Manchmal ist der Zufall für gewisse Dinge im Leben eines Modellfliegers verantwortlich. So erging es auch mir, als ich im letzten Herbst bei einem Telefonat mit Jürgen Schmierer beiläufig erfuhr, dass er demnächst einige in Holz gefertigte Oldtimersegler in sein Programm aufnehmen würde. Als bekennender Oldie-Fan wurde ich sofort hellhörig. Nach wenigen Sätzen von Jürgen war klar, dass für mich nur die neue „Moswey-3“ in Frage kommen würde: Maßstab 1:3,5 und Rippenfläche – das versprach ein interessantes Projekt zu werden.

Anfang des Jahres holte ich das Modell bei Jürgen Schmierer in Stuttgart ab. Überrascht war ich von dem hohen Vorfertigungsgrad des Seglers: Ein makelloser GFK-Rumpf, weiß eingefärbt. Sowohl die Tragflächensteckung als auch die Leitwerksbefestigung waren eingebaut. Ebenso eine gefederte Kufe und die Kabinenhaube samt Sperrholzrahmen. Die Leitwerke, in Rippenbauweise verzugsfrei aufgebaut, waren zweifarbig mit „Oracover“-Folie gebügelt. Und die Tragflügel? Eine hohe Festigkeit mit einer steifen Endleiste, die in einer Hohlkehle auslief zeigten, dass hier ein Modellbauer am Werk war, der sein Handwerk versteht. Die Multiplex-Bremsklappen waren komplett eingebaut, ebenso die Servoschächte für Quer- und Bremsklappenservos. Diesen lagen zudem exakt passende Sperrholzdeckel bei, ebenfalls farbig passend bebügelt.

Im Bastelkeller angekommen, steckte ich das Modell komplett zusammen: Die Steckung besteht aus einem 16-mm-Kohlestab. Führt man die Tragflügel an den Rumpf, so fällt sofort die spaltfreie Passung auf. Da war kein Spalt zu sehen, und die hinteren Flächenbolzen aus 10-mm-Kohlerohr – ebenfalls passgenau. Das Seitenruder wird fix und fertig in einer Hohlkehle geführt. Ich habe lediglich den Metallstab, der als Scharnierstange diente, gegen ein Kohlerohr getauscht. Für mich war wichtig, im hinteren Bereich Gewicht zu sparen, da sich durch die kurze Rumpfnase schon abzeichnete, dass viel Blei zum Einsatz kommen würde. Auch das Höhenleitwerk war montagefertig vorbereitet, musste nur mit zwei Schrauben auf dem Rumpf befestigt werden. Alles ist verzugsfrei und sauber passend gebaut.


So weit vorgefertigt kommt die „Moswey-3" ins Haus. Das Folienfinish ist gut und faltenfrei


Obwohl ich das Innenleben der bebügelten Teile nicht unter die Lupe nehmen konnte, zeigte sich durch die Art der Festigkeit, dass entweder CFK- oder GFK-Verstärkungen im Bereich der Endleisten zum Einsatz gekommen sind.

Die Einbauten im Rumpf beschränkten sich somit auf das normale Maß eines Rumpfausbaus: Ein Servobrett für Höhen- und Seitenruderservo, die Anlenkung mit Kohleschubstange und Fesselfluglitze, sowie Schleppkupplung, Akkuhalterung und Akkuweiche. Schwieriger gestaltete sich das Unterbringen von 650 g Blei in der Rumpfspitze. Es sollte natürlich weit vorne fixiert werden. Auch ein Pilot von Axel Pfannmüller musste schließlich noch ins Cockpit. Einharzen wollte ich das Blei jedoch nicht, das hat so etwas Endgültiges. Ich ziehe es normalerweise vor, das Trimmblei zu verschrauben. Das erleichtert nicht nur das nachträgliche Verändern des Ballasts, auch im Falle eines Crashs bekommt man das Ganze wesentlich schneller wieder in Ordnung. Dafür war aber samt den anderen Komponenten, die für die Rumpfnase vorgesehen waren, recht wenig Platz vorhanden. Die Lösung kam mir spät abends beim Untersuchen der Kufe: Die ist nämlich vorne mit zwei 3-mm-Schrauben stabil am Rumpf befestigt. Die habe ich dann für längere 4-mm-Schrauben aufgebohrt und innen auf die beiden Schrauben meinen Klotz Walzblei gesteckt und die ganze Einheit wieder festgeschraubt. Einfach und robust.


