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Der Viking
ist die jüngste Entwicklung aus dem Hause Vaclav Voiticek. Bereits
im Sommer 2003 angekündigt, dauerte es dann noch fast ein Jahr,
ehe die ersten Modelle ausgeliefert werden konnten. Denn die neue Flügelbauweise,
die zu extrem steifen Flächen führt, musste erst serientauglich
werden. Dies geschah auch im Hinblick auf die F3B-Klasse, in der steife
Flügel zu guten Hochstarthöhen führen.
Hier ein paar Gedanken zur Entwicklung der F3F-Modelle der letzten
10 bis 15 Jahre, an deren vorläufigem Ende der Viking
steht: Wer es sich leisten konnte, flog anfangs in F3F die jeweils aktuellen
F3B-Modelle, die Anforderungen sind ja auch durchaus vergleichbar. So
kam es, dass die Ellipse über ein Jahrzehnt lang das
Wettkampfgeschehen dominierte. Als dann in F3B durch die Einführung
der zehn Minuten im Zeitflug langsamere Profile und größere
Spannweiten zum Einsatz kamen, bestand bei F3F-Modellen Handlungsbedarf.
Vaclav Voiticek war mit dem Sting einer der ersten Hersteller,
der in diese Bresche schlug. Der Sting, mit HN-1038
profiliert und mit 2.800 mm Spannweite ein schnelles und wendiges Modell
(Test in AUFWIND 2/2001), setzte
sich beim Viking Race 2000 in Portugal erstmals in Szene und verbreitete
sich rasch in ganz Europa. Für diejenigen, denen es mit dem Sting
ein bisschen zu flott vorwärts ging und die sich etwas mehr Auftrieb
in der Wende vorstellten, baute Vaclav zwei Jahre später den New
Sting mit dem HN-354-Profil und drei Metern Spannweite.
Damit war der New Sting bereits auf F3B-Kurs, die Tragfläche
allerdings noch zu wenig biegesteif. Wie es der Zeitgeist wollte, wurden
die F3B-Profile vor ein paar Jahren wieder schneller und auch der kontinuierliche
Spannweitenzuwachs hatte ein Ende. Die zehn Minuten Flugzeit wurden
vor allem dadurch erreicht, dass die Modelle bei gleicher Festigkeit
leichter gebaut wurden. F3F und F3B wuchsen wieder zusammen und der
Viking ist nun eines dieser Modelle, die in beiden Klassen
vorne mitfliegen können. Das Profil AH-69 mit 1,4 Prozent
Wölbung und 8,5 Prozent Dicke entlehnt er sich vom Freestyler,
dem Siegermodell des Viking Races 2002 in der Slowakei. Und damit wissen
wir auch, woher der Viking seinen Namen hat.
Was bietet der Viking nun demjenigen, der sein Hauptaugenmerk
nicht auf das ausschließliche Abfliegen von Wenden am Hang richtet?
Die auffälligste Eigenschaft ist das spontane Ansprechverhalten
um die Querachse. Damit können Viereckloopings mit Höchstgeschwindigkeit
geflogen werden, ohne dass für den Betrachter ein Kurvenradius
erkennbar ist. Ausschlaggebend dafür ist wohl die bocksteife zweiteilige
Tragfläche, die mit einem Kohleverbinder enormen Ausmaßes
verbunden ist. Verstärkt wird diese Eigenschaft noch durch ein
positives Zumischen der Wölbklappen zum Höhenruder, auch Snap-Flap
oder kurz Snappen genannt. Mit steigendem Zumischungsgrad
erhöht sich auch die Empfindlichkeit der Höhenruderwirkung
und die Tendenz, dass der Viking in der Kurve abgestellt
wird. Durch seinen Einfluss auf das Wendeverhalten gehört der Snap-Ausschlag
zu den viel diskutierten Themen in der F3F-Szene und wird von so mancher
Geheimniskrämerei begleitet. Erstaunlich dabei ist, dass zwei Spitzenpiloten
zum einen ohne und zum anderen mit Snap-Ausschlag extrem
schnelle Wenden fliegen.
