Über das manntragende Vorbild einer "Gö-3 Minimoa", die 1935 von Wolf Hirth und Wolfgang Hütter konstruiert wurde, viele Worte zu verlieren, dürfte sich an dieser Stelle erübrigen. Viele Modellnachbauten wurden teils in Eigenregie oder auch in Serie von der "Minimoa" gebaut und in Fachmagazinen bereits ausführlich vorgestellt. Für viele ist eine "Minimoa" schlichtweg der Oldtimer! Mit den charakteristischen Knickflügeln ohne Abstrebung, den über die Endleiste hinausragenden Querrudern und dem großflächigen, gerundeten Seitenruder war die Konstruktion mit 17 m Spannweite für ihre Zeit sehr leistungsfähig und mit über 100 hergestellten Exemplaren auch weit verbreitet. Heute gibt es allerdings weltweit nur noch drei flugfähige "Minimoa".

Das Oldtimerfieber hat auch mich dazu gebracht, neben den sonst bevorzugten großen Kisten mal eine etwas kleinere Ausgabe zu fliegen. Um zu sehen und zu erleben, was so kleine Modelle alles können. Seit einiger Zeit hat Peter Adolfs zwei maßstabsgetreue Nachbildungen für Oldtimerfreaks im Maßstab 1:10 im Programm, die "Minimoa" und einen "Kranich". Aus optischen Gründen fiel meine Entscheidung auf die "Minimoa".

Ein erstaunlich kleiner Karton traf bei mir ein. Neben einem leichten, antik eingefärbten GFK-Rumpf beinhaltete er noch die beiden mit antiker "Eco-Tex"-Gewebefolie bespannten Tragflächen, das Höhenleitwerk und das Seitenruder. Außerdem lagen noch alle Kleinteile für die Fertigstellung bei, wie beispielsweise Kabinenhaube, Stahldrähte, Landerad.
Die Tragflächen sind in Holm/Rippen-Konstruktion aufgebaut, die Querruder bereits funktionsfähig angeschlagen. Das gedämpfte Höhenleitwerk besteht aus einem Balsabrettchen und ebenfalls anscharniertem Ruder. Auch das Seitenruder ist eine Rippenkonstruktion. Sämtliche Teile überzeugten mich durch Top-Qualität und Ausführung. Die beiliegende Bauanleitung war aller-dings nicht ganz auf dem Stand der Technik. Da die Tragflächen und das Höhenleitwerk inzwischen serienmäßig bespannt und komplett dem Bausatz beiliegen, entfielen die Punkte 11 bis 14.

Die Fertigstellung der "Minimoa" beschränkte sich rumpfseitig im Wesentlichen auf den Einbau der Abschlussleiste und der Scharniere für das Seitenruder, den Einbau der beiden Bowdenzüge und Servos für Seiten- und Höhenruder (2x Dymond DS-50 digital) sowie den Einbau der Tragflächenhalterung und des Landerades. Die Kabinenhaube musste noch entlang der Umrisslinien ausgeschnitten und an den Rumpf angepasst werden. Die Lackierung der angedeuteten Streben in der Kabinenhaube war ebenfalls schnell erledigt. In die Tragflächen wurden lediglich noch die beiden Querruderservos (2x Dymond DS-50 digital) mit Anlenkung und Ruderhörnern eingebaut. Die einzelnen Arbeitsschritte waren anhand der von PAF mitgelieferten Baustufenfotos leicht nachvollziehbar. Das schöne Modell konnte somit in wenigen abendlichen Arbeitseinsätzen gebaut werden. Ein echter Wehrmutstropfen jedoch war, dass dem Modell kein Dekorbogen beiliegt.


Platz ist in der kleinsten Hütte. Höhen- und Seitenruderservos sitzen direkt unter der Kabinenhaube. Davor dann Empfänger und Empfängerakku


Elegante Erscheinung am Seglerhimmel im Kleinformat

Mit rund 50 g Trimmblei in der kurzen Nase, einem Graupner-Empfänger "MC-12" und einem vierzelligen Empfängerakku habe ich den Schwerpunkt gemäß Bauanleitung (45-50 mm) zunächst 48 mm hinter die Nasenleiste gelegt. Die Waage zeigte als Fluggewicht 660 g an. Da in der Bauanleitung keine Ruderausschläge angegeben waren, habe ich mich hierbei auf meine Erfahrungen verlassen.

Der Erstflug fand an einem sonnigen Tag an meinem Haushang statt. Ein zaghafter Südwind wehte optimal auf die leicht abfallende Wiese. Nach der Reichweiten- und Ruderkontrolle ein dezenter Schubs, und die "Minimoa" befand sich in ihrem Element. Nach zwei Minuten war bereits eine Startüberhöhung von rund 40 Meter erreicht. Die Ruderausschläge stellten sich als optimal heraus. Die "Minimoa" flog aufgrund der großen V-Form recht eigenstabil und reagierte auf Quer- und Seitenruder sehr gut. Die Reaktion auf das Höhenruder ist zwar direkt, aber nicht giftig. Auffallend war allerdings, dass das Modell recht zügig unterwegs war. Trotz Trimmung voll auf Höhe war mir die Fluggeschwindigkeit doch etwas zu hoch. Auch nach Entfernen von etwas Trimmblei entsprach das Verhalten noch nicht ganz meinen Vorstellungen. Provisorisch habe ich die Einstellwinkeldifferenz (EWD) durch Unterlegen von ein paar Lagen Isolierband vergrößert. Danach flog die "Minimoa" wesentlich langsamer, zeigte jedoch noch keine Tendenz zum Abkippen beim Ziehen. So hatte ich mir das vorgestellt! In der Werkstatt habe ich dann das Isolierband gegen eine 1,1 mm starke Abachiauflage ersetzt. Die EWD lag nun bei 2 Grad, gegenüber vorher knapp 1,5 Grad.

Nun machte die kleine Lady wirklich Spaß: Kleinste Thermikblasen lassen sich sehr schön zentrieren, allerdings sollte rechtzeitig der Ausstieg aus der Thermikblase erfolgen, denn 1,7 m Spannweite werden verdammt schnell sehr klein. Mangels Landeklappen und nicht sonderlich gut wirkenden, nach oben gestellten Querrudern sind Loopings und langsames Trudeln die probatesten Mittel, um Höhe zu vernichten. Da auch die Original-"Minimoa" für einfachen Kunstflug zugelassen war, sind Loopings, Rollen und Rückenflug kein Stilbruch. Mit kleinen Elektro-Schleppmaschinen machen auch F-Schlepps in ruhiger Luft mit der "Minimoa" viel Spaß.

Peter Adolfs bietet mit der "Minimoa" einen Oldtimer der "Immer-dabei-Klasse" für etwas fortgeschrittene Piloten an, der in jedes Auto passt und maximalen Spaß bietet. Und wer der Meinung ist, dass man mit kleinen Seglern nicht eben soviel Freude haben kann, wie mit großen Pötten, wird eines Besseren belehrt – zum kleinen Preis.

Bernd Vogt, Fotos: Redaktion Großsegler


Hübsch und handlich!




Der kleinen "Minimoa" genügt auch eine bescheidene Landefläche



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