Nach der größeren 2-m-"Katana" hat Sebastiano Silvestri nun auch eine kleinere Version mit den quadratischen Abmessungen von 125x125 cm auf den Markt gebracht. Dieses neue Sebart-Modell trifft den Nerv der Zeit, mit noch überschaubaren Mitteln ein elektrisch angetriebenes, voll kunstflugtaugliches 3D-Modell auf die Piste zu stellen. Rainer Hacker bietet das Modell unter anderem als Komplett-Set an, mit passendem Motor, Regler und APC-Luftschraube.

Die Optik der kleinen "Katana" ist in meinen Augen durch das sehr aufwändige Foliendesign bestens gelungen. Das ARF-Modell ist übrigens in zwei verschiedenen Farbvarianten erhältlich: in Blau/Weiß/Rot und im Italo-Design Grün/Weiß/Rot.

Alle Bauteile der kompletten Flugzeugzelle sind lasergeschnitten, sauber verleimt und bespannt. Der gesamte Aufbau wirkt dabei sehr durchdacht und ist enorm stabil bei geringem Gewicht. Die teilweise beplankte und zweiteilige Rippentragfläche wird über ein Kohlerohr an den Rumpf gesteckt und mit einer Schraube an Befesti_gungslaschen gesichert. Neben diesen aus Balsa- und Sperrholz gefertigten Bauteilen liegen auch noch eine weiß lackierte GFK-Motorhaube, GFK-Radschuhe, ein Aluminiumfahrwerk und die Kabinenhaube bei. Die zugeschnittene und lackierte Kabinenhaube wird mit vier kleinen Magneten auf dem Rumpf gehalten – eine saubere und benutzerfreundliche Lösung. Abgerundet wird der erste positive Eindruck vom beiliegenden Kunststoff-Spinner, dem Sperrholz-Motorträger, einem Kleinteilsatz für die Anlenkungen und einer reich bebilderten Anleitung. Dem Bausatz liegt diese Anleitung nur in Englisch bei, auf der Internetseite der Firma Hacker kann sie aber auch in der deutschen Version herunter geladen werden.

Der Bau des Modells – man sollte wohl eher von Montage sprechen – ist selbst auf einem Küchentisch binnen kürzester Zeit möglich. Bei den Tragflächen müssen lediglich die Ruder angeschlagen und die Servos samt Anlenkung eingebaut werden. Die Servoausschnitte sind serienmäßig vorhanden. Was bleibt, ist die Folie auszuschneiden und den Servoausschnitt, je nach eingesetztem Servo, leicht anzupassen. In meinem Fall arbeiten auf allen Rudern "HS-65HB"-Servos von Hitec. Diese haben sich bei mir durch ihr sehr geringes Spiel, die gute Rückstellgenauigkeit und ein ausreichend robustes Getriebe ausgezeichnet. Die Anlenkung der Ruder mit 1,5-mm-Stahldraht war schnell hergestellt. Leider waren die beiliegenden Ruderhörner nicht brauchbar: Die Bohrungen für die Anlenkungen waren zu groß, was zu viel Spiel in der Anlenkung hervorgerufen hat und somit ein Ruderflattern nicht auszuschließen war. Gelöst habe ich das Problem durch selbst angefertigte Ruderhörner aus Platinenmaterial. Anscharniert wurden die Ruder mit den beiliegenden Vliesscharnieren. Um einen über die gesamte Länge des Ruders gleichmäßigen Abstand zwischen Fläche und Ruder zu erreichen, wurden bei diesem Arbeitschritt klei- ne Abstandshalter aus 2- bis 3-mm-Balsa zwischen Ruder und Fläche gelegt. Die Verklebung der Scharniere erfolgte mit Sekundenkleber. Anschließend wurden Höhen- und Seitenleitwerk mit dem Rumpf verklebt und die Ruderklappen analog zur Fläche befestigt.

Als Antriebseinheit wählte ich das von Rainer Hacker zusammengestellte Komplettset, bestehend aus dem kleinen Brushless-Außenläufer "A30-14L" und dem "X-40 Pro"-Drehzahlsteller sowie einem 3s1p-LiPo-Akku mit 2.500 mAh. Den Motor habe ich direkt in den Motorträger geschraubt, der anschließend in den Rumpf gesteckt und verklebt wurde. Motorsturz und Zug wurden dabei konstruktiv vorgegeben und passten perfekt, wie sich später noch herausstellen sollte. Den Regler habe ich einfach mit einem Kabelbinder im Rumpf befestigt.

Zu guter Letzt habe ich das Modell auf sein Fahrwerk gestellt und dieses mit zwei Schrauben am Rumpf befestigt, der die M3-Einschlagmuttern bereits ab Werk enthält. Die komplette Montage des Modells erforderte nur wenig Zeitaufwand. Bis auf die Ruderhörner war alles gut aufeinander abgestimmt und passte perfekt zusammen.

Nun ging es an das Auswiegen des Modells. Der Akku lässt sich in einem sehr weiten Bereich im Rumpf verschieben, so kann mit verschiedenen Schwerpunktlagen experimentiert werden. Befestigt wurde der Antriebsakku mit Klettband. Abflugfertig brachte die "Katana" nun 1.280 g auf die Waage. Vor dem ersten Flugeinsatz wurden noch alle Ruderspalte mit Tesafilm abgeklebt, was sowohl eine verbesserte Rollwendigkeit als auch eine verringerte Abreißtendenz im Langsamflug ergeben soll. Dem Erstflug stand nun nichts mehr im Wege.

