Segelflug

Schwarze Schönheit

Der F3K-„Stobel“ von LE-Composites



Im Laufe des vergangenen Winters wurde in den deutschen Internetforen viel über ein neues F3K-Modell diskutiert, das man bis in den Frühling hinein nur als virtuelles Modell und von einigen Baustufenfotos der Prototypen her kannte. Mit LE-Composites entstand zeit?- gleich auch ein kleines Unternehmen, das sich nach eigener Auskunft auf exklusive Modelle für engagierte Wettbewerbspiloten und Liebhaber von schönen und qualitativ hochwertigen Segelflugmodellen sowie High-Tech-Composite-Materialien spezialisiert hat. Da viele Dinge neugierig machten und auch die Informationen von Firmeninhaber Thomas Ehrentraut mich überzeugen konnten, wurde ein „Stobel“ bestellt. Dann hielt ich die schwarze Schönheit endlich in den Händen: Ein im Modellbau neu eingesetztes Kohlefasergewebe, 80-g/qm-„Spread Tow IMS“-Gelege, kommt hier für die D-Box zum Einsatz. In Verbund mit dem Dissergewebe erhält man einen extrem leichten, aber dennoch festen Flügel. Mit der bestellten RDS-Anlenkung der Querruder wog der Flügel mit Verkabelung und zwei Graupner-Servos „DS-281“ geradeeinmal 146 g. Der Rumpf besteht aus Hochmodul-Kohlefaser und ist in meinem Fall noch zweiteilig ausgeführt. Die Aufsteckhaube ist wieder mit dem auch optisch sensationell anzuschauenden CFK-Gelege aufgebaut. Die Leitwerke haben einen Schaumkern und sind fest und leicht. Meine Begeisterung wollte nicht enden und die Vorfreude auf das Fliegen war kaum zu bändigen. Also wurde in der nächsten freien Minute der Ausbau des „Stobel“ gestartet. Bevor ich jetzt über die weitere Vorgehensweise berichte, hier noch die einzelnen Komponenten im Detail: Der Rumpf besteht in der getesteten Version aus einem CFK-Rohr aus UMS-CFK-Gelege und einem Rumpfkopf mit Tragflächenauflage, ebenfalls aus CFK-Gewebe. Das Rumpfrohr wird bereits vom Hersteller verklebt angeliefert, sodass hier keine weiteren Arbeiten erforderlich, und auch Fehler bei der EWD-Einstellung ausgeschlossen sind. Das Rumpfrohr hat einen integrierten Pylon für das Höhenleitwerk. In diesen ist eine kleine Aluplatte einlaminiert, in die noch ein Gewinde zum Festschrauben des Höhenleitwerks geschnitten werden muss. Das Seitenleitwerk war in meinem Fall bereits mit dem Rumpfrohr verklebt. Es ist mit einer an der Nasenleiste in der Form mitlaminierten CFK-Aufnahme zum Verkleben des Leitwerks versehen, sodass hier Klebefehler ausgeschlossen werden können. Die Tragflächenbefestigung ist bereits komplett, der Flügel kann sofort aufgeschraubt werden. Im Rumpfkopf werden noch zwei Servos für Höhen- und Seitenruder benötigt. In meinem Fall kam ein „C-261“ von Graupner für das Höhen- und ein „D-47“ von Dymond/Staufenbiel für das Seitenruder zum Einsatz. Die Anlenkung erfolgt mit in F3K-Modellen üblichen Seilzügen mit Torsionsfedern als Gegenzug. Mit dem Einbau eines 400-mAh-Akkus und dem Empfänger sind die Arbeiten am „Stobel“-Rumpf auch schon abgeschlossen. Die RC-Anlage wird mit einem Aufsteckkonus aus CFK, der mit demselben Gelege wie an der D-Box der Tragfläche gemacht wurde, verdeckt. Dieses Gewebe ist der Eyecatcher an diesem Modell. Die Leitwerke sind aus einem speziell geschäumten Styroporkern und GFK-Gewebe aufgebaut. Unidirektionales CFK-Gelege kommt als Holm zum Einsatz. Hier sind nur noch die Ruderhörner (bereits vorgefräste GFK-Teile) einzukleben sowie die Torsionsfedern einzubauen. In den doch etwas weicheren Styroporkernen empfiehlt es sich, für die Federn als Lager kurze Abschnitte aus Bowdenzugröhrchen einzusetzen. Mit etwas 5-Min.-Epoxy eingeklebt, wird verhindert, dass sich die Enden der Stahldrahtfedern ihren Weg durch den Kern und das Gewebematerial suchen. Optional sind die Leitwerke auch mit einer Außenhaut aus 28-g/qm-Kevlarge-webe erhältlich. Ob man dies benötigt, kann nur der Kunde für sich entscheiden. Für die Tragflächen hat man die Wahl aus verschiedenen Versionen, die sich im Aufbau unterscheiden: Von der normalen Disserfläche, über die Kombination mit einer D-Box bis hin zur Vollkohlefläche ist alles bestellbar. Auch die Farben für die Dekorstreifen kann der Kunde frei festlegen. Die Profilierung des „Stobel“ weicht ein wenig vom üblichen Standard ab. Es kommt ein etwas dickeres und höher gewölbtes Profil zum Einsatz. Nach Informationen der Jungs von LE-Composites ist das Profil in Zusammenarbeit mit einem bekannten Freiflugexperten entstanden, wobei hier großer Wert auf leichtes Handling und optimiertes Sinken gelegt wurde. Bei jedem gewählten Tragflächenaufbau kommt Rohacell als Sandwichmaterial zum Einsatz. Mit einer Dicke von etwa 0,8 mm, in Verbindung mit dem Gewebeaufbau und dem Disser-CFK