Der markante Rumpfkiel der „Espada“- und „Elita“-Modelle von Jaro Müller verleiht diesen Modellen ein unverwechselbares Design. Nun kann man diesen Rümpfen zwar ihre praktikablen Eigenschaften in Sachen Bodenfreiheit der Wölbklappen sowie die Griffigkeit beim Abwurf nicht absprechen. Aber mal ganz unter uns: Die optische Erscheinung des so genannten „Pelikanrumpfes“ kann man doch vorsichtig ausgedrückt als „Geschmackssache“ bezeichnen, oder?

Auf der Suche nach einem Modell, das im Einsatz am Hang durch gute Thermik-Flugleistungen überzeugt, hatte ich im letzten Jahr Gelegenheit eine „Espada“ (span. „Schwert“) bei ihren Runden am Hahnenmoos zu beobachten. Aller Versuchungen zum Trotz, die Optik des Rumpfes hielt mich von einem Kauf ab. Zum Jahreswechsel kam dann jedoch ein völlig neu gestalteter Rumpf für die „Espada“ auf den Markt, mit Kreuzleitwerk und in Voll-CFK-Ausführung. So ganz ohne „Bauch“, richtig schlank und sehr schnittig. Das Kürzel „RX“ ergab sich aus der Bezeichnung „Race“, was für die neue Rumpfausführung gepaart mit einer steiferen Flügelvariante stehen soll, und das „X“ dient der Kennzeichnung der Kreuzleitwerksvariante.

Doch was ist nun alles neu an der „Espada RX“? Die Tragflächen sind in Sachen Spannweite, Profil und Rumpfanformung unverändert geblieben. Das Modell wird jedoch im Vergleich zu den Vorgängern mit einer etwas steiferen und druckfesteren Tragfläche ausgeliefert. Die Tragflächenhälften wiegen jeweils rund 100 g mehr und werden mit 160-g/qm-CFK-Gewebe im Sandwich unter Vakuum als Schalenflügel aufgebaut. Sie sind dadurch sehr verwindungsfest bei geringem Eigengewicht. Das Gesamtgewicht einer Tragfläche im ausgebauten Zustand liegt in meinem Fall bei 720 g. Dabei entfallen sowohl auf das Querruderservo (Futaba „S-3150“) als auch auf das Wölbklappenservo (Graupner „DS-3068“) inklusive Servorahmen jeweils 25 g. Die Servoschächte sind so ausreichend groß dimensioniert, dass die oben erwähnten Servos mit den praktischen Einbaurahmen von Michael Frey (www.servorahmen.de) montiert werden können. Die Ruderklappen sind durchgängig mit Teflonband anscharniert. Die Flächenunterseiten können auf Wunsch im breit gestreiften, zweifarbigen Design erworben werden. „Espada RX“-Tragflächen erhalten ihre Typenbezeichnung serienmäßig als Schriftzug auf die rechte Tragfläche lackiert. Wer diesen Schriftzug nicht wünscht, sollte dies bei der Bestellung angeben.

Ein erfreuliches Feature stellt auf den Internetseiten von Jaro Müller die Möglichkeit der Farbwahl dar. Dort kann man sich die „Espada RX“ in allen Farb- und Mustervarianten darstellen lassen. In wie weit dann die persönlichen Wünsche realisiert werden können, muss bei Euromodell erfragt werden.

Die wohl markanteste Veränderung hat jedoch, wie bereits angedeutet, der Rumpf erfahren. Er wurde einer waschechten Schönheitsoperation unterzogen, der auch der Rumpfkiel zum Opfer gefallen ist. Der in CFK aufgebaute Rumpf verläuft damit nun auch an seiner Unterseite insgesamt stromlinienförmig mit einer ganz leicht nach unten gezogenen Krümmung zur Rumpfspitze hin. Der Übergang zur Leitwerkspartie ist rund angeformt und sehr stabil. Auffällig ist die in die Seitenleitwerksflosse eingearbeitete Aufnahme für die 8-mm-CFK-Achse des Pendelleitwerks in Form von zwei massiven Kugellagern. Das Höhenleitwerk setzt hierbei an erhöhter Stelle an der Dämpfungsflosse des Seitenleitwerks an, was eine optimale Bodenfreiheit bewirkt. Der neue Rumpf wiegt im flugfertigen Zustand ohne Ballast lediglich 653 g bei einer Länge von 1.505 mm. Circa 240 g entfallen auf die RC-Einbauten (Servos, Akku, Empfänger und Verkabelung). Das geringe Gewicht des Rumpfes konnte nach Aussage von Euromodell unter anderem durch die Verwendung von Aramidwaben als Stützstoff in den Leitwerkspartien, beziehungsweise Dämpfungsflächen erreicht werden.

