Die eher auf den Alltagsbetrieb ausgelegten Segler aus dem F3J-Bereich werden immer beliebter, da sie langes und problemfreies Thermiksegeln ermöglichen. Ein Vertreter dieser Gattung ist auch der „Toplight-Ultra“.

Die Voll-GFK-Linie des Unternehmens orientiert sich an modernster Bauweise und Aerodynamik, und durchdachte Detaillösungen sorgen zudem für einen hohen Vorfertigungsgrad. Die Leistungsfähigkeit des attraktiven Modells resultiert aus dem „HN 354“-Profil mit absoluter Profiltreue, Widerstandsarmut und geringem Gewicht bei hoher Festigkeit – letztendlich die Merkmale der Schalenbauweise. Durch den Vierklappenflügel, dessen Ruderflächen fast über den gesamten Flügel verlaufen und mit Elastikflaps angeschlagen sind, lässt sich das Modell auch unterschiedlichen Einsatzbedingungen individuell anpassen.

Um den möglichen Belastungen allzeit gerecht zu werden, sind die Tragflächen mit zwei CFK-Holmen verstärkt, die mit der Ober- und Unterseite des Flügels verbunden sind. Die V-Form und die gleichmäßig dünne Endleiste, die in einem Ellipsenbogen mit am Ende spitz angeformtem, hochgezogenem Randbogen verläuft, zeigen die moderne Auslegung. Die Steckung ist durch einen CFK-Schacht eingebaut, der einen 16x14-mm-CFK-Stab aufnimmt.

Die Ausschnitte für die Querruder- und Wölbklappenservos sowie die Gestängedurchführungen auf der Tragflächenoberseite sind bereits vorgegeben und werden entsprechend ausgefräst. An den Ruderflächen befinden sich angeformte Aufnahmen für 3-mm-Augenbolzen. Hier ist Präzision für das Vorbohren der 2,3-mm-Löcher notwendig, in die M3-Gewinde geschnitten werden. Die Servowahl fiel bei mir auf die „HS-125MG“ von Hitec, deren Bauhöhe lediglich 10 mm beträgt. In die Tragflächen können jedoch Servos bis maximal 13 mm eingebaut werden. Die Befestigung der Servos erfolgte mit Einbaurahmen des Schweizer Anbieters RC-Solutions. Sie sind über TUN-Modellbau (www.tun.ch) erhältlich, aus Sperrholz CNC-gefräst, leicht, passgenau und werden mit dem Flügel verklebt. Ein Aus- und Einbau der Servos ist durch drei Schrauben möglich.


Die elektrische Verbindung zwischen Tragfläche und Rumpf erfolgt mit dem 5-poligen Steckersystem von Multiplex. Dazu wird in der Tragfläche die bereits vorhandene Aussparung angepasst und für die Buchse im Rumpf – passgenau gegenüber – eine Öffnung gefräst. Als Servokabel werden verdrillte Exemplare mit 0,25 mm Querschnitt verwendet. Die Plus- und Minusleitungen werden jeweils zusammengeführt und an einem Pin gemeinsam verlötet. Für die Impulsleitungen wird natürlich je ein eigener Pin benötigt.

Zur geradlinigen Anlenkung der Ruder wird der hintere Hilfsholm leicht kerbenförmig eingefräst und muss dann noch mit Sekundenkleber gehärtet werden. Auch werden die M2-Gabelköpfe etwas ausgespart, um kein Auflaufen zu verursachen. Als Gestänge dienen 40 mm lange M2-Gewindestangen. Und für eine spielfreie Anlenkung sichern M2-Muttern die Gabelköpfe. Damit sich bei der Wölbklappenanlenkung der Vollausschlag ergibt, wurde der Servoruderhebel in Flugrichtung als Grundstellung vorgegeben. Und das Gestänge erhielt eine leichte V-Biegung. Die GFK-Abdeckungen der Servoschächte und Ruderanlenkungen werden mit Klebeband gesichert und verschwinden oberflächenbündig in einer umlaufenden Sicke.

