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Begonnen hat
alles im November 2002 auf der Modellbau Süd-Messe
in Stuttgart. Am Messestand von Lenger standen die Klapptriebwerke von
Markus Elicker in verschiedenen Größen.
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Beginn der
Operation Einbau Klapptriebwerk: Anzeichnen und Aussägen
der Rumpfklappen nach Angaben des Herstellers. Eine Arbeit, für
die man sich Zeit nehmen sollte um später ein einwandfreies Öffnen
und Schließen zu gewährleisten.
Vollständig ausgerüstet brachte die neue ASW-28 jetzt 6.150 g auf die Waage. Der angegebene Schwerpunkt von 80 mm war ohne Blei einzustellen. So ausgestattet begab ich mich früh morgens auf den Modellflugplatz. Nach dem Aufrüsten wurde mit einer Digitalwaage der Standschub gemessen: Bei 10.500 U/min und 38 A Stromaufnahme brachte das Triebwerk ca. 2.500 g Schub. Das Klapptriebwerk lief auch absolut ruhig, was auf eine sehr gut gewuchtete Luftschraube und passgenaue Riemenscheiben zurückzuführen ist. Nach zwei Minuten Laufzeit waren es bei 10.100 U/min und 36,5 A Strom noch ca. 2.300 g Standschub. Die Motortemperatur stieg bei 22° C Außenluft und einer Laufzeit von 60 Sekunden gerade mal auf 45° C an. Auch nach zwei Minuten Laufzeit am Stück stieg die Temperatur nicht über 60° C an. Und nach vier Minuten Last gab der Akku noch 15,3 V ab. Das ergab bei 35,5 A Stromaufnahme 9.700 U/min und einen Schub von immerhin noch ca. 2.000 g. Erst nach fünf Minuten Gesamtlaufzeit war der Akku leer, die Akkutemperatur lag ohne Kühlung bei 58 Grad. Zufrieden entfernte ich den Akku aus dem Modell um ihn in die Kühlröhre zu legen. Schnell wurde der Akku mit dem Reflexlader LMR 350 von Megra Akkutronic geladen. Dann wurde es ernst: Also noch mal sammeln, Rudercheck, mit linkem Schieber das Triebwerk raus, mit rechtem Schieber langsam die Pulle rein. Noch etwas mehr Gas und das Modell stellte sich mit der Nase in die Wiese, das Höhenruder ca. 60 cm in der Luft. Ich habe vor lauter Schreck erst mal die Störklappen ausgefahren bis ich schließlich den rechten Schieber griff und das Gas wegnahm. Hier habe ich erkannt und gelernt, dass ich für den Start das Gas auf den rechten Knüppel legen musste. Also wurden gleich drei Speicher programmiert: Startstellung mit Gas auf dem Gasknüppel und Störklappen auf dem rechten Schieber. In der Flugstellung dann das Gas auf dem rechten Schieber und die Störklappen auf dem Gasknüppel. Außerdem habe ich noch etwas gelernt, das Fahrwerk war immer noch zu weit hinten. Irgendwie froh, dass ich die Kiste nicht fliegen musste, zog ich unverrichteter Dinge wieder ab. Im Wohnzimmer habe ich das Modell dann aufgerüstet und eine Rad-Attrappe mit Klettband unter den Rumpf gesetzt und an der Luftschraube bei ausgefahrenem Klapptriebwerk mit 2,5 kg gezogen. Danach habe ich die Attrappe so weit nach vorne gebracht, bis sich das Heck gerade so heben wollte. In der Werkstatt wurde der Punkt markiert und das Fahrwerk versetzt. Das Resultat ist jetzt ein Fahrwerk ohne Klappen, das nur bis zur Radnabe ausgefahren wird und 110 mm vor der eigentlichen Position sitzt. Die Vorbildtreue ist natürlich dahin, aber das Modell muss ohne fremde Hilfe in die Luft. Dann der zweite Versuch auf dem Flugplatz: Das Modell beschleunigte flott, die Richtung stimmte einigermaßen zur Startbahn, irgendwie habe ich die Flächen wie beim F-Schlepp horizontal gehalten, aber von Abheben keine Spur. Irgendwann einfach mal kurz gezogen. Einige Zehntelsekunden später blieb dann auch die linke Fläche bei voller Fahrt im Gras der Pistenbegrenzung hängen. Ein Ringelpiez die Folge, Gas raus! Das Resultat war ein kaputtes Getriebe im Seitenruderservo, sonst nichts.
