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Holzstar

Der „Climaxx Evolution E“ von Höllein


Mit dem „Climaxx Evolution“ wird ein Thermiksegler in Holzbauweise angeboten.

„Schon wieder so ein Spreißelflieger“, war der scherzhaft gemeinte Kommentar meiner Partnerin, als ich den Karton mit dem nagelneuen „Climaxx Evolution Elektro“ in den Händen hielt. Anscheinend hatte mich der Holzfliegervirus befallen. Noch besser, noch schöner, noch leichter und leistungsfähiger war die Vorgabe für das neue Modell mit 2,48 Metern Spannweite – und ein Kreuzleitwerk hat es auch. Doch was bekommt man nun im Vergleich zum bisherigen „Climaxx“ (vgl. AUFWIND 2/2008)?

Da ist zunächst mal das bereits erwähnte Kreuzleitwerk, mit dem die neue Konstruktion aufwartet. Klar, das ist Geschmackssache. Aber bei mir als Kreuzleitwerks-Fan werden damit offene Türen eingerannt und den V-Leitwerks-Fans kann ja nach wie vor mit dem bisherigen „Climaxx“ geholfen werden. Auch die inneren Werte des Modells darf man nicht übersehen: So wurde ein gewickelter und geschliffener CFK-Holm dazugegeben, der speziell für dieses Modell hergestellt wird und eine Gewichtsreduzierung von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorgängerholm mit sich bringt. Alle drei Holmrohre wiegen im vorliegenden Fall zusammen gerade mal 173 Gramm. Und sie sind so stabil, dass der Flügelmittelteil ohne zusätzlichen Hilfsholm auskommt.

Das Bauen des Modells war dann auch eine Wonne, der Hersteller hatte wieder ganze Arbeit geleistet. Das haben alle diejenigen schon erleben dürfen, die zum Beispiel den „Climaxx“ mit V-Leitwerk oder den „Thermal Instinct“ (vgl. AUFWIND 3/2010) gebaut haben. Die Teile sind sauber gefräst und liegen dem Baukasten nach Baugruppen sortiert und verpackt bei, wie auch ein übersichtlicher mehrfarbiger (!) Plan im Maßstab 1:1 und eine deutschsprachige Anleitung. Vervollständigt wird der Lieferum- fang durch ausgesuchtes, dem Verwendungszweck entsprechendes Zubehör, wie Gabelköpfe, Gewindestangen, GFK-Ruderhörner usw. Dasselbe gilt auch für die Holzauswahl. Selbst an einen Plan der aufzeigt, wie ein funktionierender Kabelbaum zu erstellen ist, wurde gedacht. Man braucht also nur noch Klebstoff, Bügelfolie und Kleinteile zur Erstellung des Kabelbaums. Und leider auch die Servoschacht-Abdeckungen.

So ausgerüstet ging der Zusammenbau des Modells zügig voran. Eine weitere Neuerung ist, dass die Balsabrettchen – mit denen der Rumpf oben und unten beplankt wird – nicht mehr wie bisher rechteckig sind, sondern bereits konisch zulaufen. Das erspart jede Menge Schleifarbeit und man bekommt den Rumpf gerade aufgebaut, da man sich an der Schräge der Brettchen orientieren kann. Das Leitwerk ist so konstruiert, dass es in sich und zusätzlich mit dem Rumpf verzapft ist. Damit wurde das exakte Ausrichten fast zum Kinderspiel. Ansonsten war der Aufbau des Modells eher unspektakulär. Der Balsarumpf ist an den entscheidenden Stellen mit Sperrholz verstärkt, so passen die Rippen exakt auf den Holm und die Holzteile greifen saugend ineinander. Es gab keine Punkte, die meine Gehirnwindungen sonderlich strapazierten. Nichts musste nachgearbeitet werden – alles funktionierte. Das ist mal wieder ein Modellbaukasten, der wirklich begeistert – Made in Germany eben. Das soll nun aber nicht heißen, dass man nicht eigene Ideen einbringen kann. So habe ich zum Beispiel die Kabinenhaubenöffnung etwas vergrößert. So kann ich den Akku einfacher wechseln und komme besser an die Innereien. Das war aber nicht zwingend erforderlich, ich habe mir damit nur das Handling vereinfacht – zumal ich aus Schwerpunktgründen die Servos nicht wie im Bauplan vorgesehen in den Bereich unterhalb der Tragfläche sondern davor eingebaut habe.

