Wie schon in den vergangenen zwei Jahren, war auch das diesjährige „Woodcrafters“-Event in Muncie, im amerikanischen Bundesstaat Indiana, für mich einer der Höhepunkte in der jährlichen Flugsaison. Es handelt sich dabei um einen Flugtag, organisiert von Ray Hayes, Besitzer von Skybench Aerotech (www.skybench.com) und seines Zeichens Hersteller von Segler-Holzbausätzen.

Das Ganze findet auf dem Flugfeld der Academy of Model Aeronautics (www.modelaircraft.org), dem Dachverband aller Modellflugvereine in den USA, statt. Die AMA verfügt dort über ein 400 ha großes Areal, in dem jede Sparte (Freiflug, Fesselflug, RC usw.) einen eigenen Bereich hat. So verfügt der Sektor der RC-Modelle über zwei asphaltierte Pisten, die von weiträumigen Grasflächen umgeben sind.

Bei dem Meeting geht es, wie der Name schon sagt, um aus Holz gebaute Segler. Zwar dürfen die Rümpfe auch aus GFK, CFK oder ähnlichen Materialien bestehen, die Tragflächen und Leitwerke aber müssen aus Holz gefertigt sein. Das Ganze hat auch einen Wettbewerbsaspekt, dennoch geht es sehr leger und stressfrei zu. Das von Ray Hayes ausgegebene Motto für das „Woodcrafters“-Event sagt schon alles: „Woodcrafters – nothing but fun“. Eine weitere Besonderheit des Events: Die Teilnehmerzahl ist auf die Anzahl der verfügbaren RC-Kanäle begrenzt, sodass jeder Teilnehmer „seine“ Frequenz für sich hat. Eine Senderabgabe gibt es nicht. Etwaige Doppel- oder Mehrfachbelegungen einer Frequenz durch ein Team, werden von den jeweiligen Personen gehandhabt. Geflogen werden folgende Klassen:

-„RES“ (Rudder/Elevator/Spoiler), bis 2 m und über 2 m Spannweite. „RES“ ist eine in den USA sehr beliebte Wettbewerbsklasse. Wie der Name schon sagt, dürfen die Modelle nur Zweiachsgesteuert sein und dürfen Spoiler als Landehilfen verwenden.

- „Unlimited“, hier sind Dreiachsgesteuerte Segler zugelassen, auch mit Wölbklappen oder Spoiler als Landehilfen. Gestartet wird an der Winde, dazu muss eine Zeitaufgabe mit anschließender Punktlandung erfüllt werden.

„Scale“ war bei den ersten „Woodcrafters“-Meetings in den Jahren 2002 und 2003 eher ein Nebenereignis. In den letzten zwei Jahren aber hat die Beteiligung sehr zugenommen. Gestartet wird per F-Schlepp. Die Klasse selbst ist noch unterteilt, in „Scale“ nach Gordon Pearson und in „Scale“ nach Ray Hayes. In beiden Klassen werden die Segler statisch gewertet (Bauausführung, Details, Dokumentation etc.) und müssen dann ihre Flugaufgaben erfüllen: Segler mit offener Struktur (z.B. „SG-38“) vor 1945 bekommen für eine Minute Flugzeit 15 Punkte.


Die „Schweizer 1-26“ von Steve Moskal hat 3.100 mm Spannweite und wiegt nur 2,6 kg. Das Modell ist aus einem von ihm gezeichneten Plan entstanden. Seine Pläne dienen auch als Grundlage für einige der Bausätze von Tom Martin Radio Control (www.tmrcsailplanes.com)


Der „BKB-1“-Nurflügel von Ken Bates hat 2.550 mm Spannweite und wiegt nur 2,5 kg. Das Original wurde 1957 von Stefan Brochocki gebaut, einem Kanadier polnischer Abstammung (ww
w.twitt.org/brochocki.html)


Die „Minimoa“ von Tom Broeski im F-Schlepp. Das 4-m-Modell wiegt ca. 5,5 kg. Farbgebung und Markierungen entsprechen einem Original, das nach dem Krieg als Beutemaschine nach England gebracht wurde

Andere Segler aus der Zeit vor 1945 erhalten für zwei Minuten Flugzeit 15 Punkte, jedoch einen Punkt Abzug für jede Sekunde unter den zwei Minuten. Die Segler von 1945 bis 1965 erreichen für drei Minuten 15 Punkte und einen Punkt Abzug für jede Sekunde darunter. Und die Segler ab 1965 müssen vier Minuten fliegen.

Für „Ray Hayes Unlimited Fun Scale” sind Scalemodelle jeglicher Spannweite zugelassen. Es erfolgt eine statische Wertung in 15 Fuß Abstand, danach Flugaufgaben, je nach Wetterlage zwischen 30 und 60 Minuten, mit einem Start per F-Schlepp und einer maximalen Ausklinkhöhe von 1.000 Fuß.



Die Modelle des Berichterstatters: „Ka-8“ und „Grunau Baby IIB“. Die „Ka-8“ hat 3.750 mm Spannweite und wiegt 4,95 kg. Das „Grunau Baby“ ist aus einem Bausatz von Günther Schneider entstanden, hat 4.520 mm Spannweite und wiegt 10,3 kg

Soweit das Regelwerk. Mein persönliches Interesse gilt den Scale-Seglern. Zwar war für mich das diesjährige „Woodcrafters“ nicht so erfolgreich, da ich meine „Ka-8“ von Flair bei einem missglückten Start ziemlich ramponiert habe. Zudem hatten wir starke und böige Winde, deshalb habe ich den Erstflug meines „Grunau Baby“ aus dem Bausatz von Günther Schneider (www.schneider-modell.at) nicht gewagt. Trotzdem habe ich auch dieses Meeting wieder voll genossen.

Einziger Wehrmutstropfen ist vielleicht der Altersdurchschnitt der Teilnehmer. Er zeigt, dass wir Balsaschnitzer und Holzleimschnüffler eine vom Aussterben bedrohte Art sind: Ich feiere demnächst meinen 50. Geburtstag und war einer der „Jungspunde“ auf dem Event.
Michael Tetzner


Die „Franklin PS-2“ von Gordon Pearson hat 3.420 mm Spannweite und wiegt 4,3 kg.

Die Teilnehmer des Scale-Wettbewerbs (von links): Paul Siegel („Ka-8“ von Flair), Tom Broeski („Minimoa“), Barry Anderson („Ka-8 von Flair), David Shaw („ASW-17“ von Astroflight), Michael Tetzner („Ka-8“ von Flair und „Grunau Baby“ von Schneider), Ken Bates („BKB-1“-Nurflügel und „Ka-6e“ von MKR), John Walter („Ka-8“ von Flair), Gordon Pearson („WACO“-Lastensegler und „Franklin PS-2“, beides Eigenbauten) sowie Steve Moskal („Schweizer 1-26“ und „TG-2A“, beides Eigenbauten)


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