.
Der Vierklappenflügel (446 g) ist einteilig mit durchgehendem Holm
und sehr biegefest. Für die Torsionsfestigkeit sorgt die unter
45° eingelegte Schicht Kohle, die zudem noch die Oberfläche
ziemlich hart und kratzfest macht. Die Klappen sind als Elastic-Flaps
angeschlagen. Auch die Ausschnitte für den Servoeinbau sind vorhanden.
Das V-Leitwerk (74 g) ist zweiteilig und ebenso wie die Tragfläche
vollständig mit Kohle unterlegt. Ein üppiger Kleinteilesatz
schließt den Baukasteninhalt ab: Enthalten sind alle zur Anlenkung
benötigten Teile wie Gabelköpfe, Ruderhörner, CFK-Schubstangen
und zusätzlich noch ausreichend verdrilltes Kabel für die
Querruderservos. Durch die massive, nicht gerade materialsparende Bauweise
erreicht der "Blade 1.5 DS" ein Rohbaugewicht von 662 g, was
sich zwar im hohen Abfluggewicht widerspiegelt, aber einem Hangmodell
nicht schadet.
Die Fertigstellung beschränkt sich auf den Anlageneinbau. Als Servos
hab ich mich für sechs Dymond-"D60" entschieden. Diese
bewiesen bereits bei Modellen vergleichbarer Größe ihre Robustheit
und Zuverlässigkeit. Als Empfänger kam ein 8-Kanal-"Alpha"
von Schulze zum Einsatz, damit zusätzlich noch ein Vario angeschlossen
werden kann. Verzichtet man aufs Vario, bleibt als Empfängerakku
pro-blemlos Platz für vier Zellen der AA-Größe. Ich
habe mich für vier "Kan-650" entschieden.
Für den Einbau der Leitwerksservos in das Rumpfboot habe ich zwei
Kiefernleisten vorne und hinten am Ausschnitt für die Servos unter
dem Gewebe eingeharzt. Somit mussten dann nur noch die Löcher für
die Befestigungsschrauben gebohrt, die Servos platziert und angeschraubt
werden. Die Anlenkung der Ruder am V-Leitwerk erfolgt über die
mitgelieferten Kohleschubstangen. Alternativ kann auch nur ein Leitwerksservo
eingebaut werden, wenn man auf die Seitenruderfunktion verzichten will
und kann. Die Kohleschubstangen habe ich noch abgelängt und servoseitig
mit einer Löthülse für die Aufnahme eines Gabelkopfes
versehen. An den Rudern selbst erfolgte der Anschluss der Schubstangen
über Ku-gelköpfe. Das zweiteilige V-Leitwerk ist übrigens
abnehmbar und wird mit kompletter Steckung durch zwei Stahldrähte
geliefert. Mein "Blade 1.5 DS" sollte flitschbar sein. Dazu
habe ich vorne im Rumpfboot noch ein Messingröhrchen für die
Aufnahme eines Stahlstiftes durch die Abziehschnauze eingeharzt. Somit
kann ich nun beim Aufstecken der Haube von außen den Stahlstift
einschieben, der dann wie ein Haken verwendbar ist.
An den Tragflächen habe ich die Kabel eingezogen und die Steckverbindung
zum Kabelbaum im Rumpf mit einem sechspoligen grünen MPX-Stecker
hergestellt. Die Flächenservos wurden einge-schrumpft und direkt
in die Tragfläche geklebt. Die Ausschnitte dazu waren bereits vorhanden,
die Servoauflage wurde mit einer zusätzlichen Lage CFK-Gewebe in
der Oberschale verstärkt.
Da die Tragflächen und das V-Leitwerk keine Dichtlippen besitzen,
habe ich mich entschlossen, selbst welche herzustellen. Dazu wurde an
den Rudern breites Tesa angebracht, das Richtung Ruderspalt etwa 2-3mm
breiter ist, als die Dichtlippe sein soll. Der überstehende Teil
wurde mit PVA bestrich-en und ein Harz/Microballoon-Gemisch aufgetragen.
Anschließend habe ich die Dichtlippe im Ru-derspalt eingefädelt
und das Ruder bei etwa 30° Ausschlag fixiert. Zwischen Tesa und
Flächenschale wurde noch ein Streifen Papier eingefädelt und
das Ganze zum Trocknen so hingestellt, dass das Harz nicht wegrinnen
kann. Nach dem Aus-härten entfernte ich den Streifen Papier und
zog das Tesa ab. Die so entstandene Dichtlippe habe nun noch je nach
Bedarf zurechtgeschliffen. Klingt auf den ersten Blick kompliziert,
funktioniert aber ziemlich gut. Bei mir waren es bei dem "Blade
1.5 DS" auch die ersten auf diese Weise hergestellten Dichtlippen.

