TEST

Der „Entschleuniger“

„Thermik-Excel“ von Simprop

 

Simprops „Excel“-Familie hat wieder einmal Zuwachs bekommen und kann nun schon das zehnte Mitglied in der Familie willkommen heißen. Waren die bisher erschienenen Modelle dieser „Sippe“ überwiegend Allrounder, die auch stets die etwas flottere Gangart mit Kunstflugeinlagen gut beherrschten, lässt die Namensgebung des neuen Sprösslings vermuten, dass es sich um einen Spezialisten handeln muss. Doch wie passt das neue Modell in den Rest der „Excel“-Familie? Um es vorwegzunehmen: der „Thermik-Excel“ reiht sich nahtlos in die Geschichte seiner Vorgänger ein und macht der Verwandtschaft – wie nicht anders zu erwarten – keine Schande.
     Über die Verpackung des Thermik-Excel brauchen wir nicht lange zu reden: Im Karton ist alles gut verpackt und fixiert, sodass man sich vor dem ruppigen Kurierfahrer nicht fürchten muss. Aus dem Karton heraus lässt sich das Modell bereits zusammenstecken und man sieht und fühlt bereits die hochwertige Verarbeitung. Tragfläche und Leitwerk sind oben weiß und unten transparent in Blau und Rot sauber bebügelt. Der Rumpf macht einen sehr stabilen Eindruck und ist weitgehend frei von Lunkern. An den entscheidenden Stellen (Kabinenhaubenausschnitt bis hinter die Tragflächenöffnung) ist er mit CFK-Bändern verstärkt. Die ARF-Ausführung ist mit hochwertigem Zubehör ausgestattet und die reich bebilderte Bauanleitung mit den zahlreichen Skizzen vom Modell lässt keine Fragen offen und hebt sich wohlwollend von der breiten Masse ab. Hier hat Simprop ein überzeugendes Qualitätsniveau erreicht, das man gerne auch bei anderen Herstellern sehen würde.

Die Gewichte im Überblick:
Rumpf: 235 g
V-Leitwerk: 44 g
Tragfläche links: 196 g
Tragfläche rechts: 193 g
Kabinenhaube: 15 g
Kleinteile: 21 g

An RC-Ausrüstung habe ich mir für die Tragflächen Hitec-Servos „HS-85BB“ und für den Rumpf „HS-225BB“ besorgt. Das ist sicher das Maximale was eingebaut werden kann. Ein noch vorhandener Schul- ze-Empfänger „Alpha 835W“ übernimmt den Empfang. Auf einen Empfängerakku kann bei vier Servos getrost verzichtet werden. Das getaktete BEC des Reglers versorgt bis zu sechs Servos.
     Als Antrieb habe ich mich für einen Hacker-Innenläufer „B40-16L2“ mit 4,4:1-Getriebe entschieden. Vorgabe war, den bereits vorhandenen 4s-LiPo Kokam 1800 mAh H5 zu verwenden. Der Motor von Hacker deckt dabei einen sehr breiten Anwendungsbereich ab und ermöglicht, selbst mit vier Zellen noch große und entsprechend langsam drehende Luftschrauben zu montieren. Der ganze Antrieb wurde auf effizientes Steigen und nicht auf maximale Steigleistung ausgelegt, was im Übrigen zum „Thermik-Excel“ auch gar nicht passen würde. Ein „Hacker Master 55-SB Basic“ übernimmt das Motormanagement.

