Auf den Großseglerwettbewerben und Deutschen Meisterschaften des DMFV sind zwei Klassen zugelassen: Die Vorbildähnlichen und die Zweckmodelle ab einer Spannweite von 4 m. Für die Aufgaben der Zweckmodell-Klasse wurden spezielle Großsegler konstruiert und gebaut, darunter auch immer mehr käuflich zu erwerbende Modelle.

Neben in Eigenregie vergrößerten F3B-Modellen dominierten zunächst die häufig eingesetzten „FS 4000“ von Sport Klemm und „Supersonic Max“ von Aerosport Becker. Neu hinzugekommen ist nun der „Shark XL“ vom Logo-Team. Das bekannte F3B-Team besteht aus Jens Buchert, Christian Hanke, Reinhard Kaufmann, Stefan Knechtle, Thomas Schorb, Dr. Michael Wohlfahrt und Dr. Carsten Zülch. Das „Shark XL“-Projekt basiert im Wesentlichen auf dem kleineren F3B-„Shark“ bzw. dessen Weiterentwicklung „Wobbegong“ und wurde auf Initiative von Beat Schück aus der Schweiz verwirklicht. So finden dessen Tragflächen in geteilter Form im Außenbereich Verwendung. Dazu kam ein neues Mittelstück mit genügend V-Form.

Im Außenflügel findet das Original F3B-Profil des „Shark“ Verwendung, das „W0-8“ mit 2,35 Prozent Wölbung und 9 Prozent Dicke. Im Mittelteil findet sich aus statischen Gründen von außen nach innen ein Strak vom „W0-8D“ der Außenteile auf ein „W0-8G“ mit 2,39 Prozent Wölbung und 12 Prozent Dicke. Mittlere Wölbung somit 2,36 Prozent und mittlere Dicke 9,49 Prozent. Das „W0-8D“-Profil wurde im Stuttgarter Modellwindkanal vermessen und übertrifft das Vergleichsprofil „MH-32“. Konturen, Koordinaten und Polare sind bisher leider nicht veröffentlicht. Es handelt sich beim „W0-8D“ aber um den unmittelbaren Vorgänger des Profils, mit dem Stefan Knechtle vom Logo-Team im Jahre 2002 den F3B-Speed-Weltrekord von 14 Sekunden geflogen hat. Die Profilserie stammt von Dr. Michael Wohlfahrt.

Was am „Shark XL“ sofort auffällt, sind die enorm tiefen Tragflächenruder, die zu den Randbögen hin mit kleinen Giga-Flaps auslaufen. Zwei Rechteck-Holmverbinder aus CFK (25x14 mm) übernehmen die Kräfte zwischen Mittel- und Außenflügel. Das Modell ist damit ausreichend stabil für allerlei erdenkliche Flugmanöver. Als Pilot sollte man sich aber stets im Klaren sein, dass beim Überschreiten gewisser Geschwindigkeiten die Ruderanlenkungen und Servogetriebe extremen Belastungen ausgesetzt sind. Für „Shark XL“-Besitzer die öfters im oberen Speedbereich agieren, sei daher die neueste Entwicklung des Logo-Teams, der Massenausgleich in der Seitenflosse, besonders ans Herz gelegt. Dabei werden die oberen 6 cm fest mit dem Seitenruder verbunden und durch einen Schnitt von vorne von der restlichen Flosse getrennt. So bewegt sich das Ruder auf den oberen 6 cm wie ein Pendelruder. Darin befindet sich ein Massenausgleich, der die Flattergrenze am Seitenruder in Richtung höhere Geschwindigkeiten verschiebt.