Weniger umschleiert ist das negative Beimischen der Wölbklappen
zum Tiefenruder. Zu prägnant sind die Auswirkungen: Mit solcherart
negativem Snap lassen sich alle negativen Figuren, wie Außenlooping
oder Rückenflugwenden herrlich eng und ohne viel Fahrtverlust fliegen.
Es erhöht sich aber auch die Ansprechgeschwindigkeit des Tiefenruders,
sodass der Viking etwas nervös auf Korrekturen im Schnellflug
reagiert, was vor allem bei flotten Vorbeiflügen zu erhöhtem
Adrenalinausstoß führen kann. Diese Tendenz wird durch einen
weit hinten liegenden Schwerpunkt noch verstärkt.
Erstaunlich ist auch die Rollwendigkeit des Viking. Das
Modell rollt wie am Schnürchen, ohne dass es im Rückenflug
viel Tiefenruder braucht. Damit schließt der Viking
an die guten Kunstflugeigenschaften des Sting an, die man
beim New Sting etwas vermisst. Trotzdem trägt er sehr
gut und ist mit positiv angestellten Wölbklappen immer einer der
höchsten am Hang. Für den ambitionierten F3B-Piloten ist der
Viking auch in einer abgespeckten Version erhältlich,
er wiegt dann anstelle der 2.450 g bei der Hangversion nur noch 2.250
g. Vaclav verzichtet dabei auf das 40-g/qm-Oberflächengewebe in
den Flächen und auf nicht näher definierte Lagen im Rumpf,
der sich im Gegensatz zur Hangversion nun ansatzweise drücken lässt.

Die Ballastierung erfolgt durch ein zentrales Rumpfrohr. Wählt
man als Füllstoff Blei, kommt man auf satte 1,4 kg Zusatzgewicht

Die Verarbeitung des Viking F3F ist in allen Details
ausgezeichnet
Die Ballastierung erfolgt
durch ein zentrales Rumpfrohr, das sich für den, der es einfach
liebt, durch ein einziges Stangenstück, anstelle der sonst üblichen
Pelletstücke (die immer eine gewisse Sorgfalt im Umgang und Aufbewahren
erfordern) befüllen lässt. Mir als ausschließlichem
Hangflieger reicht die digitale Gewichtszunahme leer - voll
aus. Der Viking fällt auch mit Ballast nicht wie ein
Stein vom Himmel. Wählt man als Füllstoff Blei, kommt man
auf satte 1,4 kg Zusatzgewicht und kratzt damit schon an der 4-kg-Marke.
Geschwindigkeit und Durchzug des aufballastierten Modells sind bei dieser
Flugmasse enorm, zumal auch jetzt noch kein Durchbiegen der Flächen
erkennbar ist. Sollte die Festigkeitsgrenze aus welchen Gründen
auch immer doch einmal erreicht werden, gibt es wahrscheinlich
einen explosionsartigen Knall.
Gelandet wird mit Butterflystellung
der Flächenruder. Für eine gute Bremswirkung müssen die
Wölbklappen weit ausgefahren werden. Es ist erstaunlich, wie sich
die Wirkung beim Sprung von etwa 45° auf 70° Ausfahrwinkel erhöht.
In diesem Zustand unterschreitet die Klappenhinterkante der Wölbklappe
infolge der tiefen Ruder allerdings schon das Niveau der Rumpfunterseite,
im Zustand des Aufsetzens sollten die Klappen tunlichst eingefahren
werden, will man nicht mit der Endleiste auf dem Boden kratzen.
