Seit dem Erstflug des Standardklasse-Seglers "Discus" von Schempp-Hirth im April ’84 stehen Modellnachbauten in allen gängigen Größen hoch im Kurs. Zunächst noch spöttisch als "Krummschwert" oder "Türkensäbel" bezeichnet, etablierte sich die Konstruktion von Klaus Holighaus mit der unverwechselbaren Tragflächengeometrie durch hervorragende Flugleistungen im manntragenden Segelflug wie auch im Modellsegelflug.

Unzählige mehr oder minder vorbildgetreue Nachbauten fliegen seither auf den Modellfluggeländen weltweit. Im April 1998 erhob sich dann das Nachfolgemodell "Discus-2" mit völlig neu entwickelten Tragflächen mit höherer Streckung und einem dreifach trapezförmigen Grundriss in die Luft. Auffallend am "Discus-2" waren die stark nach oben abgewinkelten Außenflügel. Im Zuge der Produktentwicklung verzichtete Schempp-Hirth jedoch auf den letzten Knick nach oben und rüstete stattdessen den "Discus-2" mit Winglets nach Prof. Maughmer aus. Auch der "Discus-2" war auf Anhieb bei Wettbewerben sehr erfolgreich. Die Weltmeisterschaften der Standardklasse 1999 bis 2003 wurden mit dem "Discus-2" gewonnen. Der neue "Discus" wird als "a"-Version mit dem kleineren und schmäleren Rumpf (6,41 m Länge, 55 cm Breite) und in der geräumigeren "b"-Version (6,79 m Länge, 62 cm Breite) geliefert. Außerdem wird der "Discus-2" auch als nicht eigenstartfähige Turbo-Version mit einer Fünfblatt-Klappluftschraube und einem Zweitakt-Motor mit 15,3 KW Leistung und elektrischem Spindelantrieb angeboten. Nachdem sich Segelflugzeuge der 18-m-Klasse immer größerer Beliebtheit erfreuten, entwickelte das Team um Tilo Holighaus noch den "Discus-2c". Die 18-m-Version absolvierte ihren Erstflug im September 2004 auf der Hahnweide. Mit kurzen Außenflügeln kann der neue Typ auch in der 15-m-Standardklasse eingesetzt werden. In der 18-m-Version ähnelt der "Discus-2c" im Design dem Doppelsitzer "Duo-Discus" mit seinem nach hinten knickenden Flügel. Die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenflügel liegt beim "Discus-2c" dort, wo beim "Discus-2a/b" das Querruder geteilt ist. Auch wurde das Seitenleitwerk "2c" um 92 mm erhöht und das Höhenleitwerk in der Spannweite auf 2,5 m vergrößert. Der Rumpf entspricht im Wesentlichen dem "Discus-2b", ist lediglich um 25 mm länger.

Bereits 1999 brachte Krause-Modellbautechnik einen "Discus-2" im Maßstab 1:3,5 mit 4,28 m Spannweite auf den Markt. Seit Anfang 2005 wird auch ein Nachbau im Maßstab 1:2,92 (5,14 m) und einem "HQ/W-2,5/14"-Profil angeboten. Aufgrund des steigenden Interesses an Großseglern im Maßstab 1:3 entwickelte Krause noch den "Discus-2c" mit 6 m Spannweite und dem Tragflächenprofil "HQ/W-3/15".
Doch was bewegt einen dazu, sich für einen bestimmten Großsegler zu entscheiden? Dem einen gefallen beispielsweise Schleicher-Typen, dem anderen die Konstruktionen von Schempp-Hirth. Neben diesen subjektiven Gesichtspunkten stehen natürlich auch rein technische Punkte an, wie etwa: mit oder ohne Wölbklappen, Profil, Flächenbelastung oder auch aufgrund der Tragflächengeometrie vermutete Vorteile. Ich erhoffte mir durch die nach oben gebogenen Tragflächen des "Discus-2c" und der Winglets sehr gute Kreisflugeigenschaften und auch Vorteile bei Start und Landung. Somit fiel die Entscheidung für den "Discus-2c" als neuen 6-m-Segler.

