Begonnen hatte alles im Spätherbst an einer Autobahnraststätte auf der A7 bei Kiel. Da traf ich die norwegischen F3B-Experten Espen Torp und Jo Grini, die auf dem Rückweg von einem Trip in die Slowakei und der tschechischen Republik einen Minivan voll GFK-Schalen mitbrachten. Wir aßen Grünkohl, redeten über Neues – und ich fuhr mit einem kleinen Modell im Gepäck nach Hause.

Bekannt ist Espen Torp auch für seine DS- und F3F-Aktivitäten. Aus dieser Kompetenz entwickelte sich ein Vertrieb von DS-tauglichen Modellen, beispielsweise „Wizard“, „Compact II“ und dem Weltrekordhalter „Opus“. Später kamen ausgewachsene F3B-Boliden dazu, wie „RaceM“ und „X21“. Allen Modellen gemein ist, dass sie sowohl vom fliegerischen Können, wie auch in ihrer Verarbeitung zum obersten Segment zählen. Und in diesen Sphären, wo die Luft bereits etwas dünn wird, tummelt sich auch der „Majko“, um den es hier gehen soll.

Das Modell ist ein Unikum: Perfekt verarbeitet, auf Thermikflug getrimmt, mit 1.600 mm Spannweite, teilbarer GFK-Tragfläche, modisch hochgezogenen Ohren. Der „Majko“ drängt sich in die Lücke zwischen edlen Hangflitzern und thermikhungrigen HLG. Auch wenn er mit der letzt genannten Modellklasse die Auslegung für Thermik und ähnliche Größe teilt, gibt es doch erhebliche Unterschiede: Die modernen HLG werden nach dem Prinzip „light & fast“ entworfen. Die Leistung kommt aus der Kombination dünner und schwach gewölbter Profile sowie niedriger Flächenbelastung. Denn ein HLG muss in bodennahen Thermikblasen eng kreisen können und gleichzeitig wenig Widerstand in der Wurfphase bieten. Ein Elektrosegler in der gleichen Größe hat per Definition mehr Flächenbelastung. Damit steigt die Fluggeschwindigkeit – also der Kreisdurchmesser beim Kurbeln, aber auch die Penetriermöglichkeiten. Unser „Majko“ wird also die Luft oberhalb der HLG für sich beanspruchen, weil da die Bärte sich schon ausgebildet haben, größer sind und unser Fliegerchen sich darin wohler fühlt. Mit Elektroantrieb kommen wir auch leichter in diese Ausgangshöhe. Und weil wir höher und schneller sind, werden wir auch weiträumiger fliegen können. So weit die Überlegungen zum Einsatzspektrum.

Der Bausatz des „Majko“ besteht aus vier Teilen, hat Ruderhörner als Zubehör. Eine Bauanleitung ist nicht dabei. Das hört sich zwar schlimm an, liegt aber daran, dass einfach alles erstellt ist: Rumpf und Tragflächen wurden in Negativformen in GFK-Bauweise gebaut, nur Seitenruder und Höhenleitwerk bestehen aus mit Oracover bespanntem Balsa. Die Ausführung der GFK-Teile gehört zum Feinsten, was ich je in Händen hatte. So sind die Oberflächen makellos, der Farbauftrag absolut gleichmäßig, die Trennfugen an Rumpf und Nasenleiste kaum sichtbar und die Endkanten so scharf, dass man sich daran schneiden kann.

An dem Modell ist bis auf RC- und Antriebseinbau fast nichts mehr zu machen: Der Einbau der Scharniere für das Seitenruder, das Einkleben der Einschlagmuttern für die Flächenbefestigung und das T-Leitwerk, die Stifte für die Flächenarretierung samt Löchern im Rumpf, das Anpassen der Kabinenhaube, das Einkleben des Drahtverschlusses und des Motorspants – alles ist bereits erledigt. Dabei sieht man keine Kleberreste, nichts ist verbohrt. Das Modell ist einfach perfekt. Das Einzige was übrig bleibt, ist das Aufkleben von zwei Streifen Tesafilm, um die Spalte an den Querrudern abzudecken, Dauer: 30 Minuten, wenn man das Tesaband noch suchen muss. Man sollte noch einen Blick auf die Internetseite www.et-air.com werfen, da sind alle Angaben zur Schwerpunktlage und Ruderausschlägen zu finden.



Der kleine Außenläufer „Typhoon“ ist ein perfekter Ersatz für einen 400er-Bürstenmotor mit Getriebe, für den der „Majko“ ursprünglich entworfen war


Die „Konion“-Zellen von Kontronik. Nur zwei Zellen genügen, um die doppelte Kapazität eines alten „7x 500AR“-Akkupacks zu erreichen – bei halbem Gewicht und doppelter Kapazität



Der starke Motorsturz hat sich bewährt, der Motorspant war bereits eingebaut und gebohrt


Exklusiv für die AUFWIND-Leser habe ich hier einen Acht-Punkte-Plan aufgestellt, wie man zum wirklich flugfertigen Modell kommt:
Nachdem die Servos mit „Power-Strip“ eingeklebt und die Anlenkungen eingeklinkt wurden, geht es an den Antrieb: Bis vor nicht allzu langer Zeit hätte man nicht viel nachgedacht und einen 400er-Getriebeantrieb eingebaut. Dafür ist der „Majko“ auch ursprünglich ausgelegt. In aktuellen Zeiten der kleinen Brushlessmotoren und LiPo-Zellen ist die Wahl nicht so einfach. Die Zeit, die beim Surfen im Internet und dem Zusammenstellen der Komponenten benötigt wird, ist länger, als der Zusammenbau des ganzen Modells.

