REPORT

Des Fliegers neue Kleider

Zum Sofortservice bei Pull Over Products in Kirchheim/Teck

 

JEs nervt! Das neue Voll-GFK-F3J-Wettbewerbsmo- dell ist startklar, fliegt traumhaft und – dann bleibe ich beim Einladen in das Auto mit einem Flügel hängen. Ein dumpfes „Knacks“, das Ruder ist hin und als sei es nicht genug, ziehe ich am nächsten Tag einen Schalenflügel aus der selbstgebauten Schutztasche und was ich sehe sind hässliche Druckdellen vom Hochstarthaken des Rumpfes. Da gehen mir endlich die Modelle nicht mehr in der Luft kaputt und dann so etwas! So kann es nicht weitergehen! Wir investieren in unsere kostbaren Modelle viel Zeit, Liebe und Geld und kleben dann Schutztaschen aus einfacher Luftpolsterfolie oder schlimmer noch, aus Stoff zusammen. Das passt irgendwie nicht zusammen und so suche ich nach einer vernünftigen und dauerhaften Lösung.

Schnell stoße ich dabei auf die Firma Pull-Over von Günter Simen und Thomas Nonnast. „Protect your Plane“ steht da auf der Website und genau das will ich ja! Also, erst Kontakt per E-Mail und schließlich per Telefon. Die Informationen klingen vielversprechend und ich bin entschlossen einigen meiner Modelle einen Pullover nähen zu lassen. Da neue Testmodelle oft noch nicht lang genug am Markt sind, um schon bei Pull-Over bemustert zu sein, entschließe ich mich den angebotenen Sofortservice in Anspruch zu nehmen. Nach Terminabsprache treffe ich mich an einem Samstag mit Günter Simen in der Werkstatt in Kirchheim/Teck.

Von der Menge der mitgebrachten Modelle doch einigermaßen überrascht, verliert Günter zunächst gar nicht viele Worte: „Brengat elles rei, dann dea ma erschd mol a weng was schaffa und dobei könna ma emmr no schwätza.“ (Frei übersetzt: Bring alles rein, dann arbeiten wir ein bisschen und können uns dabei unterhalten.) Recht hat er! Rein mit den Modellen und schon geht es los: Die Flügel werden abgemessen und ich sehe, wie man als Kunde die Maße selbst ermittelt und dann quasi ein Schnittmuster der Teile zuschicken kann. Eine Anleitung dazu findet sich auch auf der Internetseite www.pull-over-products.de. Nach dem Abmessen könnte ich einpacken und die Wartezeit auch beim Hangfliegen auf der wenige Kilometer entfernten Teck überbrücken. Leider ist das Wetter nichts und so entschließe ich mich, die Entstehung der Taschen zu verfolgen.

„Alles hat damit angefangen, dass wir vor etwa fünf Jahren zusammen mit Airworld die ersten Ideen zum Schutz der teuren Jet-Modelle diskutiert haben“, erinnert sich Günter Simen. Nachdem das Pflichtenheft definiert war, ging es an die Materialsuche. Es wurde vieles getestet und verworfen, geklebt, genäht und geschweißt. Die ersten Prototypen kamen dann auch derart gut an, dass die Produktion dieser edlen Schutztaschen begann. „Als wir vor drei Jahren Matthias Paul und Uwe Rihm von Paritech getroffen haben, zeigten wir ihnen unsere Taschen und sie waren sofort begeistert“, erzählt Günter Simen weiter. „So ist doch der Schutz ihrer edlen Flugzeuge immer ein Thema in den Kundengesprächen.“ Dann vor etwas über einem Jahr fanden die Firmengründer die passenden Zulieferer, mit denen sie ihre eigenen Ideen verwirklichen konnten. Dabei entstand die heute verwendete, fünf Lagen starke Luftpolsterfolie. Mit rund fünf Millimetern Dicke, einer speziellen blauen Alu-Beschichtung außen und weichem Flies innen, schützt sie die Oberflächen der Modelle ideal vor Stößen, Kratzern und UV-Strahlen. Dieses neue Material war dann endgültig der Durchbruch: Modellpiloten aus der ganzen Welt wollen seither echte Pull-Over Taschen haben.