Schnell konnte der Bausatz bei Krause abgeholt werden. Bereits beim ersten Blick überzeugte die solide und saubere Bauausführung der großen Tragflächen. Angeklebte und verschliffene Nasenleisten sowie verkastete Querruder an den Tragflächen und ein entsprechend vorgefertigtes Höhenleitwerk hatte ich gegen einen moderaten Aufpreis gleich mitbestellt. Ebenso wurden gleich eine passende Pilotenpuppe, eine GFK-Sitzschale und GFK-Winglets mitgeordert. Im heimischen Hobbykeller wurden dann die einzelnen Komponenten eingehend begutachtet: Der weiß eingefärbte GFK-Rumpf mit CFK-Verstärkungen hatte eine perfekte Oberfläche und machte einen sehr stabilen Eindruck. Die furnierbeplankten Tragflächen mit dem Doppel-T-Holzholm sind Carbon verstärkt und waren bereits mit 440-mm-Doppelstock-Lan-deklappen ausgerüstet. Als Tragflächensteckung wurde ein 16er-Rundstahl verwendet. Das Höhenleitwerk wurde in Styro/Furnier-Bauweise mit entsprechender Verstärkung im Mittelbereich aufgebaut, ebenso wie das Seitenruder. GFK-Kabinenhaubenrahmen, Kabinenhaube, Dekorsatz, Bauplan und jede Menge der Größe des Modells angemessene hochwertige Kleinteile für Ruderanlenkungen usw. lagen dem Bausatz ebenfalls bei. Auf eine Bauanleitung hat man bewusst verzichtet, da man bei Krause davon ausgeht, dass der zukünftige Pilot über einschlägige Bauerfahrung verfügt und der Bauplan alle wesentlichen Details enthält. Die äußeren Abmessungen des Modells stimmen maßstäblich mit dem Original überein, lediglich die Spannweite des Höhenleitwerkes wurde etwas vergrößert.

Kommen wir zur Fertigstellung: Alle anfallenden Arbeitsschritte detailliert zu beschreiben, würde an dieser Stelle sicher zu weit führen. Deshalb hier nur die wesentlichen Punkte:
Zuerst habe ich die Tragflächensteckung, also das Einbauen der Messing-rohre und das Anpassen der Tragflächen an die Profilanformung, in Angriff genommen. Die Tragflächen passten fast perfekt. Lediglich rechts musste die Abschlussrippe etwas angepasst werden. Im Außenbereich der Tragflächen wurden noch die Messingröhrchen für die Steckung der Winglets eingebaut und verklebt. Das Styropor musste dazu entsprechend ausgespart und der Übergangsbereich etwas überschliffen werden. Weitere Arbeitsschritte an den Tragflächen waren der Einbau der Servos und deren Halterungen für die Landeklappen im Wurzelbereich sowie für die inneren und äußeren Querruder und die entsprechenden Lötarbeiten. Die Querruder sind entsprechend dem Original am ersten Tragflächenknick geteilt. Für die äußeren Querruder waren vom Hersteller rechteckige Aussparungen für die "Slim-Star FL digi"-Servos von Multiplex vorhanden. Die inneren Querruder bekamen je ein "Profi digi" von Multiplex spendiert. Nach dem Einbau der Messingruderhörner und dem Dünnschleifen der Endleisten wurden die Tragflächen lediglich noch komplett fein überschliffen.

