TECHNIK

Neues aus der Schweiz

Der "EP Product 2820-1000"-Motor im Detail

Hinter dem Label EP Product verbirgt sich die EP Distribution AG aus der Schweiz. Laut ihrer eigenen Webseite, die man unter www.epproduct.com erreichen kann, besteht das Label aus Modellflugpiloten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, „neue Produkte, innovative Lösungen und selbst weiterentwickelte Komponenten im Elektrobereich einer breiten Kundschaft nicht nur anzubieten, sondern auch Tipps und Erfahrungen weiterzugeben“. Das Sortiment des Labels umfasst die volle Breite an Elektromodellflugartikeln. Neben Helis und Indoormo- dellen kann man alle erdenklichen Zubehörartikel erhalten, die auch noch andere Modelltypen abdecken. Akkus, Regler, BEC-Systeme, Ladegeräte, Luftschrauben, Netzteile, Kleinteile, Messtechnik und letztendlich Brushlessmotoren sind über die angegebenen Fachhändler zu beziehen.

Der Autor hat sich den Außenläufer „2820-1000“ vorgenommen und mit diversen Luftschrauben getestet. Dem interessierten Elektroflugpiloten fällt sofort auf, dass die Motorenbezeichnungen große Ähnlichkeit mit den Motoren der AXI-Serie aus Tschechien aufweisen. Auf weitere Ähnlichkeiten werde ich später noch eingehen.

Der „EP 2820-1000“ ist ein 143-g-Außenläufer, der für die Verwendung mit drei LiPo-Zellen empfohlen wird. Geliefert wird er mit allem Zubehör, das man für die Vorspantmontage benötigt. Das Befestigungskreuz kann mit vier Schrauben am Motor befestigt werden. Bei dem mattschwarzen Luftschrau- benmitnehmer handelt es sich um einen mit einer 6-mm-Aufnahme. Der in mattem Schwarz gehaltene Motor ist dreifach kugelgelagert. Die 5-mm-Welle wird mit zwei Madenschrauben in der Glocke gehalten. Gegen Herausrutschen aus dem Stator wird die Welle am vorderen Lagerschild mit einem Sprengring gesichert. Der Motor verjüngt sich nach vorne ein wenig, sodass er auch in schlankeren Rümpfen bei normaler Rückspantmontage seinen Platz finden sollte. Auffällig sind die drei in das vordere Lagerschild gefrästen Rundungen, welche die Kabel sauber trennen und führen. Auch bei einem früher getesteten AXI gab es diese Ausfräsungen.

Daten auf einen Blick:

Umdrehungen/Volt 1.000
Pole 14
Maximalstrom 40 A
Zellen 3s-LiPo
Empf. Luftschraube 11-13“
max. Leistung 450 Watt
Länge ohne Welle 43 mm
Motordurchmesser 35 mm
Wellendurchmesser 5 mm
Länge Motorwelle 16,5 mm
Lochkreis 19 und 25 mm
Befestigung 4x M3
Gewicht 143 g
Preis 44,30 Euro
 
Bezug im Fachhandel, www.epproduct.ch


Auf dem Motor selbst findet man eine Empfehlung für drei LiPos und 12-13“-Luftschrauben. Die Webseite bietet zusätzliche Empfehlungen, die dann auf verschiedene Modelltypen bezogen sind. So soll der kleine Außenläufer Trainermodelle bis 2,6 Kilogramm in die Luft befördern können. Eine 12x5“-Luftschraube soll die nötige Leistung abverlangen. Kunstflugmodelle bis zwei Kilogramm sind mit einer 12x6“-Luftschraube besser bedient. Wer mit diesem Motor ein 3D-Modell antreiben möchte, sollte eine 13x4“-Luftschraube nehmen und mit dem Modell auf nicht über 1,5 Kilogramm kommen. Für Elektrosegler wird eine Empfehlung bis 2,4 Kilogramm mit einer 12x6“-Luftschraube gegeben. Für alle Empfehlungen soll ein 40-A-Steller und ein 3s-LiPo-Flugakku ausreichend sein. Ob diese Empfehlungen stimmig und nachvollziehbar sind, hat der Autor mit weiteren Luftschraubentests geprüft.

