ELEKTROFLUG zweckmodell

La dolce vita

„Sword 3.1” von Xmodels



Endlich hat sich mal ein Hersteller getraut, die verfügbaren Effekt-GFK-Gewebefasern sichtbar für ein ganzes Flugmodell einzusetzen: Der italienische Hersteller Xmodels hat sich ja schon mit Konstruktionen wie dem „Blade“, „X-Calibur“ oder „Whisper“ einen Namen gemacht und genießt unter uns Modellfliegern schon lange den Ruf, gute Qualität bei moderatem Preis anzubieten. Der österreichische Versender Hepf Modellbau hat sich die Generalvertretung der Xmodels-Modelle für Österreich und Deutschland gesichert.

     Wer von Ihnen schon mal in Italien beim Hangfliegen war, kennt die Leidenschaft der dortigen Lokalmatadore: Sie erscheinen im knallgrün karierten Hemd mit stechend blauer Hose und halten stolz einen tief pinkfarbenen Voll-GFK-Boliden in ihren Händen. Die meiste Zeit verbringen sie dann aber doch mit ihrer Familie beim Picknick, wobei sie angeregt palavern und den deutschen Gästen bei der Arbeit im Hangaufwind zusehen.

     Sieht man sich nun den „Sword 3.1“ von Xmodels in seinem Sichtgewebedesign an, weiß man sofort, wer die ursprüngliche Zielgruppe für dieses schöne Modell ist. Für mich gilt es nun herauszufinden, ob die Bestim-mung des „Sword“ im „la dolce vita“ liegt? Also genüsslich im Gras liegen und die Sonne auf die Querruder scheinen lassen, während der Eigner isst und palavert – oder ob der „Sword 3.1“ durchaus auch deutsche Tugenden auf-weist. Soll heißen: An einem Endless-Lift-Tag bei 30° im Schatten eine Gänsehaut verspüren, weil der Aufwind ihn gerade mit 5 m/s hochreißt! Von den Eckdaten her scheint ihm diese Arbeit durchaus leicht von der Hand zu gehen. Die Profilierung mit dem sehr breitbandigen „RG-15“ verspricht Allroundqua-litäten, während die relative Dicke von 7 Prozent und das absehbare Abflug-gewicht von etwas über 3 kg sicher positiven Einfluss auf den Topspeed und den Durchzug haben.

     Doch sehen wir uns das neue Modell mal genauer an: Wie schon im Mittelalter gibt es Schwerter (engl: Sword) in verschiedenen Längen. Die Version „2.5“ ist eher gedacht für den Nahkampf an der Kante, brutale Flitschenstarts oder als abendliche Allzweckwaffe auf der Hutablage. Der „Sword 3.1“ dagegen kämpft auch in der Distanz noch gut sichtbar und gibt seinem Eigner das gute Gefühl ein erwachsenes Modell zu pilotieren. Trotz der unterschiedlichen Spannweiten bleiben Rumpf und Kreuzleitwerk bei beiden Versionen identisch. Etwas ungewöhnlich ist das am Heckausleger recht groß und über allem thronende Seitenleitwerk mit eher zierlich wirkenden, schlanken Pendelhöhenruder-Flossen. Da kleine Höhenruder ja bekanntlich auf ein geschwin-digkeitsorientiertes Design hinweisen, freue ich mich immer mehr auf den Erstflug. Der lässt aber noch einige Zeit auf sich warten, da bedingt durch den durchaus günstigen Preis, noch einiges an Bauzeit investiert werden muss. Zudem hatte ich mir vorgenommen dem guten Stück einen Antrieb zu spendieren.

     So wurde neben dem eigentlichen Modell, bei Hepf gleich noch ein passender Antrieb angefragt: Firmeninhaber Manfred Pfeiffer überraschte mich mit seinem Vorschlag. Denn bisher war für mich in einem Modell dieser Gewichtsklasse klar, dass ein potenter Innenläufer samt Getriebe verpflichtet werden muss. Manfred Pfeiffer hingegen legte dem Paket einen Getriebe-außenläufer „Axi 2826/8PG4“ bei. Dieser Antrieb ist mit einer 20x13” großen CFK-Klappluftschraube für einen 5s-LiPo-Flugakku ausgelegt.