Der Zugang zum Rumpfinneren erfolgt von oben über eine Öffnung im Nasenbereich, die mit einer in den Rumpf eingelassenen Abdeckung verschlossen wird. Auch die jetzige Rumpfform mag so manchem auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig erscheinen; in optischer Hinsicht dürfte der „Espada RX“ jedoch eine Alleinstellung unter den derzeit am Markt erhältlichen Konkurrenzmodellen sicher sein.

Für den Servoeinbau wird herstellerseitig eine rechteckige Holzrahmenkonstruktion aus 2,5-mm-Sperrholz mitgeliefert, die mit zwei Senkkopf-Inbusschrauben von außen im Rumpf befestigt wird. Der Rahmen bietet exakt Platz für zwei Servos mit den Abmessungen 33x15x27 mm für die Anlenkung von Seiten- und Höhenruder. Es ist sicher kein Zufall, dass lediglich das Graupner-Servo „DS-3827“ diese Einbaumaße aufweist. Ein Servotyp anderer Einbaugröße ließe sich nicht ohne größere Umbauarbeiten am Holzrahmen einbauen, sodass auch in meinem Fall die erwähnten Graupner-Servos zum Einsatz kommen. Die Anlenkung des Pendelleitwerks erfolgt mit einer 4-mm-CFK-Schubstange, an deren Ende ein Gabelkopf vormontiert ist. Das Seitenruder wird über einen 2-mm-Bowdenzug aus Metall angelenkt.

Das schlanke Rumpfvorderteil erfordert beim Einbau des Empfängers und des Akkus etwas Planung, da der Servorahmen den Zugang in den vorderen Nasenbereich einengt. Als Empfängerakku schlägt Euromodell vier NiMh-Mignon-Zellen vor, die in Form eines Dreierpacks mit einer Einzelzelle verlötet werden sollten. Da ich jedoch grundsätzlich gegen hochohmige Stromquellen für die Empfängerversorgung bin, insbesondere beim Einsatz von Digitalservos, habe ich vier Sanyo-Zellen 1200RC in 3/4-Größe Inline verlötet. Dadurch kommt der Akku sehr weit nach vorne in die Nasenspitze und es verbleibt auch noch genügend Platz für etwa 30 g Trimmblei. Ein entscheidendes Argument für die Verwendung von niederohmigen, gut gepflegten Empfängerakkus liegt aus meiner Sicht auch in der besseren Spannungsstabilität bei kurzzeitigen Strombelastungen, was wiederum eine bessere Empfangssicherheit zur Folge hat.

Als Empfänger kommt ein „Alpha 835“ von Schulze zum Einsatz. Er passt ideal in den Bereich zwischen Akku und Servoeinbaurahmen. Eines der wohl umstrittensten Themen und in Internetforen schon fast zur religiösen Glaubensfrage erhoben, ist das Thema der Antennenverlegung. Es kann auch im Falle der „Espada RX“ wieder ausgiebig diskutiert werden, da der Rumpf in Voll-CFK-Bauweise ausgeführt ist. Vom Hersteller ist bereits eine Antenne fest eingebracht, die bis an die Spitze des Seitenleitwerkes geführt ist. Euromodell empfiehlt die Verlängerung dieser Antenne mit einem 0,3-mm-Stahldraht, der dann rund 20 cm aus dem Seitenleitwerk nach hinten absteht – also die klassische, auf F3B-Wettbewerben oft anzutreffende Variante der Antennenverlegung. Ich dagegen habe mich trotz aller Diskussionen auch bei diesem Modell für die vom cw-Wert her ungünstigere Variante einer Schleppantenne entschieden, da ich hiermit bei anderen Modellen mit CFK-Rümpfen sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Die Antenne wird kurz vor der Aufnahme des Flächenverbinders an der Rumpfoberseite herausgeführt, im Bereich der Tragflächenaufnahme mit einem Tesastreifen fixiert und ab hier lose ihrem Schicksal überlassen. Die Durchführung durch die Rumpfwand habe ich mit einer kleinen Gummitülle versehen, damit die Antenne einerseits einen minimalen Abstand zum CFK Gewebe bekommt und zum anderen nicht abknicken oder aufscheuern kann.



