REPORT


20 Jahre -

Runder Geburtstag bei Blue Airlines

 

„Blue Airlines feiert 20-jährigen Geburtstag“, mailt mir Philipp Gardemin und fragt gleichzeitig, ob ich Lust hätte das Unternehmen mal zu besuchen. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, begleitet mich doch der Name Blue Airlines schon lange Jahre in meiner Modellflieger-Karriere. Dass das schon zwei Jahrzehnte sind, gibt mir zu denken. Ich rechne unweigerlich nach, wann mich der Modellflieger-Virus erwischt hat. Doch das ist wirklich eine andere Geschichte.

Bei meinen Recherchen zu Blue Airlines erfahre ich, dass Egon Becker 1989 die Firma aus der Taufe gehoben hat. Ja, der Egon Becker, der uns allen wegen seiner interessanten Video-Reportagen wohlbekannt ist. Damals war der Firmensitz in Unna. In dieser Zeit wurden mit inzwischen legendären Modellen wie dem „Blue Curry“ oder dem „Blue Action“ elektrifizierbare Segelflugmodelle mit hochfesten Styro-Abachi-Tragflächen in den Markt eingeführt. Noch heute sind viele dieser ersten Modelle von Blue Airlines unterwegs. Nach dem Hype in den 90-er Jahren wurde es dann still um das Unternehmen, das zwischenzeitlich in den Besitz von MZ Modellbau gewechselt hatte.

2002 schließlich stand der Unternehmensberater und passionierte Modellflieger Dr. Ralf Steinbach mit seiner Frau Tanja – studierte Designerin – vor der Entscheidung, sich mit der Herstellung von Modellflugzeugen selbstständig zu machen. Eine Anzeige in den einschlägigen Fachmagazinen, dass man ein Modellbauunternehmen zum Kauf suche, bescherte einige interessante Angebote. Der Hauptgrund jedoch, wa-rum man sich für Blue Airlines entschied, lag darin, dass man mit Blue Airlines ein gut strukturiertes Unternehmen mit eigenem Modellprogramm und klaren Produktionsprozessen vorgefunden hatte. 2003 war es dann soweit: das Ehepaar Steinbach setzte alles auf eine Karte und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit.

Es lag eine Menge Arbeit vor den Steinbachs, war doch die Produktpalette in die Jahre gekommen und musste überarbeitet werden. Auch sollte die Positionierung des Unternehmens neu ausgerichtet und die Zukunft von Blue Airlines auf solides Wachstum eingestellt werden. In der folgenden Zeit wurden kontinuierlich neue Modelle entwickelt oder bestehende Modelle komplett neu ausgelegt. 2009 war dann kein einziges Modell der vor sechs Jahren übernommenen Firma noch in seiner ursprünglichen Bauweise im Programm. Vielmehr richten sich die aktuellen Modelle an das erklärte Zielpublikum von Blue Airlines, dem fortgeschrittenen Hobbyisten und dem Modellflugexperten mit hohem Anspruch an die Leistungsfähigkeit des Modells.

Die Modelle werden, der Blue Airlines-Produktphilosophie entsprechend, auf den dynamischen Flug ausgelegt und sind von der Konstruktion und Bauweise her bekanntermaßen stabil aufgebaut. Diese Modellpolitik ist auch das Erfolgsrezept von Blue Airlines und wird in Zukunft fortgesetzt. Die Modellpalette umfasst heute Elektro- und Segelflugzeuge mit jeweils einer eigenen Linie in GFK-Schalen- und in Styro-Abachi-Bauweise. „Und für Piloten mit wenig Zeit zum selbst Bauen bieten wir alle Modelle auch als so genannte „Take and Fly“-Versionen an. Hier müssen unsere Kunden wirklich nur noch den Empfänger einstecken und das Modell programmieren“, ergänzt Tanja Steinbach.

Ein weiterer „Kraftakt“ neben dem Aufbau des Modellprogramms war die Einrichtung eigener Produktionsstätten. Hatte man sich in der Anfangszeit noch auf externe Zulieferer verlassen, so ist man heute bei Blue Airlines so weit, dass man neben der Fertigung der eigenen Produkte auch für zahlreiche andere Unternehmen produziert.

