Kennen Sie noch Xmodels? Ja genau, das ist jene Firma mit den meist gelben Voll-GFK-Modellen aus polnischer Fertigung. Ehemals mit Manuel Gentilotti in Luxemburg, ist Xmodels heute im Besitz von Marco Berti in Cremona. Lange Zeit war es ruhig um den sympathischen Italiener, der sein Unter- nehmen aufgrund eines schweren Motorradunfalls über ein Jahr lang nicht führen konnte. Doch in Sinsheim 2007 fand er auf Vermittlung von AUFWIND mit der österreichischen Firma Hepf einen kompetenten Händler und seitdem geht es wieder aufwärts. Erstes Produkt dieser neu geschmiedeten und schlagkräftigen Allianz ist der „Bullet“. Das Modell ist dem bekannten Rennflieger „Pushy Galore“ nachempfunden und soll mit einen 3s-LiPo-Akku und einen Axi-Motor Geschwindigkeiten jenseits der 200-km/h-Marke erreichen. In Sinsheim 2008 wurde das Modell vorgestellt und sorgte gleich für großes Interesse.
     Geliefert wird das Voll-GFK/CFK-Modell mit sofort montierbarer Tragfläche, einem Rumpf mit CFK-Haube und einem kleinen Höhenleitwerk. Außerdem gehört ein Tütchen Kleinteile dazu. In knapp vier Stunden lässt sich das Modell aufbauen. So prikäre Teile wie Tragflächen- und Höhenleitwerksbefestigung werden bereits ab Werk erledigt. Der Empfehlung des Herstellers folgend, habe ich zwei Servos Hitec-„HS-125 MG“ in den Flügel und ein Hitec-„HS-65MG“ in den Rumpf gebaut. Die dem Modell beiliegenden Einbaurahmen aus Sperrholz passen exakt und erleichtern den Bau deutlich. Die Anlenkungen aus Stahldraht mit Gabelköpfen und die GFK-Ruderhörner habe ich ebenso verwendet. Sie sind mehr als ausreichend stabil für das Modell.
     Zur Motorisierung bietet Hepf zwei Antriebssets an: Für Geschwindigkeiten um 200 km/h einen „AXI 2814/6D“-Motor für 3s-LiPo und einer 6x4”-APC-E-Luftschraube. Für Geschwindigkeiten über 250 km/h den „Axi 2814/10“ mit 5s-LiPo und einer 6x5,5”-APC-E-Luftschraube. Beide Motoren werden mit dem „Jeti Spin 66“-Regler mit BEC bedient.
     Für das AUFWIND-Testmodell habe ich die erste Variante mit dem „Axi 2814/6“ gewählt – das sollte wohl der Erfahrung der meisten Leser und Modellbauer am nächsten kommen. Der Einbau der Antriebs-Komponenten war dann auch nur noch Formsache. Der GFK-Motorspant passt „schmatzend“ in den Rumpf, wird an der Hinterkante ausgerichtet und mit Epoxydharz verklebt. Der Regler liegt unter dem Flügel und wird von der GFK-Abdeckung geschützt. Apropos Abdeckung: Es reicht aus, wenn sie vorne und hinten mit Tesaband befestigt wird. Am Testmodell jedoch habe ich sie mit Harz aufgeklebt. Das erleichtert die Demontage des Modells ungemein. Einen Akkuschacht für den Flugakku habe ich aus Pappelsperrholz gebaut und so in den Rumpf geharzt, dass der Schwerpunkt eingestellt werden konnte. Positiver Nebeneffekt: er hält auch gleich den Klotz für den Flitschenhaken.
     Zum Thema Flugakku: Empfohlen werden 3s-LiPo-Packs mit 2.000 bis 2.400 mAh. Belastungen von 30C (60-72 A) müssen die LiPo-Packs aushalten – da haben Billig-Packs keine Chance. Bei Hepf werden die 2.400er von Kokam empfohlen. Im vorliegenden Fall habe ich die 2.000er „FlightPower EVO 30“ mit 30 C (60 A) Belastbarkeit von Hacker verwendet. Damit konnte ich dann auch den Schwerpunkt exakt einstellen. Selbstredend, dass hier eine genaue Schwerpunktwaage verwendet werden muss – bei Modellen dieser Klasse reichen die Fingerkuppen bei weitem nicht mehr aus.
     Die Ruderausschläge habe ich exakt nach Anleitung übernommen. Ein Testlauf des Antriebs in der Werkstatt brachte außer einer verstörten Katze auch einen Vollgasstrom von 59 A bei 21.000 Umdrehungen. Diese Werte werden übrigens mit der „Spin Box“ von Jeti direkt aus dem Regler ausgelesen. Für den Start des „Bullet“ ist in jedem Fall eine Gummiflitsche erforderlich. Heinz-Bernd Einck, Inhaber von EMC-Vega, ist in dieser Thematik anerkannter Profi und bietet verschieden stark dimensionierte Flitschen-Sets an. Für den „Bullet“ habe ich das Set für Modelle von 1.000 bis 3.000 g gewählt. Es wird komplett mit Gummi, Verbindungen, Erdanker und dergleichen geliefert. Nur eine Trommel für Transport und Aufbewahrung sollte man sich noch bauen.
