TEST

Alltagstauglich

„Logo“ von Aeronaut3“

 

Jeder aktive Modellflieger hat ein Modell, das er bei so ziemlich jeder Gelegenheit fliegen kann. Solche Modelle sind meist klein und handlich. Ein schnelles Zusammenbauen auf dem Flugplatz und einfache Technik ermöglichen auch spontane Einsätze, zum Beispiel auch bei widrigen Bedingungen. In meinem Keller befindet sich für solche Gelegenheiten eine altgediente „Libelle Evo Elektro“ von Höllein. Doch die mittlerweile überholte Antriebstechnik mit „Speed 400“ und Getriebe sorgt schon mal für den ein oder anderen hämischen Kommentar meiner Vereinskollegen. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten zur Lösung des „Problems“: Man könnte die Libelle mit einem neuen Antrieb versehen und ein wenig überholen oder aber etwas komplett Neues kaufen. Aber wieso Bewährtes verändern, wenn es bei so ziemlich jedem Hersteller passende Modelle gibt? Die Parameter für das neue Modell sind also klar: Ein leichter Elektrosegler sollte mit Brushless- und LiPo-Technik ausgerüstet werden. Aeronaut hat als Neuheit für 2009 den „Logo“ vorgestellt. Eine moderne Formgebung mit V-Leitwerk und Mehrfachknickfläche kennzeichnen das Modell. Zu-dem ist die Tragfläche im Innenflügel mit Querrudern versehen, die außerdem eine Wölbklappenfunktion ermöglichen. Ein passendes Antriebsset ist ebenfalls von Aeronaut erhältlich. Der sauber verarbeitete GFK-Rumpf bietet viel Platz für die RC- und Antriebskomponenten. Die in Holzbauweise gebauten Tragflächen- und Leitwerksteile sind bereits transparent bebügelt. Alle Ruderklappen sind zudem mit Klebeband anscharniert. Ein Beutel mit Kleinteilen, Aufkleber und eine Bauanleitung komplettieren den Baukasten. Die geringe Anzahl der Teile ließ auf eine schnelle Fertigstellung schließen. Bei genauerer Betrachtung des Rumpfes fielen zwei Besonderheiten auf. Zum einen waren die Bowdenzughüllen schon im Rumpf eingebaut. Sie sind vorne in einem Spant befestigt und über den kompletten Verlauf an einem Balsavierkantstab verklebt. Somit sind spielfreie Anlenkungen kein Problem. Die zweite Besonderheit ist die Kabinenhaube. Sie passt perfekt und ist mit einem aufwändigen Verschluss versehen, bestehend aus zwei Holzspanten, einem Stahldraht und einer GFK-Lasche. Im Modellbauladen habe ich noch vier 9-g-Ser-vos, ein 3s-LiPo und eine passende Luftschraube eingekauft. So ausgerüstet ging der Bau dann auch schnell vonstatten: Die drei Tragflächenteile wurden auf einem Baubrett zusammengeklebt. Danach die Servos in die Tragflächen eingebaut und die Anlenkungen vervollständigt. Im Rumpf habe ich schließlich den Motorspant eingeklebt. Dieser hat ab Werk schon alle Bohrungen für den vorgeschlagenen Aeronaut-Motor „Power Mot 22/12/1100“. Auch an Seitenzug und Sturz haben die Entwickler gedacht. Das V-Leitwerk habe ich zusammensetzt und dann auf den Rumpf geklebt. Danach die Servos („ZS-F135“ von Multiplex) eingebaut und die Anlenkungen hergestellt. Den zweiten Bauabend beanspruchten dann der Anlageneinbau und das Aufbringen der Aufkleber. Der Zusammenbau wäre sicher auch an einem Abend zu bewerkstelligen ge- wesen, aber da ich alle Klebungen mit Epoxidharz gemacht habe, mussten auch gewisse Trocknungszeiten eingehalten werden. Nach dem ersten vollständigen Zusammenstecken kam eine kleine Überraschung. Trotz Akku und Regler an der vordersten machbaren Position war der Schwerpunkt nur mit Bleizugabe einzustellen. Insgesamt 80 Gramm (!) mussten in der Rumpfspitze untergebracht werden. Im Nachhinein betrachtet hätten die Servos auch ein wenig weiter vorne eingebaut werden können. Aber 80 Gramm könnten auch das nicht kompensieren. Da hätte der Konstrukteur dem Modell ruhig eine etwas längere Rumpfnase gestatten können. Das Einprogrammieren in die Anlage war dann nur noch ein Kinderspiel. Eine Landeklappenfunktion wie in der Bauanleitung beschrieben habe ich auf meinen Knüppelschalter gelegt. Bei Vollausschlag stehen die Landeklappen etwa 15 Millimeter nach unten. Zum Erstflug wurde der „Logo“ durch einen Helfer gestartet. Mit laufendem Motor konnte sofort ordentlich Höhe gemacht werden, fast senkrecht ließ sich der kleine Segler hochziehen. Und auch, wenn seitens der Leser kaum Glauben geschenkt wird: Trimmkorrekturen waren hier wirklich nicht erforderlich! Bei ganz wenig Wind wurden die ersten Kreise gedreht. Geradliniges, völlig eigenstabiles Flugverhalten kennzeichnet den „Logo“. Das Antriebsset passt hervorragend zu dem Modell. Die Landeklappenfunktion habe ich dann auch gleich in ordentlicher Sicherheitshöhe erprobt: Bei zunächst halbem Aus- schlag verlangsamte der „Logo“ seine Fahrt und flog normal weiter. Bei vollem Ausschlag wurde nur noch mehr Fahrt abgebaut. Die Querruderwirkung war, beziehungsweise ist dann allerdings stark eingeschränkt. Bei einem Landeanflug sollte also mit dem Seitenruder gesteuert werden. Nach nunmehr vielen weiteren Flügen ist mir der „Logo“ ein vollwertiger Ersatz für die „Libelle“ geworden. Zu guter Letzt möchte ich aber doch noch einen Kritikpunkt anbringen: Die einteilige, mehrfach geknickte Tragfläche ist sowohl beim Transport, als auch beim Lagern mehr als hinderlich. Vielleicht baue ich die Tragfläche noch auf Ansteckohren um, dann wäre dieses Problem geklärt. Trotz der souveränen Vorstellung des Logo darf meine Libelle auch noch den einen oder anderen Flug absolvieren – der alten Zeiten wegen.