Abschließend noch ein paar Worte zum Lieferzustand und Fertigstellen
des Modells. Die Einzelteile sind so weit vollständig, wie man
es mittlerweile von hochwertigen Modellen aus tschechischer Produktion
gewohnt ist: Alle Ruderhörner sind eingeklebt, die Schubstangen
im Rumpf sind mit Kugelkopfanlenkungen komplett, ein Bowdenzug für
die Empfängerantenne ist verlegt, alle Passstifte sind eingeklebt
und alle Ruder laufen spaltfrei an einlaminierten Abreißgewebebändern.
Der Rumpf wurde von Generation zu Generation schlanker und hat beim
Viking erstmals einen ovalen statt runden Querschnitt. Trotzdem
gehört er nicht zu der Spezies, bei der die Servos zuerst abgeschliffen
werden müssen, um überhaupt zu passen. Der Leitwerksträger
wiederum ist reichlich dimensioniert, vermindert dadurch ein Durchbiegen
des Rumpfes bei hohen Leitwerkskräften.
Das Schwierigste am
Bau war für mich die Frage: Säge ich zuerst die Löcher
zum Einbau der Servos in die Fläche oder fräse ich das Rumpfboot
aus. Zu perfekt ist die Oberfläche der Bauteile. Am
liebsten würde man den Flieger so wie er ist in die Vitrine stellen
und nicht anrühren. Jedes kleinste Abrutschen des Messers beschert
einen Stich ins Herz. Ich begann dann mit den Tragflächen, um die
Ruderausschläge noch ohne Rumpfeinbauten und montiertem V-Leitwerk
einstellen zu können.
Ist dieses nämlich bereits auf den Rumpf geschraubt
und an die Schubstangen angedockt, nimmt man es nur ungern wieder ab.
Doch zurück zu den Tragflächen. Die Ausschnitte für die
Servos liegen auf der Flügelunterseite, die Anlenkpunkte der Ruder
sind oben. Eine kurze Hutze deckt die Anlenkungen ab. Die Verbindungsstange
verläuft somit im Flügel und bildet eine optisch saubere Lösung.
Um den Gabelkopf auch einhängen zu können, müssen an
Ruder und Flügel noch ein paar Millimeter abgefeilt werden. Vorsicht
ist dabei geboten, damit die Ruderdichtlippe nicht abbricht, ein fragiles,
jedoch den Anforderungen entsprechendes Gebilde aus Mikroballons und
Harz.
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AUFWIND-Autor Gerald Zauner mit Sohnemann und seinem
neuesten Kampfgerät, dem Viking F3F
Zum einen aus Gewohnheit, zum anderen weil ich gute Erfahrungen
bezüglich Spielfreiheit und Robustheit gemacht habe, kamen in den
Flächen die 13 mm breiten Micro Maxx-Servos von Volz
zum Einsatz. Verwendet man 10-mm-Servos, wie zum Beispiel die Wing
Maxx-Serie, schafft man es eventuell, die Servohebel komplett im
Inneren laufen zu lassen, wie es auch auf der beigelegten Einbauskizze
vorgeschlagen ist. In meinem Fall ich wollte nicht auf große
Ausschläge verzichten steht der Servohebel etwa 2 mm über
die Flügeloberfläche und ich musste die Servoabdeckplatten ausschneiden.
Für die künftig auszuliefernden Modelle wird Vaclav jedoch entsprechend
geformte Abdeckungen beilegen. Eine elegante Möglichkeit den Wölbklappenausschlag
nach unten zu vergrößern ist, den Servohebel nicht 90°
zur Schubrichtung zu montieren, sondern etwa 30° versetzt dazu. Man
sollte dann allerdings darauf achten, dass bei einem Beimischen der Wölbklappen
zur Querruderfunktion der Zumischanteil nach oben und unten getrennt einstellbar
ist, da sonst bei Querruderausschlag die Wölbklappe weiter nach unten
als nach oben ausfährt. Bei meiner neun Jahre alten MC-20
gibt es diese Einstellmöglichkeit beispielsweise noch nicht. Als
Stromversorgung verwende ich NiMh-Zellen der Größe AA mit 2.300
mAh.
