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Uwe Gewalt und
Hermann Fading realisierten einen Nachbau des Sperber-Junior
im heute gängigen Maßstab 1:3. Das Modell sollte über
gute Flugeigenschaften - insbesondere Langsamflugeigenschaften
verfügen, aber auch einfachen Kunstflug erlauben. Nach dem Rückzug
von Uwe Gewalt ins Privatleben, wird das Modell nun von Fraesfritz,
dem Unternehmen von Friedrich Schmitt, hergestellt und vertrieben.
Das Original ein Einzelstück stammt von Hans Jacobs
und wurde 1936 aus dem Rhönsperber entwickelt, speziell
zur Erprobung von Fragen der Wendigkeit, Stabilität um die Längsachse
und Kurvenlagen. Der relativ enge Rumpf mit dem eingestrakten kleinen
Kabinenausschnitt wurde auf die Körpergröße der bekannten
Spitzenpilotin Hanna Reitsch abgestimmt. Die beengten Platzverhältnisse
beschreibt Hanna Reitsch in ihren Lebenserinnerungen so: Der Sitz
war nicht gerade bequem. Er war so eng, dass ich mich kaum rühren
konnte. Die Tragflächen schienen mir wie eigene Flügel aus
den Schultern zu wachsen. Neben einem stärkeren Knick in
den Tragflächen wurde gegenüber dem Rhönsperber
die Spannweite auf 15,6 m verlängert. In den Jahren 1936 und 1937
überzeugte Hanna Reitsch mit dem Sperber-Junior unter
anderem mit einer Überquerung der Alpen von Salzburg nach Italien.
Später wurden viele Details und Erfahrungen aus dem Sperber-Junior
von Hans Jacobs in den DFS-Reiher übernommen.
Zurück zum Modell: Grundlage des Bausatzes ist ein wirklich erstklassig
hergestellter GFK-Rumpf, eine sehr sauber passende Kabinenhaube, eine
Höhenruderabdeckung, ein Scheibensatz für den Cockpitbereich
sowie eine komplette Tragflächensteckung mit einem 14-mm-Rundstahl.
Dem Rumpf liegen alle Spanten sowie das CNC-gefräste Instrumentenbrett
bei. Fraesfritz liefert den Sperber-Junior in folgenden
Varianten:
1.) GFK-Rumpf mit Tragflächen und Leitwerken in Styro/Abachi-Bauweise.
2.) GFK-Rumpf mit CNC-gefrästen Rippen für Tragflächen
und Leitwerke.
3.) GFK-Rumpf mit bügelfertig gebauten Rippentragflächen und
Leitwerken.
Die Variante mit gefrästen Flächen und Leitwerken eben
scalemäßig soll hier näher beschrieben werden.
Sämtliche Frästeile sind von hervorragender Qualität.
Je nach Beanspruchung aus Balsa- oder Flugzeugsperrholz, sauber aus-
und freigefräst und ordentlich verputzt. Die Teile sind nach Baugruppen
sortiert und in beschrifteten Kunststoffbeutelchen verpackt. Der Teilesatz
besteht aus allen Rippen, Halbrippen, Querruder-Rippen, allen benötigten
Leitwerksteilen, den Knickverbindern und den Randbögen. Vom Erbauer
muss noch das Material für die Holmgurte (Kiefernleisten und Sperrholzstreifen),
das Holz für die Holmverkastung, das komplette Beplankungsmaterial
und diverse Balsaleisten für die Nasenleisten zugekauft werden.
Letztendlich sind noch mal etwa 75 Euro zu investieren. Selbstverständlich
liegt dem Bausatz eine entsprechende Liste neben einer Montageanleitung
zum Bau bei. Jetzt noch etwas ganz Wichtiges: Auf speziellen Wunsch
werden dem Frästeilesatz noch einige Zubehörteile beigelegt,
die es dann ermöglichen, jede Tragflächenhälfte nochmals
zu teilen. Der Flügel wird dann zwei Rippenfelder hinter dem Knick
Richtung Randbogen über eine 10-mm-Stahlsteckung zusammengehalten.
So hat man es mit einem ganz geringen Packmaß zu tun und das Modell
kann in jeder Mittelklasse-Limousine transportiert werden.