Hier ein Blick
auf die nachträglich einlaminierten Rumpfverstärkungen im
Bereich hinter der Tragflächenanformung. Diese Verstärkungen
sind häufig beim nachtäglichen Einbau eines Klapptriebwerkes
notwendig
In meiner Werkstatt habe ich die Einstellwinkeldifferenz und den Schwerpunkt nochmals vermessen. Der Schwerpunkt lag wie angegeben bei 80 mm, die Einstellwinkeldifferenz betrug 0,5°. Ich beschloss die Einstellwinkeldifferenz auf 2° zu vergrößern und den Ausschlag des Höhenruders auf 15 mm zu erhöhen. Nach zwei Wochen Querwind auf unserer Bahn ein neuer Versuch. Diesmal korrigierte ich die Richtung mit dem Seitenruder, was zur Folge hatte, dass die ASW überallhin wollte, nur nicht geradeaus. Die Wirkung des Seitenruders war unglaublich. Die kleinste Korrektur ließ das Modell Haken schlagen. Daraufhin wurde der Ausschlag im Startspeicher auf beidseitig 10 mm zurückgenommen. Dann beschleunigte das Modell fast geradeaus. Nach ca. 40 m zog ich wie beim letzten Versuch und das Modell hob ab, musste aber mit gezogenem Höhenruder gehalten werden um auf Höhe zu kommen. Bei etwa 300 m schaltete ich den Antrieb ab und fuhr das Klapptriebwerk ein. Ein faszinierendes Flugbild, mein Puls auf 180. Die Höhenrudertrimmung reichte für einen normalen Horizontalflug nicht aus. Ohne auf irgendwelche Thermik zu achten, vergingen gut fünf Minuten bis die 100-m-Marke erreicht war. Mit gezogenem Höhenruder lässt es sich nicht gut fliegen, so beschloss ich zu landen. Etwas höher anfliegen wegen Querwind, Klappen raus, einschweben, abfangen tja, irgendwo war der Höhenruderausschlag am Ende und die ASW-28 setzte ziemlich hart auf. Für das nächste Mal wurde der Schwerpunkt verlegt, ich dachte so auf 90 mm hinter der Nasenleiste. Dafür wanderte die Empfängerstromversorgung direkt unter den Schwerpunkt. Nach dem Umbau der nächste Versuch, diesmal mit halb Seitenwind. Das Modell zog beim Start nach rechts, weil ich irgendwie überfordert war die Richtung zu halten. Kurz vor dem Pistenrand zog ich kurz am Höhenruder und die ASW hob fast von selbst ab. Die Maschine wollte jedoch etwas gezogen werden um mit ca. 4 m/s auf Höhe zu klettern. Später habe ich etwa fünf Prozent Höhenruder zum Gas dazugemischt, und nach dem Ausschalten des Antriebes in 400 m Höhe das Triebwerk wieder eingefahren und die ersten Flugversuche durchgeführt. Auf Überziehversuche reagiert das Modell harmlos und geht lediglich auf die Nase. Die Reaktion auf Ruderausschläge ist präzise und völlig ausreichend. Wenn man das Triebwerk wieder ausfahren und einschalten will, sollte man aber etwas Fahrt aufnehmen. Jedenfalls erschreckte ich mich gewaltig, als die ASW-28 blitzartig auf dem Kopf stand, als ich das erste Mal in der Luft Vollgas gab. Auch zur Landung sollte man immer mit genügend Fahrt anfliegen. Gegen Saisonende habe ich die ASW-28 noch ein paar Mal geflogen, zuletzt mit einer Schwerpunktlage bei 95 mm. Allerdings gefiel sie mir mit dieser SP-Lage nicht so richtig. Der richtige Schwerpunkt dürfte bei etwa 93 mm liegen. Bis das Modell richtig eingeflogen ist, vergeht bestimmt noch eine Flugsaison. Ich konzentriere mich nun erst mal auf die Starts, die Bedienung des Klapptriebwerks in der Luft und auf die Landung. Denn jede neue Funktion muss geübt werden, hier geht es praktisch mit dem Bodenstart los. Das Thermikfliegen kommt dann später von alleine, wenn man die Grenzen des Modells genau kennt. Geflogen wird die nächste Saison jedenfalls mit zwei Akkupacks. Und das Triebwerk von Markus Elicker machte bisher einen tadellosen Eindruck. Mit einer Akkuladung sind vier Steigflüge auf ca. 400 m Höhe drin. Ich bereue nicht, die ASW-28 mit dem Klapptriebwerk ausgerüstet zu haben. Es ist eine Augenweide und das Klapptriebwerk bringt es sicher auf Höhe für ausgedehnte Thermikflüge. Kurzum, der Traum eines Seglerpiloten und bekanntlich setzen die Götter vor den Erfolg den Schweiß. Bernd
König
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![]() Nach der Landung. Es gibt doch noch einige Verbesserungspunkte. |
Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2004 Das komplette Inhaltsverzeichniss 4/2004 Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang. © AUFWIND 2004 |