wird bereits mit der Glasfläche ein extrem torsionsfester Flügel erreicht. Die Querruder sind bereits ausgeschnitten, angeschlagen und mit einer Spaltabdeckung versehen. Die Querruderservos werden in jedem Fall im Flügel verbaut. Als Option kann man bereits herstellerseitig eine RDS-Anlenkung der Querruder ordern. Dabei werden die Querruder ohne sichtbare Anlenkung angesteuert. Aerodynamisch ist das optimale Lösung, da hierbei nichts aus dem Profil hervorsteht und die vorbeiströmende Luft durch nichts gestört wird. Die Anlenkung einschließlich der Servos wird also beim Bau vor Verkleben der Unter- mit der Oberschale eingebracht. Nachträglich ist das nur mit hohem Aufwand zu realisieren und man muss die Flügelschale zum Verbau der Servos und Anlenkungsteilen in jedem Fall öffnen. Bei bestelltem RDS ist dies nur bei einem eventuellen Schaden am Servo zu tun. Der Einbau des Wurfgriffs – einem in Formen laminierten CFK Teil – das zudem gut in den Händen liegt, schließt die Endmontage der Tragfläche ab. Die von mir georderte Fläche war bereits mit RDS und einer D-Box und dem Dissergelege ausgerüstet. Das Gewicht von 146 g für den kompletten Flügel überraschte mich wirklich, zumal ich ein Teil in den Händen hielt, das es in Punkto Torsionsfestigkeit mit meinen Vollkohleflächen mit „selbstgezupftem“ 44-g/qm-CFK-Gewebe absolut aufnehmen konnte. Zum Vergleich: Tragflächen aus meinen eigenen Formen wiegen mit diesem Gewebe und Balsa als Stützstoff so um die 135 g – ohne Servos! Hier haben Thomas Ehrentraut und Matthias Loth absolute Toparbeit abgeliefert. Komplett ausgerüstet bringt der „Stobel“ 251 g Abfluggewicht auf die Waage. In Verbindung mit dem auf Sinkleistung optimierten Profil zeichnet sich ein Top-Floater ab. Die Einstellwerte waren schnell programmiert, der Schwerpunkt konnte ohne zusätzliches Trimm?blei eingestellt werden. Und schon ging es umgehend auf den Flugplatz. Wenn alle Ruder im Strak sind, ist vorab keine Trimmkorrektur erforderlich. Denn die EWD wurde bei allen Anformungen für Tragfläche und Leitwerke bereits exakt eingestellt. Nachdem aus meiner Sicht sichergestellt war, dass auch die Höhentrimmung passt und der „Stobel“ ohne Korrektur geradeaus fliegt, kamen die ersten Schleuderstarts an die Reihe. Wie bei jedem neuen Modell werden die ersten Würfe nur mit halber Kraft durchgeführt. Dies geschieht zum einen, um für den Start notwendige Tiefenruderbeimischungen abzustimmen und zum anderen, um ein Gefühl für die Position des Wurfgriffs und dem damit verbundenen „aus der Hand gehen“ des Modells zu bekommen. Schnell konnte ich feststellen, dass hier alles zu meiner Zufriedenheit stimmte. Es folgten jetzt Starts, die mit Anlauf und vollem Krafteinsatz durchgeführt wurden. Die Höhen waren im Vergleich zu meinem eigenen Modell, bedingt durch das etwas anders ausgelegte Profil, gemessene drei bis vier Meter weniger. Doch die Abgleitzeiten in ruhiger Luft wussten auf Anhieb zu überzeugen. Der „Stobel“ lässt sich wunderbar langsam fliegen. Mit den Wölbklappen auf Thermikstellung ist man auf dem Weg zum optimalen Sinken. Ein Strömungsabriss ist nur mit Gewalt zu provozieren und unterstreicht die Gutmütigkeit. Dieser Umstand ermöglicht es auch, in schwacher Thermik in niedriger Höhe eng zu kreisen und hier das Zentrum des sich entwickelnden Thermikbarts zu finden und zu nutzen. Diese Eigenschaft hat mir im Laufe der diesjährigen F3K-Wettbewerbssaison manche 1.000-er Wertung gerettet. Ich bin von diesen Eigenschaften mittlerweile so überzeugt, dass der „Stobel“ mein Wettbewerbsmodell für die ruhigen Bedingungen ist. Wegen des geringen Gewichts ist klar, dass man bei turbulenten oder windigen Bedingungen entweder den „Stobel“ in der Kiste lassen sollte oder auch hier entsprechend ballastieren muss. Vorschläge zur Realisierung findet man auf der Homepage von LE-Composites. Festigkeitsmäßig gibt es keine Bedenken. In einem Telefonat mit Thomas Ehrentraut erfuhr ich, dass er hier eine entsprechende Möglichkeit vorgesehen hat und somit auch auf diese Bedingungen reagieren kann. Bei mir wird der „Stobel“ wie bereits erwähnt, ausschließlich als Floater eingesetzt und somit ist zumindest aktuell kein Ballast vorgesehen. Doch das lässt sich ja auch noch im Lauf des nächsten Winters erledigen. Mit dem „Stobel“ bekommt man ein Spitzen-Wettbewerbsmodell, das zum einen durch eine spezielle Optik besticht und durch die Bauweise in jeder Hinsicht zu überzeugen weiß. Unproblematische Flugeigenschaf-ten schnüren damit ein Paket, das trotz des hohen Paketpreises in Zusammenhang mit der RDS-Option zu überzeugen weiß. Man darf gespannt sein, wie LE-Composites sich für die Zukunft rüsten wird.

