Test

Spitze Sache

„Dart“ von Mibo

Na, da wurden aber Erinnerungen wach, als auf der Seite von Mibo-Modeli die Produktneuheit „Dart“ zu sehen war: Viele Stunden stand ich früher am Board und habe einen Pfeil nach dem anderen in die runde Scheibe geworfen. Das war schon fast wie eine Sucht. Heute verbindet man mit Dart eine Präzisionssportart, früher setzten die Franzosen die kleinen Wurfspeere als Waffen ein. Was also hat sich Mibo bei dem Modellnamen gedacht? Das Design des Modells hat natürlich schon etwas Waffenähnliches. Auch das beschriebene Fluggewicht von rund 850 Gramm deutet nicht gerade auf eine langsame Gangart hin. Na, und Präzision wird bei der Modellfertigung von Mibo ebenso ganz groß geschrieben. Der Einsatzzweck ist Hangflug. Aber auch Katapultstarts mit hohen Geschwindigkeiten sollen problemlos möglich sein. „Dart“ hört sich so gut an, dass ich nicht nein sagen konnte. Bestellt habe ich das neue Modell online im Internet, geliefert wurde es direkt aus Slowenien. Wer gerade Fliegerurlaub auf den Gerlitzen macht, kann natürlich auch direkt im Ladenlokal vorbeischauen. Es ist nur eine Stunde Fahrzeit. Der Lieferumfang besteht im Wesentlichen aus Rumpf, Leitwerk, einteiliger Tragfläche und einem Beutel mit Kleinteilen: ein CFK-Stab, eine Bauanleitung und - wer hält es für möglich? - ein halber Meter 2-mm-Gewindestange für die Anlenkung der Ruder. Kompletter geht es nicht. Alle GFK-Teile haben eine prima Oberflächengüte – da gibt es nichts zu beanstanden. Als Servos wählte ich vier Hitec-„HS-65MG“ für die Tragfläche und ein „HS-85MG“ für das Höhenruder. Die Leergewichte im Überblick: Rumpf mit Haube: 136 g Tragfläche: 383 g Leitwerk: 38,5 g Der Rumpf ist durchgehend aus GFK gefertigt. Er ähnelt von der Form her dem großen Bruder „Vision Sport“ und ist mit seinen 136 Gramm nicht besonders schwer. Die Kohlefaserhaube ist passend eingearbeitet, mit einem Kohlefaserstab versehen und lässt sich damit einfach aufschieben. Ich empfehle, im Bereich der Haubenöffnung mit CFK-Rovings oder CFK–Gewebe Verstärkungen einzuarbeiten. Bei unerwarteten Stecklandungen ist der Rumpf damit wesentlich widerstandsfähiger. Auch die Tragflächen- und Höhenleitwerksverschraubungen sind bereits vorhanden. Lediglich die Öffnung zur Kabeldurchführung der Tragflächenservos fehlt. Auf ein Seitenruder hat Mibo bewusst verzichtet. In dieser Modellgröße und für den Einsatzzweck Speed und Hang, ist ein solches Ruder auch nicht wirklich erforderlich. Die Fertigstellung des Modells war recht zügig: Servobrett einharzen, Servo montieren, Anlenkstange mit beiliegendem Kohlefaserstab herstellen sowie das Ruderhorn im Höhenruder einkleben – Fertig! Das Leitwerk lässt sich nur seitwärts einschieben und wird dann mit zwei kleinen Inbusschrauben von unten befestigt. Zwecks Steifigkeit ist im Seitenruder ein Stützsteg eingearbeitet. Damit darf man den „Dart“ beim Bungee-Start ruhig auch am Seitenleitwerk festhalten. Wer möchte, kann natürlich auch einen Hochstarthaken einsetzen, circa 20 Millimeter vor dem Schwerpunkt. Oder auch in der Rumpfspitze ein Röhrchen für den Flitschenhaken einharzen. Der Tragfläche sah ich ihre Festigkeit sofort an: Mit 380 Gramm ist sie zwar kein Leichtgewicht, aber wirklich absolut verwindungssteif und druckstabil. Alle Ruder sind bereits als Elastik-Flaps angeschlagen, die Querruder von oben, die Wölklappen von unten, und die Ruderspaltabdeckungen vorhanden. Im Bereich der Tragflächenverschraubung schützen Aluminiumhülsen den Schraubenbereich. Der Kohlefa- serholm ist durchgängig bis rund zehn Zentimeter an die Randbögen heran. Die Servoschachtabdeckungen sind bereits zuge- schnitten und in den Querrudern sind Gewindehülsen für die Anlenkungen. Nur bei den Wölbklappen war der Modellbauer so richtig gefragt: Sinnvoll ist definitiv die Anlenkung von oben. Ich habe einen 20 Millimeter langen und fünf Millimeter breiten Steg in Flucht des Servohebels auf der Tragflächenoberseite ausgefräst. Damit passte der Ruderclip sauber durch die Öffnung. Als Anlenkung dient wieder ein 2-mm-Gewindestab. So lässt sich beim eingeharztem Servo das Ruder in Neutralstellung prima einstellen. Nur sollte das Gewinde mit Schraubensicherungsmittel versehen werden, damit sich die Stange nicht löst. Im Bereich der Servoschächte fehlt der Stützstoff im Flügel. Für ordentliche Festigkeit sorgt dafür reichlich Kohlefasermatte. Also können auch etwas dickere Servos Verwendung finden. Nach zwei kurzen Abenden war das Modell fast flugfertig. Montiert und mit einem vierzelligen Mig-non-Akku versehen, waren noch rund 170 Gramm Blei – eingegossen in die Rumpfspitze – erforderlich, um den angegebenen Schwerpunkt von 80 mm ab Flügelvorderkante einzustellen. Aus den 650 Gramm Leergewicht waren damit 950 Gramm Fluggewicht geworden. Kein Problem für diese Modellgröße und schon gar nicht am Hang. Mangels befliegbarem Hang in der Nähe ging es auf dem völlig verschneiten Fluggelände direkt an die Gummiflitsche. Alle Ruderwege habe ich nach Anleitung eingestellt. Nur die Bremsklappen gingen ein paar Millimeter weiter runter. Die Vorspannung im Seil war noch erträglich, die Kälte eigentlich nicht. Dennoch: Schnurgerade ging es mit hohem Tempo nach oben. Zugegebenermaßen ohne auf das Optimum an Höhe zu achten, klinkte der „Dart“ mit hoher Geschwindigkeit aus. Die Geschwindigkeit nahm nun nicht wirklich ab. Allerdings war auch die Höhe nach wenigen Runden schon auf Landeanflug-Niveau. Trotz zugemischter Tiefenruderwirkung war die Bremsfunktion der hochgestellten Querruder brutal. Der „Dart“ stieg nach oben und stand fast in der Luft. Klappen wieder etwas zurück und schon fiel der Segler zu Boden – glücklicherweise ohne Schaden. Die folgenden Starts und Flüge wurden immer besser, Höhe, Flugzeiten und Spaß stiegen stetig. Mit leicht gesetzten Wölbklappen ließ sich das Modell auch recht langsam machen. Ohne Wölklappen ist allerdings Vorsicht geboten, da die Einstellwinkeldifferenz ab Werk auf nur 0,3 Grad eingestellt ist. Schnelle Rollen und auch enge Loopings sind kein Problem. Auch auf dem Rücken fühlt der „Dart“ sich mit leicht gedrücktem Tiefenruder recht wohl. Bei dem Flitschenstart sind rund 150 Meter Ausgangshöhe locker drin. Dies natürlich nur mit leicht gesetzten Wölbklappen, einer Gummispannung die richtig Kraft kostet und ordentlichem Schuss beim Ausklinken. Die Höhe reicht um etliche Platzrunden zu absolvieren. Der Gleitwinkel ist mit korrigierter Schwerpunktlage – jetzt 77 mm – enorm. Thermik ist an diesem Tag allerdings nicht drin. Es macht aber auch viel mehr Spaß, den „Dart“ so richtig laufen zu lassen und über den Platz zu scheuchen, sodass es bald niemand wagt, gleichzeitig in der Luft zu sein. Trotz dem Speed ist das Flugverhalten absolut ausgewogen, die Ruderfolgsamkeit genial. Beim Steuern ist – wie beim Pfeile werfen auch – Präzision gefordert. Dann macht der „Dart“ genau was der Pilot will. Bis heute sind die Ruderausschläge unverändert. Nur die Tiefenzumischung für die Landestellung habe ich korrigiert, um wirklich treffsichere Landungen zu absolvieren und ein Aufbäumen zu vermeiden. Eines steht in jedem Fall fest: Am Hang können sich die anderen Segler jetzt schon mal warm anziehen. Der „Dart“ wird für viele Modelle seiner Größe in Bezug auf Wendigkeit und Speed eine echte Herausforderung. Mal schauen, wer da als Erster das Nachsehen hat. Der „Dart“ ist qualitativ ein sehr hochwertiges Modell zu einem angemessenen Preis. Das Flugverhalten ist ausgewogen, die Ruderfolgsamkeit enorm, aber die schnelle Gangart liegt ihm sicherlich am besten. Nichts also für denjenigen, der in aller Ruhe seine Runden ziehen möchte. Nein, es ist ein Modell für den ambitionierten Abräumer, der schon am Pfeifen in der Luft sein Modell erkennt und das Flugrevier in Rekordzeit absteckt.