     Nachdem der Italiener also seinen Weg über Österreich nach Bayern gefunden hatte, wurden zunächst die Einzelteile begutachtet und probehalber zusammengesteckt. Aus dem Internet kannte ich die Optik des Sichtgewebes ja schon. Was ich aber jetzt in Händen hielt übertraf jede Erwartung: Die Oberfläche ist spiegelglatt und das silberne Gewebe strahlt einen förmlich an. Die Verarbeitung der Einzelteile ist sauber und alles passt sofort in einander. Zwar sieht man an einigen Stellen kleine Verarbeitungsschwächen, diese kenne ich aber auch von deutlich teureren Modellen, zudem sind sie meist an nicht sichtbaren Stellen. Die Ruderklappen im Flügel haben eine Sicke, um dort ein Spaltabdeckband anzubringen. Leider liegt es dem Bausatz nicht bei und so habe ich auch keines installiert. Als Flächenverbinder fällt ein ziemlich kurzer und schmächtig wirkender 10-mm-Rundstahl aus dem Karton. Obwohl er einen extrem stabilen Eindruck macht, will er spontan so gar nicht zum restlichen Erscheinungsbild des „Sword 3.1“ passen. Ungewöhnlich für ein Voll-GFK-Zweckmodell sind außerdem das nicht angeschlagene Seitenruder und die Idee, dieses per Seilzug anzulenken. Erforscht man das Seitenleitwerk weiter, fällt auf, dass der Umlenkhebel für das Pendelhöhenruder und auch die Abschlussleiste im Seitenleitwerk noch montiert werden müssen. Der mitgelieferte Zubehörbeutel ist erstaunlich üppig ausgestattet. Da finden sich neben allen Anlenkteilen auch einige Meter verdrilltes Silikon-Servokabel, MPX-Hochstromstecker und sogar ein GFK-Motorspant. Besonders erwähnenswert finde ich die exzellent gemachte und mit 59 Seiten sehr ausführliche Bauanleitung. So umfangreich und gut bebildert habe ich das noch nicht gesehen. Einziges Manko: Sie ist nur in Englisch zu haben. Manfred Pfeiffer hat aber be-reits eine österreichische Version angekündigt...

     Für heute nehme ich mir also die Bauanleitung mit auf die Couch und studiere sie. Vorgesehen ist mit dem Rumpf zu beginnen. Am nächsten Bastelabend ziehe ich es jedoch vor mit dem Flügel zu starten. Dadurch kann ich für die Einteilung der Rumpfkomponenten später schon den richtigen Schwerpunkt auswiegen. Jetzt also schnell noch alle Teile auf die Waage und dann geht’s los. Doch halt, was ist denn da los? Die meisten Einzelteile sind soweit okay, aber das Höhenruder wiegt mit 144 g doch recht viel. Eine Rückfrage bei Hepf bringt die Antwort: Es scheint ein Tribut an das schneidige Sichtgewebe-Design zu sein. Damit die Oberfläche so schön wird, wie sie ist, muss einfach mit mehr Deckschichtharz gearbeitet werden. Im Moment kommen mir Zweifel, ob ich mir hier einen Italo-Show-Act angelacht habe, oder ob er trotz aller Pomade ordentliche Flugleistungen zeigen wird. Um zu verhindern, dass Sie die nächsten Absätze überlesen und gleich zur Zusammenfassung springen, sei kurz erwähnt, dass der „Sword 3.1“ meine Zweifel sehr schnell revidieren konnte. Die Einzelgewichte:

Flächen leer (r/l): 776/784 g
Höhenleitwerk: 144 g
Rumpf mit Haube: 585 g
Zubehör: 284 g

     So, nachdem Sie jetzt wieder entspannt sind, können wir endlich die Servos in die Flügel einbauen. Dazu wird als erstes die MPX-Hochstrombuchse in die Wurzelrippe eingepasst und die Kabel zu den Servoschächten gezogen. Dort warten Futabas „S-3150“-Servos in den immer noch genialen Servorahmen von Michael Fey (www.servorahmen.de). Ein wichtiger Tipp ist, hier die Servos so einzupassen, dass die Abtriebshebel möglichst weit vom Rand des Servoschachtes entfernt sind. Das ist not-wendig, da die Schachtabdeckungen relativ große Radien aufweisen und sonst nicht mehr auf die dafür vorgesehenen Sicken passen. Hat man das geschafft, geht es daran die Ruderhörner entsprechend einzupassen. Xmo-dels empfiehlt hier einfach ein Loch durch das Ruder zu bohren und die entsprechenden Messingteile oben und unten einzukleben. Mir hat diese brachiale Lösung nicht zugesagt und ich habe daher eine Sackbohrung von unten vorgenommen und die Messinghülsen entsprechend gekürzt. Mit eingedicktem Harz ergibt das eine bombenfeste Verbindung, die oben auf dem Ruder keine Spuren hinterlässt. Jetzt noch die Rudergestänge samt Hutzen angepasst und schon kann man die Flügel wieder zur Seite legen.