Die Rumpfspitze bietet genügend Raum für die RC-Komponenten. Auch für das Vario findet sich noch Platz. Dass die Abziehschnauze stramm sitzt, zeigen die Schleifspuren auf der Anformung vor der Tragflächenauflage

Die Tragflächen bestehen aus einem CFK/Herex/GFK-Sandwich, gepaart mit einem CFK-Holm, der auf Wunsch und gegen Aufpreis aus UMS-Rovings anstatt HTS-Rovings bestehen kann. Der Rumpf ist komplett in GFK aufgebaut. Im Leitwerksträger liegen zusätzliche Rovings aus Kevlar. Das Höhenleitwerk besteht aus einer GFK-Schale und ist mit einem Gewicht von 80 g recht leicht. Die Anlenkung für das Höhenruder besteht aus einem CFK-Rohr. Das Seitenruder wird mit Stahldraht angelenkt. Beide Anlenkungen sind fertig eingebaut. Die Rumpfspitze ist mit einer Abziehschnauze versehen und bietet genügend Raum für Empfänger, Akku und Servos für Seiten- und Höhenruder sowie Variometer. Und in den Tragflächen ist eine Einzugshilfe für die mitgelieferte verdrillte Servolitze vorhanden.


„Shark XL“ in Butterfly-Landekonfiguration. Alle Tragflächenklappen sind von oben angelenkt. Die vom Logo-Team empfohlene Differenzierung der Klappen kann getrost übernommen werden


Die Servoabdeckungen sind passgenau und widerstandsarm. Die Aussparungen für die Servos wurden auf das äußerst notwendige Maß beschränkt. Der CFK-Verbinder ist entsprechend den auftretenden Belastungen dimensioniert


Als kleiner Schönheitsfehler am Testmodell erwies sich das etwas eingefallene Laminat an der Oberseite des Tragflächenmittelstückes – nobody is perfect. Die beiden Bohrungen für die Ballastaufnahme sind nahe dem Schwerpunkt platziert um eine Schwerpunktwanderung zu verhindern

Da der „Shark XL“ mit einem Sechsklappenflügel glänzt, können die jeweils drei Ruderklappen fein abgestuft gemischt werden. Auch können die beiden inneren Klappen für die Landestellung ganz nach unten ausschlagen, denn gebremst wird ausschließlich mit „Butterfly“ . Die äußeren Ruder werden dabei ca. 20 Grad nach oben gestellt. Die bereits erwähnten Giga-Flaps sind mit Klebeband mit den äußeren Querrudern verbunden.

Das Höhenleitwerk ist recht klein dimensioniert, was meinen Steuergewohnheiten zunächst nicht sehr entgegenzukommen schien, aber dazu später mehr. Zur Erhöhung der Wirksamkeit wurden negative Expowege (ca. 15-20 Prozent) eingestellt.



Der aerodynamischen Auslegung der Randbögen wurde ebenfalls große Aufmerksamkeit geschenkt. Das Giga-Flap ist mit Klebeband mit dem äußeren Querruder verbunden

Auch im F-Schlepp ist das Modell unproblematisch: Die Schleppkupplung wurde links im inneren Rumpfkopf eingebaut, natürlich mit entsprechender Aussparung in der Abziehschnauze. Sollten die Wetterbedingungen mal etwas rauer ausfallen, zum Beispiel durch Böen und starken Rückenwind, wird mithilfe eines längeren Schleppseiles (ca. 35 m) sowie durch das leichte Ausfahren der inneren Wölbklappen nach unten, ein zu dichtes Auffliegen auf die Schleppmaschine verhindert. Auf rund 500 m Höhe angekommen beginnt nach dem Ausklinken der Flugspaß pur: 300 m senkrecht nach unten, 500 m horizontal und wieder 200 m nach oben und auf dem Rücken zurück. Geflogen werden kann mit dem „Shark XL“ alles, was der Pilot steuern kann. Das Modell setzt die Energie gekonnt um. Man kann aber auch ganz zart in der Abendthermik umherschleichen, denn die Thermikeigenschaften sind enorm. Natürlich kann die geringste Sinkgeschwindigkeit eines reinen F3J-Floaters aufgrund des höheren Fluggewichtes nicht erreicht werden. Aber dafür wurde das Modell auch nicht konstruiert.

