REPORTAGE

F3K-Szene

Ein Ausblick auf die German-Open in Ganderkesee


Das Segelfluggelände bei Delmenhorst bietet optimale Voraussetzungen für einen F3K-Wettbewerb.

Wiederum hat sich gezeigt, dass das Interesse der F3K-Welt riesig groß ist an der internationalen Deutschen Meisterschaft F3K des Deutschen Aeroclubs (DaeC): Mit der Veröffentlichung der Ausschreibung für 2010 war am 1. Februar der Run auf die begehrten Startplätze eröffnet. Bereits am ersten Tag war das Limit von 120 Teilnehmern erreicht, sodass für 20 weitere Piloten Platz geschaffen wurde – das neue Limit war dann am 1. Mai erreicht.

Gastgeber wird der LSV Delmenhorst auf seinem Segelfluggelände „Große Höhe“ in Ganderkesee bei Delmenhorst sein. Hier steht für die Veranstaltung vom 20. bis 22. August ein großes Fluggelände mit mehr als 1.200 Metern Länge und 200 Metern Breite zur Verfügung. Die Organisation, unter der F3K-erprobten Leitung von Martin Kopplow, wurde von den Delmenhorster Modell- und Segelfliegern übernommen. Erfahrung in Großveranstaltungen ist reichlich vorhanden, da Delmenhorst oftmals die Deutsche Meisterschaft in F3J ausgerichtet hat.

Da dies die letzte F3K-Großveranstaltung vor der ersten Weltmeisterschaft 2011 in Schweden sein wird, ist das Interesse an dieser Meisterschaft erwartungsgemäß wieder sehr groß: So ist mit 140 Piloten aus 17 Nationen, darunter den USA, Australien, Russland und ganz Europa, zu rechnen, die dann an drei Wettbewerbstagen den Besten der Besten und die internationalen Deutschen Meister ausfliegen werden. Viele Nationen nutzen diese Meisterschaft im Rahmen ihrer nationalen Auswahl für die Nationalmannschaften zur WM 2011. Interessant wird sicherlich auch zu beobachten sein, welche Modelle den Trend der Zeit erkannt haben. Kann sich die „rudderless“ Bewegung der Schweden auch international durchsetzen und ist am Ende wirklich derjenige vorne, der die größten Höhen wirft? Die Leis- tungsdichte in F3K ist mittlerweile weltweit auf ein extrem hohes Niveau gestiegen. Von den 140 gemeldeten Piloten sind es sicherlich 30 bis 40, die die Vorraussetzungen für eine Top-Platzierung mitbringen.

Christoph Mebus (Deutschland), 20 Jahre alt, Abiturient und seit 2003 als Modellflieger und in F3K aktiv. Seine größten Erfolge: Internationaler Deutscher Jugendmeister 2008 und 2009 der Titel in der Senioren- und (!) Juniorenklasse. Christoph setzt auf das Modell „Steigeisen“ von Stratair und fliegt eine „MX-22“ mit Jeti-2,4-GHz-Equipment.

Bruce Davidson (USA) kommt aus Louisville, Kentucky, und ist in diesem Jahr zum vierten Mal auf der German Open F3K dabei. Bruce schätzt die German Open als die Herausforderung in F3K und fühlt sich dabei wie ein kleiner Fisch im Haifischbecken. Auch nutzt er die „big challenge“ um sich permanent zu ver- bessern, das Umfeld dieses Wettbewerbs auzuloten, neue Kontakte zu knüpfen und alte Freundschaften zu pflegen. Bruce fliegt für das JR/Horizon-Team USA und setzt den „Sirius“ von Momentum Model Technologies (Schweden) ein, den er für die USA herstellt und vertreibt.

Oleg Golovidov (USA), geboren in Russland, lebt jetzt in Raleigh, North Carolina. Er setzte bisher auf seine Eigenkonstruktion „Taboo“, eine typische US-Konstruktion mit CNC-geschnittenen Kernen, die im Vakuum mit CFK/AFK beschichtet werden. Er hat angekündigt, für die German Open 2010 ein neues Modell an den Start zu bringen, mit Profilen, die in Richtung „HM-51“ bzw. „Zone Strak“ gehen.