Stephan Fitz

Fakten

„Logo“ von Aeronaut
Ein Elektrosegler für jeden Tag

Spannweite: 1.570 mm
Länge: 950 mm
Fluggewicht: 595 g
Motor: „PowerMot 22/12/1100” Aeronaut Regler: „PowerTronic 18 BEC”
Aeronaut Luftschraube: CAM-Carbon 9x5“
Akku: 3s-LiPo, 910 mAh
Preis: 219,- Euro; Bezug im Fachhandel, www.aeronaut.de

 


Der „Logo“ ist ein handlicher Elektrosegler mit wenig Aufwand.


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Auch in der Ebene, so ganz alltäglich auf dem Modellflugplatz, macht das Modellchen viel Spaß.


Gutmütige Flugeigenschaften für den rauen Alltagsbetrieb.


Die Landeklappenfunktion ist nicht wirklich nötig, ist aber ein „nice to have“.

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Zwei Generationen „400-er“-Elektrosegler: links der „Logo“, rechts die „Libelle Evo“.

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Akku und Regler sind ganz vorne im Rumpf und trotzdem wird Blei benötigt. Im Mittelteil dagegen ist genug Platz für alle Komponenten.

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Die Querruderservos sitzen direkt vor Ort und ermöglichen kurze Anlenkungen.

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Der Lieferzustand der Kabinenhaube ist schon als luxuriös zu bezeichnen.



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