Um dem Wunsch der Kunden auch nach vorbildgetreuen Modellen nachzukommen, wurde 2005 die Firma Gewalt Großsegler übernommen, ein großer Teil der erworbenen Modelltypen überarbeitet und auf den für die eigenen Kunden gewohnten Qualitätsstandard gehoben. „Wir haben mit der Übernahme der Gewalt-Großsegler viel gelernt, trotzdem würden wir diesen Schritt heute nicht mehr gehen, da wir mit fast 70 verschiedenen Modelltypen eine Komplexität im Produktprogramm haben, die praktisch nicht mehr handhabbar ist – von der Lagerhaltung angefangen über die Ersatzteilversorgung bis hin zur qualifizierten Beratung durch die Vertriebsmannschaft“, erklärt Ralf Steinbach. Deshalb habe sich Blue Airlines auch entschlossen das Programm der Gewalt-Großsegler weitgehend auslaufen zu lassen.

In dem 14-Mitarbeiter großen Unternehmen zeichnet Geschäftsführerin Tanja Steinbach für Marketing und Kommunikationskonzepte verantwortlich. So hat sie in den vergangenen Jahren bewusst die Bekanntheit der Marke Blue Airlines im europäischen Ausland vorangebracht und treibt die Umstellung des weltweiten Direktvertriebs auf ein weit verbreitetes Händlernetz voran. „Die Nachfrage nach unseren Modellen stieg in den letzten Jahren so stark an, dass der Vertrieb über den Handel die einzige skalierbare Lösung für uns darstellt. Speziell im Ausland zahlt sich diese Strategie bereits voll aus. Wir verkaufen heute mehr als 70 Prozent unserer Modelle ins Ausland – Tendenz steigend“, verrät Tanja Steinbach.

Das beste Modellprogramm nutzt im Verkauf aber nichts, wenn die Kunden nicht von der Qualität und Leistungsfähigkeit der Modelle überzeugt sind. Anzeigen in Fachmagazinen platzieren ist eine Möglichkeit, dem Kunden die Chance bieten, Modelle „in Action“ zu erleben, die andere. Dies ist auch der Grund dafür, dass Blue Airlines seine Modellpalette am liebsten live präsentiert. Sieht man sich auf der Website die Liste der Events an, auf denen Blue Airlines bisher aktiv vertreten war, fragt man sich, wie das alles zu schaffen ist. „Das Vorfliegen unserer Modelle ist die beste Werbung. Wir sind von April bis September mit fünf Werkspiloten nahezu an jedem Wochenende auf einer anderen Flugveranstaltung präsent“, stellt Ralf Steinbach fest.

Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, konnte Blue Airlines so bekannte Aerodynamiker wie Dr. Helmut Quabeck oder Norbert Habe als Unterstützung für die Auslegung einiger Modelle gewinnen. Als jüngster Spross wurde pünktlich zum Firmenjubiläum der „Blue Twenty“ vorgestellt, ein 2-m-Spaßmodell mit einem Profil von Dr. Helmut Quabeck. Zudem planen Tanja und Ralf Steinbach den Einstieg in die F3J-Wettbewerbsszene. Das passende Modell ist schon nahezu vollendet und soll im laufenden Jahr vorgestellt werden. Die dazu erforderliche High-End-GFK-Produktionsstätte ist bereits im Entstehen, eben-so wird auch an einem Online-Shop gearbeitet. Aktuell wird das Sortiment an Zubehörartikeln stark erweitert. Durch neu geknüpfte Geschäftsbeziehungen zu bekannten Firmen wie Graupner, Robbe und Multiplex können nun auch Fernsteuertechnik, Servos, Akkus und Ladetechnik angeboten werden. Darüber hinaus sollen Helis und kleinere Elektromodelle sowie Parkflyer das Sortiment ergänzen.

Es ist jede Menge Arbeit, die sich die Steinbachs hier vorgenommen haben. Doch die Erfolge der letzten Jahre geben ihnen Mut und Rückenwind, auch in den aktuell schwierigen Zeiten an ihr eigenes Wachstum zu glauben und weiterhin ihre ganze Kraft und Energie für ihre Kunden einzusetzen. Darius Mahmoudi

Leonhard Axtner



Die Linie das Scalemodellen von Gewalt soll nun auslaufen


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Der große Showroom nördlich von Stuttgart präsentiert die aktuelle Modell- und Produktpalette in eindrucksvoller Form

 


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