TEST

Jetzt elektrisch

Der „Xperience Pro“ von Cumulus-Modellbau

 

Die Leistungsfähigkeit von F3J-Modellen hat sich längst auch außerhalb der F3J-Szene herumgesprochen. Dazu beigetragen hat auch die Berichterstattung über den „Xperience Pro“ von NAN-Models, hierzulande im Vertrieb von Cumulus-Modellbau.
     Auch meine Begeisterung über die mit solchen Superfluggeräten mögliche Art des Modellfliegens ist groß. Mein F3J-Modell sollte allerdings eine modifizierte Version mit Elektroantrieb und alltagstauglich sein. Die auf minimale Rumpfquerschnitte getrimmten reinen F3J-Seglerversionen sind jedoch meist für eine Elektrifizierung ungeeignet. Da kam es mir sehr gelegen, dass ich von der Elektroversion des „Xperience Pro“ erfuhr: NAN-Models sieht bei dem Kreuzleitwerks-Rumpf für die Elektroversion vor, dass Emp- fänger sowie das Höhen- und das Seitenruder-Servo im Rumpf hinter der Tragflächenauflage von außen zugänglich sind. So bleibt trotz der schlanken Rumpfkontur vorne ausreichend Platz für eine leistungsfähige Antriebseinheit. Also entschied ich mich für die Modellausführung mit in allen drei Flächenteilen durchgängiger CFK-D-Box.
     In einem superstabilen Versandkarton und auch sonst bestens für den Versand gesichert kam mein „Xperience Pro“ bei mir an. Das Leergewicht meines Modells betrug nur 1.664 Gramm. Die Kreuzleitwerksversion ist etwas schwerer als die mit V-Leitwerk. Schon beim ersten Zusammenbau aller Teile passte alles sehr exakt zusammen, die Führungsstifte der dreiteiligen Tragfläche und die Tragflächenbefestigung selbst sind komplett montiert und justiert. Die Öffnungen für die Querruder- und die Wölbklappen-Servos sind so dimensioniert, dass sinnvollerweise auch 13- bzw. 15-mm-Servos eingebaut werden können. Neugierig war ich auf die Ausführung der Einbaumulde für das Höhen- und das Seitenruder-Servo, vorbereitet für 13-mm-Servos.
     Im Rumpf der Elektroflugversion ist der Platz für wichtige Komponenten schon konstruktiv gut vorgegeben. Als Höhen- und Seitenruder-Servos wurden Hitec-„HS-85MG“ eingesetzt. Damit die Abdeckung dort später gut passt, mussten die den Servos beiliegenden Gummitüllen auf den Unterseiten um einen Millimeter gekürzt und etwas niedrigere Hohlnieten verwendet werden. Auf der anderen Rumpfseite – aber noch hinter der Einbaumulde für das Höhen- und Seitenruder-Servo – liegt die Einbauöffnung für den Empfänger. Dieser hat dort einen sicheren Platz, weit entfernt von den Antriebskomponenten. Der Ausschnitt im Rumpf ist CFK-verstärkt, ist gut 20 Millimeter hoch und gestattet es, bis zu 35 Millimeter breite Empfänger zu verwenden. Die Empfängerantenne lässt sich von hier leicht zum SLW führen. Ich entschied mich für den Multiplex–Empfänger „RX–9 Synth DS IPD Compact“. Für ihn habe ich ein Auflagebrettchen mit einem 15 Millimeter hohen seitlichen Anschlag für den Klettbandstreifen etwas unterhalb der Öffnungskante eingeharzt. Allerdings musste ich dann die Ober- und Unterkante der Rumpföffnung jeweils um einen Millimeter abfeilen.
     Die Wölbklappen und Querruder des Modells sind reichlich dimensioniert. Die Wölbklappen sind an der Wurzel 70 Millimeter tief, die Querruder 60 Millimeter. Da ich eine alltagstaugliche Version eines F3J-Modells haben wollte, entschloss ich mich, auf robuste Servogrößen zurückzugreifen: Deshalb spendierte ich meinem Modell für die Wölbklappen die schon in meinen Großseglern an Querrudern bewährten 15 Millimeter dicken Multiplex „Micro Digi“ mit Metallgetriebe, eingebaut mit den Servorahmen von Michael Frey. Die Rudergestänge (ca. 75 mm lang) bestehen aus 40 Millimeter langen M2,5-Gewindestangen und zwei Gabelköpfen. Die Querruder werden von 13 Millimeter dicken Hitec-„HS-5085MG“-Digitalser?vos mit Metallgetriebe bewegt. Die Rudergestänge sind hier aber nur 70 Millimeter lang und leicht gekröpft.