Alexander Wunschheim

    


Münchener Testtage: vorne der „Osiris“ (vgl. Bericht in diesem Heft), der Steigeisen (vgl. AUFWIND 6/2008) und der „Stobel“.


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Die „Stobel“-Tragfläche. Gut erkennbar ist der Aufbau mit Rohacell, Disser-CFK-Einlagen und Spread Tow CFK Gelege.


Die Kleinteile des „Stobel“ auf einen Blick: Anlenkung, Federdraht und Wurfpin.



Der Leitwerksbereich. Gut erkennbar ist der Pylon für das Höhenleitwerk.

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Der Höhenleitwerkspylon wurde in der Form mit laminiert.

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Der Rumpfvorderbereich mit dem Nasenkonus. Hier ist wiederum das Spread Tow Gelege im Einsatz.


Der Blick von unten gegen das Licht zeigt die Details, Dissereinlagen, RDS Anlenkung für die Querruder, Wölbklappen

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Das 80-g/qm-„Spread Tow IMS“-Gelege kommt hier für die D-Box zum Einsatz.

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Zum DLG-Start kann der „Stobel“ voll durchgezogen werden.

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Fakten

„Stobel“ von LE-Composites
Ein Hochleistungs-DLG in moderner Bauweise

Spannweite:         1.495 mm
Rumpflänge:         1.032 mm
Profilierung:       LE-8521, LE-7520, LE-5519
Flächeninhalt:      22,8 qdm
Fluggewicht:        251 g
Preis: ab 450,- Euro

Bezug bei LE-Composites
Tel. 06400/988443
www.le-composites.de

 

 



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