Die charakteristische Tragflächengeometrie des Doppelsitzers von Schempp-Hirth war es, die mich animierte, dieses Flugzeug als Modell zu erwerben. Ein Foto im Bericht über den Flying Circus 2004 in Fiss war der Auslöser: Da war sie wieder, die von mir so geliebte Tragflächengeometrie mit ihrer ausgeprägten Vorpfeilung, aus fotografischer Sicht überdies hervorragend in Szene gesetzt mit dem Hersteller Friedrich Deffner im Hintergrund.

Nach der ersten Kontaktaufnahme unter www.duo-discus.de folgten zwei Telefonate mit dem Hersteller. Die versprochene Lieferzeit von nur drei Wochen bestärkte mich nur noch mehr in dem Beschluss, dieses nicht gerade kleine Modell im Maßstab 1:3,3 zu ordern. Nach der obligatorischen Anzahlung von einem Viertel des Kaufpreises kam dann auch sofort die Auftragsbestätigung ins Haus. Zusammen mit einer Baseballkappe als Geschenk, auf der ein aufwändig bestickter „Duo-Discus“ sowie die Internetadresse des Herstellers zu finden ist. Kaufen kann man diese Kappe übrigens nicht. Entgegen den Gewohnheiten manch anderer Hersteller blieb es dann auch genau bei der vereinbarten Lieferzeit, sodass ich mich bald auf den Weg ins schwäbische Nördlingen machen konnte. Die Abholung ist bei einem solchen Großsegler einfach obligatorisch, da die Ausmaße jedes Packmaß sprengen würden; ganz zu schweigen von den Transportkosten.

Schon der erste Eindruck überzeugte: die Oberflächengüte der GFK/CFK-Teile ist vom Feinsten. Auch die Größe des Rumpfes war mit 2,6 m Länge äußerst imposant. Übrigens ist der Hersteller flexibel genug, alle gewünschten Einbauten zu erledigen. Dieser Service geht sogar soweit, dass angelieferte Servos auf Wunsch schon in der Form mit eingearbeitet sind. Nach gut zwei Stunden Aufenthalt in der kleinen Edelschmiede von Friedrich Deffner und mit einer Menge guter Tipps für Bau, Schwerpunkt usw. im Gepäck, machte ich mich wieder auf den Heimweg.

Die Arbeiten am Rumpf beginnen mit dem Einbau der Schleppkupplung und der Aufnahme für das entsprechende Servo. Diese nimmt gleichzeitig auch das 70-mm-Bugrad auf. Von Friedrich Deffner wurde diese Baustufe in Form eines CNC-gefrästen Spantensatzes gelöst. Der ebenfalls im Lieferumfang enthaltene Spantensatz für das Hauptfahrwerk ist vorbereitet für den Einbau eines Fema-Einziehfahrwerkes mit 110-mm-Rad und Radbremse. Er muss nur noch eingeharzt werden. Hervorragend finde ich die Detaillösung der Dämpfung: Sie erfolgt nicht durch die üblichen Gasdruckdämpfer, sondern durch zwei mitgelieferte Schwinggummis, die keinem Verschleiß unterliegen. Und um es gleich vorwegzunehmen, das funktioniert erstklassig! Für das Ausschneiden der Fahrwerksklappen ist man selbst zuständig, hier lässt der Hersteller verschiedene Optionen offen. Ich befestigte sie mit Fahrradschlauch.


Der optional erhältliche Cockpit-Ausbausatz (239,- Euro) sollte in keinem „Duo-Discus“ fehlen


Nun folgt der Einbau des 70-mm-Spornrads – übrigens sind alle Räder im Lieferumfang enthalten – und anschließend gilt es, die Servos für die Leitwerke einzubauen. Dazu habe ich auf der rechten Seite der Seitenleitwerksflosse eine Öffnung ausgeschnitten und dort das Höhen- und das Seitenruderservo installiert. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, da der Servorahmen unter dem „D“ des „Duo“-Auflebers verschwindet.

Nach dem Anbringen der Haubenverriegelung sowie der vorderen Haltebolzen an dem passgenauen GFK-Haubenrahmen, habe ich die tiefgezogene glasklare Kabinenhaube ausgeschnitten und verklebt. Der Rahmen wird bereits mit einer weißen Deckschicht geliefert, hier musste ich nur noch den Mittelsteg grau lackieren.