     Die Fertigstellung des Modells begann mit den Tragflächen. Das Einziehen der Servokabel gestaltete sich denkbar einfach, da in den Flächen bereits Bindfäden an entsprechender Stelle eingezogen und an den Enden gut fixiert waren. Auf die mitgelieferte Servohalteplatte (ABS-Kunststoffteil) und die vorgeschlagene Fixierung mit „Tesa Power-Strip“ habe ich ver- zichtet und stattdessen als Unterlage etwas Sperrholz eingeklebt und die Servos darauf mit Heißkleber befestigt. Die in der Anleitung vorgeschlagenen Hebellängen der Anlenkung passen sehr gut und vermeiden zeitraubendes Ausprobieren. Den nun folgenden Arbeitsgang verdankt der „Thermik-Excel“ seiner Kompatibilität zum „Excel Competition 3“: Beide Modelle teilen sich einen Rumpf. Damit die „Thermik-Excel“-Tragfläche auf diesen passt, musste auf der Unterseite der Tragfläche die mitgelieferte Distanz-Flächenauflage mit Kontaktkleber befestigt werden. Das liest sich schlimmer als es ist und funk­tioniert wunderbar.
     Das Leitwerk des „Thermik-Excel“ ist größer als das des „Excel Competition“ und verspricht dadurch schon bei niedrigen Geschwindigkeiten eine noch bessere Steuerfolgsamkeit. Eine gefräste Profilgrundplatte fixiert das Leitwerk sicher in seiner Position und wird durch eine Schraube festgeklemmt. Auch hier keine Experimente, denn diese Lösung hat sich schon bei den Brüdern bewährt und gestattet eine schnelle Montage des Leitwerks.
     Der Motorspant ist bereits in den Rumpf geharzt, sodass ich gleich mit dem Motoreinbau beginnen konnte. In der Anleitung sind Bohrschablonen für die empfohlenen Simprop-Antriebsvarianten abgedruckt. Also: ausschneiden, aufkleben, bohren – schon hat der Motor einen festen Sitz. Verwendet man einen anderen Motor, so ist auch eine eigene Bohrschablone rasch selbst erstellt, sodass auch hier der Motoreinbau leicht von der Hand geht. Der aufwändigste Arbeitsschritt beim Ausbau des Rumpfes ist das Zusammenbauen und Einpassen der Akku- und RC-Rutsche. Dazu wird aus den Einzelteilen die Aufnahme für die Akkurutsche erstellt und in den Rumpf geharzt. Das Gegenlager zur Akkurutsche ist somit komplett und die Akku- rutsche kann nun angefertigt werden. Auf ihr finden (von hinten nach vorne) der Empfänger, die beiden Servos, und natürlich der Antriebsakku Platz. Vom Sinn dieser Konstruktion bin ich nicht so ganz überzeugt, denn wenn der Akku verschoben wird, muss man die Anlenkung zu den Rudern anpassen, was sich aus dem unvermeidlichen Mitverschieben der Servos zwangsläufig ergibt. Eine getrennte Akkurutsche und Servobefestigung wäre wünschenswert und würde kaum großen Mehraufwand bedeuten. Nun gut, es funktioniert auch so: Akkurutsche einmal fixieren und den Akku auf der Rutsche verschieben. Gesichert wird er mit Klettband. Auf der Höhe der Servos habe ich die Rutsche durch eine kleine Schraube von der Rumpfunterseite her fixiert und zusätzlich auf der Außenseite der Servos, zum Rumpf hin, mit Balsa aufgefüttert. Dieser Bereich hatte vorher doch zu viel Bewegungsfreiheit – das muss nicht sein. Nun sitzt alles fest. Als Letztes wurde der Dekorbogen ausgeschnitten und auf die Oberseite der Tragflächen und Leitwerke aufgebracht. Damit erhält der „Thermik-Excel“ sein typisches Gesicht und einen hohen Wiedererkennungswert. Jetzt noch die Ruderausschläge und den Schwerpunkt gemäß der Anleitung einstellen: Der Schwerpunkt beträgt 77 Millimeter und liegt damit an der hinteren Grenze der Vorgaben. Der Antriebsakku muss hierzu recht weit nach hinten, bis kurz vor den Anschlag, wandern.
     Der „Thermik-Excel“ war nun startbereit für den Erstflug und kam auf ein Abfluggewicht von 1.509 Gramm. Damit ergab sich eine Flächenbelastung von 31 g/qdm; ein Wert, der – verglichen mit den Angaben in der Anleitung – im oberen Bereich liegt. Durch kleinere Servos und einen leichteren Antriebsstrang hätte man allerdings noch etwas Gewicht einsparen können.
     Dass der „Thermik-Excel“ nach der Freigabe zügig nach oben steigt, darf bei einer Eingangsleistung von circa 260 Watt (entspricht 170 W/kg) durchaus erwartet werden. Dennoch hätte ich einen etwas flacheren Steigflug erwartet. Nach etwa zehn Sekunden befand sich der „Thermik-Excel“ in sicherer Höhe und der Motor wurde ausgeschaltet. Sofort ging das Modell in einen deutlichen Sinkflug über und drehte leicht nach rechts weg. Einige Zacken auf Höhe und Quer getrimmt und der Gleitflug passte fürs Erste. Nach der Landung wurde die Tiefenzumischung zum Motor und zur Landehilfe (hochgestellte Querruder) noch etwas erhöht.
     Bei den folgenden Flügen habe ich die Trimmung des Höhenruders weiter erhöht, da mir der Flieger immer noch etwas flott unterwegs war. Bitte nicht falsch verstehen, er ist schon recht langsam unterwegs, aber ich hatte das Gefühl, da müsste noch mehr gehen. Nachdem das Höhenruder nun einige Millimeter auf Höhe getrimmt war, begann ich den Schwerpunkt Stück für Stück zurückzunehmen. Aber nur ganz allmählich konnte ich das Ruder neutraler stellen. Nach vielen Flügen hat sich ein Schwerpunkt von 81 Millimetern (selbst bei 85 Millimetern ist das Modell noch ohne Probleme zu fliegen) für mich als am angenehmsten herausgestellt. Das Höhenruder bildet auf der Oberseite eine gerade Linie, ist also immer noch leicht auf hoch getrimmt. Damit kreist der „Thermik-Excel“ ganz wunderbar und lässt sich auch schön eng einkreisen, ohne viel an Höhe zu verlieren. Die Gleit- und Thermikleistung ist mit dem gewählten Schwerpunkt wirklich sehr gut und kommt einem F3J-Modell schon recht nahe, wenn gleich dieser Vergleich schon allein von der Kostenseite her hinkt. Kunstflug geht auch, schaut aber eher ungelenk aus. Die Rollen werden sehr fassartig und es braucht schon ordentlich Fahrtüberschuss, um nicht viel Höhe zu verlieren, beziehungsweise in der Rolle zu verhungern. Loopings hingegen gelingen sehr gut und können auch recht eng geflogen werden. Rückenflug geht auch, allerdings sollte man sich in ausreichender Höhe zum Umdrehen in den Normalflug entschließen (halbe Rolle).