Aus optischen Gründen habe ich – wie bereits beim „Thermal-Instinct“ – die Tragflächenschrauben im Flügel versenkt. Außerdem bei den Außenflügeln im Bereich der Wurzelrippen, dort wo der Stahlstift zur Flächenarretierung eingebaut ist, ein 2-mm-Sperrholzplättchen von innen gegen die Rippe geleimt. Das hat den Vorteil, dass auch nach vielen Jahren keine Gefahr besteht, einmal nicht in die Luft zu kommen. Man aber dafür in die selbige gehen könnte, nur weil der Bolzen auf Nimmerwiedersehen im Flügelinneren verschwunden ist. Kennen Sie das auch, oder passiert so etwas nur mir? Der Vollbalsa-Rumpfsporn bekam auf der Unterkante noch ein CFK-Flachprofil aufgeklebt. Das CFK habe ich nach hinten etwas überstehen lassen, so ist auch gleich das Seitenruder besser vor ungewolltem Bodenkontakt geschützt.

Wo viel Licht ist, gibt es aber auch Schatten: Wie schon erwähnt, liegen keine Abdeckungen für die Flächenservos bei. Man muss die Dinger separat besorgen – das nervt. Ebenso müssen noch Rahmen in Eigeninitiative erstellt werden. Das ist alles kein Hexenwerk, aber wer mit 1+ benotet werden will, soll-te sich darüber zumindest mal Gedanken machen. Das ist aber wirklich der einzige Kritikpunkt, der mir beim Zusammenbau aufgefallen ist. Außerdem bringen unsereins solche Kleinigkeiten nicht aus dem Konzept.

Nach einer Woche des entspannten Modellbaus am Feierabend lag das gute Stück rohbaufertig auf der Werkbank. Eine wirklich elegante Erscheinung. Zufrieden und stolz begutachtete ich mein Werk.

Bei der Auswahl der RC-Komponenten habe ich mich auf die Empfehlung der Höllein-Mitarbeiter verlassen: In den Tragflächen arbeiten auf den Wölbklappen Futaba-Servos „S-3150“, auf den Querrudern sind Graupner-„C-341“ im Einsatz. Alle Flä- chenservos wurden in Servorahmen von Servorahmen.de montiert, um sie auch schnell mal austauschen zu können. Die Ruder des Leitwerkes werden ebenfalls von zwei „C-341“ bewegt. Als Elektroantrieb wurde ein Hacker-„A30-14L“ gewählt, der von einem „MULTIcont BL-40 S-BEC“-Regler (Multiplex) gesteuert und aus einem 3s-LiPo 1.800 mAh gespeist wird. Höllein empfiehlt eigentlich einen Akku mit 2.400 mAh. Das macht auch Sinn, denn man bekommt damit den Schwerpunkt ohne Zusatzgewicht in der Rumpfspitze, beziehungsweise ohne die von mir angewandte Standortverschiebung der Servos hin. Ich hatte aber noch den 1.800-er Akku – also wurde er auch eingesetzt

Nun ging es ans Finish, was nicht unbedingt meine stärkste Seite ist. Bügelfolie und ich werden wohl nie Freunde werden. Dieses Mal habe ich mich aber strikt an die Tipps aus der Bauanleitung gehalten. Und siehe da, es hat funktioniert: Die Flügelklappen habe ich direkt mit angebügelt. So wurde an einem Stück die Flügelunterseite, dann vorne um die Nasenleiste herum und die Flügeloberseite gebügelt. Den Rumpf habe ich noch mit 49-g/qm-Gewebe überzogen, geschliffen, gespachtelt, geschliffen, grundiert, geschliffen und lackiert. Das ist meiner Meinung nach robuster und sieht auch nach längerer Zeit noch schön aus. Allerdings bringt der Rumpf durch diese Aktion auch etwas mehr Gewicht auf die Waage.

