Vor langer Zeit – in meiner Kindheit – gab es in einer Nachbarstadt einen mit uns konkurrierenden Modellflugverein. Ein paar seiner Mitglieder waren sehr gute Konstrukteure für Freiflugmodelle in FAI-Klassen. Sie haben mit ihren Modellen damals immer die Landesmeisterschaften gewonnen. Eines Tages habe ich es gewagt, einen der „Gurus“ nach seinen Geheimnissen zu fragen: „Wie entwerft ihr solche Siegermodelle?“ Er schaute sich vorsichtig um, damit ihn auch keiner hören konnte, und flüsterte mir das große Geheimnis zu: „Zunächst vermessen wir die Gepäckräume in Bussen, Taxis, Zügen etc. Nach diesen Maßen bauen wir dann die Transportkisten für die Modelle. Und dann bauen wir die Modelle so, dass sie gut in diese Kisten passen.“

Ach so! Mit solch überragender Entwurfstechnik gewappnet war es ein Kinderspiel, den seit langem angedachten „Gecko“-Nurflügel zu konstruieren. Ich maß einfach die Hutablage im Auto, und schon war die Spannweite ermittelt. Da mein geliebtes „Phoenix“-Profil schon lange auf seine Anwendung im Brettnurflügel gewartet hatte, wurde es hier eingesetzt. Zugegeben, dieses Profil ist wegen seines niedrigen Cm0-Wertes nicht so ideal für leichte Modelle. Auch wäre ein gepresster Flügel besser als einer in Rippenbauweise. Doch egal - ich liebe dieses Profil einfach. Daher musste es im „Gecko“ verwendet werden.

Mit nur 1.200 mm Spannweite sollte der Gecko ziemlich leicht werden. Die mittlere Flügeltiefe ergab sich in 235 mm und die Flügelfläche dadurch insgesamt 28 qdm. Als Motorisierung kam ein „Pro 480 HS BB“-Bürstenmotor von Jamara zum Ersteinsatz, bestückt mit einer 6x3“-Klappluftschraube. Als Regler dann ein „Sun 4001“ von Kontronik, gespeist aus einem achtzelligen „1250 HeCell“-Akku. Mit diesem Antrieb habe ich schließlich ein Fluggewicht von 650 g erreicht, was eine Flächenbelastung von etwa 22 g/qdm ergab. Da das „Phoenix“-Profil aber für höhere Belastungen gedacht ist, soll in Kürze noch ein bürstenloser Antrieb mit größerem Akku eingebaut werden. Bei angestrebten 1.000 g Fluggewicht geht die Flächenbelastung dann auf 35-36 g/qdm rauf, was dann einen etwas heißeren Flugstil erlaubt.

Der Flügel verjüngt sich mit einer von Rate 1:1,14 nur wenig. Ein halbes Grad Schränkung ist eingebaut, was die Endleiste an den Flügelspitzen um 2 mm anhebt. Der Holm ist ein 7-mm-CFK-Rohr. Die Rippen bestehen aus 2-mm-Balsa. Die Flügelklappen (Elevons) verlaufen entlang der gesamten Spannweite und werden an der Oberseite mit Scharnierband gelagert. Soweit ist alles klar, doch die Nasenleiste bedarf einer Erläuterung: Sie besteht aus 6x4-mm-Kiefer. Um stabile Randbögen zu erhalten, wird die Nasenleiste in einer Kurve nach hinten gebogen. Dazu sägt man die Leiste im Randbogenbereich mit zwei parallelen Schnitten der Länge nach auf. Dieser Teil wird dann im kochenden Wasser getränkt und über Nacht in einer Form zum Trocknen eingespannt. Wenn alles trocken ist, wird der Randbogen mit 30min-Epoxid verklebt und während des Härtens wieder in die Form eingespannt. Damit ist dann die gesamte Nasenleiste mit den Randbögen stabil vorgeformt. Nun kann der Aufbau des Flügels beginnen.

Die Flügelmitte wird mit 2-mm-Balsa zwischen der Mittelrippe und der ersten Rippe links und rechts verstärkt. Ein Bambusstäbchen und eine 4-mm-Plastikschraube befestigen den Flügel am Rumpf. Bespannt habe ich meinen Prototypen mit grünem und orangenem Oracover. Zwei „C-2081“-Servos wurden direkt im Flügel eingebaut.