Klaus Löcker

    


Hochstart und Gummiflitsche sind mit dem „Dart“ kein Problem.


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Der „Dart“ ist ein handliches Segelflugmodell für (fast) jede Gelegenheit.


Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Höhenleitwerk für den Transport einfach demontieren.



Genügend Platz bietet der kleine Rumpf dennoch. Alle RC-Komponenten sind leicht zugänglich.

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Die Ruderhörner für die Wölbklappen muss man selbst „Einarbeiten“

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Die Wirkung der Bremsklappen ist brutal. Es muss schon mit ordentlicher Tiefenruderwirkung korrigiert werden.


Das Flugverhalten ist ausgewogen, die Ruderfolgsamkeit enorm, aber die schnelle Gangart liegt dem Modell sicherlich am besten.

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Winter-Impressionen.

Fakten

„Dart“ von Mibo

Spannweite: 1.524 mm
Länge: 1.000 mm
Profil: HN-1038
Tragflächeninhalt: 24 qdm
Fluggewicht: 950 g
Höhenruder: +/-5 mm
Querruder: -14/+7 mm
Wölbklappen: +3 mm (Thermik)
+35 mm (Landung)
Schwerpunkt: 77 mm

Preis: 219,- Euro
Bezug bei Mibo Modeli
Tel. +386/17/590100
www.mibomodeli.si

 

 



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