Wer erinnert sich noch an das Kaubonbon vergangener Jahre? Genauso ist es nun mit der Neuauflage der „Mamba 3000“: Zeitgemäß im neuen Outfit, als GFK-Modell feiner Machart liegt dieser transportfreundliche Nurflügel nun vor.

Einhergehend mit der Neukonstruktion erhielt der Schalenflügel eine bogenförmig nach hinten verlaufende Nasenleiste, einen leichten Flächenknick, einen Holm mit Kohleschlauch überzogen, Winglets in Sichelform sowie eine stabile und gleichmäßig dünne Endleiste. Insgesamt weist der Nurflügel alle modernen Konstruktionsmerkmale aktueller GFK-Technik auf. Und das am Rumpfboot angeformte, fast schon überdimensional erscheinende Seitenleitwerk würde sicherlich auch als Finne eines Surfbretts Verwendung finden können.

Der Lieferumfang des hübschen Gleiters umfasst den Rumpf, zwei Flächenhälften, den Kohlestab zur Verbindung und ein paar Kleinteile. Zur Motorisierung wird noch ein 600er-Ferritmotor empfohlen – im Zeitalter bezahlbarer BL-Antriebe nicht mehr ganz zeitgemäß.

Für Servos mit maximal 13 mm Dicke sind Vertiefungen in den Flügelhälften vorgegeben. Mit einem Schrumpfschlauch versehen, wurden sie mit 5-Min.-Epoxyd eingeklebt. Die beiliegenden Servoabdeckungen aus GFK wurden passgenau zugeschnitten, mit Klebeband befestigt und liegen aerodynamisch in einer Vertiefung. Als Servos kamen „HS-85MG“ von Hitec zum Einsatz. Das sind robuste, schnelle und mit guter Stellkraft ausgestattete Exemplare. Die Servokabel werden mit gedrilltem Kabel verlängert und am anderen Ende mit einem geteilten MPX-Stecker versehen. Das Gegenstück, ergänzt mit zwei Uni-Steckern und 15 cm Kabel, befindet sich an einem „DSQ-8“-Empfänger von ACT.


Die angeformte Vertiefung für die Servoabdeckung, die gleichzeitig als Schutz für die Ruderanlenkung dient



Das hochgezogene Winglet mit der ganz nach außen verlaufenden Nasenleiste ist ein optischer Leckerbissen


Die Position der Flächenschrauben ist jeweils durch eine Senke in den Tragflächenhälften – die mit einem 165 mm langen Kohlerundstab verbunden werden – angedeutet. Mit einem 4,1-mm-Bohrer musste ich noch durch das dort vorhandene Vollmaterial der Balsa/GFK-Flächenstruktur bohren. Die Gegenmuttern sind bereits im Rumpf in der Flächenauflage eingeharzt und garantieren zusammen mit der Flächenzunge, die sich unterhalb vom Seitenleitwerk befindet, einen optimalen und festen Sitz. Die beiliegenden M4-Stahlschrauben habe ich jedoch durch Nylonschrauben ersetzt, um im Falle einer härteren Landung, eine zusätzliche Beschädigung zu begrenzen.

Vom Hersteller wurde die Rumpfform so gewählt, dass ein 38-mm-Spinner von Aeronaut mit einem 42-mm-Mittelteil Verwendung finden konnte. Allerdings lässt dieser Umstand auch nur Motoren mit bis zu 36 mm Durchmesser zu. Den beiliegenden GFK-Motorspant habe ich noch mit den Bohrungen entsprechend zum Motor versehen, er passte in die vorhandene eingedickte Spantaufnahme. Am Rumpf selbst befinden sich auf beiden vorderen Seiten Lufthutzen, die den Motor und Akku entsprechend kühlen.

Bewusst auf Höchstleistung abonniert, gab ich dem „BL 480-4G“ (Getriebe 4,4:1) von Multiplex den Vorzug. Mit acht Zellen „RC-1600“ und einer 13x8”-CAM-Carbon-Luftschraube von Aeronaut dreht er 5.100 U/min und zieht nur 19 A. Leider lässt die kurze Rumpfnase nur einen Propellerdurchmesser von 13” zu – ansonsten gibt es eine gerupfte Nasenleiste. Als Regler habe ich eine „Jazz 40-6-18“ von Kontronik eingesetzt.