Der Steckungsbereich für die Tragflächen im Rumpf war ebenso komplett bearbeitet. Ein 22-mm-Vierkant-CFK-Verbinder mit eingearbeiteter V-Form sorgt für eine optimale Krafteinleitung. Auch die Öffnungen für die Arretierungsbolzen sind vom Hersteller bereits gefräst. Das passt und schließt schwerwiegende Fehler von vornherein aus. Und an GFK-Arbeiten sind nur noch die Löcher zur Durchführung der Flächenkabel auszufräsen sowie die Aufnahme für ein Arretierungssystem. Ich habe die inneren Flächen mit einer M5-Gewindestange gesichert. Beim Aufbau ist hier eine Rändelmutter aufzudrehen. Auch diese Idee stammt von Friedrich Deffner und bewährt sich schon lange. Überhaupt sollte man bemüht sein, den gesamten späteren Aufbau auf dem Flugplatz möglichst ohne Werkzeug durchführen zu können.

Kommen wir zu den Tragflächen: Sie präsentieren sich diagonal mit Kohle unterlegt und mit durchgängigem Prepreg-Holm. Als Stützstoff wurde Abachi eingelegt, was für eine außerordentliche Druckfestigkeit bei moderatem Gewicht sorgt. Und alle Ruder sind am „Duo-Discus“ als Elastikflaps ausgeführt, komplett mit GFK-Dichtlippen an den Unterseiten, zudem in einer meisterhaften Ausführung.

Die beiden inneren Flächenteile beherbergen einen Schacht für die Störklappen sowie auf der Unterseite die Abdeckung für das dazugehörige Servo, in meinem Fall ein „HS-225MG“ von Hitec. Die Profildicke erlaubt aber problemlos auch jedes gängige Standardservo. Die 500 mm langen und rot eloxierten doppelstöckigen Störklappen eines renommierten Herstellers liefert Friedrich Deffner generell mit. Der Schacht ist dafür perfekt vorgefräst. Zum Verkleben der Störklappen verwendete ich mit Microballons eingedicktes Harz, der obere Alurand wird dann mit Sekundenkleber bearbeitet. Ein wenig fummelig ist das genaue Einpassen der Störklappenabdeckungen, da das Ganze im eingefahrenen Zustand 1/10 mm Untermaß haben sollte. Die GFK-Streifen sind mit weißem Gelcoat eingefärbt, die Abdeckungen nach unten konisch zugeschliffen, was beim Einfahren der Klappen für eine gute Führung sorgt und „saugend“ passt. Die Flächensteckung zu den äußeren Flächenteilen erledigt ein 17-mm-CFK-Vierkant-Verbinder mit zwei Bolzen zur Arretierung.


Der „Duo-Discus“ im Landeanflug. Die gut wirkenden Störklappen erlauben in Verbindung mit den unkritischen Langsamflugeigenschaften auch kurze Landeanflüge


Charakteristisch für den „Duo-Discus“ ist die Tragflächengeometrie mit der Vor- und Rückpfeilung der Nasenleiste

Gesichert wird hier mit Klebeband – effizient, billig und ohne Spuren auf den GFK-Oberflächen zu hinterlassen. Für die Querruder habe ich Flächenservos „HS-125MG“ von Hitec verwendet. Die inneren Querruder dagegen verlangen wegen ihrer Länge von 109 cm und der Tiefe von 7 cm nach größeren Servos. Zum Einsatz kamen hier die „HS-645MG“ von Hitec. Die Einbauhöhe in der Tragfläche erlaubt Servos bis 20 mm Dicke.

Die Ruderhörner sind CNC gefräst, ich habe sie im Internet erstanden. Sie wurden mit eingedicktem UHU-Endfest 300 verklebt. Servoabdeckungen werden beim „Duo-Discus“ mitgeliefert. Die Befestigung erfolgt in eingeharzten Buchendübeln mit jeweils vier kleinen Schrauben. Gegen Aufpreis kann man auch Servoeinbaurahmen mit Deckel von Multiplex ordern. Die Ausschnitte werden dann entsprechend gefräst. Die Servokabel sind übrigens alle bereits werksseitig verlegt und mit 0,34-qmm-Querschnitt auch korrekt dimensioniert.

