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Die "Libelle"
und "Höllein" gehören zusammen. Seit vielen Jahren
im Programm und am Entstehen der HLG-Klasse hierzulande nicht ganz unbeteiligt,
ist die "Libelle" im_mer noch eines der beliebtesten kleinen
Baukastenmodelle. Dass daraus eine ganze Modellfamilie entstand, ist
nachvollziehbar, ebenso wie der letz-te Schritt, eine vergrößerte
Variante. So ein Expe-riment führt jedoch nicht immer zu einem
sinnvollen Modell, weil ein Modell nicht einfach linear skaliert werden
kann. Ein Modell hat immer "seinen" Flugraum, in dem es sich
"wohl" fühlt. Darauf abgestimmtes Steuer- und Abreißverhalten
sowie Geschwindigkeit machen neben der Leistung erst ein
gutes Modell aus.
Seid meinem Umzug in die Bundeshauptstadt stellte sich heraus, dass
für einige erprobte Hangfräsen kein geeigneter Hang zu Verfügung
steht. Für den nahe gelegenen berühmt berüchtigten Teufelsberg
hatte ich außer HLG-Modellen kein geeignetes Fluggerät. An
dem Hang fliegt man in der Thermik, "Amigo"-ähnliche
Modelle haben da oft die Nase vorn. Das Fliegen beruht hier nämlich
darauf, im leichten Hangaufwind zu starten, auf relativ begrenztem Raum
nach Thermikblasen zu pirschen und davonzufliegen. Spätestens als
ich mit meinem Voll-GFK-HLG "KiSAL" von einer kleinen "Libelle"
in der Thermik abgehängt wurde, waren zwei Dinge klar: Ein Top-Teufelsbergsmo-dell
verfügt erstens über Ohren und damit über fantastische
Kreisflugeigenschaften, und zweitens über ein Re-Zahl festes Profil
mit hohem Auftrieb, damit man eng kreisend schneller wegsteigen kann.
Die neue "Libelle A380" versprach in ihrer Auslegung genau
das zu werden: ein unschlagbares Teufelsbergmodell. Ausgeprägte
Ohren sorgen für entsprechende Kreisflugstabilität. Das aus
den Anfangszeiten der HLG-Bewegung bekannte Profil "S-4083"
wurde von Michael Selig für kleine Re-Zahlen und anständigen
Auftrieb optimiert und war das Standardprofil der Speerwurf-Ära
bei den HLG-Modellen. "Wurfmäusle & Co." hatten es
auf ihren Flügeln. Durch die Größe von 2,5 m Spannweite
der "Libelle A380" war eine gute Sichtbarkeit in großer
Höhe gewährleistet. Zudem elektrisch motorisiert, sollte die
"Libelle A380" ein wahrer Tausendsassa am Teufelsberg sein.
Es ist Stefan Höllein hoch anzurechnen, dass er seit vielen Jahren
am klassischen Holzbaukasten festhält. Der Baukasten der "Libelle
A380" kam also ins Haus. Ich hatte bereits einige Motoren, die
in Frage kamen. Außerdem war auch klar, dass mein Standard-Energiepack
in der Größe von 3s LiPo 2.000 mAh verwendet werden sollte.
Die Bausatzschachtel ist nicht größer wie bei der kleinen
"Libelle". Alle Bauteile wurden auf einer CNC-Fräse gefertigt,
Ausführung und Passgenauigkeit sind traumhaft. Das geht soweit,
dass die auf den Rohrholm aufgefädelten Rippen leicht stramm sitzen
und die ganze Baugruppe "trocken" gebaut werden kann, um anschließend
mit Sekundenkleber verklebt zu werden. Das ist auch bei CNC-Baukästen
nicht üblich. Viele wurden schnell im Rechner zusammengeklickt
und die virtuelle Genauigkeit hat mit der realen nicht unbedingt was
gemein.
