REPORT


Finale Furioso

F5B-Europameisterschaft in Rumänien

 

Nach mehrjähriger Pause fanden erstmals wieder Europameisterschaften im Elektroflug statt. Wegen zu geringer Teilnehmerzahl musste auf die Durchführung der Klasse F5D (Elektropylon) leider verzichtet werden. Doch auch in der Klasse F5B (Elektro-Segelflug) konnten oder wollten einige Nationen nicht teilnehmen. So trafen sich schließlich vom 8. bis 11. September insgesamt 16 Piloten aus sechs Nationen in Cisnadie/Heltau, einige Kilometer südlich von Sibiu im mittleren Rumänien. Austragungsort war das „Aerodrom Magura“, ein privat genutzter Sportflugplatz mit Graspiste. Am 8. September konnten die Piloten neben der Modellabnahme noch mehrere Trainingsflüge machen und letzte Feinabstimmungen vornehmen. Am Mittwoch dann der internationale Vorwettbewerb („Aripile Magurei Cup“), der auch als Training für die Organisatoren, Wendemarkenrichter, Zeitnehmer usw. diente. Die stark wechselnde Thermik führte zu einigen Absaufern, das Endergebnis zeigte schließlich Hannes Starzinger vor Karl Waser (beide Österreich) und Norbert Hübner (Deutschland). Der vierte Platz wurde von Thomas Wäckerlin belegt, der als einziger Pilot aus der Schweiz die Europameisterschaft besuchte. Fünfter des Vorwettbewerbes wurde Piermario Cavaggioni aus Italien.

Am Donnerstag schließlich ging es bei spätsommerlichem Schönwetter richtig los. Unter der bewährten Leitung von Emil Giezendanner wurden vier Durchgänge zügig abgewickelt, wobei die tageszeitlich wechselnde Thermiksituation allzu scharfe Antriebsabstimmungen mit Absaufern bestrafte. Im ers- ten Durchgang ging der Tausender an Karl Waser vor Thomas Wäckerlin, der übrigens mangels Teamkollegen vom österreichischen Team mitbetreut wurde, und Remo Frattini (Italien). Im zweiten Durchgang ging der erste Platz an Hannes Starzinger und Piermario Cavaggioni (Italien), vor Sergey Anashin (Russland) und Thomas Wäckerlin. Im dritten Durchgang ein ähnliches Bild: Hannes Starzinger vor Thomas Wäckerlin und Sergey Anashin. Hannes Starzinger flog dabei 48 Strecken und konnte mit zwei Motorsekunden auskommen. Remo Frattini erreichte zwar ebenfalls 48 Strecken, hatte aber nur mehr eine Sekunde Restlaufzeit und musste 3,5 Minuten vor der Zeit landen. Noch ärger erwischte es Altmeister Rudi Freudenthaler (Österreich), der nach einem guten Streckenflug in der letzten Minute des Thermikfluges einen Anlagenausfall mit Totalverlust seines A-Modells hinnehmen musste. Im vierten Durchgang war dann wieder Karl Waser in Front, vor Thomas Wäckerlin und Remo Frattini gemeinsam mit Alessandro Mossa auf Platz 3. Der Zwischenstand am Ende des ersten Tages nach vier Durchgängen und mit Berücksichtigung des Streichresultates:

1. Thomas Wäckerlin (CH) 2.990,8
2. Karl Waser (AUT) 2.981,6
3. Sergey Anashin (RUS) 2.975,1
4. Remo Frattini (ITA) 2.975,1
5. Hannes Starzinger (AUT) 2.973,3


Nationenwertung:
1. Österreich (AUT) 8.893,2
2. Italien (ITA) 8.878,1
3. Russland (RUS) 8.763,5


Die eingesetzten Modelle und deren technische Ausstattung im Überblick: Modelle:
„Avionik“ 5x „B08“
4x „B06“
2x „B01 mod.“
„Surprise“ 1x „Surprise 14“
1x „Surprise 16“
Eigenbauten 2x „Flash“
1x „Tango“

Antriebe:
Plettenberg (4s) 8x „HP 220/37/A1/P4“(5,2 + 6,7:1)
Plettenberg (5s) 1x „HP 220/40/A1/P4“ (6,7:1)
Plettenberg (6s) 1x „HP 220/37/A1/P6“ (5,2:1)
Neumotors (4s) 1x „1511/1D/6,7“
1x „1512/1D/6,7“
Neumotors (6s) 1x „1510/1Y/6,7“
3x „1510/1,5D/6,7“

