ELEKTROFLUG softliner

Elektrisch segeln

Bauplanmodell „EOS“-Elektrosegler

Der Geschichte des „EOS“ begann schon Ende der 80-er Jahre. Obwohl mich als Wiedereinsteiger in den Modellflug der Hangflug besonders faszinierte, waren für mich die Möglich-keiten Hang zu fliegen sehr beschränkt. Hochstarts mit Gummiseil waren oft nicht möglich, sodass der aufkommende Elektroflug mein besonderes Augenmerk auf sich zog. Die damals üblichen Modelle, die mit zehn 1.200-mAh-NiCd-Zellen im Sub-C Format und 500 g Gewicht zwanzig Minuten Flugzeit erreich-ten, gefielen mir keinesfalls. Meine Modelle sollten leichter sein als die zehn Zellen!

     Die Konzeptionierung meiner ersten Modelle war für jene Zeiten unkonventionell: Sie hatten bei einer Spannweite von 1.000 mm um 14 qdm Gesamtflä-che ein Fluggewicht von 350 g bei 25 g/qdm Flä-chenbelastung – deutlich weniger als damals üblich. Als Antrieb diente ein „Mabuchi 360“-Motor mit 45 g Gewicht, später ein „Mabuchi 380“, der Vorläufer des heutigen „Speed 400“. Ungewöhnlich war neben dem Direktantrieb auch, dass der Flugakku aus nur vier NiCd-Zellen 2/3AA bestand, mit 90 g Gewicht und einer Kapazität von 300 mAh. Überschlagsrechnungen zeigten eine bessere Energienutzung bei Verwendung von vier Zellen im Direktantrieb, anstatt sechs untersetzt; trotz geringerem Motorwirkungs-grad, durch deutlich besseren Luftschraubenwirkungsgrad und besserer Nutzung der noch nicht hochlastfähigen kleinen NiCd-Zellen. Die Steuerung war bewusst auf Ein-Achs ausgelegt, wobei das Servo durch eine separate Schubstange den Motor ein- und ausschaltete. Trotz Bedenken der Spezia-listen flogen diese Modelle erstaunlich gut mit bis zu zehn Minuten Gesamtflugzeit bei ruhiger Luft. Zugegeben, das Steigen war mit 1 m/sec nicht berauschend. Zehn Jahre später hat man solche Mo-delle Slow- oder Parkflyer genannt. Das besonders Unkonventionelle an diesen Modellen war der Rumpf: Anfänglich hatten die Stabrümpfe (Bambus, Holz, GfK) noch ein Rumpfboot. Im Laufe der Zeit wurde immer mehr Gewicht gespart und das abgespeckte RC-Equipment an einem flächigen Pylon befestigt, ähnlich jetzt am „EOS“. Der Flugakku wurde unterhalb des Rumpfstabes angeclipst. Diese Mo-delle flogen später mit Spannweiten bis zu 1,8 Metern und bei dieser Größe dann mit einem „Speed 500“ und ebenfalls vier SubC-Zellen. Eine fast unendliche Geschichte.

     Der „EOS“ und seine Brüder entstanden vor etwa fünf Jahren mit dem Aufkommen der LiPo-Zellen unter Verwendung eines untersetzten „Speed 300“. Dieser Motor überzeugte nicht, erst die Brushlessmotoren brachten den gewünschten Leistungsschub. Als Flügel wurden vorhandene Flügel von Zwei-achs-RC-HLGs verwendet, aber auch solche von Freiflugmodellen. Grundsätzlich verwende ich bei meinen Zweiachsseglern V-Leitwerke, da diese richtig dimensioniert fast die Wendigkeit von Querruder-modellen zeigen und man damit auch noch auf kleinsten Plätzen sicher landen kann. Ein Detail, das von „gestern“ erscheint, die Gummiringbefestigung, hat den Vorteil, dass man unterschiedliche Flügel verwenden kann, und dass harte Landungen klaglos überstanden werden. Am Flügel selbst sind Sicherungen, damit er seitlich nicht verrutschen kann. Der Gesamtaufbau ist aus dem Plan zu ersehen.

