In between? Ja genau das – der „Super Fips“ liegt in seiner Dimensionierung genau zwischen dem alten HLG- und dem F3J-Klassement. So sind nicht nur die Abmessungen zwischen den beiden Klassen angesiedelt, sondern auch die Flugleistungen. Und das Design unterstützt nicht nur die Optik, sondern optimiert auch die Flugleistungen – wie zum Beispiel die mehrfarbige Folienbespannung mit Oralight und die sichelförmig geschwungenen Randbögen.

Die meisten Bauteile sind im Lieferumfang fertig. Die dreifarbig bespannten Flächen mit ihren markanten Winglets sind die wohl auffälligsten Teile. Die Besonderheit ist aber, dass es sich nicht um klassische Holztragflächen handelt, sondern um einen in Formen gebauten und eingefärbten GFK/
CFK-Flügel mit einer D-Box. Lediglich die Rippen und die Ruderflächen sind in Balsa ausgeführt. Bis auf die Anlenkungen und Abdeckungen ist alles komplett. Gleiches gilt für das V-Leitwerk, das noch ein paar Tropfen Sekundenkleber benötigt, damit die beiden Hälften in einem 110-Grad-Winkel verklebt sind. Bei dem Rumpf ist schon die Rumpfkeule mit der Angelrute als Heckausleger verharzt. Und die Schlitze für das V-Leitwerk sind ebenfalls herausgefräst.

Als Restarbeit am Rumpf bleibt noch der Einbau der Servobefestigung und des Hochstarthakens, wenn man einmal vom Einkleben des Leitwerks absieht. Für die Verriegelung der Kabinenhaube ist noch ein Draht einzukleben und eine Schraube anzubringen.


Beim Blick unter die Tragfläche sieht man, wie die Servoabdeckungen nur mit Klebefilm befestigt sind. Der Gestängeanschluss am Ruderhorn entstammt nicht dem Zubehörbeutel


Noch etwas zum RC-Einbau: Man sollte bedenken, dass im „Super Fips“ sechs Servos arbeiten, der Empfänger über entsprechende Anschlusssteckplätze verfügen muss. Je nach verwendetem Empfänger sollte man den Empfängereinschub vor dem Verkleben der Servobefestigung überprüfen. Ich konnte meinen zwar betagten aber durchaus bewährten „C16“-Empfänger von Graupner zwischen den Rumpfservos und der Sperrholztraverse für die Flächenbefestigung unterbringen. Mit einem 600-mAh-Akku in der Rumpfnase stimmt dann auch schon fast der Schwerpunkt. Passen in den Rumpf noch Servos von der Größe eines „HS-81“ von Hitec/Multiplex, so müssen es in den Tragflächen etwas schlankere sein, mit einer Dicke von max. 10-11 mm. Auch hier folgt man am besten der Bauanleitung und befestigt die Servos in den mitgelieferten ABS-Verkleidungen.

Der restliche Zeitaufwand bis zum Erstflug erfordert keinen Kleber oder Schraubenzieher mehr, sondern ist vielmehr eine „Klavierstunde“ auf den Tasten des Senders bei der Menüeingabe.


Unter der Kabinenhaube im Rumpfbug ist genügend Platz für die RC-Anlage. Selbst große Empfänger können in diesem Modell noch eingesetzt werden


Die Einbauschlitze für das V-Leitwerk sind bereits ausgefräst und die Bowdenzüge sind eingeklebt

Ist der „Super Fips“ von den Flugleistungen als Anfängermodell geeignet, so erfordert doch die Konfiguration des Senders für dieses Modell etwas Programmiervielfalt. Besitzer von „einfachen“ Fernsteuerungsanlagen müssen dennoch nicht auf die guten Flugleistungen des „Super Fips“ verzichten, denn er wird auch nur mit Querrudern geliefert.