Das Servobrett sitzt eingeharzt an seinem Platz. Zur Sicherheit ist eine Matte Glasgewebe darüber geharzt und die Servos sind eingeschraubt


Der Bleiklotz ist in der Rumpfnase mit den beiden vergrößerten Kufenhalteschrauben fest verschraubt. Darüber sitzt die Schleppkupplung


Die Energieversorgungseinheit mit zwei 6-V-Akkus (1.800 mAh), einer selbst gemachten Akkuweiche und dem Schleppkupplungsservo. Eventuelles Trimmblei lässt sich nachträglich oben auf den Kasten schrauben. Die roten Klettverschlüsse gibt es übrigens bei www.tolle-kletten.de

Eine wesentliche Änderung musste dann noch die Kabinenhaube erfahren: Die Pilotenbüste aus lackiertem Styropor genügt sicherlich einem Durchschnittssegler, doch einem Modell mit Scale-Ambitionen kann sie nicht das Wasser reichen. Also wurde der Cockpitboden herausgesägt und ein Pilotensitz aus dünnem Sperrholz gebaut. Gut gewässert und mit einer Sperrholzrückenstütze in Form gebracht, wurde darauf anschließend der „Axel“ geschnallt und alles im Cockpit eingepasst. Das Instrumentenbrett war schon mit allem Notwendigem ausgerüstet, ich habe lediglich noch kleine Accessoires zugefügt.

Die Arbeiten an den Tragflügeln beschränkten sich auf das Einkleben der Scharniere und den Einbau der Servos samt Anlenkungen. Und hier gibt es auch den einzigen wirklichen Kritikpunkt: Es werden Plastikscharniere verwendet, die beidseitig in die Hohlkehle eingeklebt werden sollen. Leider hat der Erbauer der Tragflügel sehr wenig Platz zwischen der Endleiste des Tragflügels und der Nasenleiste des Querruders gelassen. Damit die Endleiste des Tragflügels mit der Endleiste des Querruders in einer Linie ist, musste ich das Ruder sehr eng und tief einkleben. Nach dem Aushärten des Klebers stellte ich fest, dass der Ruderausschlag dadurch zu klein geraten war. Deshalb habe ich einen spitzen Holzkeil in die Hohlkehle eingeführt und diese damit vorsichtig aufgeweitet. So kam dann zum Schluss doch noch ein akzeptabler Ruderausschlag heraus.


Nach dem Auswiegen des Schwerpunkts in Höhe des Flächenstabs stellte sich ein Abfluggewicht von 7.225 g ein. Und dann war es soweit: Der Erstflug erfolgte hinter unserer Vereinsschleppmaschine. Sofort nach dem Abheben stieg die neue „Moswey-3“ stark nach oben. Nach dem Ausklinken erhärtete sich mein Anfangsverdacht: schwanzlastig! Also erst einmal wieder gelandet und zusätzliche 100 g Blei in die Nase geschraubt. Beim zweiten Flug zeigte sich das schöne Modell von der besseren Seite: Nach dem Ausklinken und dem Reduzieren der Fahrt auf die normale Fluggeschwindigkeit zog es nun mit einem fantastischen Flugbild durch den Himmel.