      Beim Rumpf ist deutlich mehr Arbeit zu leisten und einige Schritte wirken in der Anleitung etwas kompliziert. So muss man zum Beispiel für die Seilanlenkung des Seitenruders zwei 40 mm lange und 1 mm breite Schlitze in den Rumpfausleger schneiden. Die Anleitung möchte dies mit einem Cuttermesser und einer Feile erledigt wissen. Ich kann jedem „Sword“-Erbauer nur emp-fehlen hier mit einer Diamanttrennscheibe, einem Bohrschleifer und einer ruhigen Hand zu Werke zu gehen. Der Rest der Seitenrudermimik ist selbst- erklärend und logisch, muss aber warten, bis das Pendelhöhenruder an Ort und Stelle sitzt. Den Höhenruderumlenkhebel samt Lager und Abstandshülsen hat man schnell zusammengebaut und die vorhandenen Bohrungen lassen alles winklig und leichtgängig am Rumpf anliegen. Bevor man jetzt endgültig den Kleber anrührt muss das Servobrett vorne fix sitzen, da es sonst später schwer bis unmöglich wird die Kohleschubstange für das Höhenruder einzubringen. Dazu ist es unabdingbar das Höhenruderservo vorher endgültig zu platzieren. Bei der Seglerversion haben die Rumpfservos genug Platz. Baut man, wie ich, Antriebsstrang samt 5s-3.900-mAh-Akku ein, will die Platzierung der Servos wohl überlegt sein.

     Also kam zunächst wieder mal meine Schattensäge zum Einsatz. Mit Gefühl und einem guten Auge schneidet man damit die Nase so passend ab, dass ein 42-mm-HM-Spinner passt. Sind leichte Unebenheiten vorhanden, kann man diese später noch nachschleifen. Als nächstes wird der Motorspant mit Kohlerovings und 24-h-Epoxydharz eingeharzt und der Getriebemotor montiert. Ist dies geschehen, werden Regler und Akku möglichst nah am Motor platziert, damit dahinter noch die beiden Servos passen. Der Empfänger liegt schließlich hinter den Servos im Bereich der Flügelaufnahme. Insgesamt stellt der „Sword“ für den RC- und Antriebseinbau einen recht geräumigen Rumpf bereit und mit etwas Ruhe und Planung klappt das alles sehr gut.

     Nach meinen ersten Wiegeversuchen war ich schon sehr froh, dass im Internet andere „Sword“-Piloten den angegebenen Schwerpunkt (70-75 mm) für zu kopflastig befunden hatten. Und so stellte ich für den Erstflug die Ma-schine direkt auf 80 mm ein. Dazu waren wegen des schweren Höhenruders noch zusätzlich 90 g Blei fällig. Nach den ersten Flügen konnte ich das noch reduzieren, würde aber dort heute einen Empfängerakku platzieren – sicher sinnvoller als Blei.

     So ausgestattet geht mein „Sword 3.1“ mit 3,5 kg Abfluggewicht zum ers-ten Start. Besonders gespannt war ich auf die Kraft, die der „Axi“-Getriebemotor an den Tag legen würde. So etwas macht ja nur Spaß, wenn die An- passung an die Fluggeschwindigkeit stimmt. Ist man von den typischen Außenläufern eine extreme Laufruhe gewohnt, fällt hier das moderate Ge-triebegeräusch auf. Mit dem voluminösen Rumpf lässt sich der „Sword“ sehr gut greifen und der Start bei laufendem Motor gelingt 100-Prozent sicher. Hat die Luftschraube, dann in der Luft „eingehakt“, schraubt der Antrieb den „Sword“ mit jeder Umdrehung weiter in den Himmel. Fast glaube ich die Gewindesteigung zu sehen, mit der es aufwärts geht. Nach einigen Sekunden ist der Kraftflug vorbei und mein „Sword“ dreht in etwa 150 Meter Höhe seine ersten Runden. Etwas Tiefe nachtrimmen und die Fuhre läuft und läuft und läuft...


Die Verarbeitung der Einzelteile ist sauber und alles passt sofort in einander.

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Das Seitenruder wird beidseitig mit Stahllitzen angelenkt.


Die ungewohnt große Höhe des Seitenleitwerks ist markant für das Modell.


Schlank und rank – da passt der Axi-Getriebeantrieb perfekt hinein.

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Die Kraft des Antriebs reicht für
einen entspannten Handstart...

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...während die Steigleistung ebenfalls begeistern kann.


In der Luft zeigt der „Sword 3.1“ seine schlanke Shilouette.

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Im Segelflug zeigt die Xmodels-Kreation Leistung satt und ein einfaches Handling.

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Das Streifendesign auf
der Modellunterseite sticht
einen förmlich ins Auge.