An meiner MC-20 wählte ich im Menü die 58 mit dem Programmunterpunkt 7 auf. Hier wird die Gesamtkonfiguration für einen F3B-Segler mit vier Servos in den Flächen angeboten. Die Einstellwerte sind in der Bauanleitung des „Super Fips“ für jedes Ruder und jede Richtung präzise angegeben. Mischanteile können dann nach eigenem Geschmack und Systemfähigkeit sowie der fliegerischen Erfahrung dosiert werden. Wer allerdings zum ersten Mal vor einer solchen Aufgabe steht, sollte erfahrenen Beistand zurate ziehen. Somit ist dieses Modell nicht nur von den fliegerischen Ansprüchen, sondern auch von der technischen Seite der Programmierung her die ideale Vorstufe zu einem F3B- oder F3J-Modell. Nicht nur aus diesem Blickwinkel ist der „Super Fips“ für die fortgeschrittene Jugendförderung, auch unter Berücksichtigung des Anschaffungspreises, empfehlenswert.

Kommen wir zu den Flugleistungen: Ich bin nicht enttäuscht worden! Meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Mit vorgegebenem Schwerpunkt wurde der erste Gleit- und Trimmflug am windstillen Haushang ausgeführt. Beim nächsten Start hatte ich dann satt Schwung aufgenommen und den „Super Fips“ in die Kurve gelegt. Kein Abschmieren, wenn genügend mit dem Höhenruder abgestützt wird. Waren es am Anfang etwa drei bis vier Vollkreise, so konnte ich mit etwas mehr schweißtreibendem Eifer und etwas Thermikausnutzung bei der Windstille die Rundenzahl nahezu verdoppeln. So blieb mir ein Hochstart nicht erspart: Ein 10-mm-Naturschlauch zog den Super Fips kraftvoll auf Höhe. Kurz vor dem Ausklinken schon zog die Thermik nach oben und mit einem kleinen „Nicker“ ging es dann direkt in den Fahrstuhl. Enges Zirkeln über den Sichelspitzen gehört zur Kür des Modells.


Bis auf die bereits zusammengeklebten Leitwerkshälften entspricht diese Darstellung dem Lieferzustand des Modells

Ein Garant für diese guten Flugleistungen ist natürlich auch das verwendete MH-32-Profil, dessen Leistungen mit den kombinierten Wölbklappen optimal an die aktuelle Wettersituation angepasst werden können. Entweder etwas Ausschlag nach unten, um auf Schrittgeschwindigkeit zu reduzieren, was in engen Bärten hilfreich ist, oder aber dezent nach oben, um die Marschgeschwindigkeit zu forcieren, was das Durchqueren von Abwindfeldern und die Fortbewegung bei einer auflebenden Brise erleichtert. Die Bremse gezogen, also Wölbklappen nach unten und die Querruder nach oben, nimmt der „Super Fips“ die Nase nach oben. Hier muss ein Erfahrungswert erflogen werden, wie viel Tiefenruder beigemischt werden muss. Die Wirkung dieser Bremsfunktion ist jedoch meines Erachtens nur mäßig, zumindest wurde ich nicht durch rasante Sinkraten überrascht.
Für wen der „Super Fips“ geeignet ist, habe ich zu Beginn schon angesprochen, würde nun aber noch weitergehen: Der „Super Fips“ ist, wenn er weich eingestellt ist, sogar für den absoluten Neueinsteiger als Erstmodell geeignet. Dieser sollte aber in jedem Fall zum Einstellen des Modells Rat von routinierten Modellfliegern holen, damit sich ein ungetrübtes Erfolgserlebnis einstellt.
Der „Super Fips“ ist ein in jeder Hinsicht gelungenes, ansprechendes und über Wert fliegendes Modell.
Uwe Miram


Das Markenzeichen des „Super Fips“ sind die geschwungenen Winglets

Der „Super Fips“ in seinem Element.
Mit dem möchte man auch noch nach Sonnenuntergang fliegen


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