     Die Auswahl des richtigen Elektromotors für den Antrieb ist heute wegen des breiten Angebots von bürstenlosen Motoren nicht schwierig. Erkunden sollte man das Gewicht des kompletten Modells und den Umfang an Eingangsleistung. Mit dem ermittelten Leergewicht des Modells und der von mir gewünschten Ausstattung konnte ich von einem Abfluggewicht von rund 2.700 Gramm ausgehen. So habe ich für den Antrieb des „Xperience Pro“ rund 300 Watt Eingangsleistung kalkuliert. Da der schlanke Rumpf vorne außen nur 45 mm und im Bereich dahinter auch nicht viel mehr Durchmesser aufweist, habe ich mich für einen bürstenlosen Innenläufer mit Getriebe entschieden: Bei der Wahl zwischen einem Hacker-„B40-10L“ mit 4,4 :1-Getriebe (205 g) mit passendem „X-Pro“-Steller und dem bei mir schon in einem anderen Modell bewährten Plettenberg-Motor „HP 220/20/A3 P4“ mit 5:1-Getriebe, entschied ich mich für den Letzteren. Dieser Motor verfügt nämlich bei unveränderter Windungszahl und nur geringem Mehrgewicht (222 g) über eine etwas größere Einsatzbreite.
     Weil ausreichend Platz zur Verfügung steht und dies von NAN-Models gut vorbereitet war, gestaltete sich der Einbau des Antriebs relativ einfach: Ein GFK-Motorspant (2,5 mm dick) wurde mitgeliefert und passte tadellos in die Rumpfnase, sodass ein sorgfältiges Messen des erforderlichen Motorsturzes entfällt. Vor dem Einharzen in dem Rumpf empfiehlt es sich noch, auch die erforderlichen Lüftungsbohrungen zwischen die Bohrungen für die Befestigungsschrauben zu setzen. Der Drehzahlsteller konnte Platz sparend an der Seitenwand des Haubenausschnittes mit Klettbandstreifen befestigt werden. Die drei Zuleitungen zum Motor habe ich auf 20 Millimeter gekürzt und direkt mit den Kabeln des Motors verlötet. Die Position des Antriebsakkus unmittelbar neben dem Drehzahlsteller verschiebt sich dabei von der Rumpfmittellinie leicht zur Seitenwand hin. Gehalten wird der Akku mit einer kurzen Schraube, die in ein auf dem Rumpfboden geklebtes schmales Auflagebrettchen eingeschraubt wird. Dafür ist am Akku mit den Kabeln mit Doppelklebeband sowie Schrumpfschlauch eine Sperrholzlasche angebracht und mit einer Bohrung versehen. Als Luftschraube wurde eine Aeronaut Klappluftschraube CAM-Carbon 15x8“ mit einem 48-mm-HM-Klemm-Mittelstück und 44-mm-Turbospin?ner gewählt. Die Standmessung ergab auf Anhieb die angestrebte moderate Stromaufnahme von nur 33 Ampere.
     Für den Erstflug legte ich den Schwerpunkt bewusst leicht kopflastig auf 97 Millimeter und die Einstellwinkeldifferenz auf knapp einen Grad. Nach dem obligatorischen Reichweitentest warf ein Helfer den „Xperience Pro“ mit mäßigem Schwung und zu 2/3 laufendem Motor. Sofort begann das Modell einen absolut sicheren und geraden Steigflug. Mit dem Hochschalten auf volle Motorleistung setzte er diesen im Winkel von circa 50 Grad fort. Gelegentlich wurde etwas nachgedrückt, damit es nicht zu steil wurde. Der erste Gleitflug begann mit geringer Nachtrimmung ebenso erfreulich unproblematisch wie der gesamte Start. Schon beim Erstflug deutete das Modell an, wie wohl es sich selbst in kleinsten Aufwindbereichen fühlt. Das erste beschleunigende Andrücken zum Speedabschwung bestätigte dann erwartungsgemäß die aus der Erstflug-Einstellung resultierende,     zu starke und unerwünschte Abfangtendenz. Der Schwerpunkt wurde beim zweiten Start um sechs Millimeter nach hinten verlegt und die Einstellwinkeldifferenz zurückgenommen. Obwohl von den erwarte??- ten sieben Minuten Motorlaufzeit nach rund 15 Minuten Flugzeit erst rund 80 Sekunden verbraucht waren, wurde die erste Landung eingeleitet. Mein „Xperience Pro“ zeigte an, dass die Butterfly-Fluglage in der Landephase mehr Tiefenruderbeimischung erforderte, als voreingestellt war, um auch bei Wind stets die Nase nach unten zu zeigen. Die inzwischen gefundene Tiefenbeimischung beträgt bei vollen Butterflyausschlägen fünf Millimeter, damit stets nur durch Ziehen von Höhe korrigiert werden kann und wellige Landeanflüge unterbleiben.
 


