REPORTAGE

One of the Biggest

Eine „Austria Elefant“ im Maßstab 1:2

 

Wie schon in AUFWIND 5/2008 angekündigt und in der Ausgabe 1/2009 mit einem ersten Bild gezeigt, hat der Schweizer Markus Frey im vergangenen August den Bau der „Austria Elefant“ begonnen. Das 1930 erbaute Original war riesig: die „Austria“ hatte eine Spannweite von 30 Metern, eine Rumpflänge von neun Metern, eine Flügeltiefe an der Wurzel von 1,8 Metern und einen halben Meter Profildicke.


     Die „Austria“ wurde im Auftrag von Robert Kronfeld von August Kupper der Akaflieg München konstruiert. Ihr letzter Flug fand am 22. Juli 1932 statt. Robert Kronfeld kam nach nur 22 Minuten Flug in eine Wolke. Im Blindflug hörte er plötzlich einen dumpfen Knall und stürzte aus der Wolke heraus. Linkes und rechtes Flügelende brachen ab und die Maschine ging in einen Looping über. In der Rückenlage schnallte Robert Kronfeld sich los und sprang mit dem Fallschirm ab. Die Maschine wurde total zerstört, während Kronfeld sicher landete.


     Die „Austria“ war ihrer Zeit sehr weit voraus, hatte eine zu diesem Zeitpunkt sehr geringe Flächenbelastung und ein sehr geringes Sinken. Bis zur „Eta“ (30,9 Meter) im Jahre 2000 war die „Austria“ das größte Segelflugzeug der Welt. Die großen Endscheiben am Leitwerk, die Unhandlichkeit des fliegenden Riesen und die graue Farbe seiner Lackierung mögen wohl der Grund gewesen sein, dass die „Austria“ sofort nach dem Erscheinen auf der Wasserkuppe im Fliegerlager den Spotnamen „Elefant“ erhielt.


     Das Modell projektierte Markus von Beginn an im Maßstab 1:2, was eine für Modellflieger gigantisch anmutende Spannweite von 15 Metern ergibt. Wie schon bei der „Ka-4“ (vgl. AUFWIND 5/2008) fräste wiederum Rolf Fritschi die Spanten und die Rippen. Da vom Original keine Baupläne mehr vorhanden sind, hatt Rolf das ganze Projekt auf CAD umgesetzt. Er startete das Projekt von einer Dreiseitenansicht.


     So entstand in mehrmonatiger Bauweise aus den CNC-gefrästen Teilen zunächst mal ein Rumpfboot: Dieses ist rund einen Meter hoch, 27 Zentimeter breit und 1,8 Meter lang. Die Gesamtlänge des Rumpfes beträgt später 4,5 Meter. Beplankt wurde der Rumpf nun mit rund 4,5 Quadratmetern Sperrholz 0,6 mm. Aufgeklebt mit Weißleim, wurde die Verklebung beim Aufziehen mit einem heißen Bügeleisen beschleunigt. Aus Mehrschichtholz schließlich wurde die Rumpfnase gefräst, zusammengeklebt und verschliffen. Hier kam die gleiche Schleppkupplung wie schon bei der „Ka-4“ zum Einsatz, dieses Mal angesteuert von einem 24-kg-Jumbo-Servo von Hitec. Dann wurde der Rumpf noch mit 49-g/qm-Glasgewebe überzogen und lackiert. Bei der Lackierung wurde nur ein 2K-Klarlack verwendet – dem Flugzeug bleibt also die Holzoptik erhalten. Zur späteren Stromversorgung der Empfangsanlage wurde schon mal ein 2s-LiPo mit 8.000 mAh als Hauptakku und ein weiterer 2s-LiPo mit 3.700 mAh eingebaut. Geplant ist, das 2,4-Ghz-System von Weatronic zu verwenden, was das Handling der 18 erforderlichen Servos erleichtern soll. 17 Kilogramm zeigte die Waage schließlich für das Rumpfboot an, inklusive vier Kilogramm Blei im Trimmbehälter und der ein Kilogramm schweren Pilotenfigur.


     Der Leitwerksträger wurde auf einem Kohlerohr aufgebaut. Leitwerksträger und Leitwerk wiegen zusammen sieben Kilogramm. Das ergibt ein Gesamtgewicht von 24 Kilogramm für den ganzen Rumpf mit Leitwerk. Und es ist kaum zu glauben: Trotz der riesigen Größe kann der teilbare Rumpf im Familienvan problemlos transportiert werden.


     Beim nächsten Mal berichte ich über den Tragflächenbau, der nicht nur von seiner Größe her die Grenzen des Flugmodellbaus gesprengt hat.

Urs Pircher

 

    


Ein ungewöhnliches Modell in ungewöhnlicher Größe!


bild

Aus CNC-gefrästen Teilen entstand zunächst ein Rumpfboot. Es ist rund einen Meter hoch, 27 Zentimeter breit und 1,8 Meter lang.


Beplankt wurde der Rumpf mit rund 4,5 Quadratmetern Sperrholz 0,6 mm.



Rolf Fritschi setzte das ganze Projekt auf CAD um.

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Der Leitwerksträger wurde auf einem Kohlerohr aufgebaut. Leitwerksträger und Leitwerk wiegen zusammen sieben Kilogramm.

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Bei der Lackierung wird nur ein 2K-Klarlack verwendet - dem Flugzeug bleibt also die Holzoptik erhalten.


Fakten

„Austria“
Ein Scale-Großsegler
im Maßstab 1:2

Original (1930)             Modell Spannweite: 30 m            15 m
Länge: 9 m                       4,5 m
Flügelfläche: 34,97 qm     9,06 qm
Fluggewicht mit Pilot:
482,4 kg                           circa 70 kg
Profil: Gö-652                 Gö 535 mod.
Streckung: 25,2                 25,2

 



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