Zurück zur "Libelle A380": Besonder positiv ist, dass
nicht alles in Pappelsperrholz gefräst, sondern das Material gemäß
Einsatzzweck selektiert wurde. Alle Teile sind entgratet und nach Baugruppen
in Beuteln sortiert. Eine Ausnahme bilden die Halbrippen, die sich noch
am Balsabrett mit ein paar Stegen festhalten das ist auch gut
so, sonst könnte man sie kaum zuordnen und es wäre eine sichere
Fehlerquelle. Im Baukasten ist auch das komplette Zubehör mit zwei
Motorspanten und einigen Schablonen zum Ausrichten ent-halten. Die Bauanleitung
besteht aus einem Heft, einem Bauplan, einer Stückliste mit allen
Teilen und einem Bogen mit farbigen (!) Baustufenbildchen.
Die Konstruktion entspricht im Prinzip der kleinen "Libelle":
ein Kastenrumpf mit geschäfteten Seitenteilen aus Balsa, Rohrholmflügel
aus pultrudiertem CFK-Rohr und ein V-Leitwerk aus Vollbalsa. Die Ohren
werden durch spezielle Sperrholzzungen verbunden und der Flügel
wird mit Nylonschrauben am Rumpf befestigt.
Der Bau ist wirklich einfach, ich will daher nicht auf jedes Detail
eingehen. Außer ein paar Stecknadeln werden keinerlei Hilfsmittel
benötigt. Man(n) braucht auch nicht unbedingt einen Baukeller,
der Tisch sollte aber schon gerade sein. Die anfallenden Schleifarbeiten
halten sich in Grenzen und beschränken sich auf das Verrunden von
Rumpf, Leitwerk und Flächenspitzen, die allesamt aus Balsa bestehen.
Die Sperrholzendleis ten sind bereits verschliffen. Geklebt wird nur
mit Sekundenkleber. Dabei werden die meisten Klebeverbindungen mit hoch
viskosem Sekundenkleber benetzt. Durch die Kapillarwirkung der Fasern
saugen sich diese mit dem Kleber voll und härten durch die Restfeuchtigkeit
des Holzes sofort aus. Die Spaltfreiheit macht es möglich. Das
sichtbare Wachstum des Modells belohnt den Fleiß und motiviert
zum Weitermachen.
Der Rumpf ist an einem Abend komplett und lässt schon mal die
Größe erkennen. Wichtig ist hier nur, dass die Bowdenzüge
auch tatsächlich fixiert sind sonst gibt es sehr weiche
Ruder. Jetzt wird der Rumpf leicht verrundet. Zu viel des Guten sorgt
zwar für einen gefälligeren Eindruck, schwächt aber die
Ecken, die notfalls noch mit Leisten von innen verstärkt werden
müssen. Kommen wir zum Flügel: Die Rippen werden auf den Rohrholm
aufgefädelt, trocken mit Stecknadeln fixiert und mit Sekundenkleber
verklebt. Dabei sollte man auf mögliche Spannungen durch die leicht
stramm sitzenden Rippen achten und den kompletten Flügel auf einem
geraden (!) Untergrund fixieren. Notfalls das Rohr etwas hin und her
drehen. Jetzt kommt an die Verbindungen nur so viel Sekundenkleber,
wie das Holz aufsaugen kann. Was zu viel ist, kann mit einem zusammen-gefalteten
Blatt aus der Küchenrolle abgesaugt werden. In etwa 15 Minuten
ist so ein Flügelabschnitt verklebt und kann abgenommen sowie am
Rumpf angepasst werden. Da die Rippen eine sehr feine Spur des Fräsers
tragen, sollten sie jetzt mit einem Block mit feinem Papier überschliffen
werden.
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An dieser Stelle
ist der einzige Kritikpunkt zu verzeichnen: Als Holmrohre werden
pultrudierte CFK-Rohre mit etwa 2 mm Wandstärke genommen, die
überdimensioniert erscheinen. Besonders an den Ohren bringen
sie zusätzliches Gewicht. Dieses fällt in der Gewichtsbilanz
des Modells kaum auf, da es sich jedoch weitab vom Schwerpunkt befindet,
erhöht es die Trägheit des Modells. Bespannt wurde der
Rumpf mit "Oracover". Die Tragflächen mit der leichteren
Variante "Oralight". Ich würde heute die schwerere
Folie für die Flächen nehmen, "Oralight" ist
doch etwas empfindlich bei dem großen Flügel. Das Leitwerk
wird jetzt mit dem gebauten Flügel auf dem Rumpf ausgerichtet
und angeklebt.
