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Julia Streich
und ihr Freund Andreas Konitzer sind leidenschaftliche Globetrotter
und Modellflieger. Mit Zelt, Fluggerät und einem nicht unbeträchtlichen
Vorrat an Filmen reisten sie durch Island, um Land und Leute kennen
zu lernen. Und natürlich jede Menge Traumhänge zu entdecken: |
![]() Bei Blönduós
im Nordwesten
Einige Tage später: Nach einer 60-stündigen Seereise hat uns die Fähre in Seydisfjördur auf Island ausgespuckt. Die Landschaft wirkt auf den ersten Blick karg und eintönig, hält aber erstaunlich viel Geografie auf engem Raum für uns bereit, den es mittels der schon erwähnten Schotterpisten zu überwinden gilt. Nach einigen Kilometern können wir unseren ersten Flieger in Island starten, einen Nuri 007. Sogar ich kann hier fliegen, während Andreas fotografiert. Meistens sind die Rollen aber umgekehrt verteilt, und auf dem Weg nach Akureyri, unserem nächsten größeren Ziel, absolviert Andreas zahlreiche Flugstunden, während ich schon den zehnten Film voll knipse. Unter anderem stehen wir an einer Abbruchkante in einem Lavafeld direkt an der Küste, wo es sich erstaunlich gut fliegen lässt. Fotografieren ist dafür umso schwieriger: Um spektakuläre Fotos zu bekommen, kraxle ich unter den Felsen herum, sinke knöcheltief im Sand ein und blicke zu den wie lose aufeinander getürmten Felsbrocken hoch, die den Eindruck erwecken, gleich über mir zusammenstürzen zu wollen. In Akureyri treffen wir uns mit Gudjón auf dem Modellflugplatz. Den Modellfliegern steht eine asphaltierte Start- und Landebahn mit Zufahrtstrecke zur Verfügung, der Platz liegt direkt neben dem Feld für die manntragenden Segelflieger. Die meisten Modellpiloten sind mit ihren Motormodellen nur auf Flugplätzen anzutreffen, dafür aber sehr aktiv und regelmäßig; wir wandern trotzdem auf einen Berg in der Nähe unseres Campingplatzes und lassen die Flugzeuge durch Thermikbärte jubeln. Zwischendurch sind wir damit beschäftigt, die Blaubeerenbestände zu dezimieren. Über Blönduós und Holmavík gelangen wir zum westlichsten Punkt Europas, dem Vogelfelsen Látrabjarg. Kaum dort angekommen müssen wir feststellen, dass uns der Wind in diesem normalerweise von Westwind geplagten Gebiet übel mitspielt: Er ist eher ablandig, mit dem Fliegen wird es nichts. Allerdings geben wir so schnell nicht auf: Mit dem Auto machen wir uns auf die Suche und können schließlich an einem kleinen Berg unser Glück wagen. Ein weiteres Mal muss Mopsbert herhalten, doch es dauert nicht lange, und der Hangwart in Form eines Falken erscheint auf dem Plan. Er hat etwas gegen Raubvogelsilhouetten in seinem Revier, auch wenn es sich dabei um stark lädierte EPP-Spaßmöhrchen handelt. Unbeeindruckt von Rollen, Turns und Loopings klebt der Falke so dicht auf sechs Uhr, dass Andreas lieber landet, bevor ich die Objektive wechseln und bessere Fotos machen kann. Tja, Auseinandersetzungen mit Leistungsfliegern können halt sehr kurz verlaufen. Die Landung reicht dem Falken allerdings nicht: Er kreist so lange über uns, bis wir auch als dämliches Fußvolk sein Revier räumen. ![]() Start
von einem Lavafeld auf den Westmänner-Inseln
Unsere nächste Station ist Reykjavík. Zunächst fahren wir Richtung Hafen und zeigen den anderen Touristen, dass man am Wikingerdenkmal mehr unternehmen kann als nichts sagend vor Sehenswürdigkeiten rumzustehen: Häändloonschen beispielsweise! Reykjavík ist eine richtig schnuckelige Hauptstadt mit einem Modellflugverein, der über einen Flugplatz mit asphaltierter X-Landebahn von 70 m Länge verfügt. Kein Wunder, dass hier jeden Tag ein paar Modelle durch die Luft brummen. Nachdem wir die Hauptstadt verlassen haben, machen wir uns auf den Weg zu den Westmännerinseln. Die Wetterstation misst dort an 70 Tagen im Jahr Wind in Orkanstärke und ist damit die windreichste Station Europas. Nun ja, wir scheinen eher einen kontinentaleuropäischen Sommer erwischt zu haben: Als wir auf den Westmännern sind, weht dort nur ein laues Lüftchen. An der Südküste erleben wir aber doch noch ein Flugabenteuer: Wir sind gerade auf einen Hügel gestiegen, als Andreas unten einen Modellflieger entdeckt, zu dem wir erst mal wieder runterlaufen müssen, um ihn nach dem Kanal zu fragen, wie sich das gehört. Er scheint Andreas zunächst nicht zu verstehen und will uns die Fernbedienung erklären. Als ihm klar wird, was wir von ihm wissen wollen, ist er sehr überrascht, da er seit dreißig Jahren Modellflieger ist und noch nie nach dem Kanal gefragt wurde. Manchmal muss es in diesem Land ganz schön einsam sein... Wovon könnte ich noch berichten? Da war dieser Flughang mit wunderbarem Aufwind, den wir nur durch einen Fehler im bordeigenen Navigationssystem J.U.L.I.A gefunden haben. Auch zum Dynamic Soaring gut, mit Aussicht auf den Gletscher. Leider nicht nur von unseren Modellen umschwirrt, sondern auch von begeisterten Mücken. Oder das Zagi"-Launchen am Gletscherfuß selbst, wo man ganz nah ausgekalbte Eisberge sieht und es sich anhört, als wäre in jedem Gletscherstück ein Troll gefangen, der sich einen Weg aus dem Eis erkämpft. Oder die Flugkünste der Puffins, dieser Clownvögel, die in der Luft nur ein Tempo kennen: Full Speed! Und schließlich meine Gedanken an einen dieser letzten Urlaubstage, als wir bei acht Grad Außentemperatur, eingehüllt von Nebel und Nieselregen, mal wieder an irgendeinem Berg stehen: Andreas fliegt und ich versuche, mit klammen Fingern den 32. Film in die Kamera einzulegen. Ach, war das ein Sommerurlaub! Aber ich würde trotz-dem gerne wiederkommen! Schließlich sind wir ja keine Weicheier... Julia Streich
![]() Bei
Blönduós im Nordwesten
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![]() Adrenalin pur: der 600 m hohe Priesterstuhl |
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