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Meiner Meinung
nach ist der Ventus 2c eines der schönsten Segelflugzeuge
unserer Zeit. Die Konstrukteure bei Schempp-Hirth haben die eleganten
Kurven und Linien des Originals perfekt harmonisiert. Mein Vorhaben
war nun, dieses attraktive knapp-5-m-Modell mit der neuesten
BL- und LiPo-Technologie auszustatten, um einen kraftvollen und doch
erschwinglichen Großsegler zu erhalten.
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Die Kabinenhaube habe ich mit Silikon auf den Rahmen geklebt. Ich verwende ausreichend Silikon, sodass etwaige Unebenheiten ausgeglichen werden. Nach dem Aufsetzen wird die Haube rundum mit Kreppband am Rumpf bündig verklebt. Wenn das Silikon ausgehärtet ist, kann die komplette Haube vorsichtig mit dem Balsamesser vom Rumpf abgetrennt werden. Die Haube sollte jetzt ziemlich perfekt passen meine sind allerdings nie ganz perfekt, egal wie viel Mühe ich mir gebe. Nun geht es an die Flügel: Auch die Flächenservos brauchen nicht unbedingt die teuersten sein, da dieser eher zahme Thermiksegler ja keinen allzu hohen aerodynamischen Lasten ausgesetzt ist. Zum Einziehen der Servokabel haben die Styrokerne zwar die nötigen Kanäle, aber Plastikröhren wären hier wünschenswert. Denn es wird auch recht eng in der Flächenwurzel, wenn die drei Kabel durch eine kleine Öffnung gezwängt werden müssen. Ich nahm lange Plastikröhrchen zu Hilfe, an denen ich die Kabel fixierte, bevor ich die Röhrchen wieder auszog. Noch was: Servokabel liegen dem Bausatz nicht bei, man muss also etwa 10 m Kabel einkaufen, damit auch genug für das Höhenruderservo übrig bleibt. Da ich keine passenden Servoboxen auf Lager hatte, verstärkte ich die Beplankung innerhalb der Servoschächte mit 0,4-mm-Sperrholz und verkleidete die Schächte innen mit 1,5-mm-Balsa. Die Schächte sind tief genug, sodass kein Schaum mehr entfernt werden muss. Bei den Störklappen wäre sogar Platz für ein Standardservo. Allerdings hat man mit einem kleineren Servo etwas mehr Spielraum für die Anlenkung. Ich habe Servoabdeckungen von Graupner verwendet. Die dem Modell beigelegten Ruderhörner aus Messing sind sehr leicht einzubauen und zudem recht schön. Die Störklappen passen genau in die vorgefrästen Schlitze, und man benötigt keine Abdeckung. Das heißt aber, dass das Metall der Oberseite der Klappen offen liegt. Ich habe deshalb die Klappen 1,2 mm tiefer gelegt und Abdeckungen aus Abachi angebracht. Diese kann man dann mit der Flügeloberseite bündig verschleifen und mit Folie bebügeln. Rödel liefert auch schöne Aufkleber mit, die man nach dem Bebügeln anbringen kann. Die Ruder und Klappen setzte ich mit Scharnierband an und habe die Ruderspalte mit Mylarband von Graupner abgedeckt. Zur Flügelarretierung am Rumpf verwende ich zwei kleine Schraubhaken und ein Spannschloss. Das Schloss zieht beide Flächenhälften gleichmäßig zusammen. Die vier Flächenservos legte ich je auf einen Empfängerkanal. Die beiden Störklappenservos sind mit einem V-Kabel an einem Empfängerkanal angeschlossen und werden mit dem rechten Schieberegler am Sender bedient. Das Seitenruder habe ich dem Querruder zu 50 Prozent beigemischt. Zudem etwas Tiefenruder beim Ausfahren der Störklappen. Ansonsten noch 30 Prozent Differenzial auf den Querrudern und 25 Prozent Exponential auf Quer-, Seiten- und Höhenruder gegeben. Der Erstflug des neuen Modells fand am gut 2.000 m hohen Hahnenmoos-Pass bei Adelboden in der Schweiz statt. Zwar waren die Bedingungen nicht ideal, zudem hatte ich etwa 20 erfahrene Piloten als