Die Einbauten
im Rumpf beschränken sich auf die Montage zweier Servos, die über
Schubstangen die Leitwerksruder bedienen
Kabelbaum und Steckverbindungen
gestalten sich bei der zweiteiligen Tragfläche einfacher als bei
einer dreiteiligen. Etwas schwach dimensioniert und damit wären
wir beim einzigen baulichen Manko des Viking wirken
die Zentrierstifte, die die Tragfläche am Rumpf positionieren. Sie
saßen bei meinem Modell so eng in der rumpfseitigen Bohrung, dass
sie sich bei ruckartigem Herausreißen der Flächen verbogen,
zumal der Verbinder horizontal liegend gelagert ist. Ein Kürzen der
Stifte schaffte schließlich Abhilfe. Eine entsprechende Endkontrolle
vor der Auslieferung sollte das Problem beseitigen. Dickere Bolzen wird
es vorerst leider nicht geben.
Die Einbauten im Rumpf beschränken sich im einfachsten Fall auf die
Montage zweier Servos, die über Schubstangen die Leitwerksruder bedienen.
Dazu sägt man zwei Löcher im Rumpfboot aus, steckt die Servos
rein und schraubt sie fest. Bei dieser Lösung entfällt jedoch
abhängig von der Servohöhe die Möglichkeit,
die Ballaststange im Ganzen einzuführen. Ich schnitt also das Rumpfboot
großflächig aus und legte die Servoeinheit um 5 mm tiefer.
Der Kohleverbinder
hat wahrhaft gewaltige Ausmaße
Ein kleines Detail am Rande zum
Punkt im einfachsten Fall: Beim Ausschneiden des Rumpfbootes
musste der Bowdenzug zum Einschieben der Empfangsantenne geopfert werden.
Beim Versuch, diesen zu verlegen, riss er ab und ich stand vor dem Problem,
einen neuen Bowdenzug durch den nicht einsehbaren Irrgarten an Rumpfspanten,
Schubstangen, Ballastrohr und sonstigen Innereien einzuführen. Nach
Zeit und Nerven raubenden athroskopischen Versuchen, bei denen unter anderem
ein 4-mm-Bohrer im zweiten oder dritten Rumpfspant stecken blieb, hatte
ich Erfolg, indem ich mit einem Messingrohr einen geraden Weg durch alles
bohrte, was sich in den Weg stellte.
Verwendet man Ballast, muss dieser im Aufnahmerohr gegen Herausrutschen
gesichert werden, da im Rumpfboot kein natürlicher Anschlag vorhanden
ist. Mit etwas Bauchweh bohrte ich durch Rohr und Ballaststange ein 3-mm-Loch,
das einen Sicherungsstift aufnimmt. Die Vorstellung, was passiert, wenn
ein 18-mm-Geschoss mit 1,4 kg Gewicht in Richtung Empfänger und Akku
drückt und sich anschließend durch beide seinen Weg ins Freie
sucht, verwirft man am besten gleich wieder, denn eine hundertprozentige
Lösung zur Arretierung wird man nicht finden.
Die Scheu vor dem neuen, hochglänzenden Flieger war zwischenzeitlich
verflogen, der Viking hatte bereits beim Bau die ersten Kratzer
abbekommen, die Flügelspitzen wurden durch die Kellerdecke natürlich
abgerundet und dem Erstflug stand nichts mehr im Weg. Der Schwerpunkt
wurde laut Plan 107 mm hinter die Flügelvorderkante gelegt. Und dort
liegt er immer noch, die Ruderausschläge gerieten etwas größer
als die in der Bauanleitung empfohlenen, aber das ist ohnehin Geschmacksache,
ebenso ob mit oder ohne Expo geflogen wird.
Mehr über den Viking hören wir bald, denn er war
auf dem Viking Race in Rügen mit einigen Exemplaren vertreten, um
seinem Namen Ehre zu erweisen.
Gerald
Zauner
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