Am Höhenleitwerk musste nur noch das Ruderhorn eingebaut werden, eine Augenschraube mit Gewindebuchse. Die Befestigung am Rumpf erfolgt durch zwei M5-Metallschrauben, die Einschlagmuttern sitzen passgenau in der Dämpfungsflosse. Das Seitenruder ist ebenfalls als Elastikflap angeschlagen und auf einer Seite mit einer Dichtlippe versehen. Und hier der (vielleicht) einzige Wermutstropfen für Vollblut-Scaler: Friedrich Deffner baut ein Seitenruder in praxisorientierter Version, also mit Schleifschutz für das Seitenleitwerk. Auf Wunsch aber gibt es das Seitenruder auch vorbildgetreu ganz nach unten verlängert. Es ist dann in einer Hohlkehle gelagert.

Das einzige Digitalservo übrigens baute ich an der Schleppkupplung ein. Denn ich durfte in mehr als zwanzig Jahren F-Schlepp schon einiges erleben mit Standard- oder gar Billigservos. Das ist definitiv am falschen Ende gespart. Für das Einziehfahrwerk habe ich wieder ein „HS-645MG“ von Hitec verwendet, für die Bremse ein Standardservo „HS-300“ und als Vario das „Picolario talk“ von Thommys.

Die immens langen Servokabel verlangten nach einer HF-Entstörung. Hier kommt bei mir ein „DPSI RV-Mini 6“ von Emcotec zum Einsatz. Dieses Gerätchen vereint eine Akkuweiche, die HF-Entstörung aller Zuleitungen sowie die konstante Stromversorgung von 5,5 Volt an alle Servos. Versorgt wird das Ganze von zwei fünfzelligen NiMh-Akkus á 2.300 mAh. Der Schalter des DPSI ist im hinteren Instrumentenpilz fast unsichtbar untergebracht.

Nach nur gut vier Wochen im Keller konnte der „Duo-Discus“ im Garten zusammengesteckt und programmiert werden. Je länger ich nun das imposante Modell betrachtete, kamen mir doch erhebliche Zweifel beim Anblick der so großen und furchtbar leeren Kabinenhaube. Da musste dringend Abhilfe geschaffen werden: Ein Anruf bei Friedrich Deffner und „239 Euro später“ kam ein siebenteiliger GFK-Cockpitausbausatz. Den ganzen Ausbau hier zu beschreiben erspare ich mir. Nur soviel: die Bauzeit hat sich verdoppelt!


Platzüberflug mit ausgefahrenem Einziehfahrwerk

Mit dem angegebenem Schwerpunkt von 55 mm hinter der Nasenleiste, stolzen 1.480 g Blei in der Nase und einer nachgemessenen EWD von 1,2 Grad ging es dann aufs Flugfeld. Als Schlepppilot engagierte ich Friedrich Deffner persönlich. Hinter seiner „Jodel Robin“ mit 2,5 m Spannweite und einem 70-ccm-3W-Boxermotor erfolgte dann ganz unspektakulär der Erstflug. Die Leistung der Schleppmaschine reichte locker für die 14,2 kg Abfluggewicht.

Und da war es wieder, das faszinierende und einzigartige Flugbild des „Duo-Discus“. Anfangs noch zögerlich, wurde nach ein paar Eingewöhnungskreisen schon mal ein Zacken Tief getrimmt. Das Flugverhalten entspricht ziemlich genau dem Original. Soll Strecke gemacht werden, genügen zwei Raster Tiefenruder und der Großsegler geht ab wie „Schmitts Katze“. Aber auch den Langsamflug beherrscht der „Duo-Discus“ ohne Makel, wenngleich er mit einer etwas schnelleren Gangart seine beste Leistung erzielt. Den Landeanflug etwas weiträumiger angeflogen und mithilfe der prima wirkenden Störklappen aufgesetzt – eine Höhenruderzumischung ist nicht erforderlich. Der „Duo-Discus“ schwebte ganz ohne Lastwechsel herein und mein Puls normalisierte sich prompt. Da kamen mir die erst kürzlich gelesenen Worte „Groß fliegt besser!“ in den Sinn, eine Aussage, der ich nur zustimmen kann.

Rundum betrachtet ist der „Duo-Discus“ von Friedrich Deffner ein alltagstauglicher Großsegler mit enormen Flugleistungen. Ein Großsegler der feinsten Bauart. Die Oberflächengüte sowie die überragende Festigkeit aller Komponenten überzeugt. Die Flugleistungen sind Dynamik pur, ob genüssliches Thermikkreisen oder Akrobatik. Der „Duo-Discus“ beherrscht jede Gangart mit Bravour.
Erwin Schreiber


Der gelungene Scale-Nachbau spiegelt die Eleganz des Originals wieder


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