Kommen wir zum Rumpf: Die Rumpfwände aus 2-mm-Balsa werden mit den drei 3 mm starken Sperrholzteilen und Dreiecksleisten verklebt. Die Verarbeitung der Rumpfspitze benötigt etwas Sorgfalt, damit auch alles gut zusammenpasst. Nachdem der Rumpf sauber verschliffen war, habe ich eine Lage 60-g/qm-Glasgewebe aufgetragen.

Im Rumpf wird der Flugakku in Schwerpunktnähe befestigt. Da ist genug Platz, sodass der Akku zum Auswiegen vor- und zurückgeschoben werden kann. Gesichert wird der auf einer Sperrholzleiste mit Klettbändern von www.tolle-kletten.de. Die Leiste ist so nach oben gerichtet, dass der Akku bei einem Absturz am Motor vorbei nach außen fliegen kann. Eine Unterlage aus dünnem Schaumstoff verhindert ein unbeabsichtigtes Verrutschen.


Der Balsarumpf wurde nach dem Verschleifen mit Glasgewebe überzogen


Bewährtes Material, keine Experimente: Die RC- und Antriebskomponenten auf einen Blick


Trotz der geringen Größe ist das Modell ein hervorragender Gleiter

Zur Kühlung von Regler und Akku wurde ein NACA-Lufteinlass oben am Rumpf angebracht. Der versenkte Einlass scheint der beste Kompromiss zwischen Kühlung und Luftwiderstand zu sein. Eine aufgesetzte Hutze würde da doch erheblich mehr bremsen. Die genaue Form und das Profil des Einlasses sind sehr wichtig, um einen guten Luftstrom im Rumpf zu erzeugen. Die Öffnung muss etwa drei- bis fünfmal breiter als tief sein.

Die Seitenflosse ist wichtig: je größer die Flosse, desto größer die Längsstabilität. Und so entstand eine anschauliche Haifischflosse aus 3-mm-Balsa. Die Endleiste besteht aus einem Streifen Hartbalsa, die Nasenleiste wieder aus Kiefer.



Für die Quer-/Höhenruder wurden zwei „C-2081“-Servos direkt im Flügel eingebaut


Filigran und leichtgewichtig bis in die Flügelspitze. Das Kohlerohr als Hauptholm wurde mit Balsavierkant verlängert

Am Tag des Erstfluges war es bewölkt und trüb. Beim ersten Handstart ohne Motor segelte das Modell ganz normal. Der zweite Start erfolgte mit 2/3-Motorgas und etwas Tieftrimmung – schon war die Echse unterwegs. Lediglich bei Vollgas wollte das schöne Modell immer nach links wegrollen. Im Segelflug jedoch flog es geradeaus. Also zurück zur Werkstatt, um mit ein paar Beilagscheiben den Seitenzug zu ändern. Beim nächsten Flug war es dann sonnig, windstill und es lagen 20 cm Neuschnee. Der Steigflug war jetzt besser und wir konnten den Schwerpunkt im angedrückten Schnellflug testen. Das Modell war etwas kopflastig, aber nicht bedrohlich. Also wieder auf Höhe und Abreißtendenzen testen: Viertelgas und Höhenruder langsam durchziehen. Das gefürchtete scharfe Abschmieren blieb aus. Stattdessen nickte „Gecko“ nur mit der Nase nach unten und holte Fahrt auf. Was ich auch probierte, er war nicht zum Abschmieren zu bewegen. Mit etwas Überfahrt sind Loopings und Rollen einfach zu fliegen. Die leichte Kopflastigkeit bewirkte Fassrollen, mit dem Schwerpunkt weiter hinten gehen die Rollen schöner.

Schließlich zeigten ein paar langsame Vorbeiflüge und simulierte Landeanflüge, dass das Modell viel Platz zum Landen braucht. Und dabei dachte ich doch während der Entwurfsphase noch an den Einbau einer Störklappe. Selbst ohne Motor segelte das Modell ganz flach. Etwas Gegenwind hilft hier ungemein.

Nach nunmehr vielen Flügen muss ich sagen, dass der „Gecko“ angesichts des geringen Aufwands ein hübsches Fliegerchen geworden ist. Was könnte man noch verbessern? Zum Beispiel Styrokerne in Vakuumtechnik beplankt, Störklappen, bürstenloser Motor und LiPo-Akku. Und last but not least vielleicht ein größeres Auto für mehr Spannweite?

Florin Dumitru, Bukarest
Übersetzung: Dieter Mahlein




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