In das Seitenleitwerk habe ich den Sperrholzsteg eingeharzt, in den dann im unteren Bereich das Servo für das Höhenruder eingebaut wurde. Die Anlenkung des Höhenruders übernimmt nun ein Kohlerohr mit beidseitig eingeklebten Gewindestangen und Gabelköpfen. Im Seitenruder mussten noch die Schlitze für die Messinglagerungen angebracht werden. Den oberen Rumpfabschluss habe ich anschließend entsprechend der Rundung des Seitenruders ausgespart. Abschließend waren noch die Bohrungen für die Schrauben zur Befestigung des Höhenleitwerks und die beiden Muttern dafür in der Auflagefläche anzubringen und einzukleben. Krause legte für die beidseitige Anlenkung des Seitenruders Stahllitzen bei. Im Testmodell wurde jedoch auf einen 1,5-mm-Stahldraht mit Bowdenzugröhrchen zurückgegriffen. Der Einbau des beiliegenden 60-mm-Spornrades beendete dann im Wesentlichen die Arbeiten am Rumpfende. Für das Höhenruder habe ich ein "Profi digi"-Servo von Multiplex eingebaut, am Seitenruder ein "C-4041" von Graupner.


Die Kabinenhaube mit Rahmen und Instrumenten des Modells


Über dem Fahrwerk finden unter anderem Empfänger, Schalter und das Spannungsüberwachungsmodul ihren Platz

Fakten
"Discus-2c"
Semi-Scale Großsegler
Spannweite: 6.000 mm
Länge: 2.270 mm
Fluggewicht: 11,2 kg
Tragflächenprofil: HQ/W-3/15
Fläche: 121 qdm
Flächenbelastung: 92,56 g/qdm
Ruderausschläge:
Höhenruder: -10/+12 mm
Seitenruder: -/+45 mm
Querruder: -18/+9 mm
Schwerpunkt: 121 mm
Preis: ab 1.490,- Euro;
Bezug bei Krause-Modellbautechnik,
Tel. 07322/5526,
www.krause-modellbautechnik.de


Einige Komponenten des Modells im Lieferzustand: In der Tragflächenunterseite im Vordergrund ist die runde Aussparung für das Landeklappen-Servo


Der Seitenflossenabschlusssteg mit dem eingebauten Servo für das Höhenruder. Ein Servo der 8-kg-Klasse ist hier zu bevorzugen

In der Rumpfspitze habe ich die obligatorische F-Schlepp-Kupplung mit dazugehörigem Servobrett und einem Brettchen für den Empfängerakku platziert. Vor deren Einbau musste ich allerdings bedenken, dass noch eine gehörige Portion Trimmblei ihren Platz finden musste. Empfänger, Seitenruderservo, Schalter sowie Spannungsüberwachung wurden – wegen der noch fehlenden Sitzwanne – im Bereich oberhalb des Fahrwerkes platziert. Ausschneiden, Anpassen und Aufkleben der recht großen Kabinenhaube war natürlich entsprechend zeitaufwändig. Aber es sollte ja ordentlich werden, denn schließlich ist das Cockpit ja auch die Visitenkarte eines originalgetreuen Nachbaues. Der stabile Kabinenhaubenrahmen mit dem angeformten Instrumententräger musste im hinteren oberen Bereich aufgespachtelt werden, um einen Versatz der Kabinenhaube zum Rumpf zu vermeiden. Zum Verschließen der Kabinenhaube wurde der beiliegende Stahldraht mit Bowdenzugröhrchen eingebaut, der unter der linken Profilanformung endet. Die Cockpitinstrumente, Steuerknüppel und Bedienhebel wurden bei Ernst Reiff bestellt.

Nach einigen Stunden Bügel- und Fönarbeit mit weißer "Oracover"-Folie und dem Lackieren des Kabinenhaubenrandes konnte das neue Flaggschiff im Vorgarten in ganzer Pracht begutachtet werden. Nachdem alle Komponenten eingebaut waren, musste noch das Trimmgewicht entsprechend der Rumpfspitze zurechtgeklopft und eingepasst werden. Stolze 930 g waren erforderlich, um den Schwerpunkt auf 121 mm hinter die Nasenleiste zu legen.