Von der Unterseite betrachtet sieht man die vollflächige CFK-Armierung
|

Feine Teile aus Italien zum vernünftigen Preis bietet Xmodels
mit dem "Blade 1.5 DS"
Der Bau des
Modells wurde mit dem Einbau des Empfängers, des Empfängerakkus
und des Variometers abgeschlossen. Bei der Antennenverlegung sollte
man bedenken, dass Kohle den Empfang behindert. Nach mehreren Versuchen
entschloss ich mich, die Antenne hinter der Flächenaufnahme
nach außen zu führen, bis zum Leitwerk mit Tesa am Rumpf
zu befestigen und den Rest baumeln zu lassen. Zum Einstellen des
Schwerpunktes waren etwa 150 g Blei notwendig. Dies kommt wohl vom
schweren Leitwerk. Beim Blick auf die Waage staunte ich dann nicht
schlecht: 1.150 g für ein Modell dieser Größe sind
nicht gerade wenig, versprechen aber ordentlich Durchzug.
Für den Erstflug wartete ich auf einen Tag mit ruhigem konstantem
Wind am Hang. Ein paar Schritte und ein kräftiger Wurf
der neue "Blade 1.5 DS" wurde seinem Element übergeben.
Erstaunlicherweise passte die Trimmung auf Anhieb perfekt und die
vom Hersteller empfohlenen Ruderausschläge schienen okay zu
sein. Nach ein paar Runden habe ich in Sicherheitshöhe die
Butterflystellung ausgetestet und dann zur Landung angesetzt. Dabei
machte sich das Gewicht des Modells deutlich bemerkbar: Das Modell
kam sehr schnell herein, was für einen geübten Piloten
aber kein Problem darstellen sollte.
Nach ein paar weiteren Flügen war klar, dass das Modell, richtig
eingestellt, nicht nur bei Hammerbedingungen, sondern auch bei schwächeren
Tagen mithalten kann. Die Seitenruderwirkung ist sehr angenehm beim
Kreisen in der Thermik. Einmal auf Kampfhöhe angekommen kann
man den "Blade 1.5 DS" bedenkenlos anstechen: Schnelle
Abstiege, eckige Loopings und Vierzeiten-Rollen macht das Modell
klaglos mit. Die Grenzen liegen wohl eher beim Piloten als beim
Modell. Durchzug und Geschwindigkeitsbereich sind, wie nicht anders
erwartet, bei dem Gewicht als sehr gut zu bezeichnen. Durch die
Vierklappenfläche bieten sich zudem viele Möglichkeiten,
die es zu erfliegen lohnt. Snap-Flap hilft beispielsweise bei schnellen
Wenden und sogar beim engen Thermikkreisen. Leider fliege ich bisher
kein Dynamic Soaring, konnte das daher mit dem "Blade 1.5 DS"
auch nicht selbst ausprobieren. Auf www.soaringusa.com allerdings
findet man dazu einige Informationen und Videos: Fast 300 km/h sprechen
doch für sich...
Mit dem "Blade 1.5 DS" erhält man einen preis-werten
und kompakten Hangflieger, der vor allem für harten Hangflug
und DS ausgelegt ist, sich aber vor allem auch durch seine Allagstauglichkeit
hervorhebt.

Die Aufnahme für das Ruderhorn am V-Leitwerk hat ab Werk ein
Gewinde eingeschnitten

Kurz und knackig ist auch die Querruderanlenkung bei solcherart
Modellen ein absolutes Muss
|