Als Motor habe ich einen vorhandenen "Mega 16/25/6" eingebaut.
Das ist ein langsam drehender Innenläufer, der etwas im Schatten
der Außenläufer "lebt" und auf eine neue Aufgabe
wartete. Die Leistungsdaten passten recht genau für die "Libelle
A380": etwa 18 A an 11 V mit einem 11x7-Propeller. Es
gibt im Bausatz des Modells zwei Motorspanten zur Auswahl, die mit
Hilfe einer Zentrierhilfe eingeklebt werden. Nicht gebraucht aber
positiv aufgefallen sind die Ausfräsungen für die Kabel
eines Außenläufers.
Positiv überrascht wurde ich ein weiteres Mal, als es ans Auswiegen
ging: Die "Libelle A380" hielt fast am vorgegebenem Schwerpunkt
die Waage ganz ohne Ballast.
Jetzt ging es an den Hang: Tief durchatmen und los! Eine Ehrenrunde
und das schöne Modell flog auf Anhieb. Die leichte Brise mit
ein bis zwei Windstärken war ideal, um das Steuerverhalten
des Modells auszuloten. Mit dem eingebautem Antrieb stieg die "Libelle"
absolut souverän mehr wäre ein Stilbruch. Noch
im Steigen war eine Thermikblase zu spüren, in die sofort eingekreist
wurde. Durch die ausgeprägten Ohren musste ich mich nur auf
das Zentrieren konzentrieren das saubere Kreisen ging fast
von selbst.
Die "Libelle A380" fliegt eigenstabil und verzeiht die
gröbsten Patzer. Durch seine Größe ist das Modell
ein idealer Gipfelstürmer. Da, wo kleinere Modelle an der Sichtgrenze
kratzen, ist die neue "Libelle" immer noch gut erkenn-
und steuerbar. Aber nicht nur das: Während einer der nächsten
Flüge wollte ich schon zur Landung ansetzen, da zuckte das
Modell in drei Metern Höhe mit dem Ohr. Einkreisen! Normalerweise
scheut man sich, mit einem doch recht großen Modell in dieser
Höhe mit dem Kreisen zu beginnen. Die Gefahr, dass das Modell
beim Überziehen nicht mehr abgefangen werden kann, ist doch
immer recht groß. Aber das Re-Zahl-feste Selig-Profil sorgt
zusammen mit der großen Flügeltiefe für sehr sichere
Abreißeigenschaften. Das Einzige was ich beim Fliegen vermisst
habe, war eine Landehilfe. Vielleicht liegt es daran, dass ich viel
am Hang fliege? Doch dem Vernehmen nach wird bei Höllein bereits
an einem neuen Flügel gearbeitet, der dann einiges mehr zu
bieten hat.
Für wen eignet sich nun die "Libelle A380"? Für
den Anfänger? Den eingefleischten Holzwurm? Den Genießer?
Den Thermikneuling oder den alten Hasen? Ich denke man muss nicht
einmal ein Holzwurm sein, um Spaß beim Bau des Modells zu
haben. Es werden weder eine Werkstatt noch die Fertigkeiten eines
Feinmechanikers benötigt, um ein Erfolgserlebnis zu haben.
Das neue Modell hat alle guten Eigenschaften der Ur-"Libelle"
geerbt, ermöglicht aber das Fliegen in größeren
Höhen.

Das Modell wird aus fein gefrästen Holzteilen aufgebaut. Da
reicht auch der Wohnzimmertisch aus

Dem Bausatz liegen zwei Motorspanten zur Auswahl bei, die mit Hilfe
einer Zentrierhilfe eingeklebt werden
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