Schon fast im Monatstakt stellen Lenger Modellbau und Modellbau Bichler neue Typen dieser kleinen Scale-Modelle vor. Allen Modellen gemein ist die Bauweise in Styroporhalbschalen, die hohe Detaillierung und die perfekt aufgebrachte Lackierung. Philipp Gardemin nahm sich die „Spitfire“ vor, Klaus Löcker beschäftigte sich mit der „P-40“.

Kommen wir als erstes zur „Spitfire“: Packt man die kleine bunte Kiste erstmals aus, so wähnt man sich zunächst im Spielzeugsektor. Die bedruckten und mit zahlreichen Details versehenen Schaumstoffteile sind fast zu schade um sie überhaupt anzufassen. Und die zahlreichen ABS-Detailteile geben dem Besitzer die Möglichkeit, das Modell absolut vorbildgetreu zu erstellen. Selbst der Einbau eines Einziehfahrwerks wird in der Bilderanleitung angerissen – ist aber nur für diejenigen zu empfehlen, die über eine aalglatte Startpiste verfügen. Der Zusammenbau aller Teile war eine Sache von nur drei Abenden. Unterstützt von UHUpor und 5-Min.-Epoxy ging es flott voran. Geduld und Ausdauer braucht es eigentlich nur beim Ausschneiden der vielen Kunststoffteile – eine ganze „Wer wird Millionär“-Sendung lang, und die Ehefrau hatte Grund, über die Schnipsel im Wohnzimmer zu schimpfen. Die wenigen Holzteile für Motoreinbau und Rumpfverstärkungen konnten „aus der Schachtel“ verwendet werden. Als RC-Equipment fanden je ein 9-g-Servo für Quer- und Höhenruder ihre vorbestimmten Plätze, wie auch der „Pico 4/5“-Empfänger von Multiplex.

Als Flugakku empfiehlt der Hersteller acht Zellen 500 mAh. In der heutigen Zeit jedoch ist ein dreizelliger LiPo-Akku mit 800 bis 1.500 mAh besser geeignet und zudem viel leichter. Nur der Antrieb mochte den Akku nicht wirklich, mit der schicken Vierblattluftschraube zog er satte 15 A – viel zu viel für einen „Speed 300". Also wurde eine schnöde APC-E 8x4"-Zweiblattluftschraube in den Spinner gesetzt – 6,3 A waren das dankbare Ergebnis, mit einem 3s-Pack „Kokam 1550 HD".



Ein LiPo-Akku verleiht den kleinen Modellen den richtigen Kick bei ordentlicher Flugzeit


Die „P-40“ macht optisch und flugtechnisch richtig was her


Der Torcman-Motor TM 200-10-22 12pol „Baby“ ist das richtige Tuningmittel für diese Art Modelle

Mit 377 g in der Hand ging es los zum Erstflug. Zum Werfen kann das kleine Modell gut hinter der Tragfläche gefasst werden. Doch nicht zu stark zudrücken – es ist nur eine Styroporschale! Motor auf Vollgas und mit einem geraden Schubs ging es zum ersten Mal in die Luft, und weiter in einer leichten Linkskurve und im flachen Steigwinkel. Nach voller Trimmung rechts aber zeigte sich, dass die kleine „Spitfire" über sehr gutmütige Flugeigenschaften verfügt. Das Gewisse mehr an Volt hat der Steigleistung gut getan, mit lediglich acht Zellen würde ich nicht versuchen, das Modell zu fliegen. Bis auf Halbgas konnte nun zurückgeregelt werden. Doch so richtig Spaß macht auch ein kleiner Warbird nur mit ständig 100 Prozent! Volle 20 Minuten wurde herumgekurvt, ausgedehnte Rückenflüge und schnelle Rollen zelebriert, das Modell in Tiefflügen um den Platz gescheucht und ganz einfach das Flugbild genossen. Zur Landung dann einfach den Motor abstellen und nach steilem Sackflug auf der Wiese aufsetzen. Eine Wohltat für die Ohren, denn das Getriebegeräusch ist mehr als lästig und fast schon als Nötigung für die Ohren zu bezeichnen. Nach dem fünften Flug zeigte sich dann auch, dass der Getriebeantrieb mit seiner Aufgabe völlig überfordert war. Karies im fortgeschrittenen Stadium sowie totaler Leistungsverlust auf dem Motor machten einen Austausch nötig.

Wenn schon denn schon, ein bürstenloser Außenläufer aus der Slowfly-Fraktion sollte einen adäquaten Ersatz darstellen. Nach genauem Studium des Angebots griff ich zum TM 200-10-22 12pol „Baby" von Torcman. In Verbindung mit den drei LiPo-Zellen und der 8x4"-Luftschraube versprach dieser Motor satten Flugspaß. Der Ausbau des Getriebeantriebs war zwar mühselig, gelang dann aber ganz gut. Ein Sperrholzspant für den neuen Motor wurde ganz vorne in den Rumpf geklebt, der Rest war Routine. Der zweite Erstflug des schönen Modells wurde zur beeindruckenden Angelegenheit: Senkrecht schoss die kleine „Spitfire" nach oben. Dann den Motor aus und ein paar Runden mit 30 Prozent Gasstellung zeigten, dass Leistung mehr als im Überfluss vorhanden war. Doch dann geschah etwas, das eigentlich nicht hätte passieren sollen: Ein Bahnneigungsflug mit Vollgas endete in einem kurzen Querruderflattern und dem Brechen der linken Tragfläche. Der Aufschlag zwei Sekunden später – direkt vor den Füßen des verdutzten Piloten – besiegelte das Schicksal des kleinen Modells. Die Motorisierung jedoch machte Lust auf mehr. So wurde Tags darauf eine zweite „Spitfire“ mit Micro-Flächenservos und direkten kurzen Anlenkungen ausgestattet – und fliegt bis heute.

