Die Firma Conzelmann bietet einen Funflyer nicht nur für die fünfte Jahreszeit an. Gehören Verbrenner-Spaßflieger dieser Kategorie inzwischen auf vielen Modellflugplätzen zum alltäglichen Bild, so sind speziell für Elektro-Antrieb ausgelegte Modelle noch eher selten.

Im Lieferzustand sind alle Teile einzeln oder in Baugruppen eingeschweißt und im Karton gegen Verrutschen gesichert. Der "Carneval" ist in klassischer Holzbauweise erstellt, wobei ein Großteil der Holzteile CNC-bearbeitet sind. So sind zum Beispiel die Rippen des Flügels aus Sperrholz gefräst und zur Gewichtserleichterung extrem weit ausgenommen. Der Rumpf ist als Kastenrumpf aus ebenfalls gefrästen und ausgenommenen Pappelsperrholzteilen erstellt. Der Rumpfrücken besteht aus ABS-Tiefziehteilen, wobei das zentral über der Fläche gelegene Element über einen pfiffigen Schiebemechanismus zum Akkutausch abgenommen werden kann. Alles ist perfekt gebaut, zweifarbig bebügelt und sehr leicht: So wiegt zum Beispiel die fertige Fläche mit Querrudern lediglich 175 g. Alle Kunststoffteile sind fertig lackiert, die Bowdenzughüllen mit genau abgelängten Zügen bereits passend eingeklebt, der Pilot sitzt flugbereit und unter der verklebten Klarsichthaube wettergeschützt an seinem Platz. Alle benötigten Kleinteile bis zur letzten Schraube sind in ordentlicher Qualität enthalten. Gut auch der mit vier Schrauben befestigte Motordom, der für den jeweils geplanten Antrieb in unterschiedlichen Ausführungen angeboten wird. Die Montage beschränkt sich somit wirklich auf das Verkleben der Leitwerke und den Einbau der Technik, die bebilderte Montageanleitung lässt keine Fragen offen. Weniger schön ist jedoch, dass das Höhenleitwerk nicht ganz in die dafür vorgesehene Vernutung im Rumpf passt, den die Passung der beiden Rumpfrückenteile ist nicht ganz korrekt. Hier ist etwas Nacharbeit gefragt. Das ist aber auch der einzige kleine Ausrutscher - ansonsten ausgezeichnte Qualität. Das Problem konnte von anderen "Carneval"-Besitzern zudem nicht bestätigt werden, so dass es sich um einen Serienausreißer zu handeln scheint. Nach einigen Stunden Arbeit muss dann nur noch der Schwerpunkt ausgewogen werden. Kleine Löcher in der Rumpfseitenwand (im Schwerpunkt), in die ein beiliegender Stahldrahtbügel greift, erleichtern diese Arbeit sehr.

Der Antrieb ist kurz und dick. So könnte man den in meinem "Carneval" eingesetzten Motor bezeichnen. Es handelt sich hierbei um einen LRK-Motor der Firma Flyware - in AUFWIND schon umfassend vorgestellt. Der im Testmodell eingesetzte LRK 350-15-12,5 ist unter Verwendung von CNC-Drehteilen aufgebaut. Mit acht gepushten Sanyo RC-2400 und dem Hacker-Regler Master 70-3P-Opto dreht der Motor einen Graupner Cam-Prop 12,5x6" im Stand mit 8.600 U/min, was ca. 1,8 kg Standschub liefert. 40 A fließen hierbei durch die Wicklungen. Das Timing ist auf 18° programmiert. Funktionieren viele LRKs mit einem Timing von 30° noch besser, führte das in diesem Fall nur zu deutlich mehr Strom bei fast exakt gleicher Drehzahl. </FONT></P> <P align="left"><FONT face="Geneva, Verdana" size="2">Das Fluggewicht pendelte sich schließlich bei rund 1,5 kg ein. Durch den Einsatz des eigentlich überdimensionierten aber eben vorhandenen Stellers ohne BEC ist noch ein Empfängerakku mit 270 mAh an Bord. Vier Flüge mit Sicherheitsreserve sind drin. Bei Einsatz des vorgesehenen BEC-Stellers ließen sich noch einmal 60-70 g sparen.

Mit nach Bauplanvorgaben eingestellten Rudern ist der "Carneval" nach wenigen Metern Rollstrecke in der Luft. Die Leistung reicht problemlos für senkrechten Steigflug. Die Rollgeschwindigkeit ist gut, die Reaktion auf das Höhenruder für meinen Geschmack zu träge. Das ändert sich nach Zuschalten des auch in der Anleitung empfohlenen Snap-Flap sofort. Jetzt geht es so um die Ecken, wie sich das für einen Funflyer gehört. Der vorgegebene Motorsturz passt, der Seitenzug ist etwas zu klein - das kräftige Drehmoment des großen Propellers zieht den Flieger aus der Bahn.

