Alpiner Modellsegelflug, speziell in den Südtiroler Dolomiten, gilt immer noch als Highlight. Die bloße Erwähnung von Seiser Alm und Pordoi Joch bringen manches Pilotenauge zum Glänzen – nicht nur in Deutschland. Der Wunsch, vor allem italienischer Modellflieger nach einem herstellerunabhängigen, zwanglosen Alpinmeeting wurde dieses Jahr verwirklicht: Bedingt durch den Ausfall des berühmten Euromeetings am Col del Cuc Ende Juli, bot sich nun an anderer Stelle die Möglichkeit, ein alpines Segelflugmeeting zu etablieren. Initiatoren des neuen Meetings sind die Modellfluggruppen Trentino und Val di Fassa mit Unterstützung des italienischen Modellflugverbandes FIAM und der Modellzeitschrift „Modellismo“.

So fanden sich am 5. und 6. Juli fast 100 Teilnehmer mit ihren Familien am Colle del Mayer, der Passstraße zum Pordoi-Joch ein. Der für dieses Meeting gewählte Startplatz ist unter Insidern und Dolomitenfreaks bereits bekannt und liegt etwa auf halber Höhe zwischen dem Hotel „Bellavista“ und der Bergstation der Belvedere-Seilbahn. Also westlich des Col del Cuc, mit direktem Blick ins Fassatal nach Canazei und gegenüber von Col Rodella und Langkofel (Sassolungo). Die Zufahrt erfolgt direkt von der Passstraße unterhalb des Startplatzes oder über den Parkplatz des Hotels „Pordoi“. Bis zum Startplatz sind dann noch einige Minuten Fußmarsch zu bewältigen. An Übernachtungsmöglichkeiten besteht hier ebenfalls kein Mangel.


Start einer 4,85 m großen „Minimoa“. Diese Modelle erwiesen sich bei schwachen Bedingungen als ideal


Und das Wetter meinte es gut mit der Veranstaltung: Die Sonne setzte sich im Laufe des Samstags immer mehr durch und hervor kam einen traumhafter weiß-blauer Himmel mit hervorragender Fernsicht, und selbst in rund 2.200 m Höhe herrschten durchaus sommerliche Temperaturen. Die Veranstalter hatten, von der Verpflegung über Frequenzüberwachung und Rettungssanitäter bis hin zu einer fast perfekten Absperrung des Start- und Zielraumes, hervorragende Arbeit geleistet. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus Italien, verstärkt durch einige Modellflieger aus Deutschland.


Große Segler benötigen aufgrund der mäßigen Hangneigung einen ordentlichen Schubs, vor allem bei schwach windigen Bedingungen


Ein österreichischer Modellflugpilot zeigte diese perfekt ausgebaute „Musger MG 19a“

Fliegerisch ist der Startplatz am Colle del Mayer wie fast überall in den Bergen erst ab der Mittagszeit thermisch nutzbar. Allerdings kann aufgrund des westlich ausgerichteten Hanges und der dadurch langen Sonneneinstrahlung bis zum Sonnenuntergang geflogen werden. Der Start erfolgte nach Voranmeldung entsprechend der Frequenzbelegung. Als Flugzeit wurden bei den Planungen ca. 20 Minuten pro Teilnehmer festgelegt. Eingeteilt wurden die teilnehmenden Modelle in vier Klassen: Spannweite mind. 2 m, mind. 2,5 m, mind. 2,8 m und mind. 5 m. Die subjektive Bewertung der Modelle erfolgte durch eine dreiköpfige Jury nach festgelegten Kriterien, wie beispielsweise Bauausführung, Cockpitausbau, Innovation und Technik. Am Abend des ersten Veranstaltungstags stand ein gemeinsames Abendessen im Festzelt in Canazei auf dem Programm. Und ab 21 Uhr wurde in der Eissporthalle (Alba di Canazei) eine Indoor-Flugschau auf die Beine gestellt. Am Sonntag wurde dann nochmals geflogen, was die Tragflächen hielten.


Perfekt gebaute Oldtimer-Nachbauten waren zahlreich beim Modelmeeting vertreten

Zum Abschluss waren sich alle Teilnehmer einig, dass diese Erstveranstaltung in atemberaubender Umgebung und mit vielen netten Modellflugfreunden ein tolles Wochenende bescherte. Der Termin für die zweite Auflage des Meetings steht noch nicht fest, ist aber bald unter www.modelmeeting.it nachzulesen.

Rolf Haselmaier


Flitschenstart eines 6-m-„Kobuz“: Bei wenig Wind konnten am Colle del Mayer große Segler nur schwer gestartet werden. Ideal an diesem Hang sind langsam fliegende, relativ leichte Oldtimer mit Spannweiten an die 5 m

Ein österreichischer Modellflugpilot zeigte diese perfekt ausgebaute
„Musger MG 19a“


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