Endlich gibt es wieder einen „Salto“ mit 2,5 Metern Spannweite, dessen
Beschreibung bei TUN-Modellbau wirklich vielversprechend klingt. War es nicht die Firma WIK, die einst einen so kleinen „Salto“ im Programm hatte? Heute sind die Modelle nur sehr selten anzutreffen. Mir gefiel das neue Modell so gut, dass ich es unbedingt noch in der laufenden Saison fliegen wollte.

Zwei Wochen nach der Bestellung wurde der Salto auf dem Postweg geliefert. In dem stabilen Karton sind alle Einzelteile in passgenauen Luftpolstertaschen verpackt, die sich später noch als Flächenschutztaschen nutzen lassen. Und die Verarbeitung ist wirklich beeindruckend: Der Rumpf ist hochglänzend, die Kabinenhaube ist seitlich bereits angeschlagen, die Flächensteckung und das Fahrwerk sind ebenso eingebaut wie eine lackierte Cockpitwanne mit rotem Sitzpolster und aufgeklebten Instrumenten. Um die eine oder andere harte Landung schadlos zu überstehen, ist die Radhalterung zusätzlich seitlich mit GFK-Platten abgestützt. Gut gemacht!

Das einteilige, gedämpfte V-Leitwerk wird mit einer 3-mm-Senkkopfschraube auf dem Rumpf befestigt. Die Anlenkung der Ruderklappen erfolgt innen liegend. Sie besteht aus zwei Stahldrahtkonstruktionen, die scheinbar nur noch mit Anlenkhebeln versehen und eingeklebt werden müssen. Und es kommt noch besser: Das ganze Dekor, „natürlich“ mit Schweizer Kennung, ist bereits aufgebracht.

Die Tragflächen sind ebenso ein Traum: Eine sehr genaue Verarbeitung, die nachgeschliffenen Nahtstellen und die bereits freigelegten Servoschächte bestätigen die hohe Qualität. Alle Ruder sind, wie auch schon beim V-Leitwerk, als Elastikflaps angeschlagen. Der Übergang Fläche/Rumpf ist absolut spielfrei. Man schiebt die Tragflächen auf den mitgelieferten 10-mm-Kohlrundstab und hat das Gefühl, dass man sie eigentlich gar nicht mehr sichern muss. Die Tragflächen wirken, bedingt durch das dünne „HN-805“-Profil und der enormen Streckung, schon etwas filigran und wollen, sicherlich gerade bei den Landungen, geschont werden. Dennoch haben sie durch den mit Kohlefaser verstärkten Holm eine hohe Biegefestigkeit.


Durch die große Kabinenöffnung kommt man bequem an die Einbauten heran. Das Servobrett dient auch zur Aussteifung des Rumpfes.

Man kann das Modell halten wie man will, es sieht einfach Klasse aus. Was mir beim genauen Hinsehen allerdings nach einiger Zeit auffiel, ist das leicht verdrehte V-Leitwerk. Die Befestigungsmutter ist im Rumpf nicht ganz zentriert eingesetzt. Das stellt aber kein großes Problem dar, mit wenigen Handgriffen, einer Fräsung und etwas 5-Min.-Epoxid findet die Mutter schnell Halt in der richtigen Position.
Zur Fertigstellung des Modells sind lediglich die RC-Komponenten einzubauen. Auf die Auswahl der Servos sollte man achten, denn in die Tragflächen passen nur sehr flache Servos. 13-mm-Servos sind hier schon zu dick. Ich habe mich für bewährte „D-60“ von Dymond, im Vertrieb von Staufenbiel, entschieden. Diese Servos haben ausreichend Kraft und verschwinden komplett unter den Servoschachtabdeckungen.