„EP Product 2820-1000” an 10,5 Volt (3s-LiPo)

Luftschraube Strom Drehzahl Schub empf. Flugbereich V opt
[A] [U/min] [N] [m/s] [km/h]
Grpn CAM Prop 11x8” 30 7.840 14 20-27 74
APC-E 11x8,5” 33 7.660 13 21-28 76
AerCC 12x5” M42 23 8.210 15 13-17 48
Grpn CAM Prop 12x6” 26 8.080 15 16-21 57
APC-E 12x6” 33 7.700 18 15-20 54
AerCC 12x6,5” M42 28 7.980 16 17-22 61
AerCC 12x8” M42 36 7.490 17 20-25 70
APC-E 12x8” 38 7.420 17 19-25 70
AerCC 12x9” M42 42 7.180 17 21-27 76
AerCC 12,5x6” M42 31 7.780 18 15-20 55
AerCC 12,5x7,5” M42 39 7.300 18 18-23 64
AerCC 13x6,5” M42 39 7.360 21 16-20 56
APC-E 13x6,5” 41 7.190 21 15-20 55
AerCC 13x8” M42 41 7.170 18 19-24 67
AerCC PP 13x8” 44 6.910 23 18-23 65
APC-E 13x8” 45 6.870 21 18-23 64
AerCC 13x11” M42 45 6.710 18 24-31 87
AerCC 14x6” M42 37 7.380 22 14-19 52
Grpn CAM Prop 14x6” 41 7.200 23 14-18 51
AerCC 14x8” M42 53 6.440 22 17-22 60


Dass sich der „EP 2820-1000“ an 3s-LiPo am wohlsten fühlt, war schon anhand der spezifischen Drehzahl zu erkennen. Die Auswahl an Luftschrauben in diesem Bereich ist riesig. Hier findet sich für jedes Modell die passende Abstimmung. Die für Trainer empfohlene 12x5“ wurde in Form einer AerCC-Luftschraube vermessen. Die Stromaufnahme liegt bei 23 Ampere, was einer Eingangsleistung von 240 Watt entspricht. Für ein 2,6-kg-Trainermodell sind das weniger als 100 Watt/Kilogramm. Der dürftige Standschub von 15 Newton und die daraus resultierende Strahlgeschwindigkeit bis gerade einmal 17 Meter/Sekunde sind nach meiner Meinung deutlich im unteren Leistungsbereich für so ein Modell anzusiedeln. Die APC-E 12x6“ kann da schon mehr überzeugen: 100 Watt mehr Eingangsleistung, mehr Schub und mehr Strahlgeschwindigkeit sollten dem Trainermodell besser zu Gesicht stehen.

Die 12x6“ ist dann auch die Empfehlung des Herstellers für 2-kg-Kunstflugmodelle und 2,4-kg-Elektrosegler. Als kleine Tuningmaßnahme sei für die Kunstflugpiloten eine AerCC 12,5x7,5“ oder sogar eine 13x8“ empfohlen. Beide Luftschrauben liegen von der Stromaufnahme bei 40 Ampere, weshalb hier ein größer dimensionierter Steller verwendet werden sollte. Denn moderne LiPo-Akkus haben gerade zu Beginn des Fluges eine bessere Spannungslage, als die angenommenen 10,5 Volt! Der Motor kann diese Leistung vertragen. Erst oberhalb von 40 Ampere sollte man vorsichtiger werden. Dann wird der kleine schwarze EP-Außenläufer zügig warm. Da Elektrosegler gerne auch langsamer und steiler „an die Latte“ gehängt werden, kann man dem Motor für diese Aufgabe durchaus mehr Durchmesser und weniger Steigung bei der Luftschraube mit auf den Weg geben. Die recht neue AerCC 14x6“ ist in jedem Fall einen Versuch wert.

Die für 3D-Modelle empfohlene 13x4“ habe ich nicht vermessen. Von der Leistungsaufnahme her liegt diese Luftschraube einige Ampere unterhalb der 12x6“ und wird somit gemäßigte 30 Ampere konsumieren. Das ist für anständiges 3D-Fliegen mit einem 1,5-kg-Modell zu wenig. Gerne darf hier deutlich mehr Leistung in den Spitzen abverlangt werden, denn in der Regel ist der 3D-Pilot im Mittel mit deutlich weniger Leistung unterwegs, sodass die Stromspitzen den Motor nicht überfordern. Mit einem Steller, der kurzzeitig mehr als 40 Ampere verträgt, sollte eine 14x6“ oder 13x6,5“ noch kein großes Problem darstellen. Wie heiß der Motor letztendlich wird, hängt dann stark vom Flugstil des Piloten ab. Bei guter Kühlung des Antriebs sollten die üblichen 3D-Figuren mit Modellen bis maximal 1,5 Kilogramm im Bereich des Möglichen sein.