Fakten

„Sword 3.1“ von Xmodels

Allroundsegler mit Elektroantrieb

Spannweite: 3.080 mm
Länge: 1.560 mm
Fluggewicht: 3.500 g
Flächeninhalt:         
Flächenbelastung:
Profil: RG-15
Motor: Axi 2826/8PG4
Flugakku: 5s 3.900 mAh
Propeller: 20x13“ CFK

Ruderausschläge:
Höhenruder: -10/+8 mm
Seitenruder: -/+30 mm
Querruder: -15/+10 mm

Thermik:
Querruder: +2 mm
Wölbklappen: +3 mm

Butterfly:
Querruder: -12 mm
Wölbklappen: +35 mm

Preis: 530,- Euro; Bezug bei Hepf, Tel. +43/676/3362130, www.hepf.at.

     Und weil er es so schön macht, lasse ich ihn halt mal laufen. Bei mäßigen Bedingungen will er beharrlich oben bleiben und glänzt mit ordentlicher Gleitleistung. Das wird schnell langweilig und so beschließe ich mal zu sehen, was die Steckung und der Flügel zum mitgeführten Gewicht sagen. Kurz Tiefenruder und es geht mit richtig Dampf gut 100 Meter in die Tiefe. Zunächst fange ich den „Sword“ bedächtig ab und ziehe einige enger werdende Kreise. Nun ja, der Stahl zeigt sich völlig unbeeindruckt, der Flügel allerdings gibt dem Druck leicht nach, und erhöht die V-Form sichtbar. Noch sieht es nicht kritisch aus. Auf einen 300-m-Sturzflug mit anschließendem Rechtecklooping verzichte ich mit dieser GFK-Version lieber. Nach etlichen Steigflügen auf bis zu 200 Meter Höhe meldet der Akku Ladebedarf und ich entschließe mich es für heute gut sein zu lassen.

      Einige Tage später steht der erste Ausflug in die Berge an und ich packe den „Sword 3.1“ ein. Am Hang sind die Bedingungen schlecht: Es nieselt, der Wind kommt vom Berg und an fliegen ist nicht zu denken – oder doch? Sie kennen vielleicht den Frustlevel, das einen Hangflieger trifft, wenn einem das Wetter nach zwei Stunden Fahrt sagt: „Fahr wieder heim!“. Nichts da! Ich habe ja einen Motor drin und außerdem scheint es in den Wolken heller zu werden. Also aufbauen! Kurze Zeit später werfe ich den „Sword 3.1“ dem „Cappuccino“ eines Freundes hinterher über die Kante. Und mit viel Gefühl gleiten wir an der Kante hin und her. Wir verlieren keine Höhe und nach einigen Minuten beginnt der „Sword“ zu steigen. Der Auftrieb wird immer besser, das Wetter nicht. Der „Cappuccino“ hat 1,5 kg weniger Gewicht dabei, kann mir mit dem „Sword“ allerdings nicht das Wasser reichen – oder besser: keine Höhe abnehmen. Ungefähr eine Stunde lang vernichte ich immer wieder die gewonnene Höhe mit protzigen Hangkantenüberflügen. Das Geräusch, das der „Sword“ dabei macht – treffender wäre: „nicht macht“ – ist atemberaubend. Hier klärt sich für mich auf, warum das Modell übersetzt Schwert heißt. Denn genauso stelle ich mir das Geräusch vor, wenn ein Samurai-Schwert durch die Luft geschleudert wird und dann irgendwann den berühmten Seidenschal aus „Bodyguard“ durchschneidet. Gänsehaut pur, auch weil mittlerweile die Kälte vom Boden hochzieht und der Sender beängstigend nass ist. Also ist Landen angesagt: Die Flaps lassen sich aufgrund ihrer Lagerung an der Flügeloberseite nicht so weit nach unten fahren. Es reicht aber völlig aus, um die Fuhre auf Schleich- fahrt herunter zu bremsen. Mit etwas Tiefenruderausgleich setzt sich der „Sword“ butterweich ins Gras.

     Heute, nach vielen weiteren Flügen am Hang und in der Ebene, nehme ich den „Sword 3.1“ von Xmodels am liebsten als All-zweckwaffe mit an den Hang. Wenn es richtig ka-chelt und man gerne noch Blei reinlegen würde, wünsche ich mir die Voll-CFK-Version, da hier die Stabilität der Flügel sicherlich mehr Vertrauen vermittelt. Aber auch an solchen Tagen ist der „Sword“ immer mit dabei und wenn er nur im Gras liegt um die italienischen Experten zu beeindrucken!

Darius Mahmoudi
Fotos: Leonhard Axtner



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