Seit einigen Jahren fliegen wir fast ausschließlich leichte Nurflügel. Wir haben mit diesem Konzept sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Fliegen vor der Haustür am kleinen Dorfhügel ist so praktisch zu jeder Jahreszeit möglich. Diese Flügelchen, die doch einiges größer als ein „Zagi“ sind, so um die 180 cm Spannweite und eine mittlere Flächentiefe von 25 cm aufweisen, sind bis in große Höhen gut sichtbar, aber dann von einem Vogel kaum mehr zu unterscheiden.

Oft werden wir von Passanten gefragt, was wir denn mit einer Fernsteuerung herumstehen und mit hohlem Kreuz in den Himmel starren. Dass da oben wirklich zwei Modellflugzeuge kreisen, wird erst erkannt, wenn die leuchtfarbenen Winglets und die auffällige gelbe Oberseite wieder zum Vorschein kommen.

Daraus entstand schließlich die Idee, einen RC-Vogel zu fliegen. Gesagt, getan: Wir machten uns an die Planung eines „Milan“-Flügels nach der Vorlage eines Bildes. Unser Ziel war es, einen Vogel zu konstruieren, der möglichst alltagstauglich und zudem leicht zu starten, fliegen und landen ist. Und er sollte auch in leichter Thermik steigen, wie schon unsere bisherigen Nurflügel.




Die Fünffinger-Federn sind aus einem gebogenen GFK/Balsa-Sandwich gefertigt und mit einem Klettverschluss befestigt



Der Schwanz ist in zwei Achsen drehbar, was einen sehr realistischen Eindruck hinterlässt


Das Modell wurde ganz aus Styropor gefertigt: Vier einzelne Tragflächenteile, jeweils mit dem Heißdraht geschnitten und anschließend verleimt. Für die Festigkeit ein Balsaholm und um die Flügelform auch schön gerundet erscheinen zu lassen, wurden die Kanten der einzelnen Flügelstümpfe in Form geschliffen und erst anschließend mit einem 80-g/qm-Glasgewebe überzogen. Der Übergang vom Rumpf zum Flügel wurde aufgefüttert. Die Fünffinger-Federn sind aus einem gebogenen GFK/Balsa-Sandwich gefertigt und mit einem Klettverschluss befestigt. Ebenso sind die Schwanzfedern gebaut. Der „RC-Milan“ wurde erst nach dem Einfliegen mit Acrylfarben möglichst vorbildgetreu bemalt.

Die Steuerung funktioniert wie bei einem Nurflügel, mit einer Mixfunktion aus Quer- und Höhenruder. Damit fliegt der Vogel bereits ausgezeichnet. Zusätzlich können noch die Schwanzfedern in zwei Achsen bewegt werden. Damit sind die Schwanzbewegungen dem richtigen Milan täuschend ähnlich. Auch kann als Abstiegshilfe die Kombination Querruder/Schwanz realisiert werden.

Unser Modell fliegt gutmütig, hat ein angenehmes Stabilitätsmaß und ist nach einer kurzen Gewöhnungszeit ein Alltagsmodell geworden. Es steigt in der Thermik fast so gut wie die gefiederten Freunde. Und durch die nach oben gebogenen Fünffinger-Federn, die wie kleine Winglets wirken, hat es ein gutes Kurvenflugverhalten und kann problemlos auch bei turbulenten Bedingungen geflogen werden. Als Abstiegshilfe aus großen Höhen oder wenn es einfach zu stark trägt, werden die Querruder nach oben und die Schwanzfedern nach unten gefahren. Fast ein Butterfly, wenn man so will...

Das Flugbild kann man als majestätisch bezeichnen, wenn mal jemand hinschaut! Aber den Menschen fällt der ferngesteuerte „Milan“ nicht auf und wiederum wird man nicht als Pilot sondern als Fischer mit Rute in einer Wiese registriert.

Allerdings werden die Vögel im Revier schnell auf den interessanten Neuling aufmerksam und begleiten das Modell in die Höhe um dann scheinbar wieder weiter zu ziehen. Doch schon im nächsten Augenblick hat der surrende Bursche die Neugier aufs Neue geweckt. Bussarde und Krähen gehören zu seinen aktivsten Spielgefährten. Manchmal wagt sich auch ein Milan in seine Nähe und zeigt ihm seine Flugkünste. Naturnaher Modellflug in seiner schönsten Form.

Urs Keiser


Die Draufsicht offenbart die Größenverhältnisse des Modells



Als Profil wurde das „RZ 10.00-2.25-235“ ausgewählt


Nur das Vorbild fliegt besser!


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