Eines Tages tauchte ein uns unbekannter Modellflieger mit einem etwa drei
Meter großen Segelflugmodell mit schlankem Rumpf und schwalbenförmigen
Tragflächen auf unserem Flugplatz auf. Das besonders langsam fliegende Modell weckte mein Interesse und so kam ich mit dem Konstrukteur und Erbauer, Ole Vidar Homleid ins Gespräch.

Seit diesem Zusammentreffen im Sommer 1995 haben wir einige Modelle gemeinsam konstruiert und gebaut. Ziel einer neuen Zusammenarbeit war nun die Entstehung eines Großseglers, den wir dann auch zum Kauf anbieten wollten.Unser Augenmerk richtete sich auf eine Größe im Maßstab 1:2,5. Aber von welchem Vorbild? Das Original sollte als Oldtimer, beziehungsweise Fast-Oldtimer bezeichnet werden können nicht weit verbreitet sein. Auch sollte es über sehr gute Flugeigenschaften verfügen und Unterlagen für den Nachbau mussten vorhanden sein. Schönheit – natürlich eine rein subjektive Ansichtssache – war ebenfalls gefragt. Es war nicht schwer, Segelflugzeuge zu finden, die diesen Vorgaben entsprachen. Und nach etwa drei Monaten fiel unsere Entscheidung auf die „SHK“.

Die „SHK“ wurde von Klaus Holighaus () aus der „Standard Austria“ weiterentwickelt: Die Spannweite auf 17 m vergrößert (unter Beibehaltung des bewährten Profils „E-266“) der Öffnungswinkel des V-Leitwerkes von 100° auf 92° geändert und das Leitwerk etwas vergrößert. Außerdem die Querruderdifferenzierung in 1:3 geändert und die Querruder analog zur Spannweitenvergrößerung nach außen verlängert, sodass sie nun über 55 Prozent der Spannweite reichen. Ein trotz der größeren Spannweite sehr wendiges Hochleistungsflugzeug war entstanden. Mit dem im März 1965 erstmals fliegenden Prototyp belegte Rolf Kuntz bei der Segelflug-WM in South Cerney (England) einen hervorragenden dritten Platz hinter einer „Foka 4“ und einer „D-36“. Bis Anfang 1968 wurden dann in Kirchheim/Teck bei Schempp-Hirth insgesamt 59 „SHK“ gebaut. Es ist mit Sicherheit bezüglich der Oberflächengüte eines der besten Segelflugzeuge in Holzbauweise gewesen.

Um eine gelungene SHK als Großmodell im Maßstab 1:2,5 zu bauen, musste die Konstruktion vor Baubeginn gut durchgedacht werden. Behilflich war uns dabei auch Dr. Helmut Quabeck. Bedeutsam war, den Anstellwinkel der Tragflächen und das V-Leitwerk genau am Rumpf zu platzieren. Als Grundlage für den Rumpf diente eine MFI-Zeichnung von Hans Jürgens aus dem Jahre 1985. Das Urmodell wurde in einem Stück gebaut, obwohl das Original über ein abnehmbares Heckteil verfügte. Mit einem Wolfram-Schneidedraht wurden alle Rumpfteile aus Styropor ausgeschnitten und mit Epoxidharz zusammengefügt und verschliffen. Nun wurde gespachtelt, viel geschliffen und mit GFK-Gewebe 165 g/qm dreimal unidirektional beschichtet, und das Rumpfende erst nach Fertigstellung des Urmodells vom restlichen Rumpf getrennt.


Das erste Urmodell des Rumpfes der SHK nach monatelanger Arbeit

Dann hieß es, die Negativformen zu erstellen. Die Formen für das Rumpfhauptteil sind aus mehrlagigem GFK-Gewebe 290 g/qm aufgebaut und zusätzlich mit einem Gestell verstärkt, um eine Verformung, beziehungsweise Verdrehung der Negativformen zu verhindern. Nach zwei Wochen waren sie ausgehärtet und es entstand der erste Rumpf: Dazu wurde zwei Mal weißes Gelcoat in die Negativformen gespritzt und nach der Trocknung mit GFK-Matten (280 und 165 g/qm) weiter gearbeitet. Das GFK wurde unidirektional (45°) in die Formen gelegt, damit der Rumpf möglichst große Biege- und Drehungskräfte aufnehmen konnte. Besondere Beachtung erhielten die Rumpfspitze und der Bereich der Tragflächenanformung. Zum Schluss wurden die Rumpfhälften Nass-in-Nass zusammengeklebt. Das Rumpfende ist sehr kompliziert herzustellen und es soll nur nebenbei erwähnt werden, dass dafür acht verschiedene Bauteile nötig waren.