Regler:
Schulze 7x „future 18.200 FAI“
3x „future 32.120 FAI“
Castle Creations 4x „Phoenix 180”
Jeti 3x 250 A
Markus 3x 350 A

Akkus:
4s: Kokam 4000
Lemon-RC 4400
Neu-Energy 5000 EP

5s: Kokam 3600
Lemon-RC 3200

6s: Desire-Power 2600
Flight-Power 3200
Framega 2600
Neu-Energy 3300 NP


Als Empfängerstromversorgungen haben bis auf drei Piloten alle einen 2s-LiPo und Spannungsregler eingesetzt.

Am Freitag, 11. September, am großen Finaltag, startete pünktlich um 9 Uhr der fünfte Durchgang mit einer um weitere drei Piloten weiter- geschobenen Startreihenfolge. Hannes Starzinger zeigte mit 47 Strecken sein Potential, nach ihm kam Alessandro Mossa auf 43 und Rudi Freudenthaler steigerte sich auf 45 Strecken. Dann flog Remo 48 und konnte den Durchgang auch diesmal erfolgreich beenden, da er über Nacht einen Propeller modifiziert hatte und offenbar genau die richtige Mischung zwischen Höchstleistung und Stromverbrauch traf. Karl Waser und Piermario Cavaggioni bleiben mit jeweils 45 Strecken ebenfalls auf Schlagdistanz, Sergey Anashin hatte einen Absaufer und Thomas Wäckerlin flog wie schon Rudi Freudenthaler 45 Strecken. Romanenko schrieb einen Nuller wegen Verletzung der Sicherheitslinie und Sergey Sobakin flog nur 43 Stre- cken.

Der sechste Durchgang am späten Vormittag brachte eher träge Luft in der Strecke, daher auch weniger Gefahr von Absaufern im Segelflugteil. Im Ergebnis flogen Alessandro Mossa 44, Rudi Freu- denthaler 43, Remo 46, Karl Waser 43, Piermario Cavaggioni 45 und Sergey Anashin 45 Strecken, aber nur 20 Landepunkte. Thomas Wäckerlin flog 45 Strecken, landete aber vier Sekunden zu früh. Dann kam schließlich noch Hannes Starzinger mit 46 Strecken. Den möglichen Tausender vergab er bei der Landung, da das Modell mit der Nasenspitze bis in den 20-Meter-Kreis rutschte. Somit schrieb Remo bereits den zweiten Durchgangssieg an diesem Tag.

Nach der Mittagspause schließlich ging es in die alles entscheidende Finalrunde. Diese wurde standesgemäß von der F5B-Langzeitgröße Rudi Freudenthaler mit 44 Strecken eröffnet. Da sich inzwischen wieder mehr Thermik regte, konnte Remo mit 47 Strecken ordentlich auftrumpfen. Karl Waser hingegen wurde das Opfer eines Saufers im Streckenflugteil und eines offenbar nicht mehr sauber laufenden Getriebes – nur 42 Strecken. Piermario Cavaggioni legte 44 Strecken ohne Punkteabzüge hin, Alessandro Mossa konnte mit 43 minus fünf Punkten zwar nicht ganz mithalten, aber immerhin noch das Mannschaftsergebnis absichern. Sergey Anashin verlandete sich und Sergey Sobakin musste vor der Zeit landen. Damit fiel Russland in der Teamwertung weiter zurück. Thomas Wäckerlin konnte sich mit 46 Strecken und der dritten zeitgenauen Landung weiterhin im Spitzenfeld halten. Schließlich noch Hannes Starzinger, der bei optimalen Bedingungen trotz zweier Verwender (!) ebenfalls 47 Strecken erreichte und mit 1.099 Punkten diesen letzten Durchgang gewann und damit insgesamt drei Tausender verzeichnen konnte.

