Elektroflieger haben es an sich, immer wieder für neue Highlights zu sorgen, die einen vorläufigen Höhepunkt in der Entwicklung darstellen. Der Motorkunstflug ist dafür eine Domäne. Wir erinnern uns: 1993 flog in Aspach das wohl erste Groß-Kunstflugmodell mit Elektroantrieb, eine „Ratsrepus“ mit „Dino“-Motor von Plettenberg und der für damalige Verhältnisse unglaublichen Zahl von 90 Akkuzellen mit 1.900 mAh.

Der Pilot bediente sich seinerzeit eines kleinen Stromaggregats auf dem Flugplatz und dreier 30-Zellen-Ladegeräte, um die Akkus zu laden. Die folgenden 12 Jahre brachten insbesondere dem Elektro-Kunstflug einen enormen Schub, nicht zuletzt auch durch die Entwicklung der bürstenlosen Motoren und natürlich der LiPo-Akkuzellen.

Einen vorläufigen Höhepunkt der Großmodell-Kunstfliegerei stellt sicherlich die in diesem Jahr in Aspach vorgestellte „Katana S“ des tschechischen Herstellers Krill Model (www.krill-model.com) dar. Ausgerüstet von keinem Geringeren als Rainer Hacker persönlich und vorgeflogen von „dem jungen Wilden“ Markus Rummer, wurde die obere Grenze des Machbaren im Elektroflug eine Stufe höher gesetzt.

Ein paar Worte zum Modell: Gemeinsam mit dem bekannten Kunstflugpiloten Sebastiano Silvestri wurde die „Katana S“ entwickelt. Nach Angaben des Herstellers wird das Modell in einer neuen Technologie gefertigt, die ihm eine hohe Festigkeit bei geringstmöglichem Gewicht aller Teile verleiht. Es hat eine Spannweite von 2,99 m, ist 2,74 m lang und hat ein Leergewicht von 9,5 kg. Der im Vakuum hergestellte Rumpf wird mit allen Kraft aufnehmenden Spanten eingebaut geliefert und ist mit CFK an den wichtigen Stellen (u.a. Flächenaufnahme, Fahrwerk, Kabinenrahmen) verstärkt. Auch der Flügel ist im Vakuum hergestellt und hat einen durchgehenden CFK-Holm. Pro Querruderblatt sind drei Servos vorgesehen. Die gleiche Bauweise wurde beim Höhenleitwerk angewendet. Das Seitenruder ist gleitgelagert, aus einem neuartigen Material gefertigt und führt als Drehachse ein Messingrohr.

Nach ersten erfolgreichen Elektrifizierungen von Modellen dieser Art in den USA – die bei www.modellflug-dvd.net (auch mit Hacker-Antrieben) erhältliche DVD „Electric Revolution" zeigt eines davon ausführlich – ging auch Rainer Hacker daran, sich ein solches Schau- und Kunstflugmodell auszurüsten.



Anflug zum Torquen (man beachte den Höhenruderauschlag)



Allein sechs Servos im Flügel und vier im Höhenleitwerk sorgen für die richtige Ruderkraft


Rainer Hacker und Markus Rummer, überglücklich nach ihrer fantastischen Kraft-Show in Aspach 2005.

- Vier Motoren des Typs „C50-14XL“ arbeiten mit einem schräg verzahnten Getriebe im Ölbad auf einer Propellerwelle, die einen 32x12“ großen Menz-Holzpropeller aufnimmt.

- Sechs LiPo-Akkupacks á 5.300 mAh von Thunderpower, in 5s4p-Konfiguration, sind zu einem 10s12p-Pack zusammengeschaltet. Damit fliegen 15,9 Ah an Bord.

- Jeder Motor wird von einem „Master 90-O-Acro“-Regler von Hacker bedient. Diese Regler sind mit einer Spezialsoftware ausgestattet, die der Synchronisierung der Motoren dient.

- Jeder der vier Antriebsstränge zieht einen Strom von 65 A.

- 14 Servos „C-8411“ von Graupner/JR bedienen die Ruder und werden von einer „PowerBox-Champion“-Stromversorgung von Modellbau Deutsch und einem „SMC-20DS“-Empfänger von Graupner gesteuert.



Geballte Power...die Motoren-/Regler-Kombination auf einen Blick.

Das Fluggewicht der solcherart ausgerüsteten „Katana S“: 18,6 kg. Der Schub des Antriebs beträgt sagenhaft klingende 37 kg. Und der Klang dieser Antriebseinheit lässt sich nicht beschreiben, man muss es selbst hören! Die Drehzahl des Propellers: 5.400 U/min.

Die Flugeigenschaften und das Flugbild sind wohl nur noch als „monströs“ zu bezeichnen. Markus Rummer flog das gewaltige Modell, als hätte er einen EPP-Funflyer in der Luft: Ausgedehnte Torque-Manöver mit dem Seitenruder am Boden, blitzsauberer Motorkunstflug und atemberaubende Vollgasfiguren wechselten sich in rasanter Folge ab. Erst nach acht Minuten war Schluss, die Akkus aber nur etwas mehr als halb leer. Ein lang anhaltender Applaus des Aspacher Publikums war ihm und natürlich auch Rainer Hacker sicher.

Diese „Katana S“ stellt wahrhaft einen vorläufigen Höhepunkt des Elektrofluges dar. Wir werden sehen, was als Nächstes kommt...
Philipp Gardemin
Bilder: Damien Trompette, Hartmut Siegmann



Markus Rummer (links) flog die viermotorige „Katana“ von Rainer Hacker (rechts) in Aspach bravourös vor.

Auch beim Empfangsbereich technisch gesehen alles nur vom Feinsten!


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