Eine große Herausforderung stellte auch die Mechanik für das Pendel V-Leitwerk dar. Die großen Ruderflächen im Maßstab 1:2,5 bedeuteten besondere Anforderungen an eine zuverlässige, feste und funktionelle Mechanik. Wir hatten den Rat bekommen, dafür Alurohre zu benutzen. Zwei hochfeste Rohre aus dem Flugzeugbau wurden auf eine Aluplatte in einem Winkel von 92° geschweißt. Darauf die Ruder mit eingebauten GFK-Hüllen gesteckt und die Servos im Rumpfende untergebracht, um möglichst kurze Anlenkungen zu erhalten. Die Ruderhebel aus Alu wurden mit den Alu-Röhrchen verschweißt. Diese Aluminum-Lösung war jedoch mit großen Problemen verbunden. Auch konnte das Ergebnis nicht gerade als spielfrei bezeichnet werden: An der Hinterkante haben wir 5-7 mm Spiel gemessen – nicht akzeptabel! Bei der bemannten SHK gab es ebenfalls viel Spiel am V-Leitwerk, aber diese Tatsache war für uns nicht gerade tröstlich. Trotzdem wagten wir den Erstflug, mit entsprechend angepasster Geschwindigkeit. Übrigens hat Dieter Schmitt vom Acro-Team Velbert – ebenfalls stolzer SHK-Pilot – das Pendel-V-Leitwerk in eine gedämpfte Version geändert, das heißt, die beim Original vorhandenen Trimmruder dienen hier als Seiten-/Höhenruderflächen. Damit fliegt die SHK ebenfalls einwandfrei, aber eben nicht ganz originalgetreu.

Wir hatten uns entschieden die Tragflächen nicht selbst zu bauen. Aus Transportgründen sollten sie vierteilig werden und wurden bei Tragflächenbau Hans Müller in Auftrag gegeben. Der Tragflächenverbinder besteht aus einem GFK-Stab mit 27 mm Durchmesser und 830 mm Länge. Die Außenflächen sind mit GFK-Stäben (20 x 308 mm) verbunden, die Querruder in Hohlkehlen gelagert und aus Sicherheitsgründen zweigeteilt, das heißt, pro Querruder gibt es zwei Servos. Die „Schempp-Hirth“-Landeklappen mit 700 mm Länge fahren nur auf der Oberseite aus. Wie in den 60-er Jahren üblich, wurden die Bremsklappen sehr weit nach hinten in den Tragflächen, und die Servos für die Landeklappen an der Flächenwurzel eingebaut.


Die SHK ist aus allen Blickwinkeln ein eleganter Großsegler. Sämtliche Details wurden bei der Konstruktion im Maßstab 1:2,5 übernommen

Für das Urmodell des Rumpfes mussten viele Styropor-Halbteile geschnitten werden. Im Selbstbau hergestellte Schneidebügel erleichtern die Arbeit

Die Servobestückung sollte ebenfalls hochwertig sein: So kommen am V-Leitwerk zwei „Jumbo mc/v2“-Servos, an den Querrudern insgesamt vier „Profi mc/v2“ und an den Landeklappen zwei „sx“-Servos von Multiplex zum Einsatz. Auch der Empfänger ist von Multiplex, ein „IPD 12“. Der Empfängerakku hat 7.000 mAh und besteht aus fünf Zellen.