Das Design der eingestrakten Kabinenhaube ist es, was dieses Modell so unverwechselbar macht

Die V-Leitwerksklappen werden durch zwei „D-250“-Servos bewegt. Hier kann man aber auch Standardservos einsetzen, Platz ist im Rumpf genügend vorhanden. Nun kommt das scheinbar einfache Fertigstellen der Anlenkhebel am V-Leitwerk. Das Vorhaben, auf die Stangen Kugeln aufzulöten habe ich nach rund einer Stunde aufgegeben. Was soll ich sagen, es ist mir einfach nicht gelungen, eine satte Lötverbindung herzustellen, weder mit Flussmittel, noch mit Säure oder Löthonig. Es wollte nicht gelingen die Kugeln fest mit dem Stahl zu verbinden. Zu guter Letzt wurden die Anlenkstangen leicht „geplättet“, die Kugeln aufgepresst und mit Sekundenkleber verklebt. Die Kugelkopfanlenkung mit einer 4-mm-Kohleschubstange sorgt dann für einen absolut spielfreien Lauf der Ruder. Zu erwähnen bleibt noch der bei mir mittlerweile übliche Einsatz von MPX-Steckern zur elektrischen Verbindung der Tragflächen zum Rumpf.


AUFWIND-Autor Klaus Löcker mit seinem gezähmten Giftzwerg am Südwesthang der Wasserkuppe




Es sind die kleinen Details, durch die diese kleinen Voll-GFK-Modelle Begeisterung auslösen

Das dünne „HN-805“-Profil macht die Tragflächen sehr filigran. Jedoch haben sie durch den Kohleholm eine enorme Steifigkeit.

Nachdem nun alle Einbauten erledigt sind und der fünfzellige 1.700er-Akku in der Rumpfspitze Platz gefunden hat, wird erstmals der Schwerpunkt eingemessen. Hoppla! In der Anleitung wird dieser mit 40 mm hinter der Nasenleiste angegeben. Bei allem Respekt, dass dieser irgendwie gar nicht passen kann, war sofort klar: Er läge damit knapp im ersten Viertel der Flächentiefe. Die wohl gröbste Rechnung, aber in den meisten Fällen doch zutreffend, ist, den Schwerpunkt auf 1/3 der Flächentiefe zu legen. Hier wären das rund 57 mm. Es wird schon schief gehen...

Und es ging schief! Zum Erstflug wurde der kleine „Salto“ auf das Huckepackgestell auf die „Skywing“ meines Vaters geschnallt. Das Wetter war gut, die Akkus geladen – aber die Spanngummis des Huckepackaufsatzes marode. Wieder sind es die Kleinigkeiten, an denen man scheitert. Am nächsten Tag, alle notwendigen Komponenten waren überprüft und auf den neuesten Stand gebracht, ein erneuter Versuch. Mit viel Kraft zieht die Schleppmaschine nach oben. Das Fluggewicht des kleinen „Salto“ von 1.400 g spürt der Schlepper nicht. In rund 200 Metern Höhe dann der Abwurf: Der „Salto“ zieht leicht nach oben. Und was nun folgt, ist kaum in Worte zu fassen: Irgendetwas löst sich vom Modell, der „Salto“ fängt an zu trudeln. Wie ein Stein geht er unsteuerbar, fast senkrecht nach unten. Es gelingt mir, später weiß ich nicht mehr wie und warum, den „Salto“ in eine gerade Flugbahn zu bringen. Rückenwind, na super, aber jetzt noch Gegendrehen? Nein, das will ich nicht riskieren. Im höheren Gras am Platzende setzt das Modell auf. Genau so stellt man sich den Erstflug eines neuen Modells vor. Ein Graus!
Aber was ist eigentlich passiert? Was habe ich falsch gemacht? Die Lösung ist schnell gefunden: Durch die Vibration der Schleppmaschine löste sich der Kabinenschiebeverschluss. Die Haube klappte seitwärts auf und die nur eingelegte Cockpitwanne nahm einen eigenen Weg nach unten. Die offene Haube wirkte wie eine Bremsklappe und der „Salto“ wurde so langsam, dass ein Strömungsabriss dem nächsten folgte. Erst durch das Zuklappen der Haube kurz vorm Boden, war der rettende Geradeausflug möglich. Nachdem ich, neben meinen Nerven, auch die Cockpitwanne wieder gefunden hatte, wollte ich unbedingt einen erneuten Flug wagen. Die Haube, mit Tesaband gesichert, sollte bei diesem Flug geschlossen bleiben. Nach dem Abwurf in sicherer Höhe der erste Normalflug. Doch auch dieser Flug war alles andere als sicher. Verliert das Modell auch nur annähernd an Fahrt, fällt es über die Fläche weg. Nein, da konnte einfach etwas nicht passen. Aber was?