     Der Rumpf mit Leitwerk: Als Rumpfstab kann man den angegebenen CFK-Stab 7x5 mm verwenden, oder aber zwei Stäbe 8x6 mm und 6x4 mm der Firma Exel (www.drachenwerkstatt.de) zusammenstecken. Letztere sind  leicht und gerade. Die Befestigungsstellen von Pylon und V-Leitwerk mit dem Rumpfstab müssen mit Glasgewebe sorgfältig verstärkt werden. Der Motorwinkel wird mit Balsaauffütterungen auf das abgeschrägte Rohr geklebt (Schnitt B-B) und ebenfalls mit Gewebe gesichert. Als zusätzliche Sicherung wird ein Schlauchbinder verwendet (im Bild ist es noch ein Bindedraht). Die Wirklinie der Motorachse (Sturz) sollte durch den Schwerpunkt gehen, sonst muss im Steigflug zu stark nachgedrückt werden. Je höher der Pylon und je näher der Motor am Flügel, desto größer wird der Sturz!

     Die Ruderanlenkung erscheint etwas abenteuerlich, hat sich aber gut bewährt. Man muss nur darauf achten, dass der Verbinder der beiden Schubstangenstücke von 1,2- und 0,6-mm-Durchmesser ausreichend vor dem Knick liegt. Der Verbinder ist ein mit Sekundenkleber gesichertes Stück Schrumpfschlauch.

     Das V-Leitwerk mit Anlenkung und Ruderhorn aus Sperrholz sieht man in Bild 1. Der Motor ist ein leistungsfähiger Eigenbaumotor auf Basis eines „Ditto 800“-Laufwerkmotors. Diese Motoren arbeiten durch die schmale Bauweise bei großem Glockendurchmesser und niederer Drehzahl mit hohem Drehmoment sehr effizient. Verwendbare Laufwerke gibt es im Online-Auktionshaus für wenige Euros. Die Motoren sind einfach umzubauen, da außer der Befestigung nur neu gewickelt werden muss und der Magnet unkompliziert durch Thermodynmagnete ersetzt wird (vgl. auch www.powercroco.de; eine Seite, in der man viel über Brushlessmotoren lernt). Es kann ansonsten jeder Motor der 100-Watt-Klasse verwendet werden. Alternativ zeigt Bild 5 das Rumpfvor­derteil bei Rohrbefestigung. Wird das System Rohr in Rohr mit Sicherungs-schraube verwendet, kann der Motor leicht gewechselt werden.

     Der Flügel: Es wurden verschiedene Flügel getestet. Als Favorit hat sich ein Flügel in Zweibrettbauweise als leistungsfähigste Variante gezeigt, abgeleitet von Leistungsprofilen aus dem Freiflug. Ebenso kann jeder andere querruderlose Flügel in ähnlicher Größe verwendet werden. Die Arbeitsschritte sind im Plan dargestellt. Die Brettgewichte sollten beim 15-mm-Brett 150 g und beim 3-mm-Brett bei 30 g liegen, dabei möglichst geradegemasert (halfgrain) und unverzogen sein. Das Mittelstück mit den Flügelohren wird in einem Arbeitsgang (ca. 900 mm), die Außenstücke (ebenfalls ca. 900 mm) in einem weiteren Arbeitsgang gefertigt. Der erste Arbeitsgang ist auch der einfachste, dabei muss die Trennfuge mehrfach mit Sekundenkleber gefüllt werden. Als nächstes werden entsprechend Arbeitsgang 2 Linien gezogen und das Holz entlang dieser abgeschält. Das Gleiche gilt für Arbeitsgang 3. Sehr gut eignen sich zum Abschälen feingezahnte, scharfe Küchenmesser – keine Angst, diese werden nicht stumpf, da Balsaholz weich ist. Löcher und Anrisse sind zu vermeiden. 80-er Schleifpapier wird zum Egalisieren verwendet. Nach dem Arbeitsgang 3 sieht man die schon fast komplette Profilkontur. Beim Arbeitsgang 4 wird mit 80-er bis 120-er Schleifpapier nachgearbeitet. Mit etwas Mühe erhält man so ein korrektes Profil.

Als nächstes werden die Teile abgelängt unter Zugabe von 5 mm. Dabei werden die Ohren noch nicht getrennt, um eine ausreichende Auflagelänge zur Verfügung zu haben. Skizze 1 und 2 im Plan zeigen die Schleifhilfen.


Das vordere Modell ist ein original „EOS“. Das hinter Modell hat den Flügel eines Freiflugmodells der Klasse F1C-X.