Also nun an die „P-40”: In der Modellbeschreibung wird allerfeinste Depronqualität versprochen, mit einer Detailtreue, wie man sie meist nur bei Standmodellen findet. Auch fliegerisch sollen die Flugzeuge durch ihre Wendigkeit und durch gutmütiges Flugverhalten jeden Piloten überzeugen. Um es vorweg zu nehmen: es wird nicht zu viel versprochen.


Die „P-40“ mit einem zufriedenen Klaus Löcker

Und das Staunen findet kein Ende: Neben den wirklich faszinierenden und bereits lackierten Depronkomponenten wie Rumpf, Fläche und Leitwerk findet man eine Vielzahl an farbigen Tiefziehteilen zum Cockpitausbau und zur äußeren Gestaltung des Flugzeuges. Natürlich, gehört auch hier der Motor, das Getriebe sowie eine entsprechende Dreiblattluftschraube zum Lieferumfang. Anlenkhebel, Schraubensicherungsmittel und passende Farben zum Nachlackieren machen den Baukasten fast perfekt. Kompliziert ist der Zusammenbau nicht, auch wenn es galt hier und da kleine Anpassungsarbeiten zu erledigen. So passte zum Beispiel der Motorspant aus Sperrholz nicht sauber in das Rumpfvorderteil, rund 1 mm war umlaufend abzuschleifen.

Die meisten Klebungen erfolgen mit 5-Min.-Epoxy oder UHUpor. Der sparsame Umgang mit Klebstoff verringert das spätere Fluggewicht und ermöglicht auch, Einheiten wie die Motorhaube bei Bedarf wieder leichter zu demontieren. Wird das Modell wirklich zum Fliegen und nicht nur als Standmodell genutzt, dann ist es durchaus sinnvoll, die Bauvariante zu wählen bei der man auf ein Fahrwerk verzichtet. Aber auch hier hat der Hersteller vorgesorgt: mit den beiliegenden Tiefziehteilen lässt sich sowohl ein ausgefahrenes, wie auch ein eingezogenes Fahrwerk realisieren. In einem Punkt ist Kritik allerdings angebracht: Die Motor/Getriebeeinheit wird dauerhaft mit dem Motorspant verklebt. Das erschwert die Pflege des Getriebes, oder aber den Austausch einzelner Komponenten. Servos, Empfänger und Regler sollten so leicht wie möglich sein. Auch ist der Einsatz eines LiPo-Akkus zu empfehlen, um bei reichlich Kapazität und die daraus resultierende lange Motorlaufzeit das Fluggewicht auf ein Minimum zu reduzieren.


Die kleine „Spitfire“


Die Bausätze – hier die „Spitfire“ – begeistern durch Vollständigkeit und Vorfertigung


Mit dem bürstenlosen Torcman-Motor lassen sich beeindruckende Startmethoden durchführen

Nach Abschluss aller Bauarbeiten bringt das Modell gerade mal 320 Gramm auf die Waage und liegt damit ein Stück unter den Angaben des Herstellers. Ein Starthelfer schiebt es bei leichtem Gegenwind in die Luft. Die Kraft des Getriebeantriebes ist beeindruckend. Im Vollgasbereich zieht das Modell dabei leicht seitlich weg, was auch durch eine Korrektur des Seitenzuges am Motor nicht ganz zu korrigieren ist. Die nächsten Minuten spielten sich in einer Flughöhe unterhalb von zwei Metern ab. Mit scharfen Wenden wich ich den Gegnern aus, und schaffte es fast jeden Quadratzentimeter des Platzes zu überfliegen. Die Nerven wurden durch das gutmütige Flugverhalten geschont, der Spaß stieg mit jeder Flugminute. Dann der erste feindliche Treffer, die Motorleistung bricht abrupt zusammen. Akku leer. Mit zu hoher Landegeschwindigkeit endet der erste Flug mit einem Überschlag im weichen Gras. Immer wieder geht es in den nächsten Tagen in die Luft, man wird mutiger, der Leichtsinn nimmt zu. Natürlich kommt es hier und da auch mal zu unvorhergesehenen, na sagen wir mal, „feindlichen Treffern“. Doch dem kleinen Depronflieger macht das eigentlich nichts aus. Er ist robust und fühlt sich bei ruhigen Wetterlagen am wohlsten.

Nach etlichen Flügen verwandelte sich das Surren des Getriebes jedoch in ein jetzt unerträgliches Gequietsche. Das Überschreiten des Wartungsintervalls, der Hersteller sieht nach jedem fünften Flug einige Tropfen Öl fürs Getriebe vor, ist wohl der Grund für den jetzt vorliegenden Schaden. Wer dieses umgehen möchte, der sollte, wie es hier jetzt auch gemacht wird, einen kleinen bürstenlosen Motor einbauen.
Philipp Gardemin, Klaus Löcker


Auch die Flugeigenschaften der „Spitfire“ sind ohne Fehl und Tadel


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