Gibt’s denn sowas heute noch, dass ein deutscher Kleinhersteller seine eigenen Modelle konstruiert, baut und vertreibt? Das gibt’s! Richter Modelltechnik in Mainleus produziert mit viel Liebe zum eigenen Hobby einige Kleinmodelle für Modellflieger die wissen, dass Spaß und Adrenalin nicht unbedingt was mit der Modellgröße zu tun haben (und auch der Saldo am Saisonende sieht mit "klein", "kompakt", "handlich"und "immer dabei" wahrscheinlich besser aus). Vor allem als langjähriger "Handlaunscher"wird man von den Richter-Modellen gleich angesprochen, denn auch die "No. 2", um die es hier geht, steht immer aufgebaut im Zimmer oder im Auto – neben den SALs. Allerdings ist das auch die einzige Gemeinsamkeit, denn 700 Gramm leer und 1.100 Gramm ballastiert lassen schon auf ein völlig anderes Flugverhalten schließen.

Meine "Nummer Zwo" wurde – das ist bei allen Richter-Modellen möglich – komplett flugfertig und eingeflogen bestellt und geliefert, sodass das Modell für meinen Erstflug bedenkenlos über die Kante des Schönjöchels anlässlich des "Flying Circus" in Fiss 2003 geworfen werden konnte. Schon unballastiert war es da eines der schnellsten Modelle...aber der Reihe nach.

Die "No. 2" von Richter kann den individuellen Kundenwünschen angepasst werden – auf gut Neudeutsch: customized! Als Basis wird ein GFK-Rumpf mit Nasenkonus und integriertem RC-Boot angeboten. Dieser macht – vor allem wenn man in letzter Zeit nur SAL-Rümpfe in den Fingern hatte – einen sehr soliden Eindruck. Bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass er an den wichtigen Stellen mit Kohle-Rovings verstärkt ist. Die Flächenauflage ist für Flächentiefen bis ca. 230 mm ausreichend. Genügend Platz für eine Ballastkammer ist trotz der Zierlichkeit des Exemplars – das gewisse Ähnlichkeit mit einem "HSW"-F3B-Rumpf hat – auch vorhanden.
Die Leitwerke sind aus hartem 3-mm-Balsa gefräst und werden in verschiedenen Größen angeboten.


Mit dem Sessellift auf dem Weg zum "Flying Circus"im schönen Fiss in Österreich

Die Styro-Abachi-Fläche gibt es in verschiedenen Vorfertigungsgraden – angefangen von CNC-geschnittenen Flächenkernen. Die Spannweite sollte bei ca. 1500 mm liegen. Die Profilierung sowie die Geometrie der Tragfläche kann der Kunde frei bestimmen. Ich hab mich hier auf Herrn Richter verlassen und eine Version mit Mehrfachtrapez und einem wunderschönen hochgezogenen Sichelrandbogen erhalten – so wie man ihn eigentlich nur von in Formen gebauten Modellen kennt. Keine Ahnung wie er das gemacht hat. Jedenfalls zeugt es von viel Erfahrungen in Sachen Flächen pressen und verschleifen. Die Testfläche war zudem sehr sauber mit farblosem 2-K-Lack lackiert (wie auch die Leitwerke). Wer sich also bei Geometrie und Ausführung nicht ganz sicher ist, kann das guten Gewissens dem Hersteller überlassen, bzw. lässt sich entsprechend beraten.
Die „No. 2“ gibt es also von der Bausatz-Grundausführung (GFK-Rumpf, gefräste Leitwerke und CNC-geschnittene Flähenkerne) über alle Baustufen bis hin zum flugfertigen Modell.

Bei satt Wind über dem Hafen von Hanstholm in Dänemark

Mit "No. 2"in den Frühling - letzte Schneereste im Allgäu beim Fotoshooting mit Alexander Wunschheim.

Meine "Nummer Eins"
Wie schon angedeutet, ist der Probant kein Wiesenschleicher. Schon bei den ersten Einsätzen in Fiss und im Allgäu war klar, dass in Sachen Profil – eine geheime Eigenentwicklung des Herstellers, die auch beim Speedmodell "Rudi" Einsatz fand – auf ein sehr flottes Muster zugegriffen wurde. Da ist ganz schön Musik drin. An kleinen Hängen heißt das: immer schön die Augen offenhalten! Man kann natürlich auch langsam fliegen, aber dem sind durch Profil und Flächenbelastung Grenzen gesetzt. Also wenn nix geht, besser den SAL rauspfeffern. Die "schnelle Nummer" ist mehr was für die "Glaubensgemeinschaft Tiefenruder" für windigere Tage. Ganz besonders mit Blei im Bauch. Danach hungert das Teil förmlich wenn sich die Bäume biegen. Also geben wir ihm Futter – und zwar richtig! Die Erstfütterung fand im Sommer an der Krete von Hanstholm statt. O.k., das Allgäu hat größere Hänge, aber bei 6 Windstärken mit unverwirbelter Meeresbrise gelten andere Gesetze. Es geht gut, es geht sogar sehr gut. Aber man sollte sich immer im Klaren sein: diese Adrenalinspritze ist ein Geschoss! Hier ist Verantwortung gefragt, vor allem wenn andere mit an der Kante stehen. Mit "vollem Bauch" (400 g) wird das ganze auch deutlich träger – die Radien größer. Bei Full-Speed werden die Ruderreaktionen wieder direkter – dann darf man aber nicht einmal blinzeln! Also: bei Wind an der Kante in Augenhöhe sollte man gut gefrühstück haben! Meine Empfehlung: erst mal ohne Ballast und an größeren Hängen an das Teil gewöhnen, Ballast langsam Steigern und an das unglaubliche Speedpotenzial rantasten. Für Einsteiger und unsichere oder nervenschwache Piloten ist dieses Teil weniger geeignet. Dafür wird sich der Könner kaum mehr einfinden vor Freude – jedenfalls ist die "Nummer Zwo" momentan meine "Nummer Eins"!
Horst Kropka

Alles schon eingebaut! Die "No. 2"ist als Baukasten in verschiedenen Ausbaustufen bis hin zum flugfertigen Modell zu haben. Oben Rumpfboot mit (Aufsteckkonus), unten Flächenservos mit Hutzen. Saubere Lackierung der Holzteile.





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