Die Höhenleitwerksanlenkung mit Schubstange ist noch zu erstellen

Die Wendigkeit ist enorm, auf alle Ruder spricht das Modell weich an. Wie auch schon von meinem „Reiher“ gewohnt, ist es etwas kippelig um die Längsachse. Das liegt meiner Meinung nach an der Mitteldekkeranordnung in Verbindung mit dem Knickflügel. So will es ständig mit den Querrudern gesteuert werden. Man hat es hier mit keiner modernen „GFK-Superorchidee“ zu tun, sondern mit einem Charakterflieger samt seinen spezifischen Eigenarten. So entsprechen die Flugleistungen nun mal denen eines Oldtimerseglers. Die „Moswey-3“ besitzt einen relativ kurzen Rumpf im Vergleich zur Flügelspannweite. Daher kommt auch das Seitenruder oft zum Einsatz.

Die Festigkeit im Flug ist mehr als ausreichend: Looping, Rolle und Turn gelingen klaglos. Lediglich den Rückenflug mag die „Moswey-3“ nicht besonders. Kein Wunder, bei einem Knickflügler. Auch das Original ist für den Kunstflug zugelassen. Im Internet gibt es viele schöne Bilder von einigen „Moswey“-Typen, unter anderem auch von der „HB-380“: www.vintagesailplanes/moswey3.htm.

Die Landeeigenschaften sind als absolut harmlos zu bezeichnen: Die Störklappen wirken gut. Voll ausgefahren bleibt die „Moswey-3“ fast neutral. Der Anflug kann steil erfolgen und mit dem vorsichtigen Dosieren der Klappen kann man das Modell exakt vor seine Füße steuern.


Ein Querruderservo im eingebauten Zustand. Unter dem grauen Gewebeband ist das Servo mit doppelseitigem Klebeband mit dem Deckel verklebt. Zusätzlich ist es mit zwei Hartholzklötzchen am Deckel verschraubt


Trimmblei, Akkuschacht mit Weiche und Schaltern, Kupplungsservo, Empfänger, Ferritringe zur Entstörung der Kabel, alles hat seinen Platz. Gut zu sehen ist die graue Führungsschiene zur Arretierung des Pilotensitzes

So viel Lob musste sie dann Anfang Juni in der Rhön bei starken Hangbedingungen unter Beweis stellen. Wie jedes Jahr weilten wir eine Woche zum Fliegerlager am Leichelberg in Thüringen. Bei strammem Westwind ging die „Moswey-3“ an der kleinen Stufe des Leichelbergs aus der Hand sofort auf Höhe und nahm jede Böe klaglos mit. Der Rippenflügel zeigte sich extrem hart und verwindungssteif. Die hohe Wendigkeit kam dem Modell nun zugute. Schnell ließen sich durch rasche Kurvenwechsel die Bärte im Hangvorfeld erfliegen. In der zweiten Etage des Hangs angekommen, wurde dann tief getrimmt und eine flottere Gangart angestrebt. Da wächst dann allerdings der Widerstand übermäßig an und man wird schnell daran erinnert, dass man einen Oldie aus früheren Tagen in der Luft hat. So sollte man sich doch lieber auf die normale Gangart beschränken und sich an dem herrlichen Flugbild dieses außergewöhnlichen Modells erfreuen.

Ich habe die „Moswey-3“ bis heute immer gerne im Gepäck und die erstaunten Blicke der anderen Piloten erfreuen mich immer wieder aufs Neue.
Frank Oeste



Axel findet auf einem aus 0,6-mm-Sperrholz selbst hergestellten Sitz Platz. Als echter Oldie-Pilot fügt er sich bestens in das Cockpit ein. Mit wenigen kleinen Zubehörteilen lässt sich ein schmuckes Cockpit herstellen. Pilot und Zubehör sind bei www.axels-scale-pilots.de zu beziehen


Start in den Wind. Trotz seiner Größe ist die „Moswey-3“ noch immer gut zu händeln


Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2006

Das komplette Inhaltsverzeichniss 1/2006
Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang.

© AUFWIND 2005