Haben Sie sich schon mal gewundert, wo der bekannte Londoner Nebel herkommt? Aus Nördlingen! Ein erstklassiger Frühnebel von außerordentlicher Güte. Er wird in ausgesuchten Lagen des Nördlinger Ries’ erzeugt. Regelmäßig wird er abgesaugt, komprimiert in Tanks gefüllt und sofort nach England geflogen, wo er dann, wenn nötig, schon am Folgetag zum Einsatz kommen kann. Einmal mehr sichert also die überlegene Qualität einheimischer Produkte den Status als Export-Nation ersten Ranges – auch wenn die Engländer dies nach wie vor bestreiten.

Die letzte Pylon-Zusammenkunft des Jahres war erfreulich gut besucht: 36 Piloten fanden sich ein, um beim letzten und somit entscheidenden Lauf zur deutschen Meisterschaft dabei zu sein. Darunter auch die gern gesehenen Gäste aus der Schweiz und Österreich. Samstagmorgen wurde bei ruhiger Luft der Kurs aufgebaut. Die einen konnten es kaum erwarten, dass die netten Damen die leckeren Semmeln anboten und natürlich den besten Freund des Pylonpiloten ausschenkten: Kaffee! Andere nutzen unterdessen die Zeit für Erst- und Trimmflüge.

Die aufziehende Wetterfront versprach jedoch nichts Gutes. Alle Pavillons wurden bei dem stark auffrischenden Wind sicherheitshalber mit doppelten Heringen, Klebeband, Kabelbindern, Schnüren und anderm Marerial befestigt. Genau das richtige Wetter für diejenigen, denen Pylonrennen alleine nicht aufregend genug ist. Man erhöht einfach den Schwierigkeitsgrad mit Windstärke 5 und schon wird das Ganze gleich doppelt so aufregend. Hangfliegen schwirrte vielen Teilnehmer in den Köpfen herum, nachdem sie Paul Schreiber mit seinem aufsteigenden Drachen beobachten konnten. Wettbewerbsleiter Bernhard Onken blieb wie immer eisern und rief fleißig die Startgruppen auf. Also aus der Traum, und Akkus laden.

Unsere Nationalmannschaft hatte noch ihr Topmaterial von der WM (vgl. Bericht in dieser Ausgabe) dabei und machte somit die Plätze 1 bis 3 unter sich aus (Christian Rößler vor Markus Wanner und Marcel Kremer). Der amtierende Weltmeister Christian Rößler hatte seinen „Bathlet“ mit einem 7-Zellen-Setup im Griff, zog unbeeindruckt von der Konkurrenz sauber seine dreieckigen Kreise und wurde verdient Erster. Auch Markus und Marcel gaben ihren Boliden die Sporen, sodass schon ein relativ großer Abstand zum Viertplatzierten Wolf Fickenscher (Komponenten von Plettenberg und Schulze) entstand. Wolf, amtierender F5B-Weltmeister, lieferte bei „zu Gast bei Freunden“ eine gelungene Vorstellung ab. Marcel flog mit seinem 18-Zellen Setup eine weltmeisterliche Zeit von 63,3 Sekunden bei schwierigen Bedingungen. Er prügelte seinen „Avionik“ so eng um den Kurs, dass einem schwindelig wurde. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er ganz oben stehen wird.

In F5D-Limited ließ das erfolgreiche Team mit Pilot Martin „Dr. Speed“ Schlief und Helfer Paul Schreiber nichts anbrennen. Sie siegten mit durchschnittlich einer Runde Vorsprung pro Durchgang. Martin setzte einen original „Turn Left“ von Simprop ein. Er bewies eindrucksvoll, dass Serienmaterial konkurrenzfähig bleibt. Der Pilot spielt eben immer noch die erste Geige.

Alles andere als Serienmaterial ist der „Multibumm“ von und mit Andre „Kurbel“ Kubasnik und Paul Schreiber (vgl. Bericht in dieser Ausgabe). Das neue Nurflügelkonzept kämpfte mit Andre am Knüppel um Platz 3 in der Meisterschaft. Zwar gelangen nur ihm und Martin Schlief Zeiten unter 110 Sekunden, jedoch haperte es an Konstanz, sodass AUFWIND-Mitarbeiter Hartmut Siegmann seinen dritten Platz in der Endwertung erneut verteidigen konnte. Auf den zweiten Platz schob sich ganz diskret Andre Noy, ebenfalls mit einem „Turn Left“. Christoph Meier vom Koelleteam belegte mit seinem „Sharky“ in dem einzigen Lauf seiner diesjährigen Saison Platz vier.