Zuschauer. Denn normalerweise ziehe ich es vor, zum Erstflug heimlich, still und leise an einen gottverlassenen Hang zu gehen statt mich einem psychischen Druck auszusetzen. Doch ich wollte fliegen: Mein zuverlässiger Freund und Werfer Phil Cooke startete das Modell bei nur etwa 4 m/s Windgeschwindigkeit und einem sehr fraglichen Aufwind. Sobald der Ventus etwas von dem flachen Hang weggeflogen war, schaltete ich den Motor ein. Den hatte ich mit etwa 7° Sturz eingebaut, um einem Aufbäumen im Kraftflug vorzubeugen. Der Ventus beschleunigte einfach kerzengeradeaus, ich war begeistert! In ausreichender Höhe angekommen, wurde abgeschaltet. Das Modell segelte herrlich und zeigte sofort, wie gut es auf Thermik ansprechen kann. Steiles Kurbeln ist kein Problem, das Modell liegt satt in der Luft und kreist sicher wie ein Adler, immer enger und trotzdem kein Abschmieren. Der Ventus fliegt auf der Flügelspitze wie ein Falke, der das letzte Fetzchen Thermik ausnutzt. Dieses gutmütige Kreisflugverhalten verdankt der Ventus wohl seiner mehrfachen V-Form, die ihm aerodynamischen Halt liefert. Thermikkreisen scheint dem Ventus angeboren zu sein. In jeder Hinsicht war der Ventus so gutmütig wie ein großes Anfängermodell. Dabei bleibt der Geschwindigkeitsbereich hoch, und obwohl ich ihn nicht zu sehr anheizte, nahm er sofort Fahrt auf und bestätigte das auch mit einem angenehmen Rauschen.
Einen Tag später bei einem Flug auf der Rückseite des Schalmi Grats blieb ich über eine Stunde lang in der Luft. Wegen der schwachen und sehr löcherigen Thermik schaltete ich den Motor mehrmals ein. Er hat ausreichend Kraft für einen flachen Steigflug, nichts Außergewöhnliches, aber dafür auch nur mit 30 A Stromverbrauch. Auch kann man den Motor einschalten, um einfach aus großen Abwindfeldern herauszufliegen. Man findet somit schnell wieder Thermik und kann nach Herzenslust weitersegeln. Später habe ich noch viele weitere Flüge mit meinem Ventus an meinem Heimatplatz im britischen Congleton, Cheshire, absolviert und durfte ihn auch auf einem großen Schlepptreffen auf der Middle Wallop Airbase in Hampshire vorfliegen. Auch ersetzte ich die 20 Zellen durch einen 6s3p-LiPo-Pack von Kokam. Die 1.500-mAh-Zellen können jeweils 12 A Dauerstrom liefern, drei davon parallel geschaltet schaffen also 36 A mehr als genug für den AXI 4120/18. Gewichtsmäßig ist der LiPo-Pack dem Pack aus 20 FAUP-Zellen gleich, aber die Kapazität ist mit 4,5 Ah etwas mehr als doppelt so groß. Insgesamt hat sich der Ventus als hervorragender Allround-Elektrosegler mit fantastischem Aussehen entpuppt. Das Flugzeug ist vielseitig einsetzbar, leicht zu bedienen und zu fliegen, es hat bis heute noch keine Probleme gemacht. Auch das Landen ist ein Genuss, denn die Störklappen reichen vollkommen aus, ohne das Modell zu stark abzubremsen. Der Ventus landet sanft wie eine Feder auf einem Kissen. Die geringe Flächenbelastung und das relativ langsame Profil tragen zum stabilen und sicheren Flugverhalten bei. Ich genieße dieses entspannte Fliegen mehr als ich dachte, auch wenn das Modell immer wieder zum Thermikjagen herausfordert. Simon Cocker
Übersetzung: Dieter Mahlein ![]() Der Motor
sitzt deutlich weit hinter der Rumpfnase. Hier ist auch noch der Akkupack
aus 20 FAUP-Zellen zu sehen, der später gegen einen LiPo-Pack
getauscht wurde.
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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2005 Das komplette Inhaltsverzeichniss 4/2005 Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang. © AUFWIND 2005 |