Die FAG Kaltenkirchen hatte sich mit dem Nurflügelwettbewerb 2005 ein hohes Ziel gesetzt: Die traditionsreiche Veranstaltung soll weiterhin jährlich stattfinden. Denn im vergangenen Jahr wurde der Wettbewerb mangels Anmeldungen abgesagt. Das hätte in der FAG das Ende für diese Modellflugsparte sein können und wäre mehr als nur die Einschränkung einer bestimmten Klasse gewesen. Denn der Name „Werner Thies-Pokal“ steht für eine Nurflügelentwicklung, die sehr stark die Handschrift des ehemaligen 1. Vorsitzenden der FAG trägt.

Der heutige 1. Vorsitzende Wolfgang Fischer und seine FAG-Mitstreiter wollten diese abwertende Entwicklung des Nurflügels nicht hinnehmen und ersannen ein neues Wettbewerbskonzept: Nurflügeltreffen mit Wettbewerb, Konstruktionswettbewerb und Fachseminar mit Erfahrungsaustausch der Teilnehmer. Neudeutsch würde man so etwas wohl als Nurflügel-Event bezeichnen, unter Modellfliegern jedenfalls wurde dieses Vorhaben völlig stressfrei und für alle Beteiligten positiv angenommen und durchgeführt.

Das Seminar an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, Fachbereich Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau wurde referiert von Prof. Granzeier. Demonstrationsobjekt war das Nurflügelgroßraumflugzeug „AC 20.30“. In dem Vortrag wurde sehr eindrucksvoll die Verknüpfung von technischer Weiterentwicklung in der Aerodynamik mit den verkehrspolitischen Bedürfnissen der Fluggäste und möglicher Betreibergesellschaften aufgezeigt.


Die Konstruktionsköpfe der Nurflügelszene unter sich (von links): Guido Hechler, Hans-Jürgen Unverfehrt und Reinhard Sielemann


Gerd Kroonen beim Start seines Modells, das aus biegbaren Silikon formen in KFK/CFK-Technik entstanden ist


Horst Wasinger unterstreicht die sportliche Komponente des Modellflugsports.


Jürgen Nägelke mit seinem Holzmodell

Auch Fragen wie etwa Treibstoffverbrauch pro Fluggast und die psychologische Auswirkung der Tatsache, dass gleichzeitig bis zu 900 Personen in einem Flugzeug sitzen, gehörten dazu. Wie müssen beispielsweise sanitäre Anlagen für unterschiedliche Kulturkreise ausgelegt werden? Wie reagiert ein Fluggast, wenn sich das Flugzeug im Kurvenflug zu einer Seite neigt? Und welche Flughafengrößen sind für solche Groß-Nurflügel erforderlich? Alles Fragen, die sich ein Modellflieger sicher nicht täglich stellt, deren Beantwortung aber hochinteressant ist und von Prof. Granzeier packend und mit Lichtbildunterstützung vorgetragen wurde. In der nachfolgenden Diskussionsrunde wurden natürlich technische Fragen wie Kosten und mögliche Fertigstellung, Wirkungsgrad gegenüber einem „normalen“ Flugzeug usw. gestellt. Keine Geringeren als Hans-Jürgen Unverferth, einer der wegweisenden Entwickler und Konstrukteure in der Nurflügelszene sowie Edward Uden, der Archivar des Gebr. Horten-Nachlasses fühlten den Studenten mächtig auf den Zahn. Zurück zum Wettbewerb: Der Zeitflug am Samstag wurde in so genannte Rahmenzeitfenster unterteilt. Jeder Pilot konnte sich seine Starts selbst einteilen und bei schlechten Flugzeiten mithilfe schneller Helfer erneut starten. Gewertet wurden alle Flüge innerhalb des Rahmenzeitfensters. Geflogen wurden am Samstag die Zeiten von 20, 15 und 10 Minuten und am Sonntag die Rahmenzeiten von 15 und 10 Minuten.

Der Konstruktionswettbewerb am Sonntag zeigte deutlich die Bandbreite der technischen Auslegung und der Ausführung aller Modelle. Fast könnte man sagen, alles fliegt. Zumindest aber fast alles. Selbst ein jugendlicher Teilnehmer war vollkommen begeistert und erklärte, dass ein Nurflügler das Einzige sei, was wirklich fliegt. Die Jury des Konstruktionspokales wurde von vier teilnehmenden Piloten des Zeitflugwettbewerbes gebildet. Sicher spielte in der Bewertung der subjektive Eindruck eine große Rolle. Keinesfalls wurden moderne Bautechniken höher eingestuft als die traditionelle Bautechnik. So stand zum Beispiel das Modell von Jürgen Nägelke, das in Holzrippen-Bautechnik mit Papierbespannung ausgeführt ist, dem Modell von Gerd Kroonen gegenüber, das aus biegbaren Silikonformen in KFK/CFK-Technik entstanden ist. Allen Modellen konnte bescheinigt werden, dass die gestellten Flugaufgaben, wie zum Beispiel „Liegende Acht“ und auch die Demonstration eines Strömungsabrisses problemlos gemeistert wurden.

Die FAG Kaltenkirchen hofft mit diesem neuerlichen „Anschieben“ der Nurflügeltechnik den Modellen und Konstrukteuren frischen Wind unter die Flächen geblasen zu haben und freut sich über zahlreiche Anmeldungen für das Jahr 2006. Der Termin steht auch schon fest: 15. und 16. Juli!

Matthias Döring


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