Die Limited-Rennen sind trotz des geringeren Speed sehr unterhaltsam. Es geht halt enger zu. Bei fast jedem Rennen sind die Modelle gleich auf und man versucht durch enges Fliegen einige Meter auf die Konkurrenz gut zu machen. Wie eng es zugehen kann, konnte man zum Beispiel an Peter Hansens Eigenbau nach einem Durchgang besonders deutlich erkennen: Da hatte die Konkurrenz mal kurz ein paar Stücke vom Höhenruder abgeknabbert. Thomas Grunenberg und Martin Schlief bauten zum Schluss noch kleine Videokameras an ihre Modelle und schickten sie in den Kurs. Die Videos sind unter www.koelleteam.de zu finden.

 


Die aerodynamisch "verfeinerte"Kameramontage am "Turn Left" von Martin Schlief


Konkurrenzschock, es lebe der Rennsport. Die Einzelentladung einer jeden Zelle des Packs


Wird der Regler direkt auf die Kohlen gelötet, spart man Gewicht und verringert den Innenwiderstand


Der "Steven Neu"-Motor, der robuste Newcomer aus den USA, ist preiswert, leicht und drehzahlfreudig

 

Die Antriebe bei F5D entwickeln sich mit rasantem Tempo weiter. Die „9-Zellen-GP-2200“- Antriebsvariante hat mittlerweile nicht mehr genug Punch um vorne mit zu mischen. Auch dem „12-Zellen-GP-2000“-Setup geht langsam die Luft aus. Aktuell werden 18 Zellen „GP-1300“ oder sieben „Intellec“-Zellen eingesetzt. In Sachen Motoren wird auch vermehrt experimentiert: Waren es in den letzten Jahren eher durch die Bank Hacker-Motoren, werden jetzt auch Motoren von Steve Neu (USA), Plettenberg oder Mega konkurrenzfähig geflogen. Dennoch ist ein guter Akku oft sogar wichtiger: Denn nur wer zehn Runden lang richtig Druck im Akku hat, spielt vorne mit. Während bei 18 Zellen sich moderate 50 A durch die Kabel quetschen, fließen mit sieben Zellen auch schon mal 120 A. Bei letzterer Variante kann es schon schwierig werden einen passenden Regler für das Setup zu bekommen. Als Propeller werden „CamSpeed“- und „APC“-Propeller mit 4,7 bis 5,5 Zoll Durchmesser eingesetzt. Mit diesen Antrieben knabbern die Modelle aktuell an einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 300 km/h. Auch kümmern sich die Limited-Piloten vermehrt um ihre Propeller und verändern die Steigung, wie sie auch ihre Modelle immer weiter perfektionieren. Nach vier Durchgängen war das Rennen am Samstag beendet. Die Teams bauten zügig ihr Equipment ab und trafen sich fast komplett in einem griechischem Restaurant. F5D als Thema war schnell abgehakt, denn die Hauptattraktion war der kleine „PiccoZ“-Helikopter von Christoph Meier, der nach kurzer Einweisung von beinahe jedem Piloten durch einen provisorischen Kurs von Biergläsern und Lampen geflogen wurde. Kellner und Gäste nahmen es mit Humor.

Tja, und was wäre Nördlingen ohne Nebel? Den gab es am Sonntagmorgen in feinster Qualität. Doch die britischen Saug-Lkw arbeiteten auf Hochtouren, um 10.30 Uhr war der Nebel abgesaugt und auf dem Weg zur Insel. Die Piloten flogen bei schönem Wetter den letzten Lauf, das Rennen und die Saison 2006 war mittags beendet.

Mit einer Showflugeinlage demonstrierte Matthias vom Schweizer „Stonebock“-Team noch eindrucksvoll wie stabil man ein Pylonmodell wirklich bauen kann. Aus senkrecht abwärts gerissenen Rollen bei Vollgas wusste sein enger und wilder Flugstil zu überzeugen. Der „Steve Neu“-Motor an einem 4s-LiPO von Hacker und rund 50.000 Touren war ein Fest für die Sinne.

Die Frage eines Nördlingers nach Wünschen, Verbesserungsvorschlägen, Kritikpunkten bezüglich der Organisation des Wettbewerbs rief eigentlich nur Ratlosigkeit und verlegendes Schulterzucken hervor. Dem FMG Nördlingen gilt ein großes Lob! Und für die Teilnehmer heißt es ab in den Keller und aufrüsten – go low, fly fast, turn left.

Jens Göbel, www.koelleteam.de


Große Elektromodelle mit starken Akkus brauchen auch
eine etwas aufwändigere Ladetechnik
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