TEST

Flitzer ganz in Schale

Ein Voll-GFK-„Fox“ von Wildflug


Der knapp über zwei Meter kleine „Fox“ ist ein flotter Hangflitzer mit Rennerqualitäten.

Über den „Fox“ im Original viele Worte zu verlieren hieße wohl die viel zitierten „Eulen nach Athen tragen“. Gleiches gilt für die vielen Modelle, die meistens in Maßstäben von 1:4 bis 1:3 angeboten werden. Man weiß halt, was da auf einen zukommt – natürlich im positiven Sinne: eine moderne Segelkunstflugkonstruktion, die durch ihre Doppelsitzigkeit auch die Möglichkeit der Kunstflugschulung bietet. Die Flugeigenschaften sind neutral, die Auslegung auf hohe positive und negative G-Kräfte hin optimiert. Die Krönung sind wohl die Modellnachbauten in Maßstäben um 1:2, die allerdings auch große Kosten nach sich ziehen und eher für den versierten Modellbauer geeignet sind. Hangflug ist mit solchen Wuchtbrummen nur an wenigen Plätzen erlaubt und möglich. Grundsätzlich ist der „Fox“ kein Modell für den Anfänger, zumindest nicht, wenn man ihn in vorbildähnlicher Auslegung und Geometrie belässt. Neuerdings gibt es auch Nachbauten aus EPP und ähnlichen Schaumstoffen, teils mit Elektromotor in der Nase, die für quasi jeden Modellpiloten geeignet sind.

Ein Modell für den erfahrenen Modellbauer ist der „Fox“ im Maßstab 1:7 (2 m Spannweite) von Wildflug. Da ich ohnehin auf der Suche nach einem handlichen Hangrenner war, habe ich mir dieses Exemplar zugelegt. Da der „Fox“ normalerweise für Segelkunstflug im „Constant Speed“-Stil ausgelegt ist, wird er in der Regel auch nicht allzu schnell. Der dicke Rumpf trägt mit seinem vermeintlichen Widerstand seinen Teil dazu bei. Hier überraschte der „Fox“ von Wildflug mit einem gänzlich anderem Verhalten: Es handelt sich um ein Speedmodell sondergleichen. Eigentlich auch kein Wunder, bei dem dünnen Flügel mit „RG-15“-Profil. Lustigerweise passt der kleine „Fox“ in einen Gewehrkoffer, also eine assoziationsreiche Aufbewahrungsart.

Das Modell ist ganz in Voll-GFK gefertigt und die Teile ganz lackiert. Das sah auf den ersten Blick auch alles sehr schön aus. Neu sind die verschiedenen Lackierschemata: mein Modell hat eine gelbe Tragflächenunterseite und rot-gelbe Streifen auf der an- sonsten weißen Oberseite. Die Randbögen waren mit ihrer Zuspitzung und einer Tiefe von unter 50 Millimetern extrem schmal. Glücklicherweise waren die beiden, bereits mit Elastikflaps angeschlagenen Querruder bereits um einen Millimeter nach oben verdreht, sodass dieses einem allzu frühen Strömungsabriss entgegenwirkte. Ob das bei der Herstellung des Modells Absicht war, wage ich mal zu bezweifeln, denn das Höhenleitwerk war auch verdreht. Das ließ sich glücklicherweise mit einem Heißluftfön wieder richten. Nicht richten ließ sich aus der Schachtel heraus die Passung zwischen Höhenleitwerk und Rumpf, die mit Hilfe eines Harz-Mikroballoons-Gemisch selbsttätig noch einmal abge- formt und angepasst werden musste – eine Arbeit für den versierten Modellbauer, da die eigentlich korrekt angeformte Einstellwinkeldifferenz (EWD) nachhaltig verändert werden könnte. Das hätte bei diesem sensiblen Modell fatale Konsequenzen. Auch fehlten leider Kleinteile wie Ruderhörner oder auch ein Bauplan.

Der Innenausbau mit einem Multiplex IPD-Empfänger, elektronischem Schalter und vier „Eneloop“-Empfängerakkuzellen war schnell erledigt. Die Mon- tage von Haubenrahmen und Haube war dann wieder recht arbeitsintensiv, da noch der Haubenrahmen zurechtgeschliffen werden musste.

Wenn man die kleinen „Fox“-typischen Fensterchen hinter der Kabinenhaube montieren möchte, muss man den Rumpf an diesen Stellen ausfräsen. Die Tragflächen werden über eine Stahlsteckung an den Rumpf gesteckt. Servostecker und Servos (2x Dymond „D-60“) mussten noch in die Tragfläche eingebaut werden. Im Rumpf wurde dann noch ein Servobrett, das dem Bausatz nicht beilag, eingebaut. Als Servos für Hö- hen- und Seitenruder wurden in meinem Modell zwei Dymond-„D-150“ ausgewählt, die sehr schnell und rückstellgenau sind. Die Rückstellgenauigkeit ist gerade beim Seitenruder sehr wichtig, da eine nur kleine Vertrimmung das Modell bereits aus dem Looping drehen lässt. Die Anlenkung des Seitenruders wiederum ist eine spezielle Geschichte, da es eine geneigte Drehachse besitzt: Die vorgesehene Anlenkung samt Hutze in der Dämpfungsfläche ist wenig dazu geeignet, das Seitenruder in der geforderten Präzision anzulenken. Denn die Hutze war fest und der Anlenkungspunkt des Seitenruders bewegte sich während der Drehung nach oben und unten. Da der Abstand von Hutze zu Ruder zu kurz war, konnte das nicht funktionieren. Die Lösung war, die Drehachse der Seitenruderfläche in den Rumpf nach innen zu verlängern und im Rumpf den Anlenkungshebel anzubringen. Die vertikale Auslenkung ließ sich mit Hilfe eines Kugelkopfes und einer Schubstange aus Kohlerohr im Rumpf leicht kompensieren. Auch das Höhenruder wurde aus dem Rumpf heraus verdeckt angelenkt. Somit wurde die erforderliche Präzision auf Höhen- und Seitenruder realisiert.