Kommen wir nun zum Bau selbst: Bei der mitgelieferten Baubeschreibung
handelt es sich nicht um eine so genannte Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Vielmehr ist es eine Auflistung der anfallenden Arbeitsschritte an den
Tragflächen und Leitwerken. Der Bau des Sperber-Junior
setzt nicht unbedingt einen eingefleischten Holzwurm voraus, es sollten
jedoch Kenntnisse über den Bau eines Rippenflügels vorhanden
sein. Letztendlich wird jeder, der mit dieser Materie vertraut ist,
etwa 80 Stunden werkeln bis die bügelfertigen Komponenten auf dem
Tisch liegen.

Die beiden Tragflächenhälften der Rippen-Version auf dem
Baubrett. Durch die hervorragende Qualität der CNC-gefrästen
Rippen geht der Bau richtig flott voran

Das Höhenleitwerk ist ebenfalls in leichter konventioneller
Bauweise ausgeführt
Stellvertretend soll an dieser
Stelle der Bau einer Tragfläche etwas näher beschrieben werden:
Da es sich um einen Knickflügel handelt, wird jede Tragfläche
in zwei Teilen aufgebaut. Es ist ratsam, die Holmgurte vorab anzufertigen.
Um gerade Gurte zu erhalten, werden diese entlang eines entsprechenden
Aluminiumprofils montiert. Die vorgefertigten unteren Holmgurte werden
auf den Bauplan geheftet. Am Knickbereich stumpf fluchtend, ohne Klebstoff.
Jetzt werden alle Rippen mit Ausnahme der letzten des Flügelmittelteils
rechtwinklig aufgeklebt. Nun den ebenfalls vorgefertigten oberen Holmgurt
einkleben. Nasen- und Endleiste sowie Querruderhilfsholm einkleben.
Dann die Nasenleiste mit Übermaß nach oben und unten platzieren.
Sie wird später, wenn die Nasenbeplankung aufgeklebt ist entsprechend
beigehobelt. Anschließend wird der Holm entsprechend dem Plan
verkastet und alle Halbrippen eingebaut. Der immer noch zweiteilige
Flügel wird nun auf der Oberseite komplett beplankt. Im späteren
Knickbereich wird die Beplankung allerdings weggelassen. Die beiden
Flügelteile (Mittel- und Querruderteil) können nun vom Baubrett
abgenommen und auf der Unterseite beplankt werden. Auch hier ist der
Knickbereich freizulassen. Noch bevor die Flügelteile Hochzeit
halten, werden die Querruder abgetrennt und verkastet.

Da das Seitenruder über eine sehr große Fläche verfügt,
sollte hier auf das Gewicht geachtet werden
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Die stabil
ausgelegten Knickverbinder für die Tragflächen liegen dem
Bausatz bei. Die Aussparung greift in eine spezielle Rippe im Außenteil
ein
Der Außenflügel
des Sperber-Junior mit seinen langen und tiefen Querrudern.
Die Tragflächen können vierteilig gebaut werden. Die Trennstelle
liegt dabei etwa 15 cm neben dem Knick in Richtung Randbogen. Die Querruder
sind dann zwangsläufig geteilt. Somit verfügt man über
einen 4-Klappen Flügel.

Die beiden noch getrennten
Tragflächenhälften. In der Bildmitte der spätere Knickbereich
mit der im Text erwähnten 45-Grad-Schäftung der Beplankung
und der noch fehlenden Holmverkastung
Dann
kann anhand des vorbereiteten Knickverbinders eine Schablone gefertigt
und die Ober- und Untergurte entsprechend dem Knick auf Gehrung geschnitten
werden. Nun den Verbinder in das Mittelteil kleben und die noch fehlenden
Rippen auffädeln und schließlich die Außenteile auffädeln
und verkleben. Die restliche Verkastung des Holms und das Aufbringen
der noch fehlenden Beplankung beenden den Flächenbau. Ratsam
ist es, die komplette Beplankung an der Wurzelrippe etwa 3-4 mm überstehen
zu lassen. Die Tragfläche kann dadurch exakt an den Rumpf angepasst
werden. Zum Schluss werden dann erst die Deckrippen aus 1-mm-Sperrholz
angeklebt. Anschließend muss das komplette Tragwerk natürlich
noch verschliffen werden. An dieser Stelle noch ein Hinweis zu den
Querrudern: Durch die Bauweise mit Rippenecken und Aufleimern sind
sie trotz ihrer Länge ausreichend stabil und drehsteif. Auf jeden
Fall genügt die Anlenkung des Querruders mit einem Servo. Wer
jedoch lieber zwei Servos verwenden möchte, hat die Möglichkeit,
das Querruder zu teilen. Dann besteht die Option mit entsprechender
Sendersoftware einen Vier-Klappen-Flügel zu steuern.