     Dann der Tag der Wahrheit: Die Flitsche ausgelegt und den „Bullet“ scharf gemacht. Ein letzter Ruder- und Motorcheck. Kollege Stephan Fitz hält das Modell mit einer Hand am Motor fest und bittet inständig, den Motor noch nicht anzuschalten – auch nicht aus Versehen! Dann zieht er den Gummi um rund 15 Meter aus, schwingt das Modell zwei Mal leicht auf und ab und gibt es schließlich mit dem dritten Schwung nach oben frei. Sofort zieht der „Bullet“ wenige Meter waagerecht davon und direkt in einen senkrechten Steigflug. Die noch nicht angetriebene Luftschraube dreht hörbar mit. Also Motor ein! Gut sicht- und noch viel besser hörbar ist nun, dass sich der senkrechte Steigflug noch beschleunigt. Die Tiefenruderwirkung reicht nicht aus um das Modell in einen Horizontalflug zu bringen. Also mit Höhe durchgezogen und aus einem Looping heraus geht es horizontal direkt in die Platzrunde. Der „Bullet“ wird immer schneller, die Druckluftschraube pfeift in den höchsten Tönen. Am Platzende wieder zurückgekurvt und einmal ganz tief und ganz schnell über den Platz. Irre! Gleich wieder senkrecht nach oben, umdrehen und zurück. Das war schon um einiges  schneller! Was mich persönlich überrascht: Der „Bullet“ liegt stabil in der Luft und macht was ich will. Absolut präzise befolgt er jede Steuereingabe. Aber fliegt der „Bullet“ auch langsam? Also Gas raus! Wie ein Hotliner im Segelflug rauscht das Modell weiter. Immer noch handzahm und absolut stabil in der Fluglage. Mit rund 30 Prozent Motorgas lässt sich die Höhe gut halten und auch die eine oder andere Rolle fliegen. Dann, nach einem tiefen Vorbeiflug erneut Vollgas. Senkrecht geht es zurück in den Himmel. Kaum liegt wieder Motorkraft an, beschleunigt das Modell. Halbe Rolle, Abschwung und tief über den Platz. Am anderen Ende das Gleiche wiederholen. Das macht richtig Spaß.
     Nach drei Minuten die Landung: Mit ausgeschaltetem Motor wird der „Bullet“ kreuzbrav auf den Platz gezogen. Vielleicht noch ein wenig schnell aufgesetzt, mit einem Flügel eingehakt und gedreht – außer einem abgeknickten Propellerblatt ist nichts passiert. Ein fantastisches Modell! „Absolut begeisternd!“
      Zwei Tage und einen neuen Propeller später: Ohne Starthelfer soll es diesmal klappen, denn Kollege Stephan hat ja nicht immer Zeit. Also das Mo-dell alleine am Gummi ausgezogen und mit einem leichten Aufwärtsschwung freigegeben. Schnurge-rade beschleunigt es und geht direkt wieder in den senkrechten Steigflug. Erneut der Looping zum Ausleiten, es folgen wieder drei Minuten Adrenalinproduktion. Nach den Erfahrungen des Erstflugs habe ich nun zur Landung die Querruder– wie in der Bauanleitung empfohlen – um 15 mm hochgestellt. Wesentlich langsamer und noch zahmer kommt der „Bullet“ nun auf die Wiese und lässt sich ohne Dreher aufsetzen. Mit der Spin-Box wird nun der Regler ausgelesen: 60,4 A Spitze und – man höre und staune – eine Drehzahl im Flug von über 26.800 U/min bei 2:12 min Flugzeit – vermutlich in einem der Sturzflüge mit voll laufendem Motor.
     Nach weiteren Flügen hat sich die Flugzeit auf rund dreieinhalb Minuten eingependelt. Speed-Freaks und die, die es werden wollen, haben mit dem „Bullet“ ein wunderbares Trainingsgerät für hohe Geschwindigkeiten. Der Flit-schenstart ist auch im Alleingang eine absolut sichere Bank. Danke schön an Marco Berti und Manfred Pfeiffer für dieses fantastische Modell.
     Es soll natürlich nicht verschwiegen werden, dass mit dem „Bullet“ einmal mehr der verantwortungsvolle Pilot gefragt ist. Die Augen immer am Modell, nicht auf Personen zufliegen und den Flitschenstart so anlegen, dass auch bei einem Ausbrechen des Modells niemand getroffen werden kann. Aber das sind Dinge, die ja jeder Modellpilot sowieso beachtet – oder?