Jonas Blomdahl (Schweden) kommt aus Örebro, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er nennt als seine Stärken seine taktische Einschätzung der Situation und damit Risikominimierung, als seine Schwächen jedoch Ungeduld und mittelmäßige Wurfhö- hen. Er setzt mittlerweile auf das Futaba 2,4-GHz-System und beim Modell auf den „Sirius“, den er zusammen mit Mattias Hammerskiöld, als Mitbesitzer von Momentum Model Technologies, herstellt und vertreibt. Jonas ist auch einer der schwedischen Trendsetter der „rudderless“-Idee und hat sich bereits für die schwedische F3K-Nationalmannschaft für die WM im eigenen Land qualifiziert.

Loet Wakkerman (Niederlande) macht seit 1965 Modellflug und ist nach 38 Jahren Fesselflug zum Fernlenkflug gewechselt. Loet bietet große Modellbaukompetenz und hat schon seine Fesselflugmotoren selbst konstruiert und gebaut. Sein aktuelles Mo- dell ist der „Tantalus 8C Competizione”, mit einem Flächeninhalt von 22,1 qdm und einem Leergewicht von 275 Gramm. Ballastierbar ist das Modell bis maximal 400 Gramm.

Rudy Peters (Frankreich) ist Offizier bei der französischen Luftwaffe. Seine Meinung zu den German Open ist, dass dort die derzeit besten Piloten der F3K-Welt fliegen: „Wenn Du wissen willst wo Du stehst, musst Du hier gegen sie fliegen.“ Rudy fliegt einen „Fireworks 5“ von PCM, profiliert mit „Zone Strak“.

Matt Wood (Australien) ist Berufspilot, macht Modellflug seit 23 Jahren, lebt und arbeitet zurzeit in Dubai. Er fliegt einen „SAL-Peter“ von TUD Modelltechnik. Über seine aktuellen Trainingsbedingungen schreibt Matt: „Aufgrund der überwiegend heißen Tagestemperaturen, durchschnittlich zwischen 38 und 50 Grad Celsius ist Training nur in den frühen Morgenstunden möglich.“ Matt ist seit Jahren Stammgast auf europäischen F3K-Wettbewerben.

Rok Bordon (Slowenien) macht Modellflug seit 2000 und hat sich auf den Segelflug spezialisiert. Sein Modell „Salonit“ ist in CFK-Bauweise in Formen gebaut, mit CNC-gefrästen DQ-Cell-Kernen und eine Profilierung mit „AG44ct-02r“, „AG455ct-02r“, „AG46ct-02r“, „AG47ct-02r“. Als Gewicht ohne Ballastierung gibt er 260 bis 280 Gramm an. Sein RC-Equipment besteht aus Spektrum-„RJ9303“ 2,4 GHz, Servos „DS-281“ und Dymond „D-47“. Seine Intention F3K zu fliegen ist die Vielfalt der Flugaufgaben, die taktischen Ansprüche an diese Modellsportklasse und der verhältnismäßig günstige Einstieg.

Alex Hoekstra (Niederlande) wurde 1997 erster Europameister der Klasse F3J. Er fliegt einen „Twister 2“ von European Top Planes. Alex ist sicherlich zu den Windspezialisten der F3K-Piloten zu zählen. Die Auslegung seines „Twister“ zeigt hier ihre Stärken und ist durch Ballastierung jeder Wetterlage anzupassen.

Marc Werth (Deutschland) ist Berufspilot und seit fünf Jahren auch wieder mit den Modellen unterwegs. Wie er sagt, wurde er von seinen Vereinskollegen Ralph Mittelbach und Roland Börder „gezwun- gen“ mit F3K anzufangen. Marc setzt auf den „SAL-Peter“ und nun auch auf die Coproduktion „Pasd-scho“ von Ralph Mittelbach und Franz Muschler. Sein Ansporn am Wettbewerbsfliegen ist, dass F3K einerseits puristisch, andererseits technisch sehr anspruchsvoll ist.

Adam Siama (Polen) ist von Beruf Lehrer und seit neuestem Inhaber von Modellbau Eksper. Er gehört zu dem Kreis der polnischen F3K-Piloten, die seit vielen Jahren auf Wettbewerben der CONTEST-Eurotour durch Europa tingeln und so den F3K-Gedanken auch in den Osten Europas tragen. Sein Modell ist der „Mistral“, eine Eigenkonstruktion mit Schalenflügel sowie Rumpf und Leitwerken aus Formen. Profiliert mit einem „AS0001“ (7,5 Prozent), wiegt das Modell 270 bis 320 Gramm.