Eine Woche vor der „Höllein-Trophy“, einem Elektroflugwettbewerb, der jedes Jahr beim MFV Hassloch stattfindet und ausschließlich Modelle der Firma Höllein zulässt, war mein neues Modell komplett. Flugfertig brachte es nun 1.635 Gramm auf die Waage. Die Bauanleitung gibt 1.495 Gramm an. Mit Sicherheit hätte ich noch etwas einsparen können, ich erinnere nur an den lackierten Rumpf und die Servorahmen. Trotzdem ist es ein ansehnliches Ergebnis und lässt auf dementsprechende Flugleistungen hoffen. Also: Einfliegen und am Wettbewerb teilnehmen. Das gestaltete sich ebenso wie der Bau unspektakulär. Der vorgegebene Schwerpunkt stimmte, hier und da wurden die Ausschläge etwas an meine Gewohnheiten angepasst und an der Butterfly-Einstellung noch ein bisschen rumgedoktert. Der Wettbewerb endete für mich allerdings in einer „mittleren Katastrophe“. Das lag aber mehr oder weniger daran, dass ich den doofen Landestrich nicht traf!

Zwei Wochen später stand dann auch Flying-Circus in Fiss auf dem Programm. Mit einem Elektrosegler zum Hangfliegen in die Alpen? Ja, ich stehe dazu: Lieber feige als ein toter Held! Wer da oben absäuft, der hat ein echtes Problem. Das Wetter war dieses Mal aber überwiegend traumhaft und ich hätte den Propeller gar nicht gebraucht. Mit dem „Climaxx Evolution“ konnte ich ausgedehnte Thermikflüge genießen und das Modell auf Herz und Nieren testen. Es zeigte sich, dass der Segler neben den sehr positiven Thermikflugeigenschaften durchaus auch in der Lage ist, Abwindfelder zügig zu durchfliegen. Das traut man diesem Holzgerippe auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zu. Außerdem kam er mit dem doch manchmal etwas auffrischenden Wind besser zurecht, als ich das von einem solchen Leichtgewicht erwartet hätte. Es war einfach ein Genuss, das Modell vor der beeindruckenden Alpinkulisse zu fliegen. Mittlerweile habe ich eine Thermikstellung pro- grammiert, die das Auskurbeln auch kleinster Bärte zum Kinderspiel macht.

Richtig Spaß machte es auch, aus noch richtiger Höhe und schon relativ nah am Landefeld die Landung anzukündigen. Dann volle Butterfly-Stellung, Tiefenruder an den Anschlag und die Modellnase senkrecht nach unten. Der „Climaxx Evolution“ wird dabei nicht schnell. Ganz gemächlich nähert er sich senkrecht dem Erdboden. Dann, kurz vor dem Aufsetzen noch am Höhenruder ziehen, Klappen rein und butterweich aufsetzen. Ist zwar eine große Verschwendung von Flughöhe, sieht aber cool aus. Und das ist, mal ehrlich, manchmal auch nicht ganz unwichtig.

Wer also einen dynamischen Thermiksegler mit oder ohne Elektromotor sucht, wer Lust auf Holzmodellbau hat und Wert auf eine hochwertige Baukastenqualität legt, der wird mit dem „Climaxx Evo- lution“ ganz sicher seinen Spaß haben.

Michael Müsel


Die Auslegung des Modells ist klassisch, aber nicht unattraktiv.


Dank der hochqualitativen Frästeile ist der Rohbau in wenigen Stunden geschafft.


Minimalismus beim Tragflächenbau, aber hoch stabil dank speziellem Rohrholm.


Das CFK-Flachprofil schützt den Sporn vor Abnutzung.


Die Flugeigenschaften sind völlig ohne Fehl und Tadel.


Auch im Hochgebirge hat sich der „Climaxx Evolution“ von seiner besten Seite gezeigt.


Dank Vierklappenflügel sind auch senkrechte Landeanflüge ohne Geschwindigkeitsaufnahme möglich.

Fakten

„Climaxx Evolution“
Ein Thermiksegler ganz in Holz
Spannweite: 2.480 mm
Länge: 1.480 mm
Fluggewicht: 1.635 g
Fläche: 51 qdm
Flächenbelastung: 32,06 g/qdm
Profil: S-7012
Preis: 229,- Euro
Bezug bei Der Himmlische Höllein
Tel. 09561/555999
www.hoelleinshop.com



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