Der Hersteller hat für den „EP 2820-1000“ keine Empfehlung für 2s- oder 4s-LiPo parat. Der Motor kann natürlich – mit Einschränkungen – trotzdem an diesen beiden Akkuvarianten betrieben werden. Die 2s-Variante dürfte äußerst selten Verwendung finden. In kleineren leichten Thermikseglern kann ein Versuch aber zum Erfolg führen. Ausreichende Strahlgeschwindigkeit und Leistungsaufnahme erhält man noch mit Luftschrauben um 14“-Durchmesser und ab 8“-Steigung. Die AerCC 15x10“ sieht auf dem kleinen Motor wuchtig aus und klingt durch die niedrige Drehzahl auch ebenso. Mit 250 Watt Leistungsaufnahme kann man durchaus einen Segler bis zwei Kilogramm sicher auf Höhe befördern.

„EP Product 2820-1000” an 7 Volt (2s-LiPo)

Luftschraube Strom Drehzahl Schub empf. Flugbereich V opt
[A] [U/min] [N] [m/s] [km/h]
AerCC 14x8” M42 29 4.880 14 13-17 46
AerCC 14x9” M42 31 4.730 13 14-18 50
AerCC 14x12” M42 39 4.270 11 17-22 60
AerCC 15x10” M42 36 4.480 14 15-19 52


„EP Product 2820-1000” an 14 Volt (4s-LiPo)

Luftschraube Strom Drehzahl Schub empf. Flugbereich V opt
[A] [U/min] [N] [m/s] [km/h]
AerCC 10x6” M42 26 11.090 16 22-28 78
AerCC 10x7” M42 34 10.630 17 24-32 87
AerCC 11x6” M42 39 10.250 23 20-26 72
AerCC 12x6,5” M42 43 10.060 27 21-28 77


Betreibt man den Motor an vier Zellen, dann kommt man um kleinere Luftschrauben aufgrund der recht hohen spezifischen Drehzahl von 1.000 Umdrehungen/V nicht herum. Eine 10x7“ genehmigt sich über 470 Watt und sollte für schnellere Modelle auch bei längeren Vollgaspassagen eine gute Lösung sein. Die üblichen Verdächtigen sind hier kleine Tiefdecker oder schnellere Trainermodelle. Der Motor ist dann aber mit über 450 Watt an seiner Leistungsgrenze angelangt. Mehr sollte man ihm nicht zumuten.

Kurzum: Mit dem „EP 2820-1000“ erhält man einen sehr preiswerten Außenläufer für drei LiPo-Zellen. Die spezifische Drehzahl lag über alle Messungen eher bei 920 Umdrehungen/Volt. Die vom Hersteller empfohlenen Luftschrauben treiben den Motor nicht an seine Grenze und sind damit in jedem Fall auf der sicheren Seite. Allerdings scheinen dem Autor die zugeordneten Modellgewichte ein wenig zu optimistisch. Andere Luftschraubengrößen sind mit diesem Motor dann aber in der Lage, die angegebenen Modelle entsprechend zu motorisieren, sodass man nicht von einem Fehlkauf sprechen kann. Wie bereits zu Anfang erwähnt, vom Aufbau und von den Bezeichnungen her, erinnert die EP-Reihe stark an die AXI-Motoren aus Tschechien. Allerdings erhält man bei EP eine größere Auswahl verschiedener Drehzahlen bei gleicher Motorengröße. Auf Grund der soliden Ausführung und des zugehörigen Zubehörs des Außenläufers sei bei der Antriebssuche für ein neues Modell in jedem Fall ein Blick auf die Internetseite von EP Products empfohlen!

Heiko Mannertz


Das vordere Lagerschild zeigt die Befestigung mit zwei unterschiedlichen Lochkreisdurchmessern. Nicht nur die Kabelführung erinnert an AXI.


Die 5-mm-Welle wird in der Glocke mit zwei Madenschrauben gehalten.


Das vollständige Zubehör für die Vorspantmontage.


Dicker Draht und gut gefüllte Wicklungen. Die Magnete sind sauber verklebt.


Bereit für die Vorspantmontage. Der Luftschraubenmitnehmer hat eine 6-mm-Welle.



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