Bei auffrischendem Wind sollte der „Shark XL“ mit Ballast geflogen werden. Dazu können im Mittelstück der Tragfläche 1.830 g in Form von Messingrundmaterial untergebracht werden.

Nach vielen langen Flügen wurde der Schwerpunkt von 81 auf 84 mm zurückgenommen und die Einstellwinkeldifferenz von 3 Grad auf 1,3 Grad reduziert. Das Modell „läuft“ nun wesentlich besser. Der Pilot ist jetzt natürlich mehr gefordert und die Augen sollten immer auf das Modell gerichtet sein. Dem erfahrenen Seglerpiloten bietet die Auslegung des Modells die Möglichkeit sein Optimum zu suchen und zu finden, wobei die Herstellerangaben sicher ein gutes Mittelmaß darstellen.



„Shark XL“ in seinem Element. Weiträumiges Fliegen und Auskurbeln von Thermikbärten sind mit diesem Modell ein Hochgenuss

Markenzeichen des „Shark XL“ ist zweifellos das elegante Seitenleitwerk. Schön gemacht ist auch die Anformung für den Bowdenzug. Das Höhenleitwerk wird konventionell auf zwei Stahlstäbe gesteckt.

Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades beschränkt sich die Fertigstellung des „Shark XL“ auf den Einbau der RC-Komponenten, der Herstellung der diversen Rudergestänge sowie der umfangreichen Programmierung. Die Qualität der einzelnen Komponenten kann durchwegs als sehr hochwertig bezeichnet werden. Allerdings soll hier nicht verschwiegen werden, dass es zu Beginn der Produktion mit einzelnen Komponenten Schwierigkeiten gab. Festigkeitsmäßig hat man die Sache aber im Griff und man darf dem Logo-Team ein hohes Maß an Professionalität bescheinigen, da sie fehlerhafte Teile nicht dem Kunden zumuten wollten, sondern die Auslieferung solange zurückstellten, bis die erforderliche Qualität gewährleistet werden konnte. Auch die Auslieferung des Serien-Testmodells hat sich dadurch um einige Monate verzögert.

Kommen wir zum Erstflug, der sich ganz unkompliziert gestaltete: Mit neutral eingestellten Rudern, EWD bei drei Grad und dem Schwerpunkt auf 81 mm hinter der Profilnase wurde der „Shark XL“ bei leichtem Gegenwind am Hang gestartet. Die Wirksamkeit des Querruders fiel sofort angenehm auf. Nach kurzer Eingewöhnung und Erreichen der Sicherheitshöhe wurde die erste Erprobungsphase gestartet: Schnelle Kurvenwechsel, Kunstflug, Ausweichmanöver auf engstem Raum – all dies mit einer Leichtigkeit, die man einem solch großen Modell eigentlich nicht zutrauen möchte. Auch die anfänglichen Bedenken bezüglich der Wirksamkeit des Höhenleitwerkes erwiesen sich als unbegründet. Denn der relativ lange Leitwerksträger macht diese Auslegung möglich, außerdem läuft der „Shark XL“ dadurch im Geradeausflug wie auf Schienen.

Werden die Wölbklappen in „Speed“-Stellung gebracht, überbrückt der „Shark XL“ weite Strecken mit einem enormen Gleitwinkel. Lastigkeitsänderungen treten aufgrund der gelungenen Profilauslegung bei Veränderungen des Wölbklappenausschlages keine auf, auch Nachtrimmen ist nicht erforderlich. Und wer ruhige Finger, gute Nerven und ein geeignetes Fluggelände hat, darf sich mit dem „Shark XL“ auf zackiges Dynamic Soaring freuen. Bedingt durch die V-Form des Tragflächenmittelstückes sind die Kreisflugeigenschaften fantastisch. Bei engen Vollkreisen ist nur minimales Stützen mit Querruder erforderlich. Auch der Hochstart an der großen Flühs-Winde gestaltet sich problemlos. Der „Shark XL“ hängt sicher an der Leine, nur mit dem Unterschied, dass er die erreichte Geschwindigkeit mit einem gewaltigen Schuss in Höhe umsetzen kann. Nur eine leichte Durchbiegung der Tragflächen ist dabei erkennbar.