Die Kugellagerung des Pendelleitwerks ist nicht zu übersehen


Der Rumpf mit seinem Ballast aus Aluminiumsegmenten. Die Mehrgliedrigkeit ist gut zu erkennen




Der Empfängerakku aus vier Zellen Sanyo 1200 mAh wurde für die schlanke Rumpfnase Inline verlötet

Den „Aerodramatikern“ und den echten Wettbewerbspiloten unter uns mag eine derartige Antennenverlegung berechtigter Weise die Tränen des Schmerzes in die Augen treiben. Da ich aber kein Freund von Lötstellen und Verlängerungen an Empfängerantennen bin, habe ich mich konsequenter Weise für diese Variante entschieden. Ebenso ist auch die beliebige Verlängerung einer Empfängerantenne im Hinblick auf ihre Abstimmung zur Empfangsfrequenz (Lambda Wert) nicht unkritisch. Und die „Espada RX“-Bauanleitung macht keine Angaben über die exakte Länge der bereits verlegten Antenne. Es bleibt also unklar, um wie viele Zentimeter die am Empfänger vorhandene Antenne zu kürzen wäre, um zumindest annährend eine HF-relevant abgestimmte Länge wieder herzustellen.

Zur Ballastierung hat der Rumpf ein bereits fest eingebautes GFK-Führungsrohr zur Aufnahme von 370 g Ballast. Da der Ein- und Ausbau einer starren Ballaststange über die kleine Rumpföffnung nicht möglich ist, liefert Euromodell Aluminiumdrehteile, die flexibel an einer Schnur aufgereiht sind und so in den Rumpf eingeführt werden können. Neben der Aluminiumvariante ist laut Euromodell auch eine schwerere Ausführung in Messing mit rund 1.200 g erhältlich. Die Ballastsegmente haben im Führungsrohr in Längsrichtung aufgrund der flexiblen Aufreihung etwas Spiel. Eine Arretierung erreicht man, indem man die an der Befestigungsschraube angebrachte Gummitülle entfernt und die Schnur, nachdem man diese straff angezogen hat, um die Schraube in Drehrichtung legt und diese mit festschraubt.


Etwas verwundert war ich dann aber über den Umstand, dass der von Euromodell mitgelieferte Flächenverbinder nicht passt und gemäß beigefügtem Infoblatt in Eigenregie solange geschliffen werden muss, bis man die ideale Passung erreicht hat. Auf Anfrage bei Euromodell erhielt ich die Auskunft, dass man es dem Kunden überlassen will, den Verbinder nach eigenen Vorstellungen auf Passung zu schleifen. Bis auf weiteres wolle man an diesem Zustand auch nichts ändern. Also habe ich zu Schleifpapier gegriffen und den Verbinder nachgearbeitet. Dass man sich bei diesen Schleifgängen sehr behutsam herantasten sollte, versteht sich von selbst. Ich habe daher vergleichsweise feines Schleifpapier mit 400er-Körnung verwendet.

Da wir doch eingangs über die Geschmacksfrage sprachen: Die Rumpfabdeckung der „Espada RX“ wird bisher nur in einem zarten Hellblau ausgeliefert. Auf Anfrage bei Euromodell und dem geäußerten Wunsch nach einer schlichten Sichtkohlevariante, erhielt ich die Auskunft, dass derzeit, ganz gleich für welche Farbvariante des Rumpfes und der Flächen man sich entscheidet, diese Abdeckung immer in Hellblau ausgeliefert wird. Bei Nichtgefallen empfiehlt Euromodell einfach die Lackierung in der Farbe des Rumpfes. Hierfür können die RAL-Codes bei Euromodell erfragt werden.