Philipp Gardemin

 


Das Hepf-Antriebsset für 3s-LiPos ist ausreichend für Geschwindigkeiten um die 200 km/h.

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Die Kleinteile des Modells auf einen Blick. Die Servorahmen sind exakt passend für Hitec-Servos.

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Der GFK-Motorspant wird mit Epoxydharz eingeklebt und dabei an der Rumpfkante ausgerichtet.

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Die Rumpfabdeckung wurde mit 5min-Epoxyd aufgeklebt. Die Markierungen auf dem Klebeband geben an, wo sich unter der Abdeckung die Verschraubungen befinden.

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Das Höhenruder wird mit einem stabilen Stahldraht geradlinig angelenkt. Der Regler liegt später zwischen Tragfläche und Abdeckung.

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Die „HS-125MG“-Servos von Hitec/Multiplex sind wie geschaffen für dieses Modell.

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Der Flugakku liegt ganz vorne unter der CFK-Haube. Später wurde noch in der Rumpfnase eine NACA-Luftöffnung eingefräst um dden Akku kühl zu halten.

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Zum Erstflug hielt noch Kollege Stephan das Modell an der Flitsche fest. Seit dem zweiten Flug macht der Pilot das alleine.

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Nein, das ist keine Landung gewesen. Vielmehr eine Platz sparende Aufbewahrung bei feuchter Wiese.

„Bullet“
Ein Speed-Modell von Xmodels
Spannweite: 1.000 mm
Länge:   680 mm
Fläche:  12,6 qdm
Fluggewicht: 1.015 g
Motor:     Axi 2814/6D
Regler:  Jeti „Spin 66“
Propeller:   APC-E 6x4“
Flugakku:  3s LiPo 2.000 mAh
Ruderausschläge: Höhenruder: +/- 10 mm
Querruder: +/- 6 mm
Landung: Querruder: -15 mm
Schwerpunkt: 55 mm
   
Preis: 199,- Euro; Bezug im Fachhandel und bei Hepf,
Tel. +43/5373/57003, www.hepf.at


Selbst mit stehendem Motor kommt „Bullet“ noch zügig herein. Mit hochgestellten Querrudern ist eine Landung aber absolut beherrschbar.



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