Die Tragflächengeometrie mit ihrem Sechs-Klappen-Flügel wurde auf Leistung getrimmt, ohne allerdings die Eleganz des Großseglers zu vernachlässigen

Generell beeindruckt der „Shark XL“ durch sein ruhiges, äußerst eigenstabiles Flugverhalten und durch die ausgewogenen Flugeigenschaften mit enormen Flugleistungen. Die aerodynamische Auslegung ist brillant und wurde ganz offensichtlich bedingungslos auf Leistung getrimmt. Der „Shark XL“ hinterlässt einen super Eindruck, in der Luft wie am Boden. Wer einen modernen Leistungssegler mit über vier Metern Spannweite, großer Festigkeit und hoher Leistung sucht, wird mit dem „Shark XL“ bestens bedient sein.
Gerald Reischl, Fotos: Rolf Haselmaier


Auch im Landeanflug verhält sich dieser Großsegler brav. Die Butterflystellung lässt sich gut variieren, der Fahrt- und Höhenabbau ist enorm. Tiefenruder ist dabei nur wenig erforderlich


Bei der Auslegung des Rumpf/Tragflächenüberganges wurde auf eine praxistaugliche, stabile und widerstandsarme Auslegung Wert gelegt.

Erfolgreicher Einsatz des „Shark XL“ bei der DM Großsegler 2004

Die besten Speed-Zeiten am Samstag wurden von Michael Wohlfahrt mit 17,3 s und Thomas Schorb mit 16,9 s geflogen. Beide Piloten des Logo-Teams flogen ihren „Shark XL“. Thomas Schorb gelangen außerdem so gute Zeitflüge und Ziellandungen, dass er am Samstagabend nach drei Durchgängen auf Platz eins lag.

Der Stand am Samstagabend nach drei geflogenen Durchgängen in der offenen Klasse lautete:
Platz Name Punkte
1. Schorb 2969
2. Rußkamp 2922
3. Dütting 2922
4. Greiner 2843
5. Schütz 2820
6. Lang 2815

Am Sonntag war dann noch der sogenannte Wahlstreichdurchgang zu fliegen. Jeder Pilot konnte sich entscheiden, ob er einen seiner beiden Zeitflüge oder seinen Speedflug verbessern möchte.

Thomas wäre der erste Platz dabei nur noch zu nehmen durch Jesko Dütting oder Kilian Lang. Beide müssten dazu im Wahlstreichdurchgang faktisch einen Speed-Tausender fliegen, um das zu schaffen.

Die besten Speedzeiten am Sonntag waren aber mit 20-22 s im Durchschnitt ein bis zwei Sekunden langsamer als am Samstag, da es deutlich schwierigeres Wetter hatte. Lediglich dem letztjährigen Deutschen Meister Gerald Reischl gelang es mit seinem „Shark XL“ wirklich schnell zu fliegen: Mit 17,1 s war die Messlatte unerreichbar hoch gelegt. Damit lag auch der Sieger fest: Thomas Schorb ist mit seinem „Shark XL“ der neue Deutsche Meister in der Offenen Klasse.


Die drei Piloten mit den besten Speedzeiten: Thomas Schorb (16,9 s), Gerald Reischl (17,1 s) und Michael Wohlfahrt (17,3 s). Rechts der alte Deutsche Meister Gerald Reischl, links der neue Deutsche Meister Thomas Schorb


Die beiden am häufigsten eingesetzten Großsegler der offenen Klasse: „FS-4000“ von Klemm und „Shark XL“


Der Vorteil großer Zweckmodelle gegenüber Scale-Nachbauten ist die Handlichkeit des geringen Rumpfquerschnittes. So ist ein Start auch ohne Helfer möglich


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