Im Diskussionsforum von RC-Network.de, im Austausch unter Kollegen, bestätigte sich die Vermutung: Der Schwerpunkt lag noch zu weit vorne, einer der Kollegen hatte ähnliche Erfahrungen mit dem Modell gemacht. Bei 63 mm sollten die Flugeigenschaften wesentlich besser sein. Das Hochstellen der Querruder um 1 mm wirkt wie eine Schränkung und verringert die Gefahr des Abkippens im Langsamflug. Gerade bei so schmalen Flächen ist das sehr hilfreich.
Unter diesen neuen Voraussetzungen lief der kleine „Salto“ dann, wie ich es mir von Anfang an gewünscht hatte. Er nimmt Thermik sehr gut an, hat stabile Kreisflugeigenschaften und liebt die etwas zügigere Gangart. Zu langsam sollte man ihn nicht machen, denn lässt die Leistung nach, riskiert man das schon beschriebene Abkippen über die Tragflächen. Auch die Wirkung der Seitenruderfunktion ist deutlich zu spüren. Damit lassen sich butterweiche Kurven fliegen, ohne groß an Höhe zu verlieren. Zur Landung ist es sinnvoll, die Querruder noch weiter nach oben zu fahren (6 mm) um das Modell in stabiler Fluglage weich aufzusetzen.

Nach etlichen Flügen in der Ebene kam dann der erste Einsatz am Hang. Mit einem kräftigen Wurf ging es über die Kante des Südhangs der Wasserkuppe. Der Wind war mäßig, die thermischen Verhältnisse eher gering, aber es trug. Nach einigen Runden waren die ersten schnellen Vorbeiflüge möglich, gefolgt von Kunstflugversuchen. Der „Salto“ zieht bei ordentlich Fahrt sauber durch die Rolle. Auch Rückenflug ist mit gedrücktem Tiefenruder möglich. Dank der guten Seitenruderwirkung gelingen saubere Turns.

Der „Salto“ will geflogen werden, man muss ihn laufen lassen um seine volle Leistung auszuschöpfen. Aufgebleit mit 200 g ist ein noch besseres Flugverhalten festzustellen. Nach einem Abschwung wird die Fahrt in ordentliche Höhe umgesetzt. Aber auch in der Thermik scheint das Mehrgewicht nicht zu stören. Der „Salto“ erreicht zwar nicht die Leistung eines 2,5-m- Zweckmodells, kommt diesen aber sehr nah und sieht auch noch viel besser aus. Und das Flugbild wiegt die Einbußen absolut auf.

Mit ein wenig RC-Equipment und rund fünf Stunden Zeit bekommt man einen faszinierenden Segler in die Luft. Der „Salto“ überzeugt in seiner Fertigungsqualität und Vorfertigung. Er setzt neue Maßstäbe in der 2,5-m-Scale-Klasse. Wichtig sind die Kontrolle der Kabinenverriegelung sowie ein Schwerpunkt ab 60 mm hinter der Nasenleiste. In der Thermik, am Hang, bei schwachem aber auch starkem Wind, ist das Modell nicht nur optisch sondern auch fliegerisch ein Genuss. „Laufen lassen“ ist die Devise. Nur langsam ist man schneller unten.
Klaus Löcker

Der „Salto“ ist ein Klassiker! War das Holz/GFK-Modell von WiK schon ein Hit, verspricht auch diese Voll-GFK-Version ein Erfolgsmodell zu werden.



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