Der Erstflug erfolgte im Sommer auf der Graspiste des Flugplatzes von Böverbru. Ein leichter Wind aus Süden mit 3-4 m/s. Unser 30-m-Schleppseil haben wir in die 1:3 große „Wilga“ eingehängt. Etwas mulmig war uns schon zu Mute, angesichts der satten 27,5 kg Fluggewicht unseres Prototypen. Schließlich bringt die Wilga unseres Schlepp-Piloten Oddvar Kristiansen mit ihrem 225-ccm-„Moki“-Sternmotor lediglich 24,5 kg auf die Waage. Doch nach wenigen Metern hob die „SHK“ hinter der „Wilga“ problemlos ab. Dass unser Prototyp nach dem Abheben wie das sprichwörtliche Brett in der Luft lag, wäre übertrieben. Aber nach einigem Nachtrimmen stellte sich eine stabile Fluglage ein. In einer Höhe von etwa 350 m wurde ausgeklinkt. Links- und Rechtskurven konnten ohne Probleme eingeleitet werden und ich stellte schnell fest, dass das Modell sehr gute Flugleistungen hatte. Nach Überprüfung der Schwerpunktlage – sollte noch etwas nach hinten verschoben werden – wurde das Überziehverhalten getestet. Nach kontinuierlichem Ziehen zeigte die „SHK“ keinerlei Tendenzen zum Abkippen. Mit einem kurzen Nicken nimmt das Modell selbstständig wieder Fahrt auf. Die Langsamflugeigenschaften sind hervorragend. Nun hieß es, die Landung einleiten – die Landeklappenwirkung war vollkommen ausreichend – und die Erde hatte unseren Prototypen wieder. Mit dem vorhandenen Ruderspiel am V-Leitwerk gab es während der ersten Flüge keine Probleme. Trotzdem waren wir nicht hundertprozentig zu frieden und machten uns an die Ursachenforschung.

Auch der Nachbau des Massenausgleiches an den Ruderflächen des V-Leitwerkes darf bei dem Nachbau der SHK nicht fehlen

Ein Muss bei einem Großsegler dieser Klasse ist der vorbildgetreue Cockpit-Ausbau. Mit der Pilotenpuppe von Axel Pfannmüller und diversen Instrumenten von Ernst Reiff gelang dies hervorragend

Nach den ersten Flügen mussten zwei Probleme gelöst werden: das große Spiel am V-Leitwerk und der falsche Einstellwinkel am Rumpfende. Als Erstes musste die Alurohrlösung weg und gegen eine V-Leitwerksaufnahme mit einem Öffnungswinkel von 92° und durchgehenden KFK-Rovings ausgetauscht werden. Auf jeder Seite wurden oben und unten weiße Teflonhüllen mit Präzisionsfräsmaschinen angepasst und auf diese KFK/Teflonteile das V-Leitwerk aufgesteckt. Diese Lösung war nun absolut spielfrei. Bei der Original-SHK hatte man nicht Teflon sondern Backelit benutzt. Als Weiteres musste das Rumpfende mit einem geänderten Einstellwinkel zur Rumpfbezugsachse neu konstruiert werden. Ole Vidar Homleid hat die umfangreichen Arbeiten mit ausgeführt und das Ergebnis hat uns nicht enttäuscht.

Wir haben nun einen Großsegler konstruiert und gebaut, der unsere Wünsche voll erfüllt. Das komplette Modell wiegt mit inzwischen neuen Höhenrudern „nur“ noch 24,6 kg und fliegt damit sehr gut. Die Landeanflüge müssen weiträumig erfolgen und die Landeklappen sind früher als bei meinen bisherigen Modellen auszufahren. Ansonsten gleitet die „SHK“ endlos über die Landebahn. Einige der zuletzt gebauten manntragenden „SHK“ sind mit einem Bremsfallschirm ausgestattet, um die Landungen sicherer zu machen. Da im Rumpfende noch etwas Platz zur Verfügung steht, werden auch wir noch einen Bremsschirm während der nächsten Wintermonate einbauen.

Gunnar K. Rokseth




Verkauf des Modells:
Wie erwähnt, wollten wir einige „SHK“ verkaufen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass der Arbeitsaufwand sehr umfangreich ist. Trotzdem haben wir bisher sieben Modelle – alle nach Deutschland – verkauft. Wer Interesse an einer „SHK“ hat, kann über die AUFWIND-Redaktion Kontakt mit uns aufnehmen. Im Lieferumfang ist der GFK-Rumpf, die V-Leitwerksmechanik (Voll-KFK) mit Teflonhüllen und Kleinteilen, die Kabinenhaube, der GFK-Haubenrahmen und eine Zeichnung mit den wichtigsten Details enthalten. Die Tragflächen und Leitwerke müssen in Eigenregie hergestellt oder bei einem Flächenbauer, wie zum Beispiel Hans Müller in Auftrag gegeben werden.


Eine butterweiche Landung der neuen SHK, absolut vorbildgetreu mit durchgezogenem Höhenruder

Diese manntragende SHK aus Finnland diente als Vorbild für die Farb- und Dekorgestalltung

Das fertige Großmodell entschädigt für viele Monate harter Werkstattarbeit


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