Wie zu erwarten war, erwies sich der Erstflug als "Selbstläufer". Nervosität und zitternde Knie waren unbegründet. Die ersten Runden wurden mit leicht reduzierten Ausschlägen und leicht kopflastiger Einstellung absolviert. Die "Katana" lag dabei auf Anhieb absolut ruhig in der Luft. Das Flugbild ließ nicht sofort auf ein doch relativ kleines Modell schließen. Trotz der recht kleinen Ausschläge reagierte es sehr direkt auf alle Steuerbe- fehle und vermittelte mir von Beginn an ein vertrautes Gefühl, das sich bis zur Landung fortsetzte.

Für die folgenden Flügen wurden der Akku kontinuierlich nach hinten verschoben. Endgültig kam er nun unter dem Steckungsrohr zu liegen, genau bei 115 mm. Die "Katana" lässt sich aber auch mit weiter hinten liegendem Schwerpunkt fliegen. Mit der von mir gewählten Einstellung gelingt neben dem 3D-Flug auch noch sauberer und klassischer Kunstflug.

Fliegerisch ist mit der "Katana" so ziemlich alles möglich: Rollen jeder Facon, egal ob schnell oder langsam, lassen sich schön aussteuern. Im Messerflug verhält sich das Modell leider nicht ganz so perfekt, hier muss schon mit relativ viel Seitenruder und ein bisschen mehr Fahrt die Höhe gehalten werden. Ein Bekannter gab mir noch den Tipp, das Fahrwerk mit einem etwas breiteren Depronstreifen zu bekleben um mehr Auftriebsfläche während des Messerflugs zu erhalten. Das brachte tatsächlich eine kleine Verbesserung mit sich und sieht optisch auch noch gut aus. Enormen Spaß machen aber die gerissenen und gestoßenen Rollen. Selbst bei gerissenen Rollen vom Messerflug in Messerflug ist kaum ein Nachdrehen spürbar. Die Stabilität der Zelle erlaubt auch spektakuläre und hart geflogene "Somenzini"-Rollen, die Festigkeitsgrenzen werden auch bei diesem Manöver nicht überschritten. Die "Harrier"-Figur, oft ja keine Spezialität der kleinen und in dieser Disziplin oft etwas nervösen Modelle, gelingt mit der "Katana" ebenso überraschend gut. Gerade negativ geflogen liegt das Modell in dieser Fluglage sehr stabil. Positiv geflogen ist zwar etwas mehr "Knüppelakrobatik" gefragt, alles in allem ist aber auch dies relativ unkritisch. Torquen und Hovern gelingt ebenfalls. Die Power, um nach einem missglückten Torque-Versuch nach oben wegzusteigen, ist absolut ausreichend. Mit Vollgas geht das Modell nämlich zügig senkrecht und endlos nach oben.

Die Flugzeit pendelt sich mit dem eingesetzten 2.500-mAh-Akku bei runden 8-10 Minuten ein, abhängig vom Flugstil. Leider hat sich nach ein paar Flügen die Trägerfolie der Bespannung im Bereich der Spitze eines roten Zierstreifens gelöst. Das Nachbügeln stellte zwar kein Problem dar, dennoch habe ich dann alle Spitzen des Dekors mit klarem Nagellack versiegelt.

Die von Hacker angebotene "Katana S30" bietet in Kombination mit der Antriebseinheit in meinen Augen ein absolut stimmiges Konzept. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt – ein Rundum-Sorglos-Paket. Die Kombination aus Funflyer-typischen Flugeigenschaften und sauberem F3A-Flugstil ist sehr gelungen. Das aufwändige Design gefällt, wäre da nicht der kleine Makel mit der sich lösenden Folie. Dennoch erhält der Kunde ein fantastisches Kunstflugmodell mit hohem Vorfertigungsgrad zu einem fairen Preis.

Stephan Schötz

 


Die Tragfläche hat eine gewichtsoptimierte Bauweise. Gut erkennbar ist auch die Befestigungslasche zur Flächenarretierung · Alle Anlenkungen – hier das Höhenruder - sind kurz und spielfrei


Das Fahrwerk wird vertieft am Rumpf mit zwei Schrauben befestigt. Gut zu erkennen sind auch die Position des Reglers und die Depronverbreiterungen (siehe Text)


Schade: Die Deckschicht der Folie löste sich ab. Sie muss mit Klarlack gesichert werden


Der Flugakku wurde direkt vor dem Steckungsrohr platziert und mit Klettband befestigt. Gut zu erkennen sind auch die vier Magnete für die Haubensicherung


Dank der Hebel des "HS-65HB"-Servos sind auch große Ruderausschläge realisierbar


Für die Kühlluftzufuhr des Motors liegen dem Bausatz Hutzen aus Lexan bei, die die Luft direkt auf den Motor leiten


Alle Bauteile sind aus lasergeschnittenen Teilen sauber aufgebaut, stabil verleimt und ordentlich bespannt




Der CFK-Pylon für das Höhenleitwerk wurde mit ein paar Zentimetern Kohlerovings angenäht und mit reichlich Sekundenkleber gesichert.

Spannweite: 1.250 mm
Länge: 1.250 mm
Fluggewicht: 1.280 g
Motor: A30-14L, Hacker
Regler: X 40 Pro, Hacker
Flugakku: 3s1p 2.500 mAh, Flight P.
Luftschraube: APC 14x7”

Ruderausschläge:
Normalflug:
Höhenruder: +/- 20°
Seitenruder: maximal
Querruder: +/- 20°
Akro:
Höhenruder: +/- 55°
Querruder: +/- 40°
Schwerpunkt: 115-120 mm

Preis: 179,- Euro (Modell)
319,- Euro (Modell, Motor, Regler)
Bezug bei Hacker Motor GmbH,
www.hacker-motor.com


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