Die Befestigung besagter Abdeckung am Rumpf bedarf einer gewissen Kreativität, denn sie kann aufgrund eines Überstandes nicht vor und zurückgeschoben werden. Die eher als „Infoblatt" gestaltete Bauanleitung schweigt sich aus und so habe ich einfach eine simple Verringelung mit einem kleinen, abgewinkelten Bolzen gewählt. Der Bolzen ist in einem kurzen Rohr beweglich geführt und dient so als beweglicher Verschluss. Auf der Gegenseite der Abdeckung dient ein kurzes Stück Draht als Arretierung.

Der Erstflug fand Ende Mai im Schweizer Tessin statt. Die „Espada RX“ wurde, da es die thermischen Bedingungen zuließen, gleich beim ersten Flug zusammen mit 370 g Ballast ihrem Element übergeben. Aus der Hand gestartet und mit einer Verwölbung der Wölbklappen von 2 mm stieg das Modell sofort gleichmäßig in den Himmel. Der vom Hersteller angegebene Schwerpunkt von 94 mm erwies sich für den vollballastierten Flugzustand als Treffer. Nach wenigen Kreisen im Thermikbart war schon eine ansehnliche Höhe erreicht. Leicht angedrückt nahm das Modell sofort Fahrt auf. Also gleich nochmals ordentlich nachgedrückt und die „Espada" begann ihrem Namen alle Ehre zu machen, indem sie mit ordentlich Tempo und singendem Ton durch ihr Element schnitt. In ballastiertem Zustand zeigt sich die „Espada“ von ihrer dynamischen und durchzugsfreudigen Seite. Sie nimmt bereits aus geringer Höhe angedrückt unmittelbar Fahrt auf und lässt sich erfreulich viel Zeit dabei, diese wieder abzubauen. Bei den abendlichen Flügen ohne Ballast waren dann 15 g Blei zusätzlich in der Nase notwendig, um ein Unterschneiden im Speedflug zu vermeiden.




Die „S-3150“-Servos von Futaba wurden im Flügel mit Servorahmen von Michael Frey eingebaut

Schon in den ersten Flugstunden wird die Thermikleistung der „Espada RX“ deutlich: Bei voller Verwölbung kann das Modell sehr langsam geflogen werden, ohne dass hierbei beim Kreisen Tendenzen zum Abkippen auftreten. Es macht sich nicht nur die V-Form des Flächenverbinders mit 3° sondern auch der Tragflächenknick der Außenflügel mit jeweils 1,5° bemerkbar. Etwas Fahrt benötigt aber auch dieses Modell. Apropos „Fahrt“: Freunden der rasanteren Gangart kann guten Gewissens gesagt werden, dass die Flächen halten, was ihr Aufbau verspricht. Eine Verwindung des Rumpfes kann auch bei deftigen Wenden und hohem Tempo nicht festgestellt werden. Weitere Testflüge an der heimischen Teck zeigten, dass das Modell auch im unballastierten Zustand ruhig in der Luft liegt und bei entsprechender Wölbung sehr langsam geflogen und sich so auch in thermikschwachen Phasen sehr gut halten kann.

Ob und wie weit sich die neue Rumpfauslegung der „Espada RX“ auch in der F3B-Wettbewerbsszene durchzusetzen vermag, kann von meiner Seite nicht beurteilt werden. Ich war auf der Suche nach einem alltagstauglichen Modell für den Hangflugeinsatz, das robust, leistungsstark und ein möglichst weites Einsatzspektrum aufweisen sollte. Ich bin mit der „Espada RX“ fündig geworden und zugleich auf ein Modell mit konsequentem Spaßfaktor gestoßen. Die „Espada RX“ wurde in ihrer Gesamtauslegung sicher nicht für den Bereich des trivialen Hangfluges entwickelt und mag in ihrer Gesamtaufmachung für höhere Weihen ausgelegt sein. Am Hang bereitet sie einem jedoch aufgrund der ausgeprägten Thermikleistung und der absolut ausreichenden Festigkeit jede Menge Flugspaß. Durchzug und Dynamik im ballastierten Zustand haben mich vollends überzeugt.
Andreas Wiegner, Fotos: Frank Wiegner



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