Der Rumpf ist grundsätzlich eine GFK-Konstruktion, die an exponierten Stellen und je nach Belastung mit CFK- oder KFK-Geflecht verstärkt wurde. Bereits vorgefertigt ist die Pendelruderanlenkung mit ihrer Lagerung. Die Verbindung zum Servo übernimmt ein Stahldraht im Bowdenzugrohr. Die Befestigung des zweiteiligen Leitwerks erfolgt mit einem 5-mm-CFK-Stab und zwei Messingstiften. Leider gelingt mit dem Höhenruder kein Vollausschlag, da das überlappende Teil des Höhenruders auf der Vorderkante des Seitenleitwerks aufläuft. Hier sind Fräsarbeiten an den Wurzelrippen erforderlich, die eigentlich schon in der Form realisiert werden könnten. Geradezu anspruchslos wirken dagegen das Seitenruder und die Anlenkung. Auch hierzu ist bereits ab Werk ein Stahldraht im Bowdenzugrohr einbaut.

Der Rumpf bietet zusätzlich zur Kabinenhaubenöffnung seitlich zwei Schächte. Der größere beherbergt bereits vorgefertigte Servoausschnitte, die auf die Hitec-Servos „HS-85MG“ für das Seitenruder erweitert werden. Leider stehen die Servos auch etwas höher, sodass die GFK-Abdeckung mit einer Auflage versehen wurde und somit knapp einen Millimeter übersteht. Der Empfänger, ein „DSL-8“ von ACT, findet in der kleinen Aussparung gerade noch Platz. Filigrane Hände sind hier von Vorteil, denn die Zuleitungen, die mit Entstörringen versehen sind, beanspruchen ebenfalls erheblichen Raum. Für die Antenne wurde ein 3-mm-Loch unterhalb des Seitenruders gebohrt. So hängt sie noch 20-30 cm, gelagert in einem Gummischlauch, nach außen. Eine Befestigung der Antenne am Rumpf oder innerhalb hätte fatale Folgen, denn das Rumpfmaterial wirkt abschirmend.

Einen potenten Antrieb fand ich im „Fun 480/28“-Motor mit 5,2:1-Getriebe und „Smile“-Regler von Kontronik. Ergänzt wird der Antriebsstrang durch eine 16x13”-Luftschraube, einem 42er-Mittelstück mit 38-mm-Präzisionsspinner und acht Zellen „GP 2200“. In dieser Variante werden annähernd 35 A konsumiert.



Die „HS-125MG“-Flächenservos (oben) von Hitec wurden mit den Servoeinbaurahmen von RC-Solutions aus der Schweiz befestigt


Auch das Seitenleitwerk mit der Pendelruderlagerung und dem angeformten Ruder wirkt filigran elegant


Der GFK-Motorspant sitzt in einer massiven Aufnahme


Der Servoschacht für die Leitwerksservos. Leider stehen die verwendeten „HS-85“ von Hitec etwas über


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Der dem Modell beiliegende Epoxy-Motorspant hat bereits den passenden Ausschnitt des Getriebes. Hervorragend gelöst ist die Befestigung von innen in einer angeformten Auflage. So kann sich der Spant bei starker Belastung nach hinten lösen. Der Flugakku wird auf den seitlich der Rumpfform angepassten 8x8-mm-Leisten gelagert. Diese werden mit eingedicktem Harz auf die aufgeraute Rumpfinnenseite geklebt und mit Klettband überzogen. Darunter findet sich noch genügend Platz für den Regler.

Der Schwerpunkt wurde auf 85 mm eingestellt. Hier kann individuell mit Veränderung der Einstellwinkeldifferenz durch das Pendelruder die optimale Einstellung auf den eigenen Flugstil erfolgen. Der Hersteller gibt einen Schwerpunktbereich von 83 bis 90 mm vor.