Sergejs Timofejevs (Litauen) ist seit 1978 modellfliegerisch tätig und mittlerweile Stammgast der German Open F3K. Er fliegt einen „SAL-Peter“.

Gunar Reinicke (Deutschland) ist akademischer Rat an der TU München und macht Modellflug seit 1991, F3K seit 1999. Gunar setzt auf den „Sirius“ von Momentum Model Technologies, den er „swedish like“ ohne angelenktes Seitenruder fliegt. Seit seinem Einstieg in F3K ist Gunar sehr erfolgreich mit diversen Titeln als Deutscher Jugend und Juniorenmeister. 2002 siegte er in der CONTEST-Eurotour und belegte 2009 den dritten Platz.

Die German Open werden bereits am Donnerstag (19. August) mit einem kleinen Wettbewerb zum kennen lernen des Fluggeländes eröffnet. Die Aufgabe dazu wird sicherlich interessant und herausfordernd: Ein Cross-Country Fliegen bei dem derjenige gewinnt, der mit den wenigsten Starts alle vier Kontrollpunkte rund um den Flugplatz absolviert hat. Ab Freitag wird es dann ernst und die Flugaufgaben aus dem FAI-Regelwerk kommen zur Anwendung. Im Fly-Off am Sonntag wird dann der Sieger der German Open F3K 2010 ermittelt. Die 12 besten Piloten der Vorrunde werden sich da einen spannenden Kampf um den Sieg liefern.

Am Rande der ganzen Veranstaltung wird es sicherlich die eine oder andere Neuigkeit zu sehen geben, gleichermaßen in Form von neuen Konstruktionen oder Detaillösungen. Aus der Sicht des Autors kommt die Empfehlung an die Zuschauer, die Piloten anzusprechen und sich dort direkt Informationen zu Modellen, Ausstattung etc. zu holen.

Weitere Informationen zu Veranstaltung, Fluggelände und vieles mehr unter www.f3kgerman-open.de.

Alexander Wunschheim



Contest-Eurotour 2010
Der Zwischenstand der CONTEST-Eurotour F3K nach 9 von 18 Wettbewerben:
1. Loet Wakkerman (NED) 393,99 Prozent
2. Andrej Rezler (CZE) 381,51 Prozent
3. Roland Börder (GER) 379,42 Prozent
4. Mickael Le Compte (FRAU) 361,84 Prozent
5. Peter Aanen (NED) 293,83 Prozent

Auffällig ist hierbei, dass die Dominanz einzelner Piloten der vergangenen Jahre bis zur Halbzeit der Tour noch nicht so hervortritt. Dies zeigt auch, dass die Topplatzierten Ergebnisse produzieren, die deutlich unter den Vorjahresergebniswerten liegen. Dies deutet auf eine sehr ausgeglichene, breite Tourspitze hin, bei der offensichtlich jetzt auch Piloten zum Zuge kommen, die bisher noch nicht so ganz oben vertreten waren. Das macht den Wettbewerb spannend, da man sich meistens auf die Favoriten konzentriert, die aber immer mehr im Konkurrenzkampf zu anderen stehen und so auch der eine oder andere „Außenseiter“ vorne mit dabei ist.

www.contest-eurotour.de


Bruce Davidson kommt aus den USA und ist in diesem Jahr zum vierten Mal auf der German Open F3K dabei.


Titelverteidiger Christoph Mebus setzt auf das Modell „Steigeisen“ von Stratair.


Alex Hoekstra wurde 1997 F3J-Europameister und fliegt einen „Twister 2“ von European Top Planes.


Rudy Peters aus Frankreich fliegt einen „Fireworks 5“ von PCM, profiliert mit „Zone Strak“.


Jonas Blomdahl ist Mitbesitzer von Momentum Model Technologies und favorisiert die „rudderless“-Idee.


Gunar Reinicke siegte 2002 in der Contest Eurotour und belegte 2009 den dritten Platz.


Organisator Martin Kopplow ließ es sich nicht nehmen die Thermik Fluggeländes selbst auszutesten.



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