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Das abgespeckte RC-Equipment und der Flugakku werden an dem flächigen Pylon befestigt.


Das V-Leitwerk besteht aus Brettchenmaterial. Die Ruderhörner sind aus Sperrholz geschnitten



Das Rumpfvorderteil bei Rohrbefestigung des Motors.



Das Profil am Flügelende.

Die Unterstützungsleisten dürfen nicht verrutschen und die Flügelteile müssen im rechten Winkel justiert werden. Winkelgenau geklebt wird mit Weißleim und der Hilfe entsprechender Unterstützungen. Gewebetape hält die Teile zusammen. Spalte sind zu vermeiden und gegebenenfalls mit Sekundenkleber auf-zufüllen. Als Knickverstärker kann außer GFK/CFK-Laminat auch Aluminium verwendet werden. Angeschliffen lässt es sich sicher mit Sekundenkleber kleben. Bei Duraluminum reichen 0,8 bis 1 mm, bei gewöhnlichem Aluminium 1,5 mm.    

     Zur Oberflächenbehandlung wird drei Mal mit Nitro-Schnellschliffgrund grundiert und zwischengeschliffen. Als Endanstrich ist mit Wasser verdünn-barer und farbloser Acryllack bestens geeignet. Das erste Drittel der Flügel-oberfläche kann leicht rau bleiben zur Turbulenzerzeugung, oder aber mit Bespannpapier bespannt werden. Dabei weist die raue Seite nach oben und wird nicht angeschliffen. Alternativ kann ein Malerband (das glatte) etwa 10 mm von der Eintrittskante entfernt aufgebracht werden. Zur Fertigstellung werden kleine Holzsicherungen, damit der Flügel immer korrekt positioniert ist, seitlich neben der Flügelauflage an die Flügelunterseite geklebt: Je Seite zwei Buchenrundhölzer 2x6 mm, abgeflacht.

Jetzt geht es zum Fliegen: Das Equipment wird nach Bild 3 und 4 am Pylon befestigt. Die Servos (6-9 g) werden mit Kontaktkleber festgeklebt. Akku, Empfänger und Regler können mit Klettband angebracht oder – aber weniger elegant wie in den Fotos zu sehen – mit Klebeband befestigt werden. Empfänger und Regler wird man ohnehin nicht wechseln und 3s 1.800 mAh LiPo reichen für mehr als 45 Minuten Flugzeit aus, so dass man diesen auch nicht häufig wechseln wird.

     Gestartet wird unter etwa 70°. Unter diesem Winkel wird das Modell auch weiter steigen. Das Fliegen ist einfach und sicher. Zu Beginn bei maximaler Motorpower wird etwas nachgedrückt, gegen Ende etwas gezogen. Die steilen Ohren lassen das Modell eng kurven, sowohl in der Thermik, wie auch im Landeanflug, was angenehm ist, wenn man auf kleinen Geländen landen muss. Bei den Ausschlägen reichen +/-3 mm.

     Nun viel Spaß beim Experimentieren und Fliegen. Es gibt kaum einen ästhetischeren Flug bei ruhiger Luft. Am besten ist, man lässt den „EOS“ einfach fliegen und korrigiert nur.

     Im Nachtrag noch ein Tipp: Das Konzept bei der vorgegebenen Modellgröße von 1,55 Metern Spannweite kann selbstverständlich variiert werden. Bei kleineren Spannweiten um 1,2 Metern und leichterem Flügel reichen 50-Watt-Motoren und es bietet sich eine Rohrbefestigung an. Den original „EOS“ kann man bis etwa zwei Meter vergrößern. Dabei den Leitwerksabstand proportional zur Spannweite und die Leitwerksfläche proportional zur Flügelfläche erhöhen. So bleibt der Schwerpunkt ungefähr erhalten.

Hans-P. Baier


Gestartet wird unter etwa 70°. Unter diesem Winkel wird das Modell auch weiter steigen – ein steilerer Steigflug macht das Modell unstabil.

 

Der Bauplan...

des Modells besteht aus einem Blatt. Er kostet 14,90 Euro (zzgl. Versandkosten 1,45 Euro) und kann bezogen werden bei AUFWIND-media, Tel. 07204/947450, www.aufwind-media.de.



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