In meinem „Majko“ werkelt eine Plettenberg/Schulze-Kombination: Der kleine „Typhoon 15/10“-Außenläufer (74 g) dreht einen 11x7”-Propeller im Direktantrieb. Zum Einbau des Motors jedoch müssen die Bohrlöcher im Rumpfspant angepasst werden. Als Spinner kommt bei mir ein Mitbringsel von einem Tschechien-Trip der Firma MPjet zum Einsatz. MPjet ist ein Hersteller von hochwertigen Beschlägen und kleinen Motoren. In den meisten Bausätzen aus Tschechien finden sich Beschlagteile dieses Herstellers. Der Spinner passt perfekt zum Modell.

Mit einem Akkupack mit acht Zellen Sanyo N-500AR ließ sich der korrekte Schwerpunkt einstellen, also ab zur Flugwiese. Der Motor lief sanft mit etwas Verzögerung an und das Modell stieg mit etwa 55 Grad in den Himmel. Die hohe Steiggeschwindigkeit hat mich überrascht. Angenehm auch das leise Summen des getriebelosen Antriebes. Nach etwa acht Sekunden konnte ich den Motor ausschalten und auf Thermiksuche gehen. Der „Majko“ benimmt sich auf Anhieb anständig und reagiert gut auf Ruder. Beim ersten Einkreisen werden „Wurfmäusle“-Nostalgien wach. Die hochgezogenen Ohren kommen voll zu Geltung. Im Thermikbart fühlt sich „Majko“ wie ein Fisch im Wasser. Er zieht seine Kreise, als ob er nichts anders gemacht hätte. Wird der Schwerpunkt um einige Millimeter nach hinten genommen, muss das Modell im Kreisflug nicht einmal mehr mit den Querrudern abgestützt werden, der Kreisdurchmesser lässt sich dann alleine mit dem Höhenruder variieren. Im Geradeausflug schaukelt „Majko“ leicht um die Längsachse – hier merkt man halt die Ohren. Die von ET-Air angegebenen Ausschläge sorgen für einen lebendigen Flugstil. Wird ruhig nach Thermik Ausschau gehalten, reduziere ich die Ausschläge, so lässt sich das Modell präziser steuern. Im Landeanflug werden die Querruder hochgestellt. Wichtig sind sie aber auch bei böigem Wetter, man ist froh, in einem Meter Höhe noch direkt gegensteuern zu können. Außerdem macht es Spaß, die gewonnene Höhe mit Akrofiguren abzubauen.

So lang die Thermikflüge sind, so kurz sind die Motorlaufzeiten. Die spektakuläre Steigleistung wird mit einem ordentlichen Stromhunger erkauft, länger als 90 Sekunden läuft der Motor nicht. Also wurden statt der acht Zellen N-500AR zwei 3,7V-Konion-LiIon-Zellen von Kontronik angeschlossen. Der kleine Schulze-Regler sorgt hier für die nötige Abschaltung. Die LiIon-Zellen haben bei nur halbem Gewicht die doppelte Kapazität. Vom Umgang her unterscheiden sie sich dagegen nur wenig gegenüber herkömmlichen NiMH-Akkus, haben ein Metallkleid und werden etwa eine Stunde geladen. Jetzt liegen unter Last nur noch sechs Volt am Motor an, bei geringerem Strom und einem um 70 g leichteren Modell. In der Luft äußert sich das durch einen etwas flacheren Steigwinkel, was aber durch die wesentlich längere Motorlaufzeit mehr als ausgeglichen wird. Der „Majko“ fliegt auch leichteren Fußes, wird deutlich langsamer und lässt sich damit noch besser kreisen. Optimal fliegt sich das Modell aber bis etwa dreieinhalb Windstärken. Wird es mehr, quält es sich. Ich habe aber auch schon Fotos gesehen, die zeigten, wie mit „Majko“ DS am Waldrand geflogen wird!



„Majko“ ist ein süßes Feierabend-Fliegerchen, sehr thermikorientiert, zudem perfekt verarbeitet und mit unkritischen Flugeigenschaften. Das zusammengelegte Modell hat auch nur einen Meter Länge, ist 18 cm breit und 5 cm flach, passt wohl auch in jede Hutablage. Und mit den modernen und preislich erschwinglichen BL-Motoren und LiIon-Zellen bekommt man einen hoch effizienten und leichten Antrieb.
Viktor Drzenieks


Die Tragflächenhälften werden mit einem Flachstahl verbunden und am Rumpf angeschraubt. Die Aluminiumverstärkung des Schraubloches ist Serie


„Majko“ in der Thermik, da fühlt sich unser Nesthäkchen am wohlsten


Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2005

Das komplette Inhaltsverzeichniss 1/2005
Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang.

© AUFWIND 2004