Vor dem Programmieren stand dann noch die Frage im Raum, ob die geteilten Querruder differenziert werden sollten. Wie funktioniert das beim Original? Ein Besuch auf dem Segelflugplatz der Segelfliegergruppe Neresheim brachte Klarheit: Beim Original werden die beiden Querruder mechanisch beim Aufstecken der Außenflügel starr verbunden. Also laufen auch im Modell die inneren und äußeren Querruder vorbildgetreu parallel. Wer will, kann hier natürlich seine eigenen Einstellungen realisieren und programmieren.

Mit Spannung habe ich nun den Tag des Erstfluges erwartet. Nach Reichweiten- und Funktionstest erfolgte der Start hinter dem "Swiss-Trainer" im F-Schlepp. Schon beim Anrollen fiel die gute Querruderwirksamkeit auf. Im Steigflug folgte der neue "Discus-2c" wie auf Schienen der Schleppmaschine. Nach dem Ausklinken überzeugte der Neuling dann gleich auch mit ruhigem Gleitflug. Nur eine kleine Trimmkorrektur war am Höhenruder erforderlich. Positiv überraschten auf Anhieb die hervorragenden Kreisflugeigenschaften, ohne große Korrekturen lief das Modell wie am Schnürchen. Noch in Sicherheitshöhe wurde die Wirkung der Landeklappen getestet, um beim anschließenden Landeanflug keine Überraschungen zu erleben. Die Wirkung war mehr als ausreichend und der Gleitwinkel des "Discus" konnte feinfühlig gesteuert werden. Die erste Landung mit dem 6-m-Modell gelang dann auch butterweich.

Der neue "Discus-2c" von Krause überzeugte inzwischen bei unzähligen Flügen mit seinen sehr guten Gleitleistungen. Im Parallelflug mit anderen 6-m-Modellen wurde dies immer wieder deutlich – natürlich rein subjektiv. Die Kreisflug- und Langsamflugeigenschaften sind vom Feinsten. Schwache Thermik aufzuspüren und auszukurbeln macht riesig Spaß. Wird es dem "Discus" mal zu langsam, nimmt er brav seine Nase nach unten. Mit der konstruktiv vorgegebenen Einstellwinkeldifferenz von 1,5 Grad lässt es sich gut leben. Auch im Schnellflug überzeugt die Krause-Konstruktion, obwohl die Domäne klar in Richtung weiträumigem Thermikflug liegt.

Auch festigkeitsmäßig gibt es nichts zu beanstanden: Der "Discus-2c" ist ein Allround-Semi-Scale-Modell mit unverwechselbarer Optik, der sowohl dem ambitionierten Großseglerpiloten, der gerne noch etwas modellbauerisch tätig werden will, wie auch dem Aufsteiger in die 6-m-Klasse jede Menge Spaß bietet.

Im Zuge der weiteren Produktentwicklung liefert Krause den "Discus-2c" nun serienmäßig mit einem 18 mm Rundstahl als Tragflächensteckung aus. Diese Änderung erfolgte im Hinblick auf die zusätzlichen Belastungen durch den eventuellen Einbau eines Klapptriebwerkes. Ebenso sollen die Servoaussparungen für die äußeren Querruder in kreisrunde mit 50 mm Durchmesser geändert werden.

Siegfried Eisenmaier,
Fotos: Redaktion Großsegler


Die als Zubehör erhältlichen Winglets sind nachträglich noch anzubauen



Ein Blick in das Cockpit des Originals. Im Gegensatz zum Krause-Nachbau öffnet die Kabinenhaube seitlich nach rechts und der Instrumententräger klappt nach oben um dem Piloten den Ein- und Ausstieg zu erleichtern


Bereit zum Erstflug! Das 11,2 kg schwere 6-m-Modell wird zum Start getragen


Der "Discus-2c" von Krause überzeugt mit gutmütigen Flugeigenschaften


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