Alle Ruderflächen mussten mit absoluter Spielfreiheit und Festigkeit angelenkt werden. Warum dieser Aufwand? Nun, dieser „Fox“ lässt sich spielend am Hang bewegen. Dabei ist es wichtig jederzeit eine hohe Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Das bedingt flatterfreie Ruderanlenkungen.

Kommen wir zum Fliegen: Ich hatte am Höhenruder einen Ausschlag von zehn Millimetern eingestellt, dabei noch fünfzig Prozent Expo. Nicht zu wenig, wie sich herausstellte. Wie im Motorkunstflug lassen sich gerissene Figuren fliegen, die Abrisse kamen sehr definiert und immer reproduzierbar. Auch die Wirkung des Seitenruders mit 30 Millimetern Ausschlag zu beiden Seiten war absolut ausreichend. Die Querruderwirkung um die Mittellage herum war sehr feinfühlig, fast wie bei einem Hubschrauber. Leider war der Maximalausschlag der Querruder nicht ausreichend, die Blätter sind einfach nicht tief genug. Somit ist die Rollrate nicht sehr groß und die Rollen müssen sehr genau ausgesteuert werden.

Beeindruckend ist neben der Geschwindigkeit des „Fox“ auch der starke Durchzug. Mit rund 1.600 Gramm Fluggewicht fast noch zu leicht, fabriziert der „Fox“ himmlische Turns mit beeindruckender Überhöhung. Sticht man das Modell an, wird die Höhe ohne Umschweife wieder in Geschwindigkeit umgesetzt – und umgekehrt. Das hatte ich bei dem dicken Rumpf des „Fox“ so nicht erwartet. Die Wendigkeit macht es leicht, in Hangnähe mit hoher Geschwindigkeit um Büsche herum Slalom zu fliegen, mit einem Turn auf 30 Meter Höhe zu schießen und den Kurs anschließend in entgegengesetzter Richtung zu durchqueren. Spaß pur! Dabei aber nicht zu sehr am Höhenruder ziehen, denn die gerissene Rolle kann dann sehr überraschend kommen – manchmal auch dann, wenn die Höhe dazu eigentlich nicht mehr ausreicht. Dieses Verhalten hat sich auch durch das Verlegen des Schwerpunkts in Richtung Nase nicht verändert.

Der optimale Schwerpunkt liegt nun bei 47 Millimetern. Kommt es mal zu dem Ansatz einer unfreiwilligen gerissenen Rolle, lässt sich der „Fox“ mit beherztem Querrudereinsatz gegen die Drehrichtung wieder auf Kurs bringen. Das gefürchtete Fallen von einem Strömungsabriss in den nächsten bleibt aus. Mit hochgestellten Querrudern wird die Landung eingeleitet. Auch hier kann ich dem Fliegerchen bis jetzt nur beste Noten ausstellen, einen Strömungsabriss in der Landephase konnte ich bis dato nicht provozieren.

Die Flugerprobung also durchweg sehr zufriedenstellend. Eine echte Entschädigung für den arbeitsintensiven Aufbau des Modells. Wie ist denn nun das Gesamtergebnis zu bewerten? Der „Fox“ ein ganz besonderes Modell, das so ziemlich konkurrenzlos dasteht. Es ist kein typisches „Constant-Speed“-Modell, sondern eher eine präzise Hangra- kete mit erstaunlichem Durchzug. Leider ist die Querruderwirkung nicht das, was man erwarten durfte. Hier sollte noch einmal nachgebessert werden, wie auch bei den kleinen, beschriebenen Unzulänglichkeiten. Ach ja, und weniger als drei Beaufort Wind sollten es auch nicht sein. Eher wesentlich mehr.

Richtig gut geht der „Fox“ ab 15 Knoten Wind. Thermik ist für das Modell ein Fremdwort. Ist aber Sturm am Hang, fühlt es sich mitsamt seinem Besitzer erst so richtig wohl.

Volker Kaul
Fotos: Stefan Meyer


Der Innenausbau mit zwei Servos Dymond-„D-60“, einem Multiplex IPD-Empfänger, elektronischem Schalter und vier „Eneloop“-Empfängerakkuzellen war schnell erledigt.


Die Passung zwischen Höhenleitwerk und Rumpf wurde mit Hilfe eines Harz-Mikroballoons-Gemisch noch angepasst.


Bereit zum Erstflug. Reichen die Querruderausschläge? Der Flug wird es zeigen.


Greift man das Modell vor der Tragfläche, lässt es sich sicher in den Hangaufwind schieben.


Kein typisches „Constant-Speed“-Modell, sondern eher eine Hangrakete mit erstaunlichem Durchzug.

Fakten

„Fox“ von Wildflug
Ein kleiner Hangflitzer
Spannweite: 2.015 mm
Länge: 1.080 mm
Gewicht: 1.600 g
Fläche: 23 qdm
Flächenbelastung: 69,57 g/qdm
Einstellwerte
Höhenruder: +/- 10 mm
Seitenruder: +/- 30 mm
Querruder: +10/-11 mm
Schwerpunkt: 47 mm
Preis: ???,- Euro
Bezug bei Wildflug
Tel. 0172/9003946
www.wildflug.com



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