TEST

F3K-Elektro

Gedanken zur Elektrifizierung des „Ultegra“

 

Einem F3K-Modell einen Elektroantrieb zu verpassen ist sicher nichts für jedermann, in jedem Fall aber für denjenigen, der einen kompakten und dynamischen Dauerflieger besitzen möchte. Aus diesem Grund hat man sich auch bei Stratair mit der Entwicklung eines Elektro-Rumpfes für den „Ultegra F3K“ beschäftigt.

Beim „Ultegra Elektro“ stand das Design im Vordergrund. Es handelt sich ja um keine Wettbewerbsklasse, in der sich viele Details durch die Flugaufgabe anbieten. Das „form follows function“-Prinzip, bei dem die Funktion maßgeblich die Form bestimmt, wurde demnach nicht angewandt. Stattdessen sollte die Umkehrung zum Zuge kommen, nämlich „function follows form“. Dies könnte man in diesem Zusammenhang auch folgendermaßen frei übersetzen: „Was gut aussieht, fliegt auch gut.“ Es war also mein Ziel, ein wenig Pepp in einen Elektrosegler-Rumpf zu bringen. Natürlich innerhalb von sinnvollen Grenzen. So entstand also der Rumpf für den „Ultegra Elektro“, für den vorab folgende Vorgaben galten:

• Die Fläche des „Ultegra F3K“ muss verwendbar sein. Quasi unter dem Motto: Thermik weg, Arm lahm – nun muss der E-Antrieb ran.

• Schlanke und elegante Rumpfform, die designtech- nisch etwas fürs Auge bietet und der Optik der Flä- che angepasst ist.

• Ein V-Leitwerk, damit die Leitwerksflächen viel Bo- denabstand haben und das Modell auf stärker be- wachsenem Gelände unproblematisch zu landen ist.

• Günstige Elektrokomponenten mit Verwendung eines Außenläufer-Motors und 3s-LiPo-Akkus für eine Leistung von etwa 170 Watt. Denn wie auch schon bei der Entwicklung des „x-micro Elektro“ bin ich der Überzeugung, dass viele Modellflieger kein Interesse an einem Freizeitmodell haben, bei dem die Komponenten den Wert des Modells deutlich überschreiten.

• CFK-Rumpf und Schalenleitwerke aus Rohacell/ Glas. Somit wäre wie schon beim „Ultegra F3K“ eine hohe Vorfertigung und sehr kurze Bauzeit ge- geben.

• Hohe Flugstabilität! Der „Ultegra F3K“ hat ja er- freulicherweise sehr harmonische Flugeigenschaf- ten: einfacher Start, gute Langsamflugeigenschaften und sehr zahmes Abrissverhalten. Mit entsprechen- dem Hebelarm und guter Leitwerksgröße sollten auch beim Elektromodell stabile Flugeigenschaften realisierbar sein. Somit ist das Fliegen auch in gro- ßer Entfernung und auf engen Plätzen unproblema- tisch.

Mit diesen Vorgaben habe ich mich also ans Werk gemacht und gezeichnet: Ein Außenläufer der 45-g-Klasse, mit 28 Millimetern Durchmesser und 1.200 Umdrehungen/Volt kommt bei umgekehrter Montage mit einem 30-mm-Spinner aus. Da wird der Rumpf schön schlank und rank. Bei den LiPo-Akkus hatte ich mich zum Zeitpunkt der Entwicklung auf einen „Flightpower EvoLite 800 mAh“ festgelegt. Der Grund lag in der schlanken Bauform, die einfach viel besser in eine schmale Rumpfform zu integrieren ist, als die breiteren LiPo-Bauformen. Inzwischen gibt es immer mehr Hersteller, die ihre LiPo-Akkus ebenfalls in schlanken, also eher länglichen und schmalen Formen anbieten. Bei Verwendung einer 8x5“-Luftschraube kommt ein Standstrom von circa 14 Ampere (150 Watt) zum Fließen. Daraus ergeben sich keine großen Ansprüche an den Regler und Motorlaufzeiten von etwa 180 Sekunden sind realistisch. Der Steigflug ist damit senkrecht und liefert eine Geschwindigkeit von rund 12 Metern/Sekunde. Wenn wir eine Ausganghöhe von 100 Metern als angenehm betrachten, können wir mit dem Modell also 24 Steigflüge vornehmen, was eine theoretische Abgleitzeit von insgesamt 111 Minuten ergibt. Wenn wir jetzt mal für Wirkungsgrad, Restkapazität usw. pauschal 25 Prozent abziehen, haben wir eine reine Flugzeit (ohne Steigflüge) von etwa 83 Minuten. Das klingt doch sehr viel versprechend.

In der Tat kommt man mit dem Modell locker auf Flugzeiten von deutlich über 60 Minuten, wenn man es darauf anlegt und ohne auch nur einen Thermikkreis gedreht zu haben. Ein echter Flautenschieber also. Insgesamt kann man sagen, dass das Modell mit den ausgewählten Komponenten sehr sportlich und angemessen motorisiert ist. Ausprobiert habe ich auch eine leicht grausam angehauchte, soll heißen mehr extreme Variante: Wer „F5B light“ möchte, nimmt einen „AC mini extrem“ mit einem 6:1-Getriebe und schnallt eine 10x6“-Luftschraube drauf. Mit 230 Watt reißt sie nun förmlich am „Ultegra Elektro“ und beschleunigt das Modell kurz gesagt massiv in den Himmel. Insgesamt halte ich diese Motorisierung aber für überdimensioniert, da man aufgrund des höheren Gewichtes von circa 70 Gramm (Motor und Spinner/Luftschraube) beim Wenden schon aufpassen muss, dass sich die Tragfläche nicht zu sehr biegt. Schließlich ist es ja die Originalfläche vom „Ultegra F3K“. Wer keinen Getriebemotor verwenden möchte, kann auch einen etwas längeren Außenläufer mit ähnlichen Leistungen einsetzen.

Von dem Modell angesprochen fühlen sollten sich alle Modellflieger, die sich einen handlichen Elektrosegelflieger wünschen, der mit Standardkomponenten ausgerüstet fantastische Flugleistungen bietet. Mit dem geringen Abfluggewicht von 380 Gramm bietet das Modell immer noch hervorragende Thermikleistungen, verbunden mit der Dynamik eines modernen F3K-Modells. Abstriche muss man, wie immer bei leichten Hochleistungsmodellen, bei der Festigkeit machen. Hier sind nicht die im Flug auftretenden Kräfte gemeint, sondern vielmehr die bei der Landung und im täglichen Umgang mit dem Modell auftretenden Belastungen. Aus diesem Grund ist das Modell für Anfänger sicher nicht optimal und setzt eine gewisse Routine im Umgang mit leichten Voll-GFK-Modellen voraus. In der Serienversion des „Ultegra Elektro“ von Stratair fliege ich einen „Dualsky XM 2826CA-15“-Motor, eine Aeronaut-Klappluftschraube 8x5“ und einen 3s-LiPo von Hyperion mit 850 mAh („Generation 3 CX“).


Ein handlicher Elektrosegelflieger, der mit Standardkomponenten ausgerüstet fantastische Flugleistungen bietet


bild


Der Rumpf wurde am CAD konstruiert und so exakt auf die vorgesehenen Antriebskomponenten ausgelegt

Rainer Holzmann

 


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