Der „Xperience Pro“ von Cumulus-Modellbau ist in der Elektroversion ein absolut alltagstaugliches F3J-Sportmodell.


bild
Der Start des Modells stellt keine übermäßige Kraftanstrengung dar und ist damit problemlos machbar.


Das Leergewicht des Modells betrug nur 1.664 Gramm. Schon beim ersten Zusammenbau aller Teile passte alles sehr exakt zusammen.


Die Einbaumulde für Höhen- und Seitenruder-Servo ist vorbereitet für 13-mm-Servos.

a
Vom ersten Start an zeigte sich das Elektrosegelflugmodell von seiner besten Seite.

a
Im Segelflug fühlt sich das Modell selbst in kleinsten Aufwindbereichen wohl.

a


a

Fakten

„Xperience Pro“ von NAN/Cumulus Ein Elektro-F3J-Modell für den Alltag

Spannweite: 3.334 mm
Länge: 1.523 mm
Tragflächenprofil: HN-354
Fluggewicht: 2.711 g
Motor: HP-220/20/A3 P4 5:1 Plettenberg
Regler: Future Value 18.40o Schulze
Flugakku: 3s-LiPO XCell 3.900 mAh
Luftschraube: CAM-Carbon 15x8“ Aeronaut
Ruderausschläge:
Höhenruder: -11/+8 mm
Seitenruder: l/r23 mm
Querruder: -13/+7 mm
Thermik:
Höhenruder: +1 mm
Querruder: +3 mm
Wölbklappen: +4 mm
Speed:
Querruder: -2 mm
Wölbklappen: -3 mm
Landung:
Höhenruder: +7 mm
Querruder: -8 mm
Wölbklappen: +max.
Preis: 770,- Euro
Bezug bei Cumulus-Modellbau
Tel. 08803/774730
www.cumulus-modellbau.de.

   

Schrittweise wurde der Schwerpunkt nun auf 105 Millimeter zurückgelegt und die EWD auf 0,7 Grad zurückgenommen. Um auch die angestrebte Wendigkeit des Modells bei Bedarf auszunutzen, habe ich die Querruderausschläge nach unten um zwei Millimeter und nach oben um drei Millimeter erhöht, nutze aber für diesen Geber die Exponentialfunktion (50 Prozent).
     Der „Xperience Pro“ vereint in der Elektroversion noch stärker die Allroundeigenschaften, die diese Konstruktion ohnehin schon in der reinen Seglerversion besitzt. Mit der Qualität aller Teile des Bausatzes in der vom Autor georderten Ausstattungsversion erhält man ein F3J-Spitzenmodell mit hoher Festigkeitsreserve und angemessener Robustheit.

Reinhard Morawiet

 



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 5/2009

Das komplette Inhaltsverzeichnis 5/2009
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

© AUFWIND 2009