Vor dem abschließenden Bebügeln sollte man sich noch ein
paar Gedanken über die Anlenkung aller Ruderflächen machen.
In allen Rippen der Tragfläche befinden sich 6-mm-Ausfräsungen
für die Servolitzen. In diese Ausfräsungen passen saugend
die langen Ballermann-Strohhalme. Diese werden von mir
ausschließlich verwendet, die Litzen lassen sich darin problemlos
einziehen. Für die Querruder wurden die großen Scharniere
von Kavan verwendet. Allerdings wird der Gelenkstift durch einen 1-mm-Stahldraht
ersetzt. So kann später im Fall der Fälle das Ruder problemlos
demontiert werden. Seiten- und Höhenruder werden in einer Art
Hohlkehle angelenkt. Dafür wurden größere Stiftscharniere
eingebaut. Auch hier wurde der Gelenkniet durch einen Stahldraht ersetzt.
Nun zur Positionierung der Servos: Die Querruder- und Störklappenservos
arbeiten dort wo sie gebraucht werden. Die Störklappen aus Aluminium
mit einer Länge von 380 mm sind doppelstöckige Normteile
und fahren nur nach oben aus. Das Seitenruder- und die beiden Höhenruderservos
pro Höhenruderhälfte ein Servo sitzen vorne
im Rumpf. Das Seitenruder wird über beidseitige Stahllitzen und
die Höhenruder mittels 1,5-mm-Stahldraht in Bowdenzughüllen
angelenkt. Aus Schwerpunktgründen sollte alles im Rumpf so weit
vorne wie möglich untergebracht werden.
Da vom Original nur ein Exemplar gebaut wurde, das soweit mir
bekannt ist nie umlackiert wurde, bleibt dem Scale-Modellbauer
nur diese Variante für sein Modell. Zunächst werden alle
Holzteile mit Oratex bebügelt und mit 2K-Lack lackiert. Der Rumpf
bekommt ebenfalls eine 2K-Lackierung. Etwas Mühe bereitet das
Abkleben für die charakteristische Kunstflugbemalung.
Und nun zum Fliegen: Der Sperber-Junior fliegt einfach
wunderbar. Absolut gutmütig, sehr ausgewogen und einer Harmonie
in allen Belangen. Lediglich Seiten- und Querruder möchten getrennt
gesteuert werden, da in ganz engen Kreisen oft gegeneinander gesteuert
werden muss. Je leichter man seinen Sperber-Junior baut,
umso niedriger ist auch die Grundgeschwindigkeit. Die Störklappen
wirken sehr gut. Zum Abkippen über die Flächen kann man
den Sperber allerdings nicht überreden. Er sackt
lediglich über die Nase durch und holt völlig selbständig
wieder Fahrt auf. Ich würde zumindest vom fliegerischen Anspruch
her den Sperber als Anfängertauglich bezeichnen.
Ob gemütlicher Hangflug oder genüssliches Thermikfliegen,
der Sperber Junior ist ein faszinierender und nicht alltäglicher
Großsegler. Die vom Konstrukteur angegebenen Eckpunkte liegen
auf der sicheren Seite und können getrost übernommen werden.
Last but not least, geht auch einfacher Kunstflug natürlich
nur der, den auch die Hanna Reitsch mit dem Original zelebrierte.
Der Sperber schickt sich an, in meiner nicht sehr kleinen
Flotte ein Heiligtum zu werden. Und von Heiligtümern trennt man
sich eigentlich nie.
Bernd Straßburger
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