Auf dem Flugplatz ist der „Toplight-Ultra“ schnell aufgerüstet: Flächen und Höhenleitwerk aufgesteckt, zusätzlich mit Tesa gesichert, Flugakku rein und schon kann das Modell seinem Element übergeben werden. Der erste Start verlief bilderbuchmäßig: Der Antrieb erbrachte die von mir erwartete Steigleistung und zog das Modell mit etwa 40 Grad nach oben. Auf Sicherheitshöhe angekommen zeigte sich, dass nur minimal nachgetrimmt werden musste. Die Grundgeschwindigkeit ist jedoch gegenüber einem reinen Thermiksegler höher angesiedelt, lässt sich jedoch durch Absenken der vier Klappen reduzieren. Damit wird aus dem Modell ein Floater, der betont langsam im Thermikbart gekurbelt werden kann. Diese Stellung kann auch für den Steigflug mit Motorkraft beibehalten werden, da hier ein noch effizienterer Höhengewinn erzielt wird. Das Gegenteil wird erreicht, wenn die „Strecke“-Programmierung gewählt wird und die vier Klappen nach oben verwölben (Wölbklappe 2 mm, Querruder 1,5 mm und Tiefenruder ca. 2 mm). Damit zeigt sich auch der große Geschwindigkeitsbereich des „Toplight Ultra“: Kunstflugfiguren wie Loopings, Rollen und Rückenflug gelingen je nach Können des Piloten wie auf Schienen.

Insgesamt ist das Flugbild faszinierend und das Flugverhalten sehr unkritisch. Die Ruderkommandos werden schnell und ohne Verzögerung umgesetzt. Der extrem gute Gleitwinkel beim Streckenflug zeigt sich auch in der Thermik. Um ein negatives Schiebemoment zu vermeiden, wird der Kreisflug in der Thermik mit Seitenruder (Combi-Switch) unterstützt und die Querruder sind mit 60 Prozent differenziert. Die Bremswirkung der „Butterfly“-Stellung ist mit dem großen Ausschlag sehr wirkungsvoll. Er erlaubt kurze und steile Landeanflüge. Achtung jedoch bei Vollausschlag: In diesem Zustand unterschreitet die Hinterkante der Wölbklappe das Niveau der Rumpfunterseite – Kariesgefahr für die Servos! Die Klappen müssen kurz vorm Aufsetzen zurückgefahren werden.



Querruder und Wölbklappen werden „über Kreuz“ angelenkt, natürlich mit entsprechender aerodynamischer Verkleidung


Der CFK-Verbinder ist fürwahr ein dickes Ding


Das schlanke Rumpfvorderteil nimmt den Getriebeantrieb und den Flugakku problemlos auf. Die CFK-Haube unterstreicht das dynamische Erscheinungsbild


Die hochgezogenen Randbögen wirken filigran. Die nahezu elliptisch geschwungene Vorderkante der Fläche und die spitz zulaufende Randbögen tragen zu der aerodynamischen Güte bei

Der Acht-Zellen-Akku reicht für rund 200 Sekunden Motorlaufzeit, was sichere sieben bis acht Steigflüge zur Thermiksuche gewährleistet. Gesamtflugzeiten von 30 Minuten und mehr konnte ich während
der Testphase mehrfach erreichen. Alternativ habe ich noch Zehnzellenantriebe erprobt: Mit einer 15x10”-Luftschraube fließen nun 32 A, mit einer 16x10”-Luftschraube 40 A. Das Mehrgewicht von 90 g steckt das Modell locker weg und die zweite scharfe Variante zieht das Modell rasanter und steiler in die Lüfte.

Mein Fazit: Mit einem sensationellen Preis lockt Franken-Modellbau mit seinem „Toplight-Ultra“ die leistungshungrige Kundschaft. Wer keine absoluten Wettbewerbsambitionen hegt, sondern ein ordentlich verarbeitetes Zweckmodell mit geringem Gewicht und hoher Festigkeit im „F3J Mini“-Format sucht, wird hier bestens bedient. Weniger gefreut haben mich die fehlende Bauanleitung sowie mangelnde Einstellvorgaben für die Flugphasen. Und auch die Aussparungen in den Flächenholmen und im Höhenleitwerk könnten bereits in der Form berücksichtigt werden. Die exzellenten Allroundeigenschaften aber und das äußerst gutmütige Flugverhalten versprechen allzeit besten Fluggenuss.

Thomas Navrath



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