Eingestellt auf die Schwerpunktvorgabe von 55 mm ergab sich jedoch ein sehr stark schwanzlastiges Modell. Zurückzuführen ist dies auf die enorme Flächentiefe von 280 mm und die verhältnismäßig kurze Motornase. Nachdem der Inline-Akku sich bereits an vorderster Front befand, waren hier noch 352 g Blei erforderlich. Um dieses so weit wie möglich nach vorne zu positionieren, habe ich eine Gipsform aus Porzellin von der vorderen Rumpfstruktur gefertigt und mit Felgenblei ausgegossen. Nachdem das Bleigewicht exakt im Rumpf angepasst wurde, konnte der Akku darauf seinen Platz finden.

Die Waage zeigte nun ein Fluggewicht von 1.780 g. Wenn man bedenkt, dass hier 20 Prozent an Ballast mitgeführt werden, kommen erhebliche Bedenken, betreffs der zu erwartenden Flugleistungen. Der Hersteller spricht jedoch selbst von einem Abfluggewicht von bis zu 1.800 g. Vorsorglich habe ich für den Startvorgang das Höhenruder um zwei Millimeter nach oben gestellt.



Die am Seitenleitwerk angeformte Flächenzunge



Die angeformte Flächenzunge am Rumpf greift in die Aussparungen der Flächenhälften. Hier wird auch die Kürze der Motornase deutlich

Die Sicke für den Motorspant ist mit CFK-Rovings verstärkt

Bereits beim Erstflug glitt die „Mamba“ so sicher wie auf Schienen in einem Winkel von 45 Grad kraftvoll nach oben. Der Antriebsstrang hatte keine Probleme mit dem Modellgewicht und es kamen schnell Hotlinergefühle auf. Im Laufe der Flugerprobung zeigte sich, dass die besten Gleiteigenschaften mit um ein Millimeter positiv gestelltem Höhenruder zu erzielen sind. Leichter Kunstflug ist möglich, einem Preisrichter würde ich diesen jedoch nicht zumuten wollen. So sieht der Rückenflug eher nach einer „La-O-La“-Welle aus, da hier sehr stark nachgedrückt werden muss. Die Thermikeigenschaften aber sind die Stärke des Modells, wie auch das Hangfliegen, herunter bis zu schwachen Bedingungen.

Insgesamt zeigte sich das Modell nicht nervös und das von Flächenmodellen bekannte schlagartige Abkippen über die Fläche bei Langsamflug ist bei diesem Nurflügel nicht festzustellen. Denn beim Überziehen senkt sich die Nase, das Modell geht in den Sackflug über und holt selbstständig wieder Fahrt auf. Fortgesetzt ohne Korrektur durch das Höhenruder haben wir hier einen Wellenflug. Diese positive Eigenschaft verwende ich auch bei der Einteilung des Landeanfluges. Nachdem keine Bremshilfen vorhanden sind, lässt sich die Fahrt mit dem Höhenruderausschlag herausnehmen.


Während der weiteren Flugerprobung reifte jedoch der Wunsch das Abfluggewicht zu verringern. Nachdem die deutsche F5B-Nationalmannschaft durch Einsatz der „GP-2200“-Zellen bei der WM die Erfolge abonnierte, wurden acht Zellen zu je vier Stück quer und aufeinander versetzt verlötet. Somit lässt sich das Akkugewicht zentraler nutzen. Jetzt konnte der ursprünglich untere Bleieinsatz erheblich verringert werden und der vorsorglich für oben bereits gegossene fand ebenfalls seine Verwendung. Damit der Akku eine satte Klettbandauflage bekam, wurde entsprechend der Rumpfstruktur aus einem 6-mm-Balsabrett eine 20 cm lange Auflage mit 20 cm Länge geschliffen. Eine Befestigung dieser wie auch der Bleigewichte erfolgte mit einem Spiegeldoppelklebeband. Diese Maßnahme erbrachte eine Reduzierung des Bleigewichtes auf 134 g und erwies sich nun bei einem Abfluggewicht von 1.580 g in der thermischen Nutzung sowie in der Steigleistung als sehr positiv.

Mein Fazit fällt doch sehr positiv aus: Eine außergewöhnliche Optik verbunden mit einem ungewöhnlichen Flugbild, das sich aus der Masse hervorhebt, gepaart durch ordentliche und problemlose Allroundflugeigenschaften. Dazu eine enorme Festigkeit in jeder Fluglage und das zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Wäre hier nicht die Schwerpunktproblematik, so wäre jeder Schüler über die Traumnote erfreut.

Thomas Navrath


Die „GP-2200“-Zellen in verlöteter Sonderform mit den reduzierten gegossenen Bleigewichten und der profilierten Akkuauflage


Der BL-Antrieb von Multiplex – noch einmal mit den Bleigewichten – gibt Leistung im Überfluss



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