Und während Günter an meinen Taschen die ersten Nähte zieht, verstehe ich, warum das so ist: Diese Taschen sind bis ins kleinste Detail durchdacht. Nicht nur, dass jede Tasche einen stabilen Klickverschluss bekommt, auch einen Griff, exakt im Schwerpunkt des jeweiligen Bauteils, erhält jedes Exemplar. Bei V-Leitwerken sind die Verschlüsse so angebracht, dass die Ruder im montierten Zustand geschützt werden. Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen, näht Günter auf Wunsch innen einen kleinen Köcher aus Filz ein. Dort wird dann der Flächenverbinder untergebracht. Genial! Da ich nun schon mal da bin, nutze ich die Chance und melde meinen Sonderwunsch an: „Rumpftaschen wären fantastisch!“ Auch diese werden ohne Zögern in die Tat umgesetzt, ebenfalls samt Schließe am Seitenruder und Griff im Schwerpunkt.

Während Günter sichtlich routiniert bei der Arbeit ist, erfahre ich, dass heute die Hauptkundengruppe im Segelflugumfeld zu finden ist. Zwar werden immer noch Jets und F3AX-Maschinen ausgestattet, der Löwenanteil entfällt jedoch auf Scale-, Zweck- und Wettbewerbssegler in allen Größen. Dies erklärt auch einen Stapel Taschen auf einem Tisch. „Das ist die Bestellung der deutschen F3B-Nationalmannschaft“, erklärt Günter Simen stolz. „Durch unsere hohen Qua- litätsansprüche sind unsere Kunden in der Hauptsache Modellpiloten, die bereit sind, in den Schutz und damit den Werterhalt ihrer Modelle zu investieren“. Und recht hat er damit: Alleine ein eingedrücktes Voll-GFK-Leitwerk rechtfertigt die Investition in ein Set Modelltaschen von Pull-Over. So, meine Taschen sind einsatzbereit und ich muss gleich mal eine Anprobe mit meinem „Tragi 801X Cluster“ vornehmen. Der dreiteilige Flügel sitzt perfekt und einmal eingepackt ist der leichte und filigrane Segler so gut verstaut, dass ich beherzt zugreifen kann. Wunderbar, damit sollten Transportschäden der Vergangenheit angehören und quasi als Bonus sehen die Taschen auch extrem schick aus. Egal wo ich damit auftauche werde ich angesprochen und die Taschen mit Interesse begutachtet. So viel ist sicher: Meine zukünftigen Modelle bekommen wieder Pullover aus der Werkstatt von Günter Simen und Thomas Nonnast. Wenn das Modell schon kaputtgehen muss, dann bitte bei der ihm zugedachten Aufgabe!

Pull-Over hat sich noch viel vorgenommen. Neben der ständig wachsenden Zahl an Schnittmustern für Flugmodelle sind Schutzsets für Segelschiffe genauso auf der Planungsliste, wie gepolsterte Rumpftaschen für große Modelle oder auch spezielle Schutzhüllen für Kabinenhauben. Mit der Passion, die Günter Simen und Thomas Nonnast hier einbringen, werden wir noch viel Innovatives sehen und ich freue mich auf spätere Sofortservice-Termine, die ich dann, bei hoffentlich besserem Wetter, mit einigen Flügen auf der Teck anreichern werde.

Darius Mahmoudi
Bilder: Mike Kriegel


Günter Simen zeigt, wie einfach es ist ein Schnittmuster für einen Flügel zu erstellen. Eine Anleitung dazu findet man auf der Website von pull-over-products.


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Günter Simen und Darius Mahmoudi diskutieren über den optimalen Schutz eines Flügels.


Einblick in die Werkstatt. Hier lässt sich schnell und professionell arbeiten.


Der Meister bei der Arbeit. Sorgfältig werden alle Teile genäht und eingesäumt.

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Günter Simen ist zu Recht stolz auf seine Schutztaschen.

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Einsatzbereit: Die Taschen für den „Tragi Cluster 801X“.

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AUFWIND-Autor Darius Mahmoudi im Shoppingrausch in Kirchheim/Teck.

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Die Taschen für die F3B-Nationalmannschaft warten auf die Auslieferung.



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