InfoBox

Bezug bei Conzelmann Modelltechnik,
Gotthilf-Bayh.-Straße 34,
70736 Fellbach,
Tel: 07 11/517 40 65
www.freescale.de


Der Carneval bei seine Lieblingsübung, dem Rückenflug. Ein echtes Spaßmodell!

Funfly auf engem Raum macht schon mächtig Spaß und der Pilot setzt in den allermeisten Fällen die Grenzen, nicht das Modell. Die Landung im Schritttempo ist erwartungsgemäß problemlos. Die 2400er-Zellen reichen für 7-7,5 Minuten puren Flugspaß. Die Ruderausschläge passen sehr gut, lediglich der Seitenruderausschlag wurde bis auf Anschlag Höhenruder vergrößert. Zu viel Höhenruder führt beim "normalen" Fliegen irgendwann zu unerwünschten Abrissen. Hier setzt die Physik dann doch die Grenzen. Der Schwerpunkt passt auch gut, kann aber je nach Geschmack und Flugstil noch angepasst werden. Lediglich Messerflug ist trotz vergrößertem Seitenruderausschlag nicht dauerhaft möglich. Der Rumpf ist dazu nicht hoch genug. Diese kleine Schwäche in der Messerlage macht sich auch im "normalen" Kunstflug bemerkbar - Präzision ist nicht angesagt, wird von einem Funflyer aber auch gar nicht erwartet. Dann doch lieber Torquen, wohl inzwischen eine Pflichtfigur beim Funfly. Wenn man es kann, woran ich im Moment noch arbeite, geht es mit dem "Carneval" sehr gut. Lediglich der Antrieb kommt hier an seine Leistungsgrenze. Man braucht schon recht viel Gas dazu und kann dann nur noch wenig nachschieben, um sicher wegzusteigen oder größere Schräglagen zu korrigieren, was gerade am Anfang ständig vorkommt. Deshalb wurde auch noch ein vorhandener 10-Zeller Sanyo N-1000SCR getestet: 9.200 Umdrehungen bei 48 A Standstrom und 2,1 kg Standschub zerren jetzt doch recht brachial am Flieger. Damit hoovert es sich bei Halbgas mit hervorragenden Reserven, leider aber nur noch ca. 3,5 Minuten lang. Die neue Akkuzelle RC-1600 könnte hier die optimale Kombination aus Gewicht und Kapazität sein. Schwerer sollte der "Carneval" nämlich nicht werden.

Trotz der sehr leichten Zelle sind Extremfiguren wie zum Beispiel Aufwärtstrudeln oder überschläge nicht seine große Stärke. Zusammen mit dem bescheidenen Messerflug ist das aber auch wirklich die einzige kleine Einbuße bei den sonst voll überzeugenden Flugleistungen.

Der Wechsel auf einen Graupner Cam-Prop 14x4" brachte übrigens bei geringfügig erhöhtem Strom kaum eine Verbesserung der Flugleistungen. Die Steigung scheint hier doch schon zu klein zu sein. Lediglich beim Torquen konnte ein kleiner Vorteil bemerkt werden. Als weiterer Antrieb wurde noch der Bürstenmotor Lehner 27-22-5 mit Reisenauer Micro-Edition-Getriebe getestet. Die Leistung entspricht bei ähnlichem Strom erstaunlicherweise recht gut dem LRK. Lediglich Torquen funktionierte wegen der zu großen Steigung nicht, die Strömung reißt dann am Propeller ab. Eigentliches Einsatzgebiet dieser Kombination sind auch kleine bis mittelgroße Hotliner. Mit einer anderen Latte ließe sich hier noch einiges holen. Für die dann nötigen Propeller mit mehr als 14" Durchmesser in Kombination mit geringerer Steigung reicht die Bodenfreiheit des Fahrwerks aber nicht mehr aus. Das gute Abschneiden dieses Antriebes soll keine Abwertung des LRK darstellen, zeigt jedoch, dass auch mit einem gut abgestimmten Bürstenantrieb noch exzellente Flugleistungen möglich sind.

Mein Fazit
"Carneval" ist ein rundherum überzeugender Funflyer in toller Qualität und mit ebensolchen Flugeigenschaften. Und der Preis ist durch die perfekte Vorfertigung absolut angemessen.
Arne Finkeldey



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