Remo Frattini stand nun endgültig als F5B-Europameister 2009 fest. Durch die weiteren Platzierungen (Piermario Cavaggioni 4. und Alessandro Mossa 8.) konnte die italienische Mannschaft am zweiten Wertungstag einen glatten Durchmarsch zum Mannschaftsgold hinlegen. Hannes Starzinger konnte sich mit seinem letzten Flug doch noch auf den zweiten Platz vorarbeiten, ganze 2,5 Punkte vor Thomas Wäckerlin auf Platz 3. Mit Karl Waser (6.) und Rudi Freudenthaler (7.) gab es den Vize-Europameisterteitel für Österreich in der Mannschaftswertung mit nur 14,6 Punkten Rückstand auf Italien. Platz 3 in der Mannschaft für Russland, vor Dänemark und Polen.

Die Organisation unter Marius Conu, unterstützt von Emil Giezendanner und den beiden Jurymitgliedern Norbert Hübner und Manfred Lex, hat eine respektable Europameisterschaft geboten, mit fairen Be- dingungen in allen Teilbereichen. Dazu beigetragen hat auch die Wahl des Austragungsorts in einem Teil Rumäniens, der ganz offensichtlich in den letzten Jahren enorme Fortschritte auch im touristischen Bereich gemacht hat. Es ist zu hoffen, dass die Elektroflug-Community künftigen Veranstaltungen in Rumänien mit weniger Vorbehalten begegnet.

Ein paar Worte noch zu den Modellen: An neuen käuflichen Modellen gab es die „Surprise 16“ (Spannweite: 1.870 mm; Flächeninhalt: 26,87 qdm) zu sehen, die erst kurz vor der EM von Rudi Freudenthaler eingeflogen werden konnte. Die Streckenflugleistung ist gegenüber dem Vorgängermodell ein- deutig verbessert worden, ohne die guten Segeleigenschaften zu verlieren. Ob und in welcher Form der aktuelle „Avionik B08“ (Spannweite: 1.920 mm; Flächeninhalt: 27,6 qdm) für 2010 verändert werden wird, wollte Sergey Sobakin noch nicht verraten.

Das derzeitige F5B-Regelwerk mit dem Energielimiter hat sich bewährt, es gab keine Ausfälle durch Reglerbrand oder Akkutod und allzu forsche Antriebsabstimmungen führten sich schlussendlich selbst ad absurdum. Allerdings besteht Handlungsbedarf bei der CIAM, um die bei den 2,4 GHz-Anlagen serienmäßig vorgesehene Rückkanalfunktion für die Empfangsqualität und die Empfängerakkuspannung als Sicherheitseinrichtung ohne Einfluss auf die Flugleistungen zu definieren und etwaige Auslegungspitzfindigkeiten auszuschließen. Echtzeit-Telemetriedaten sollen natürlich weiterhin im Wettbewerb verboten bleiben.

Zum Schluss bleibt mir neben der Gratulation an die frischgebackenen Europameister nur noch der Hinweis auf die im August 2010 in den USA am Stammsitz der Academy of Model Aeronautics in Muncie/Indiana stattfindenden Weltmeisterschaften der Klassen F5B und F5D. Stay tuned!
 

Dr. Martin Hoff



Organisator Marius Conu bei der Modellabnahme. Ihm ist eine gelungene Europameisterschaft zu verdanken


bild
Jan Ochman aus Polen setzte einen „Flash 11“ ein


Sergey Sobakin aus Russland mit seinem aktuellen „Avionik B08“


Thomas Wäckerlin aus der Schweiz flog seinen bewährten „Avionik B06“.

a
Bella Italia wurde vertreten durch (von links) Mossa, Frattini und Cavaggioni. Zweiter Platz in der Teamwertung, während Remo Frattini Europameister wurde

a
Auch Europameister Remo Frattini setzte einen „Avionik B06“ ein

a
Altmeister Rudolf Freudenthaler mit seiner niegelnagelneuen „Surprise 16“

a
Der Vize-Europameister aus Österreich, Hannes Starzinger

a
Kraftpakete aus Deutschland: Motoren und Getriebe von Plettenberg wurden am meisten eingesetzt, hier ein HP 220-40-A1-P4-6,7

a
Die Einzelwertung: Remo Frattini (Italien) vor Hannes Starzinger (Österreich) und Thomas Wäckerlin (Schweiz)

a
Die Nationenwertung: Italien vor Österreich und Russland, gefolgt von Dänemark und Polen

 


a


Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2010

Das komplette Inhaltsverzeichnis 2/2010
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

© AUFWIND 2009