 


Einfach nur fliegen gehen! Der „Thermik-Excel“ bietet dazu die besten Voraussetzungen.


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Aus dem Karton heraus lässt sich das Modell zusammenstecken. Man sieht und fühlt bereits die hochwertige Verarbeitung.


Der Antrieb von Hacker stellt rund 170 Watt pro Kilogramm zur Verfügung.


Die Präzision steckt im Detail. Hier die Rumpfausformungen für die Aufnahme der Ruderanlenkungen am V-Leitwerk.

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Elektrosegler dieser Größenklasse erfreuen sich ständiger Beliebtheit.

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Der „Thermik-Excel“ macht bei konstanten Bedingungen eine gute Figur und ist bis Windstärke 3, maximal 4 einsetzbar.

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Die Antriebsdaten wurden mit dem „UniLog“ erfasst. Antrieb und Modell passen perfekt zusammen.

Fakten

„Thermik-Excel“ von Simprop
Ein ARF-Elektro-Segelflugmodell

Spannweite: 2.318 mm
Tragflügelprofil: HN-1033 mod.
Fluggewicht: 1.509 g
Flächeninhalt: 42,9 qdm
Flächenbelastung: 35,17 g/qdm
Motor: Hacker B40-16L 4,4:1
Regler: Hacker Master Basic 55SB
Flugakku: 4s-LiPo Kokam 1800 H5
Luftschraube: Aeronaut CAM 15x8
Standstrom: 21 A
Strom im Flug: 18 A
Steigleistung: 8,5 m/s
Preis: ???,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.simprop.de

 

 

Überhaupt ist der „Thermik-Excel“ mehr als ausreichend stabil und nimmt es auch nicht übel, wenn man ihn mal aus einiger Höhe runterdrückt. Am wohlsten fühlt sich das Modell ganz eindeutig in ruhiger Luft. Dann kann es seine Stärken voll ausspielen und klebt förmlich am Himmel. Simprop bewirbt das Modell ja vollmundig als Modell, das „Flugvergnügen am Samstag und Sonntag ohne nachzuladen“ bietet. Ich kann durchaus bestätigen, dass ich mit wenigen Modellen mit einer Akkuladung länger oben geblieben bin, als mit dem „Thermik-Excel“ – trotzdem sollte man doch die Kirche im Dorf lassen. In der Abbildung rechts ist der Log eines durchschnittlichen Fluges, wie ich bereits viele in dieser Saison hatte. Flugzeiten von 50 Minuten sind ohne Thermikeinfluss mit dem 4s-LiPo 1.800 mAh wirklich ohne Anstrengung machbar. Der Hacker-Antrieb genehmigt sich dabei nur circa 18 Ampere im Steigflug und zieht das Modell mit 8,5 Metern pro Sekunde sicher und zügig in die Höhe. Die Motorlaufzeit habe ich per Timer auf vier Minuten begrenzt, sodass noch ausreichend Reservekapazität im Akku verbleibt; in der Regel werden dann etwa 1.200 mAh nachgeladen. Damit er- geben sich circa zehn Steigflüge auf jeweils rund 150 Meter. Auch am Hang macht der „Thermik-Excel“ bei konstanten Bedingungen eine gute Figur und ist bis Windstärke 3, maximal 4 einsetzbar. Erstaunlich, wie gut das Modell trotz seiner hohen V-Form noch gegen den Wind ankommt. Die Grenzen zeigen sich wenn Böen ins Spiel kommen, dann dauert es schon sehr lange, bis das Modell auf den vollen Querruderausschlag reagiert. Dies kann insbesondere bei der Landung zu nicht ganz unkritischen Situationen führen. Aber dies sind Grenzbedingungen, für die es wahrlich bessere Modelle gibt, was nicht heißt, dass hier der „Thermik-Excel“ am Boden bleiben müsste. Nach mehreren Monaten Flugpraxis zeigte sich, dass der „Thermik-Excel“ für mich zum meist geflogenen Modell wurde. Inzwischen hatten sich auf der Oberseite der Tagflächen einige Falten gebildet, die sich aber dank der wirklich guten Folie mit dem Heißluftfön ohne Probleme beseitigen ließen. Durch seine Kompaktheit und Abmessungen ist das Modell nahezu bei jedem Flugtag mit dabei. Es ist schnell aufgebaut und füllt mit 2,3 Metern Spannweite eine Lücke zwischen den zahlreich vorhandenen 2- und 2,5-m-Modellen. Bis jetzt gab es nur selten einen Tag, an dem der „Thermik-Excel“ nicht in die Luft gehen konnte. Sobald das Modell in seinem Element ist und mit den Vögeln um die Wette kreist, fliegt es beinahe wie ein Bussard.

Tobias Schweinfurth
Fotos: Daniel Just, Tobias Schweinfurth



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