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Nicht etwa, dass
wir zur typischen Konsumentenschicht von Red Bull gehören würden,
das Red Bull-Fliegen jedoch, war uns schon lange ein Begriff
und spukte da und dort in unseren wilden Fantasien herum. So ein Fliegen
besteht in der Aufgabe, von einer rund sechs bis acht Meter hohen Rampe
möglichst weit über das Wasser zu fliegen mit einem
Selbstbaugerät wohlgemerkt. Das simple Regelwerk erlaubt maximal
zehn Meter Spannweite, bis 250 kg Abfluggewicht, einen Piloten und vier
Starthelfer.
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Ready for take off! Die Helden der Schwerkraft wiehern
schon
Als Flügelholme dienten uns alte Surfmasten, die Rippen wurden aus Baustyropor gefertigt, zum Beplanken verwendeten wir Depronplatten. Einige Carbonrovings auf den Rippen und der Styropornasenleiste versteiften das Ganze. Das Höhenleitwerk wurde analog gefertigt, nur ohne Surfmastholm. An dessen Stelle trat ein Schaumsteg, der mit Carbonrovings belegt wurde. Seitenleitwerk und Winglets (jaja, wir haben sogar noch Flügelchen an die Flügel gebaut) wurden aus einem Styroporblock geschnitten, denn es galt Zeit zu sparen. Der Rumpf wurde aus Alurohren zusammengeschweißt. Ebenso der Startwagen, der sich im freien Flug vom Flugzeug lösen sollte. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Getreu diesem Motto führten wir Testflüge hinter einem Geländewagen durch. Diese bestätigten die errechnete Abhebegeschwindigkeit und die gewählten Grundeinstellungen. Ebenso konnte die Steuerung erfolgreich überprüft werden. Minimale Trimmkorrekturen erfolgten so noch vor dem Ernstfall. Hierbei wurde aber nicht das spätere Einsatzfahrwerk verwendet, weil dieses mit seinen Rennradreifen zu empfindlich gewesen wäre. Wir fertigten eigens eine robustere Ausführung. Der Fahrer des Zugwagens dessen Name mir soeben entfallen ist hatte vor dem dritten Testflug wohl Red Bull getrunken. Jedenfalls lag etwas zu viel Speed an, sodass unsere Kreation ziemliche Unterluft bekam. Plötzlich befand sich unser Pilot Sergio in deutlich mehr als Augenhöhe. Diese hatten wir uns aus Sicherheitsgründen als Maximalhöhe vorgenommen. Das ging glücklicherweise nicht ins Auge, sondern verursachte bei allen Beteiligten derartige Adrenalinschübe, dass wir vernünftigerweise die Tests im Pub weiterführten. No Limit versteht sich! Stichtag war der 5. September! Am Hafenbecken 2 in Basel traten bei strahlendem Sonnenschein 34 Teams an. Leichter Rückenwind erschwerte die Aufgabe. Fast alle Mitbewerber taten sich damit schwer, sodass die Bestweite vor unserem Flug mit Startnummer elf knapp zwanzig Meter betrug. Nun musste sich alles beweisen, jede theoretische und handwerkliche Bemühung war auf dem ultimativen Prüfstand angelangt. Rauchpatronen an und Start! Unser RC-Bully so haben wir unser Luftfahrzeug getauft, beschleunigte dank der gut genährten Prachtkerle wie eine Rakete über das Rampenende...
Letztlich
wurde unser Luftfahrzeug mittels Kran geborgen. Die einzigen Schäden
am Flugzeug stammen leider von dieser Gelegenheit
... und wurde entgegen unserer Planung
weiter nach unten gezogen. Der Startwagen hatte sich nicht gelöst!
Dann ein Ruck, der Wagen wurde durch das Springergewicht losgerissen und
unserem Helden des Steuerknüppels gelang es, die Kiste abzufangen.
Gleichzeitig zog unser RC-Bully nach links, was dank der Steuerung
ebenfalls kein ernstes Problem darstellte. Was folgte war ein Ausschweben,
sauberes Aufsetzen und tosender Jubel im Publikum. Unser Werk flog! Wirklich!
Und wie! Die trotz des Startwagenproblems resultierende Weite von 44 m
wurde vom Veranstalter elektronisch gemessen. Das war eine Vorgabe, an
der alle weiteren Teams scheiterten. Niemand kam mehr über zwanzig
Meter. Und da dem Publikum und der Jury unsere technische Performance
gefiel, erhielten wir auch das Maximum an Showpunkten. So
siegten wir mit fast doppelter Punktzahl vor dem zweitplatzierten Team.
Drei Argumente
für mangelnde Konzentration am Veranstaltungstag
Apropos Jury: Da war eine Vielzahl
an Promis vertreten, die sich bei diesem Job ablösten. Von Schönheitsköniginnen
bis hin zu F1-Pilot Felipe Massa. Das hoch attraktive Bodenpersonal der
Organisation verursachte da und dort hormonelle Instabilität, vermutlich
waren alle Modelagenturen der Schweiz und aus dem angrenzenden Ausland
engagiert.Die spätere Videoanalyse des Fluges ergab, dass sich der Startwagen tatsächlich nicht erwartungsgemäß vom Flugzeug trennte, daher wurde der RC-Bully nach dem Rampenende nach unten gerissen. Dabei verlor er Höhe und Speed. Diesen Trennungsvorgang konnten wir vorher ja auch nicht realistisch testen. In Interviews mit lokalen TV-Sendern hatten wir vor dem Event frech 60 m Flugweite prophezeit. Im Nachhinein betrachtet wäre das tatsächlich machbar gewesen. Dazu hätte sich aber der Startwagen an unsere Absichten halten und sich sofort ruckfrei lösen müssen. Ob er vor dem Flug wohl Red Bull...? Nun, gewonnen ist gewonnen, immerhin mit Schweizer Rekord für Red-Bullonauten. Soweit dem Autor bekannt, wurden größere Weiten auf früheren Veranstaltungen nur mit kommerziellen Fluggeräten (Drachenflieger) von höheren Rampen geflogen. Möglicherweise war unser Flug sogar der Weltrekord für Eigenbauten? Also werden wir unseren Startwagen für das nächste Mal modifizieren und den allgemeinen Rekord anvisieren. Uns hat das Ganze gewaltig beflügelt, viel Spaß gemacht und den guten Vereinsgeist gefestigt. Wir empfehlen die Nachahmung. Aber Achtung: Es besteht Suchtgefahr! Red Bull verleiht bekanntlich Flüüügel, was zu beweisen war. Wer mehr Bilder sehen will, findet eine weitere schöne Galerie unter www.mgfricktal.ch. Reinhard Kaufmann
Fotos: Stefan Möller ![]() Das aufgerüstete
Flugzeug, noch ohne Startwagen
![]() Denkarbeit
am Winglet. Ob das wohl hinhaut?
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Die
selbstbewussten Sieger beim obligaten Huronengebrüll
das Publikum half kräftig mit
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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2005 Das komplette Inhaltsverzeichniss 4/2005 Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang. © AUFWIND 2005 |